Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 38 (16.9.1904)
- Date
- 1904-09-16
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3315709-3316073-3316112--46134-3340973- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 12 99blc-*-.Wclttc Nr. 38 mir klar. Der Autor steht mitten im Stoffe, den er meistern wollte. Er hat ihn nicht überwinden können. Die Fülle dessen, was er empfand und uns empfinden lassen wollte, hat ihn besiegt So hat er uns nur einzelnes und nicht einmal innerlich Zusammenhängendes geboten. Wenn sein Buch gleichwohl einen Erfolg haben wird — und ich glaube, dass ihm ein solcher beschieden ist — so hat er es vor allem der Aufrichtigkeit und, vom Vorwort abgesehen, der Ungeziertheit seines Buches zu danken. Die national-jüdische Bewegung, der auch dieses Buch sein Entstellen verdankt, ist noch mitten im Kampfe um ihre Ausgestaltung begriffen, die national jüdische Idee in ihrer Reinheit und in ihrer Wertung für die Kultur des Juden noch keineswegs überall klar erfasst Es würde im Rahmen einer Buchbesprechung zu weit führen, auf die zahlreichen Einflüsse religiöser, sozialer und politischer Art einzugehen, die für die endliche Entwicklung der nationaljüdischen Idee massgebend sind. Ganz abgesehen von der Einwirkung moderner philosophischer und allgemeinwissenschaftlicher Hypothesen, dLe, gutgläubig oder in bewusster Absicht, mit d*rn Problem national-jüdischer Anschauung in oft recht gewaltsamer Weise in Verbindung gebracht werden. Von alledem ist in Haiberts Buch sehr wenig zu finden.DieäusserlichenMotivederFeindschafL oder mindestens instinktiven Abneigung der Nichtjuden gegen alles Jüdische kommen zur Geltung, die krassen Auswüchse eines weit über das Ziel schiessenden Anpassungexperimentes werden geschildert oder auch der vergebliche Versuch, durch die Flucht ins kosmopolitische Lager Hilfe gegen sich selbst und die anderen zu finden. Auch des Zionismus wird gedacht, und zwar der Spielart, die aus der Not eine Tugend macht, ohne dass sie durch das tiefinnere Bewusstsein des unlöslichen Zusammenhanges mit dem Judentum einen fruchtbaren, unverwüstlichen Boden unter sich spürt. Alles aber nur schemenhaft, äusserlich, ohne dass wir besonders für das eine oder andere interessiert würden. Der mystische Zug, der sich vielfach bemerkbar macht, scheint mir das Wahrste des Buches. Vielleicht ist macche Unklarheit und die konsequente Abkehr von der Tiefe des Gedankens auf das Konto dieses Mystischen zu schreiben. Jedenfalls ist es das wirlich Poetische, das dem Buche seinen Reiz gibt und es auch vielen lieb machen dürfte. W. Randglossen zur deutschen Literaturgeschichte, 10. Bd., S. I-XXXI und 1 — 109. Veilag und Druck von Ad. della Torres Buch- und Kunstdruckerei in Wien. Dieser Jubiläumsband enthält eine ausführliche Arbeit über moderne Salzburgör Dichter (Fürst W r e d e, Seebach, Schullern, Troll-Borostyäni, Scheirl und Sturm) von Dr. Hans W i d m a n n und eine Abhandlung über den Philosophen und Dramatiker Karl Hilm von Carla Pehm. Den Band leitet der Herausgeber A. Breitner mit einem Vorwort und dem Index der bisher erschienenen neun Bände ein und schliesst diesen Jubiläumsbanl mit Kritiken über die Werke Hilms und Sturms. Der Preis des Bandes auf Bütten und den: Faksimile von Seebach beträgt K 2.—. Die soeben erschienene Nummer 9 (September 1904) von „Altneuland", Monatsschrift für die wirtschaftliche Erschliessung Palästinas, bringt an erster Stelle einen Aufsatz von Dr. jur. Bruno Blau über ,.Die administrative Autonomie der Insel Samos". Der Aufsatz bringt im Wortlaut die Note der hohen Pforte an di^ Vertreter von Frankreich, Grossbritannien und Russland vom 10. Dezember 1832, in welcher die administrative Autonomie der Insel Samos festgelegt wird. Prof. Dr. E. Schönfeld liefert im weiteren V erlauf seiner Schilderung der Halbirsel Sinai Angaben über die Flora, Fauna, Bevölkerung des von ihm behandelten Gebietes. Aus seinen Angaben lässt sich di* Schlussfolgerung ziehen, dass die Halbing] auch gegenwärtig bei richtiger Kultur eine grössere Bevölkerung ernähren könnte. Zum Schlüsse macht Verfasser wertvolle Miiteilurgen über