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Die Welt · 1904-09-09 · 37 (9.9.1904) · page 12

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Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
37 (9.9.1904)
Date
1904-09-09
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 „bit * W^lt11 Nr. 37 zwischen Juden und Christen bestehenden guten Beziehungen keine schweren Folgen nach sich zog. Dasselbe tat er in Pakracz, das fr aber infolge eioes gefälschten Gymnasialzeugnisses, das er bei der dortigen Gemeinde eingereicht hatte, staotepede verlassen musste. Durch die Firma Bruno Thiel, Buchhandlung, Wien, Mariahilferstrasse, wurde ich darauf aufmerksam gemacht, da«s ein Simon Trompeter sich als Rabbiner von Virovitica ausgibt und unter diesem Titel von ihr ein Lexikon auf Abschlagszahlungen verlangt. Als ich dagegen einschritt, drohte mir der gute Mann, es werde mir sehr schlecht ergehen, wenn ich es nicht zugebe, dass er weiter fortfahre, wie geschildert zu handeln, ausserdem zeigte er mir an — hier merke man den verbrecherischen Zynismus — dass er und nicht d^r Vorsteher im Besitze der bewussten Empfehlung sei. Ich muss gestehen, dass diese dem Archiv der israelitischen Kultusgemeinde zu Pakracz entwendete Empfehlung dem Simon Trompeter über so manches hochstaplerische Heldenstüekchen herausgeholfen hat. In Pozega zeigte Trompeter den Rabbiner Doktor M a r g a 1 bn der Staatsanwaltschaft wegen gottesdienstlicher Störung an, wobei er sich als „Seelsorger44 bezeichnete, bei welcher Gelegenheit er die Juden a's Gesindel bezeichnete, das aus Kroatien vertrieben werdpn sollte. Selbstverständlich wurde die Untersuchung gegen Dr. M. eingestellt, da die Denunziation des kantoralen Hochstaplers sich als erbärmliche Lüure erwiesen hat. Zum Schlüsse will ich nur noch erwähnen, dass der saubere Macher, der die Wiener Ju^en anschnorrt und die Wohltätigkeitsinstitute ausnützt, den Franziskanern in Pozega erzählte, dass der Pozeganer Rabbioer Schimpf- und Brandreden gegen das Christentum halte. Bei den traurigen jüdischen Zuständen, die herrschen, kann es noch möglich sein, dass dieser Mensch an den bevorstehenden jüdischen Feiertagen als Vorbeter fungieren werde. Das ist also der Simon Trompeter, der sich auf meine Empfehlung beruft. Bielita, Beneschau, Andrichau und Buziäs in Ungarn können auch so manches erzählen, was sie mit diesem Manne mitgemacht haben. Virovitica, 22. August 1904. Hochachtungsvoll ergebenst Dr. Kaufm an n. We1t-©bi»oi)ik- Jüdische Verwundete im russisch-japanischen Kriege. Die russische offizielle Heereszeitung „Russkij Invalid" publiziert folgenden Regimentsbefehl des Generalmajors Zilinsky: „Ich gebe hiermit die Liste derjenigen Krieger aus dem 11. und 12. Reginiente bekannt, welche in der am 18. April in der Nähe des Dorfes Tjurentschin stattgefundenen Schlacht verwundet wurden und nach Heilung ihrer Wunden noch vor Abschluss des Krieges zu ihren Truppenteilen zurückkehrten. Der Generalkommandant Kuropatkin verlieh diesen Verwundeten die Tapferkeitsmedaiile (Georgsorden). Ich fühle mich verpflichtet, der unter meinem Kommando stehenden Division die Namen dieser Helden, welche ihre Pflicht so wacker erfüllt haben, öffentlich bekannt zu geben. Mögen ihre Namen in der Geschichte des 11. und 12. Regimentes in aller Ewigkeit in Erinnerung bleiben und ihren Kameraden als Muster und Ansporn dienen. Ich drücke den Offizieren, welche solche Helden erzogen haben, meinen tiefsten Dank aus." Unter den hierauf aufgezählten Verwundeten dieser zwei Regimenter werden auch drei jüdische Soldaten genannt. Eine Toynbee-Halle in Berlin. Die Errichtung einer jüdischen Toynbee-Halle haben die drei Berliner B'ne Brith-Logen beschlossen und die Angelegenheit bereits so weit gefördert, dass die Eröffnung der Halle Ende September erfolgen kann. Die Unterhaltung der Toynbee-Halle erfordert alljährlich 30 000 Mark, deren Aufbringung die Logen übernommen haben. In derselben soll dem ärmsten Teile der Stammesgenossen nach schwerer redlicher Tagesarbeit vornehme Zerstreuung, geistiger Genuss, Ablenkung von Sorge und Kummer und Gelegenheit zur Fortbildung geboten werden, ohne dass dafür irgendwelche Gegenleistung beansprucht wird. An den geselligen Abenden wird Tee und Gebäck gleichfalls unentgeltlich verabreicht. Bekanntlich hat es die Wiener Toynbee-Halle noch nicht zu einer Sicherung ihres Budgets gebracht und dürfte, wenn sich nicht ein ähnliches Arrangement, in einer Sicherstellung durch Korporationen, treffen lässt, an ihrer Tätigkeit in diesem Jahre verhindert sein. Von der Chantaqua-Gesellschaft in Amerika. Ueber die letzten Vorträge dieser bedeutenden jüdischen Gesellschaft, die eine Art erweiterter Toynbee-Halle vorstellt, ist zu berichten: In einer Sitzung sprach der" Generalkommissär für das Einwanderungsdepartement der Vereinigten Staaten, Herr Frank P. Sargent, über den Stand der „Einwanderung