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Die Welt · 1904-09-23 · 39 (23.9.1904) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
39 (23.9.1904)
Date
1904-09-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 39 „bie & W^lt Seite 3 und hat sieh als mangelhaft erwiesen. Zwischen Kolonien unter launischer Herrschaft und einiger Selbstverwaltung in Ostafrika unter britischer Flagge würde kein vernünftiger Mann in der Wahl zögern. Betteln in Palästina ist noch keine Politik und man kann es nicht stark genug betonen, dass die Politik der Odem unseres Lebens ist. „Eine öffentlich rechtlich gesicherte Heimstätte" ist der Angelpunkt des Baseler Programms, als dessen eifrige Anhänger sich diejenigen erklären, die jetzt lür eine private,illegale, nicht anerkannte Wohnstätte, aus der sie in einer Woche ausgewiesen werden können, zu arbeiten bereit sind, wenn sie nur in Palästina ist. Ich hoffe allen Ernstes, dass der nächste Kongress imstande sein wird, aus den Daten, welche die Ostafrikakommission bringen wird, ersehen zu können, ob das uns angebotene Land für uns passe und ob wir die zur Bebauung des Landes nötige Arbeitskraft haben. Bevor wir diese Daten nicht vor uns haben, können wir uns über diesen Punkt nicht äussern; manche scheinen indessen diese Unmöglichkeit in einem gewissen Masse überwunden zu habendi fj Ich fürchte trotzdem sehr, dass dank unserem eigenen Zögern, das teilweise durch die Krankheit und den Tod unseres grossen Führers verursacht wurde, eine goldene Gelegenheit uns entschlüpfte und wir deshalb jetzt wie bisher vor der verschlossenen Türe Palästinas stehen. Ich weiss nicht, welch ein eigentümlicher Reiz in der Betrachtung einer geschlossenen Türe liegt. Wir alle können hoffen, dass das neue Jahr mehr Licht auf unsere Wege und Segen unserem Werke bringen wird und dass der Tag der Versöhnung uns auch zur Versöhnung führen wird» Obwohl der Zionismus bloss eine politische Bewegung ist, sind die Zionisten selbst nicht von den üblichen moralischen und religiösen Betrachtungen ausgeschlossen. Meine Neujahrsgrüsse allen, denen die Bewegung ernst am Herzen liegt. 'Israel Zangwill. Achtung! Misrachi organisiert sich. Misrachi ist die klerikale Richtung in unserer Bewegung. Es ist ganz unbedenklich, wenn die Klerikalen noch so stark bei uns vertreten sind. Es ist ein Grundprinzip des Zionismus, dass jeder Jude, welcher Parteischattierung immer er angehört, sich in ihm betätigen kann. Es ist aber nicht gleichgültig, wenn der Klerikalismus als solcher sich in unserer Bewegung breit macht. Denn man hat seit dem Bestände unserer Bewegung ein zweites Grundprinzip beobachtet, durch welches allein die Aufrechthaltung des ersten Prinzipes und die Erhaltung der Einigkeit in der Bewegung ermöglicht wurde, nämlich: Innerhalb der Bewegung betätigen die Anhänger nur dasjenige, was allen gemeinsam ist, und vermeiden alles, was eine Uneinigkeit herbeiführen kann. Ausserhalb der Bewegung steht es jedem Zionisten frei, sich auch in irgend einer politischen, religiösen oder sozialen Richtung zu betätigen. Also, wer sich zum Zionismus bekennt, hat gemeinsam mit den anderen die jüdischnationale Idee zu pflegen, die Assimilation zu bekämpfen und die Errichtung einer öffentlichrechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina zu erstreben. Religiöse, politische und soziale Kontroversen darf er in die Bewegung nicht hineintragen. Die Bewegung kann und darf sich mit solchen Kontroversen nicht . befassen. Die Bewegung hat ein Ziel, nach welchem ihre Anhänger mit dem Aufgebot aller Kräfte streben müssen, und sie darf nicht durch leidiges Parteigezänke aufgehalten werden. Nur durch Einhaltung dieser zwei Prinzipien war es möglich, die Bewegung gross zu machen, und nur durch weitere Beobachtung derselben wird sie auf der Höhe erhalten werden können. Nur bei einer solchen Politik war es möglich, dass der strenggläubige orthodoxe Rabbiner neben dem Freidenker, der Konservative rieben dem Fortschrittler, der radikale Sozialist neben dem Kapitalisten an einem Beratungstische sitzen und gemeinsam an der Restaurierung ihres Volkes arbeiten konnten. Nur dadurch, dass die Zionisten innerhalb der Bewegung alles, was sie trennt, beiseite stellten und nur, was sie einigt, hervorkehrten, konnte gedeihliche Arbeit geleistet werden. Misrachi scheint mit diesem Prinzipe brechen zu wollen. Misrachi scheint innerhalb der Bewegung klerikale Propaganda treiben zu wollen. Ja es scheint, dass ihm die Orthodoxie weit mehr am Herzen liegt als der Zionismus. Nach den vorliegenden Berichten hat sich der Misrachi-„Kongress" in Pressburg hauptsächlich mit der Orthodoxie und nur nebenbei mit Zionismus befasst. Sein Programm betont in erster Linie die Orthodoxie und erst in zweiter Linie die Heimstätte und behält sich die Wahrung der orthodoxen Ideen in der Gesamtorganisation der Zionisten vor. Dieser Gesamtorganisation wird eine sich über die ganze Welt erstreckende Misrachiorganisation mit einem Aktionskomitee an der Spitze entgegengestellt. Also eine Organisation in der Organisation. Wenn nun die Freidenker, die Kapitalisten, die Sozialisten beschliessen, ihre Ideen in der Gesamtorganisation zu wahren? Ist dann eine Arbeit möglich? Wenn diese sich gleichfalls besondere Weltorganisationen schaffen, weil sie "sich in der Gesamtorganisation mit den anderen, die ihren Parteistandpunkt hervorkehren, nicht vertragen? Wir können es dann erleben, dass wir vier und mehr Kongresse haben, von denen jeder behauptet, der Zionistenkongress zu sein. Dann haben wir ja den Turm von Babel und dann ade Zion. Die Schaffung einer solchen Weltorganisation neben oder innerhalb der Gesamtorganisation ist auch gegen die Kongressbeschlüsse, Das Organisationsstatut des Kongresses kennt nur Landsmannschaften, die zueinander keine Beziehungen haben, sondern sämtlich dem Aktionskomitee unterstehen. Um den Organisationsbestrebungen des Misrachi entgegenzukommen, ohne den Charakter der Gesamtorganisation zu stören, wurde ein Kompromiss geschlossen, in dem zugestanden wurde, dass 50 Vereine, die 5000 Schekelzahler haben, in einem Lande eine besondere Federation bilden können, die direkt dem Aktionskomitee untersteht. Es wurde aber nicht eine Verbindung von Vereinen oder Federationen verschiedener Länder mit Umgehung des Aktionskomitees bewilligt. Um Missverständnissen vorzubeugen : Diese Zeilen richten sich durchaus nicht gegen die Orthodoxie oder gar gegen die Orthodoxen. Sie würden ebenso geschrieben worden sein, wenn eine andere Parteischattierung die Gesamtorganisation zu gefährden drohte. Im Gegenteil, es wird anerkannt, dass die Orthodoxie bisher das Judentum erhalten hat und wird nichts sehnlicher gewünscht, als dass sich alle Orthodoxen dem Zionismus anschliessen — als Zionisten. Sie dürfen im Leben ausserhalb des Rahmens der Bewegung die Orthodoxie betreiben, soviel sie wollen, aber innerhalb der

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