Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 39 (23.9.1904)
- Date
- 1904-09-23
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 12 „bie # w^it" Nr. 39 Kuty. Hier konstituierte sich ein Damen verein mit dem Titel „Bnos Zion\ Der Verein hat zur Tendenz: Die Verbreitung des Zionismus unter den hierortigen Damen, Pflege der jüdischen Wissenschaft und Literatur und der Geselligkeit. Als temporäre Leiterin bis zu der Ausschusswahi fungiert Frau Toni Schattner. Am Neujahrsfest© hielt der hiesige Oberrabbiner Ch. Gelerntner, der Vertreter Galiziens im Misrachi, im Bethause des Vereines „Ziona eine glänzende Predigt, in der er mit rührenden Worten des im vergangenen Jahre erlittenen unersetzlichen Verlustes unseres unvergesslichen Herzl gedachte. Am Schlüsse seiner geistreichen und tieferschütternden Ausfuhrungen gelangte er zu dem Wunsche: Die Erlösung der Juden aus dem Golus möge baldigst erfolgen. J. P. Nederland. Am 17. August d. J. fand auf Anregung der Propagandagkomm, des N. Z. B. unter Vorsitz des Herrn Dr. M. Wolff in Zandvoort eine zion. Versammlung statt, zu welcher sämtliche Kurgäste eingeladen waren. Vor dem ziemlich grossen Publikum beleuchtete Herr Dr. jur. Is. Hen den Zionismus. Redner wies auf die traurige Lage des jüdischen Volkes hin und setzte in einer weitläufigen Rede auseinander, dass es unsere Pflicht sei, uns wieder jenen Platz zu erobern, welchen uns, den Nachkommen einer grossen Nation, unter den Völkern gebührt . Nach Beendigung der Rede entspann sich eine angeregte Debatte über die Frage, welche Pflichten der niederländische Jude Niederland gegenüber habe, und ganz überflüssiger Weise eine Diskussion darüber, ob der Zionist guter Staatsbürger sein könne. New Orleans. Der Verein „Ohawei Zion* von New Orleans gründete eine freie Lesehalle und eine öffentliche Bibliothek, die den Namen „Dr. Herzl8 tragen wird. Diese Bibliothek dient zugleich als ein jüdischer Klub und als ein Ort für geistige Veranstaltungen der Zionisten. Wynberg. Die wackere „Zionist Association" hielt am 21. August ihre Generalversammlung ab, wobei der Einlauf an Schkolim mit K 438 deklariert wurde. Die allgemeine Geldkrise machte sich auch bei den Agitationsarbeiten des Vereines fühlbar, doch hofft man zuversichtlich auf einen baldigen starken Aufschwung, der noch viel weiter führt, als das bisher Erreichte. Neu gewählt wurden: Die Herren Rudolf Hirsch, Präsident; Max Rattner, Vizepräsident; L. Lurie, Kassier; Ch. Levinsohn, Sekretär; L. Morris, Sekretär; ins Komitee: Miss Dora Kirkell, Miss Dora Kaplan, Mr. M. Simmons, M. Levin, C. Vovef, L. Sehwlasky, L. Vickar, H. Speiro, S. Kaplan. J. Levitas. Aus dem Bericht ersieht man, welche rege Tätigkeit unsere Gesinnungsgenossen in Südafrika entwickeln, wie aufrichtig ihre Begeisterung für die zionistische Idee sei. Eine zionistische Bibliothek wurde gegründet, Abende veranstaltet zu Gunsten des Nationalfonds, kurz, die Tätigkeit des Wynberger Vereines ist sehr befriedigend. Personalnachricht. Die Tochter unseres Gg. Herrn Julius Bondy, k. k. Hauptmann a. D. und Fabriksbesitzer in Horowitz, Frl. Ella Bondy, hat sich mit Herrn Karl Münz, Mitchef der Firma Brüder Münz in Horazd'owitz, verlobt. Jüdischer Nationalfonds. Das goldene Buch. Sammlung des Herrn Is. Mau de in Ekaterinoslaw ziir Eintragung des verewigten Dr. Th. Herzl.............Kronen Zionistenverein in Jartzowa (durch Gebr. Urysohn) .............. „ Zionistenverein in Tscheliabinsk (durch Gebr. Urysohn).............. „ Zionistenverein in Kokand (durch Gebrüder Urysohn) zur Eintragung des verew. Dr. Herzl............... Bloemfontein Zionist Association, zur Eintragung des verew. Dr. Th. Herzl. . . Pfd. St. Verein „Erez Israel" in Stanislau......Kronen Verein „B'nei Zion" in Kilia, zur Eintragung d. gew. Obmannes Benj. Amir F. S i 1 b e rmann, gest. 14. Oktober 1903 ..... „ Verein „Zioni* in Klinzi trägt den verew. Dr. Th. Herzl ein........... „ Verein »B'nos Zion" in Klinzi ..... „ Verein „Agudas Hazionim" trägt Herrn Salomon ben Seew W i 1 k ein..... . 252.. 252.— 761.— 50.— 240.— 252.— 504.— 240.— 252.