Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1904-09-16 · 38 (16.9.1904) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
38 (16.9.1904)
Date
1904-09-16
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3315709-3316073-3316112--46131-3340970
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Nr. 38 9lbi* # weit11 Seite 9 Petersburg. Durch einen Ukas des Statthalters im fernen Osten, General Alexejew, wird der Schütze des ostsibirischen Regimentes Chaim Baratz durch Verleihung des Georgsordens ausgezeichnet. Bar atz befand sich in Begleitung der Offiziere, welche Nachrichten aus der belagerten Festung Port Arthur führten, und bewies grosse Tapferkeit dadurch, dass er den Feind, eine japanische Patrouille, niedermachte und glücklich entkam. Tomsk. Auf Befehl des Unterrichtsministers Generals Glasow werden in diesem Jahre in das technologische Institut zu Tomsk bloss 300 Hörer aufgenommen. Die Zahl der jüdischen Hörer wird diesmal auf eine fünfperzentige Norm herabgesetzt. Früher betrug diese Norm zehn Perzent. Minsk. Wie der „Sewero Sapadnoje Slowo" meldet, hat die Armut und Arbeitslosigkeit der Juden in Minsk ihren Höhepunkt erreicht. Wöchentlich werden vom jüdischen Hilf&verein allein 100 Pud Brot verteilt, aber die Armut lässt sich kaum schildern. Der Gouverneur hat einige Bestellungen bei jüdischen Schustern und Schneidern gemacht und gleichzeitig die Inangriffnahme des Bauers einiger öffentlicher Bauten angeordnet, um den Unglücklichen Linderung zu bringen. Mohilew am Dnjeper. Wie der „Dnjeprowskij Wjestnik44 meldet, hat in letzter Zeit die Auswanderung der Juden aus dem Gouvernement einem epidemischen Charakter! angenommen. Die Städtchen Selikdow, Bjelinitschu und viele andere sind beinahe judenlos geworden. Das. Blatt schildert dabei die Armut der Juden, welche erschreckend ist. Die Wohnstätten der Juden bieten ein schreckliches Bild aller möglichen antisanitären Zustände. Der jüdische Familienvater arbeitet 15 Stunden täglich und seine Nahrung besteht nur aus vertrocknetem Brot mit Rettich . . . Kowno (Gouvernement Wolhynien). Diese Stadt war am 5. ds,, wie das russische Blatt ,,Wolhyn" meldet, der Schauplatz ernster Exzesse gegen die Juden. Mehrere Soldaten, welche einer jüdischen Obsthändler in einen Korb Birnen wegnahmen, stürzten sich auch noch auf die jüdischen Geschäfte und Wohnhäuser, demolierten und verwüsteten sie und misshandelten die ihnen in den Strassen begegnenden Juden fürchterlich. So wurden die Strassen Sobomaja, Somkowaja, Minskaj und viele Seitengässchen verwüstet und mit ruiniertem Hab und Gut gefüllt. Dem Kreispolizeichef gelang es, mit Hilfe der Feuerwehr die Ruhe wieder herzustellen. Die Panik unter den Juden ist gross. Berittene Polizisten] überwachen die Stadt zur Nachtzeit, da die Bauern aus den benachbarten Dörfern die Soldaten unterstützen wollen. Am 27. August brachen in Kowno kleinere Exzesse gegen die Juden aus, die jedoch bald beigelegt wurden. Smjeia (Gouvernement Kiew). Ueber die ge>metdeten Judenkrawalle im Städtchen Smjeia liegt folgendes offizielle Telegramm aus Petersburg vom 11. d. M. vor: „lieber1 die Ruhestörungen, welche sich am 4. und 5. ds. in Smjeia ereigneten, wird der Russischen Telegraphenagentur aus Kiew gemeldet: Ein israelitischer Ladenbesitzer hatte eine Bauersfrau misshandelt, weil er sie im Verdacht hatte, Tuch gestohlen zu haben. Darauf rottete sich eine P ö b e 1 m. e n g e z u s a m m e n, plünderte und verwüstete 100 Häuser und an 150 La d e n, deren, Besitze r Israel it e n wäre n. Am 4. September abends fing eine Gruppe von 60 Israeliten eine Schlägerei mit Christen an. Als die Israeliten auf die Christen Schüsse abgaben, wurde