nach Amerika", indem er die harte Notwendigkeit hervorhob, nach den bestehenden Gesetzen eine grosse Anzahl Einwanderer dicht vor den Toren des geträumten Eldorados abzuweisen und zurückzusenden. So wunden in dem Einwanderungsjahre, das mit dem 30. Juni 1904 schloss, allein 1551 Personen wegen gefährlicher ansteckender Krankheiten zurückgewiesen. Unter dem Vorsitze des bekannten Herrn Simon W o 1 f in Washington wurde in einer besonderen Sitzung die Wohnungsfrage der Armen erörtert. In einer Sitzung, in der Rabbiner Dr. H. Berkowitz den Vorsitz führte, sprach Herr Jakob Gor diu, ein jüdischer Jargon-Schauspieler, über „das jüdische Drama". Der Redner hob den bedeutenden steigenden Einfluss des neueren jüdischen Jargon-Theaters hervor. In NewYork bestehen jetzt vier solcher „Jiddisch-Theater", und mit dem Bau des fünften wird jetzt begonnen. Diese Theater haben ein jährliches Einkommen von, rund einer Million Dollars und geben jährlich etwa 1500 Vorstellungen vor zirka drei Millionen Zuhörern. Wenn auch nur eines dieser jüdischen Theater sich auf Stücke von höherem literarischem Wert beschränkt, so werden die jüdischen Massen jedenfalls durch das in ihrer Muttersprache gespielte Theater vor den lasterhaften und lediglich betäubenden anderen Zerstreuungen, der Grossstadt bewahrt. Ueber die Autoren, welche ständig für das „Jiddisch- Theater" schreiben, sprach Herr Sydney Rosenfeld, Präsident der Nationaltheater-Gesellschaft, wobei er den Mangel an dichterisch hervorragenden jüdischen Dramen der Gegenwart hervorhob. Ein Rothschild Ritter der Ehrenlegion. Der bekannte Philanthrop Henri Rothschild ist zum Ritter der Ehrenlegion ernannt worden. Dr. Henri Rothschild ist Kinderarzt und hat nicht nur sein gesamtes, sehr bedeutendes Wissen, sondern auch einen erheblichen Teil seines Vermögens in den Dieaast der leidenden Kinderwelt gestellt. Mehrere Kinderhospitale in Paris und der Provinz sind vom ihm erst begründet worden, resp. werden von ihm subventioniert. Seine Studien über Säuglingsmilch haben in wissenschaftlichen Kreisen grosse Beachtung gefunden. Endlich bat Baron Dr. Henri Rothschild in Paris 20 Molkereien errichtet, um die arme Bevölkerung von Paris mit guter und billiger Milch für Säuglinge zu versorgen. „Nicht zu intim mit Juden". Das Hauptorgan der schlesischen Konservativen, die „Schles. Morgen-Ztg.", schreibt in Anknüpfung an die Affäre Mirbach: „Schon im gewöhnlichen bürgerlichen Leben ist es wichtig, man wird mit seinen Mitbürgern jüdischer Abstammung nicht zu intim. Es hat immer einige unangenehme Folgen. Man könte auch hier das Wort gebrauchen: „Semper haeret aliquid". Am meisten aber müssen wir wünschen, dass unsere allerhöchsten Kreise von der in jüdischen Kreisen, nun einmal herrschenden Atmosphäre unberührt bleiben. Gewisse Leute an dem Hofe und in der nächsten Umgehung: unseres Kaiserpaares würden uns immer die allerunangenehmsten. Bedenken einflössen. Uebrigens ist solche Erfahrung wieder eine gute Lehre, dass von manchen Stellen und Berufen in unserem Staatsleben das jüdische Element unbedingt fernzuhalten ist. Mag die Judenpresse schreiben und — schreien, was sie will. Der Jude, so wie er nun einmal ist, gehört nicht in die Armee und die Verwaltung, auch nicht als Frauen unserer Offiziere und Beamten. Darauf sollte man mit allem Ernst halten." Die „Mitteilungen des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus" bemerken dazu: „Führer der schlesischen Konservativen und Hauptaktionär der „Schles. Morgen- Ztg." ist Graf Limburg-Stirum, dessen Mutter eine Jüdin war. Es ist niemals bisher eine Aeusserung des Grafen Limburg- Stirum bekannt geworden, die auf eine Sympathie mit antisemitischen Bestrebungen schliessen Hesse." „Judenfreies Haus". Ein Gastwirt im Wurachtale in Baden hatte auf dem Firmenschilds seines Hauses die Bemerkung „Judenreines Haus" angebracht. Der Wirt wurde indes von der zuständigen Behörde veranlasst, die Worte zu beseitigen, bezw. ihm die zwangsweise Beseitigung der Worte auf seine Kosten angedroht. Die Anordnung wurde mit der Bemerkung begründet, dass durch die Aufschrift „die Juden als schmutzig und das Haus beunruhigend bezeichnet" wurden. Der Wirt änderte hierauf die Aufschrift und Hess auf sein Firmenschild schreiben: „Judenfreies Haus". Aber das Ministerium des Innern verfügte, dass die Beseitigung auch dieser Inschrift im öffentlichen Interesse geboten sei. Statistische Daten über die ungarischen Juden. Ungarn zählt 707 472 Juden, von denen sich 451 209 zur ungarischen, 223 488 zur deutschen, 13 370 zur slowakischen, 5359 zur rumänischen und 1152 zur russischen Nationalität bezw. Muttersprache bekennen. An der Budapester Universität waren im vergangenen. Halbjabre unter 5703 Hörern 2000 Juden inskribiert, davon gehörten 1224 der juristischen, 403 der medizinischen und 373 der philosophischen Fakultät an.

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