— Grand Gate, Order Knights of Zion Chicago, zur Eintragung der „CongregationOhawe Sholom% Mariampol......... „ Verein „Oihawei Zion" (Misrachi) in Nieswies, zur Eintragung des verew. Doktor Th. H e r z 1............... Vereine „Chanuchei Zion" und „B'noth Zion" in Derezoo, zur Eintragung des verew. Dr. Th. Herzl......... „ Misrachikonferenz in Pressburg, zur Eintragung des verew. Dr. Herzl..... „ Dr. Max Bernhardt, Wien (Sammlung), zur Eintragung des verew. Dr. Th. Herzl................. „ Lazare Lautz in Mülhausen (durch die „Jüdische Rundschau" in Berlin) .... Mark Zur Eintragung Dr. Herzls (durch die „Jüdische Rundschau14 in Berlin) .... „ Zur Eintragung des Herrn Armand Bernheim in Mühlhausen (durch die „Jüdische Rundschau" in Berlin)...... „ Verein „Agudath Ohavei Zion" in Gadiatsch, zur Eintragung Dr. Herzls......Kronen Verein „Dorschei Zion" in Lumby, zur Eintragung des Lewi Jizchok ben Moische Rubinow.............. „ Verein „Schar Jischuw", Smolensk, zur Eintragung des Präsidenten Herrn Awrohom Abe Bar Gerschon Kramnick . . . . Pfd. St. 240.- 252.- 239.20 240.— 246.03 500.— 550.— 205.— 240.— 240.— 10._ We1t-(Sbi'oi)ik. Salomon und die Königin von Saba. Bekanntlich macht die Entdeckung des französischen Journalisten Hugues le Roux, der in einem Kloster in Abessynien eine uralte Handschrift auffand, in der die Geschichte Salomons und der Königin von Saba erzählt wird, grosses Aufsehen sowohl in der gelehrten als auch literarischen Welt Frankreichs. Nun veröffentlicht aber ein französischer Orientalist, Dr. Mardrus, im „Temps" die Uebersetzung einer Legende, welche dieselbe Sage ausführlich behandelt und noch vor der Entdeckung des Herrn Hugues le Roux unter den Arabern Nordafrikas von Mund zu Mund gegangen sein soll. Diese Legende liest sich wie ein Märchen aus Tausend und einer Nacht, farbensprühend, überquellend von Lebensfreude und Sinnlichkeit und ist vor allem dadurch interessant, dass in ihr ziemlich deutlich sich das Herrenbewusstsein des Mohammedaners der Frau gegenüber widerspiegelt. — Eines Tages erfuhr Salomon durch die Winde, die ihm, wie alle Geister und Gewalten der Natur untertänig waren, dass in Saba, im glücklichen Yemen, eine Königin regiere, namens Balkis, weise, jungfräulich und schöner als seine dreihundert Ehe- und siebenhundert Kebsfrauen zusammengenommen. Alsobald beschloss er, nach Yemen aufzubrechen, um diese Königin selbst zu sehen. Auf seiner Reise begleiteten ihn alle Vögel, die ebenfalls seine Untergebenen waren; sie ordneten sich über seinem Haupte zu einer dichtgefügten Masse und gaben ihm so Schatten vor der Glut der Sonne und durch ihre Flügel gleichzeitig frische, kühlende Luft. In der Ebene von Sanah wurde gerastet. Salomon wollte hier seine Gebete verrichten; als er aber vorher die für den Gläubigen vorgeschriebenen Waschungen vorzunehmen sich anschickte, war in der ganzen Umgegend kein Wasser vorhanden. Nun hat unter den Vögeln der Wiedehopf dank seinem scharfen Auge die Gabe, das Wasser zu entdecken, selbst wenn es sich tief unter der Erde befindet. Salomon befahl daher, ihn vor sein Antlitz zu bringen, allein der Wiedehopf war nicht aufzufinden. Darüber geriet Salomon in Zorn und schwor, den Pflichtvergessenen töten zu lassen, wenn er nicht bei seiner Rückkehr eine genügende Entschuldigung vorzubringen vermöchte. Aber der Wiedehopf hatte diese Entschuldigung. Als er vor seinem' Meister erschien, berichtete er diesem, dass er in Saba die Königin Balkis gesehen habe, deren Schönheit ihn so geblendet, dass er ganz die Zeit vergass und sich verspätete. Salomon erkannte diesen Grund als ausreichend an und versprach dem Wiedehopf Verzeihung, wenn sich die Wahrheit seiner Worte bestätigen sollte. Er schrieb daher sogleich einen Brief an die Königin, in dem er ihr befahl, vor ihm zu erscheinen. Dieses Schreiben, das mit dem furchtbaren Siegel Salomons geschlossen war, sollte der Wiedehopf der Königin Balkis unvermerkt zustellen und sich dann als Beobachter in ihrer Nähe halten. Der getreue Vogel führte seinen Auftrag glücklich aus. Er traf die Fürstin in dem letzten ihrer sieben Zimmer, zu denen sie allein die Schlüssel hatte, schlafend, legte den Brief auf ihre Brust und verbarg sich dann, in einem kleinen Fenster, wo ihn niemand bemerkte. Als Balkis er-