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Die Welt · 1904-09-16 · 38 (16.9.1904) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
38 (16.9.1904)
Date
1904-09-16
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Seite 10 9lbie^ weit" Nr. 38 An Zionist Krauss, Essegg: Wir benötigen Marken aller Länder, also auch ungarische. Wir veröffentlichen den Inhalt einer Karte, die uns Gg. Herr Leop. Hausnitz aus Pressburg gesendet hat: Ich sandte Ihnen heute ein Kistchen mit vielen taus enden Briefmarken aus alier Herren Ländern als den Erfolg des Sammelfleisses zweier kleiner Zionisten uamens Egon und Hans Müller. Diese wackeren Jungen sammeln mit solcher Begeisterung in allen bekannten Geschäften und bei Privatpersonen, dass man deren Eifer allen ihren Altersgenossen zur Nachahmung empfehlen könnte. Unsere Kleinen könnten uns eben in der Markensache — wie Figura zeigt — sehr gute Dienste leisten. Eine weitere Sendung folgt. Hochachtend L. Rausnitz. Avis für die Herren Käufer! Der Verkauf der Marken findet von nun an jeden Mittwoch von 3—6 Uhr nachmittags statt. Die Philatelie-Abteilung der N.-F.-Kommission. * * * Liebe Gesinnungsgenossen! Die Nachricht von dem so frühen Tod unseres grossen, geliebten Führers hat überall betäubend und lähmend gewirkt, und doch dürfen wir gerade jetzt nicht in unserer Arbeit erlahmen, jetzt, wo es zu zeigen gilt, dass wir nach wie vor mit glühender Begeisterung an unserem Ideal hängen, dem Ideal Herzls. Der heitere Abiturientenkommers, den wir geplant und angekündigt haben, soll zu einer ernsten Kundgebung der zionistischen Jugend für den modernen Zionismus und dessen Schöpfer, Theodor Herzl, werden. Zionisten! Studenten! Es ist eure Pflicht, mit allen Kräften für diese Veranstaltung tätig zu sein, die vor allem das Interesse der zionistischen Studenten in Anspruch nehmen muss. Wir laden Sie daher zur Mitarbeit für diese Feier ein und ersuchen Sie, einige Mitglieder in unser vorbereitendes Komitee zu entsenden. Mit Zionsgruss Das Komitee. Anfragen sind zu richten an Herrn Norbert Spira, IL Malzgasse Nr. 9. Gelegentlich der Naturforscherversammlung in Breslau findet ein Diskussions abend für Zionisten am Dienstag den 20. September abends 83/4 Uhr im oberen Saale des Cafe Fahrig, Zwingersträsse, statt, bei welchem Dr. med. Theodor Z l o c is t i-ßerlin -über „Die augenblickliche Situation in der zionistischen Bewegung" sprechen wird. Am Montag den 19. September sind von 9 Uhr ab Gesinnungsgenossen im Cafe* Residenz, Tauentzienplatz, zu treffen. Am Mittwoch den 21. September abends Oeffentliche V o 1 k s v e r s a mmlun g. Näheres durch Zahnarzt Schachtel, Breslau, Ohlauerstrasse 64. Bremer Komitee für hilfsbedürftige durchreisende Juden. Verschiedentlich ist es vorgekommen, dass Auswanderungsagenten in Russland, Galizien und Rumänien die Beträge "für Schiffskarten von den Auswanderern angenommen haben, ohne das Geld sogleich, wie es ihre Pflicht wäre, an die Agenturen der Kontrollstationen oder Hafenstädte weiterzuschicken, damit das eingezahlte Geld mit den Auswanderern zugleich eintrifft und diese weiterbefördert werden können» — Durch die Verzögerung dieser Geldsendungen werden die armen Auswanderer tage- und wochenlang in den Kontrollstationen und Hafenstädten aufgehalten, wo sie ihren letzten Pfennig aufzehren und dann vollständig mittellos bleiben. Doppelt schwer wiegt die Unterlassungssünde dieser gewissenlosen Agenten, wenn es sich um weibliche Passagiere und noch dazu um alleinstehende junge Mädchen handelt, die durch das planlose Umherirren in den Strassen dem Laster und dem Elend geradezu in die Arme getrieben werden. Ich ermahne die betreffenden Agenten hierdurch aufs nachdrücklichste, sich solcher