die Art und Weise des Reisens in diesem Gebiete. Prof. Dr. O. War bürg beschliesst seinen grossen Aufsatz über »Die Kolonisation in Nordsyrien auf Grundlage der Baumwollenkultur im Gebiete der ßagdadbahn". In der vorliegenden Nummer verweist er auf die Aussichten der Baumwollkultur in Nordsyrien auf Grund von Angaben von verschiedenen Fachleuten und geht zum Sehluss auf die Organisation der Kolonisation ein. War burg schlägt zum Sehluss die Gründung von zwei Gesellschaften vor: eine auf rein geschäftlicher Basis aufgebaute Baumwoll-Erwerbsgesellschaft, die auf ihren Gütern jüdische Arbeiter beschäftigt und sie auf diese Weise praktisch in*der Baumwollkultur unterweist; die zweite, die jüdische Kolonisationsgesellschaft, hätte die Kosten zur Kolonisation der besseren Arbeiter längs der Bagdadbahn und im weiteren. Um kr eise um dieselbe zu liefern. Auf diese Weise würde es gelingen, die Interessen der verschiedenen in diesem Gebiete wirkenden Faktoren gleichzeitig zu fördern. Die türkische Regierung gewäune eine produktive zahlungsfähige Bevölkerung, die Bagdadbahn erhielte ausreichende Frachten und könnte ihrem Endziele Bassora schneller entgegensehen, die deutsche Baumwollindustrie würde eine Zufuhr von dem für sie so wertvollen Rohstoff bekommen und last not least wir Juden wären imstande, eine rasche Besiedlung dieses Palästina so nahe gelegenen Gebietes durch Juden herbeizuführen. Zugleich würden wir hier auch ein im Baumwollenbau erfahrenes Element erziehen, dass uns bei der wahrscheinlichen Entwickelung der Baumwollenkultur in Palästina von grossem Werte sein würte. Das Hefe bringt des weiteren den Sehluss des Handelsberichtes von Damaskus für 1902, Näheres über die Bahnbauten in Palästina, Wirtschaftliches aus Palästina (zur Geschäftslage, Baumwollenbau in Palästina), über die Kolonisation in Aratolien und im Gebiete der Bagdadbahn. Unter Vermischtes kommen diesmal einige Angaben über die Verhältnisse in anderen Produktionsgebieten, die Vergleichsmomente für die Agrikultur in Palästina gewähren. Interessant ist auch die Mitteilung über die Missionsarbeit in Palästina. Im Abschnitte „Jüdische Kolonien" werden statistische Abgaben über die russischen Juden im Ackerbau gemacht. Zum Schlüsse kommt der Marktbericht nach Notierungen der Hamb arger Produktenbörse. Büchereinlauf. *pns Roman von J. Ch. Brenner, Verlag „Achiasaf". Warschau 5663. n^-tf^ö dessen sämtliche Schriften. Verlag „Achiasaf" Warschau 5664. Dr. J. Günzig, om^K «vabl2« bKlötf 3 Krakau 5664. Prof. Moses Bloch. Die Vormundschaft nach mosaischtalmudischem Rechte (im 27. Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest für das Schuljahr 1903-1904). Budapest 1904. S. Schlechter. Die Chassidim. Aus dem Englischen übersetzt von Olga T a u s s i g-Leipzig. Jüdischer Verlag, Berlin 1904. Heinrich York-Steiner. Der Talmudbauer und Anderes. Jüdischer Verlag, Berlin. Peüilletoi)* Friedemanns Buch .»Palästina",*) Eine Reiseheschreibung; aber keine Meerfahrt auf den unendlichen Wogen der Langeweile, worauf gewöhnlich diese Gattung literarischer Arbeiten hinausläuft. Die Gefahr der Oede war hier besonders gross, weil der Reisende Friedemann tief ausgetretene Pfade unzähliger Ausflügler verfolgte, die uns alljährlich um die Wanderzeit mit ihren gedruckten Berichten aus dem Levantegebiet erdrücken. Der Schriftsteller Friedemann aber fand seinen eigenen, neuen Weg, auf dem ihm unser Interesse dankbar und ohne Ermüdung folgt. Zu einem Vergleiche mit seiner Art zu schreiben, taugt die Manier der modernen, malenden Impressionisten. Diese verzichten in ihren Bildern auf die genaue Wiedergabe des alltäglichen Details; aber die verschwommenen Zyklopengestalten z. B., die im Feuerschein einer Schmiede auf den Ambos hämmern, die unklaren Umrisse von Knaben, die im Abenddämmer verwegen über einen Balken balancieren, genügen weitaus, um in unserer Seele bewegte Gedanken über Mannesarbeit u id über Jugend auszulösen. Die Impressionisten machen nur jenen Teil ihrer Bilder fertig, der auf unser Gefühl wirkt. *) Palästina. Reisel ilder von Adolf Friedemann und Hermann Struck. Verlag Bruno Cassierer, Berlin 1904.