Polizei herbeigerufen, die von den Revolvern Gebrauch machte. Hierbei wurden zwei Personen verwundet. Am 5. ds. morgens be gaben .sich m e; h r; ere h uj n d e r i Ei s; e n b a h n - arbeiten von der benachbarten Station Bobriuskaja trotz des Einschreitens der Behörden mittels Eisenbahnzuges nach Smjeia, wo sich die Ruhestörungen erneuten. Zu ihrer Unterdrückung wurde Militär requiriert, das von der Waffe Gebrauch machte, wobei fünf Personen schwer und eine grössere Zahl leicht verletzt wurden. Eine Anzahl von Personen wurde verhaftet.'4 In Kischenew und in Hornel wurde bekanntlich der Ausbruch der Unruhen ebenfalls auf angebliche Misshandlung eines christlichen Weibes durch Juden zurückgeführt; die Untersuchung hatte jedoch nachher die Unrichtigkeit dieser Angabe festgestellt. Jedenfalls beginnen sich die Exzesse gegen die Juden in Russland wiederum in unheimlicher Weise zu erneuern . . . - .t _ gt. * ♦ Eine Richtigstellung. Die „Allgemeine Zeitung des Judentums" in Berlin hat in ihrer Nummer vom 2. September in einer Notiz, welche in vollkommen unwahrer Weise über angebliche Rivalitäten berichtet hat, die bei der letzten Jahreskonferenz zutage getreten seien, auch erlogene Behauptungen betreffs der Jüdischen Kolonialbank in London aufgestellt. Nach dieser Notiz hätte die Bank in vierzigjähriger Tätigkeit ein einzigesmal eine zweiprozentige Dividende gezahlt. Bekanntlich begann die Jüdische Kolonialbank erst am 1. Jänner 1902 ihre Tätigkeit, hat im ersten Jahre eine zweiprozentige Dividende gezahlt und im Jahre 1903 nur deshalb von der Auszahlung einer Dividende Abstand genommen, weil grosse Investitionsabschreibungen stattfanden und die Kolonialbank als eine englische Bank unter der Geschäftskrise infolge des Burenkrieges litt. Die „Allgemeine Zeitung des Judentums" wird natürlich eine Berichtigung von kompetenter Stelle erhalten. 9>rih(iiK. (Für diese Rubrik ist die Redaktion niobt verantwortlich.) Mitteilungen des innerösterreichischen Distriktskomitees. Gesinnungsgenossen! Die diesjährige Distriktsversammlung findet am Mittwoch den 21. d. M. präzise 7 Uhr abends im Saale des Kongressbureaus, IX., Türkenstrasse 9, statt. Tagesordnung: 1. Rechenschaftsbericht. 2. Kassenbericht. 3. Anträge des L.-K. betreffs Regelung des innerösterreichischen Distriktskomitees. 4. Eventualia. Wegen der ausserordentlichen Wichtigkeit der Tagesordnung sowie wegen der Dringlichkeit, mit der die schwebenden Fragen der Erledigung harren, bitten wir die geehrten Vereinsvorstände uns die Vertrauensmänner ehetunlichst bekanntzugeben. Mit vorzüglicher Hochachtung und Zionsgruss f. d. i. ö. D.-C. Samuel Epstein A. R. Hartmann dzt. Sekretär. dzt. Obmannstellv. Marken für den Nationalfonds. Folgende Gesinnungsgenossen haben für den Nationalfonds Briefmarken eingesendet: Wien: Georg© Markus, stud. Holzer, Berta Korn, Gymn. A. Schwarz, Gruppe III, Gymn. Julius Reiss, Otto Weiss, .Moriah", W. Teitelbaum. Pressburg: Jb. Rausnitz (gesammelt von Egon und Hans MülLer). Z1 i n : Lilly Afeeisel. Prijedor: G. Seideniann. Fi ume: M. u. J. Wolf. Stanislaus J. Menczel, R. Diamant. St. Gallen: M. Steinberg. Zydacz: Elias Nestel. Königsberg: Dr. Hoppe. Friedland: E. Wechsberg. Podgorze: J. Weiudling. Stary-Sambor: Hazioni. Föderation Sionista Argentina, Buenos Aires durch L. Arcane. Hamburg: Heinrich Mayer, Ernst Hirsch, cand. med. Willy Unna, Lois Boroscheck, Siegfried Levy- Hohenbostel. Allen Spendern besten Dank I Wir biten um weitere Sendungen. Für folgende Marken hätten wir gute Verwendung: Oesterr. und ung. Strafportomarken, Telegraphen* marken, württembergische Marken und Stempelmarken aller Art.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.