Manipulationen zu enthalten, vielmehr sofort beim Empfang des eingezahlten Geldes es an die zuständige Adresse weiterzuschicken, damit keine unnütze Verzögerung der Reise eintrete. Ich hoffe, dass diese Warnung von den betreffenden Agenten beherzigt wird, und unterlasse es vorläufig, deren Namen öffentlich zu nennen. Alle jüdischen Zeitungen des In- und Auslandes bitte ich, diese Notiz zu veröffentlichen, •wn *iüb* pT *6l gez. Dr. Rosenack. Bremen, 8. September 1904. win b)b* no * * * Palästina Ethrogrim! Der angekündigte Vertrieb von Palästina Ethrogim durch die Anglo-Palästine Comp, hat begonnen und ist das erste Lager beim Vereine Erez Israel in Stanislau errichtet worden. Jeder gute Jude hätte hier seinen Bedarf zu decken und so die jüdischen Bauern Palästinas zu unterstützen. Die Qualität ist ausgezeichnet. Welt-SbrooiH. Judenexzesse in Sosnowice. Während der Zeremonie des Taschlich entstanden am zweiten jüdischen Neujahrstage nach einer Kattowitzer Melducg in dem Grenzorte Sosnowice arge Judenkrawalle. Junge Burschen bewarfen die Juden mit Steinen und verletzten dabei ein Kind. Sofort verbreitete sich das Gerücht, die Juden hätten ein Christenkind getötet. Die christliche Bevölkerung nahm eine drohende Haltung an, die Exzesse erreichten aber erst grösseren Umfang, als die Arbeiter in geschlossenen Gruppen an die Demolierung jüdischer Wohnungen und der Synagoge gingen. Mehrere Juden wurden durch Steinwürfe und Messerstiche schwer verletzt. Endlich gelang es der Behörde, die Exzedenten zu vertreiben. Zehn von ihnen wurden verhaftet. Vom Judenviertel New Yorks. Der schweizerische Arbeitersekretär Nationalrat Hermann Greulich, eine der Koryphäen der modernen Sozialdemokratie, weilt jetzt m New York. In einem Briefe an die Zürcherische Tageszeitung „Volksrecht" schreibt er von New York: ...„Aber neben den Palästen der Banken, Versicherungsanstalten, Zeitungen etc. birgt dieses alte New York noch etwas anderes: das ärmste Proletariat. Treten wir in einen kleinen Strassenkomplex unmittelbar an der Bowry, so sind wir in China Town, in der Chinesenstadt, einem Stück China mitten in New York. Am Abend wimmelt es von Zopfträgern mit geschlitzten Augen, sie bewohnen ausschliesslich diese Strassen, andere Nationen haben den Platz geräumt, höchstens ein paar Italiener sind noch anzutreffen. In unmittelbarer Nachbarschaft und weit nach Osten und Norden hin treffen wir eine viel bedeutsamere Ansiedlung: die der russischen und polnischen Juden, die in einer Zahl von 6—700.000 hier beisammen wohnen. Analphabeten gibt es unter ihnen nicht, das gemeinsame Verständigungsmittel ist der mit hebräischen Buchstaben geschriebene und gedruckte Jargon, ein Gemisch von Deutsch, Hebräisch, Slawisch und Englisch; eine lebende Sprache mit starker Literatur. In dieser Sprache mit hebräischen Lettern erscheinen in New York sieben grosse Tagesblätter. Die stärkste Verbreitung hat der sozialdemokratische „Vorwärts" mit etwa 65,000 Exemplaren, an Samstagen meist noch 10.000 mehr. Die Leserzahl muss auf mindestens 200.000 angenommen werden. Der „Vorwärts" steht unter sehr tüchtiger Leitung und hat ein eigenes Haus am East Broadway, mitten in dieser jüdischen Kolonie. Es gibt, so versicherten mich Kenner, keine Stadt Russlands, Polens oder Littauens, in der man eine gleiche Massenansammlung armer Juden antrifft. Meine Wanderung durch diese grösste Judenstadt hat mich tief ergriffen. Ich bin wahrlich kein Judenschwärmer und keineswegs blind gegenüber manchen unangenehmen Eigenschaften. Aber eine Edelrasse, die uns Gedanken und Poesien von so unvergänglicher Grösse und Schönheit hinterlassen, in solchem Elend zu sehen, das

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