Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 37 (9.9.1904)
- Date
- 1904-09-09
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 37 „Di* & W^It" Seite 11 Jüdischer Schulverein für den IX. Wiener Bezirk. Die Einschreibungen für das am 15. d. M. beginnende Schuljahr (4. Vereinsjahr) finden vom Montag den 12. bis Donnerstag den 15. d.M. vormittags von 10—12 Uhr, nachmittags von 5 — 7 Uhr, Freitag und Sonntag vormittags von 10—12 Uhr im Vereinslokale, IX/^ Pramergasse Nr. 5, statt Die Vereinskitung bittet, die Einschreibungen rechtzeitig vorzunehmen. Berichtigung. In Nr. 35, S. 4, 2. Spalte soll es in der Rede Dr. Tschlenows statt: „Wir wollen aber damit nichts beschränken* heissen : Wir wollen uns aber darauf nicht beschränket]. Ferner statt: „Vergessen wir, dass eine Pause in unserer Tätigkeit eingetreten ist" — Vergessen wir nicht, dass eine schädliche Pause in unserer Tätigkeit eingetreten ist. * * * Sehr geehrter Herr Redakteur! In der vorletzten Nummer der „Welt" ist über meinen auf dem Misrachifeage zu Pressburg gehaltenen Vortrag in oiner Weise berichtet worden, die leicht zu Missverständnissen führen muss. Ohne mich auf Berichtigungen einlassen zu wollen, erlaube ich mir,' Ihnen nachstehend die Thesen mitzuteilen, welche dem gedachten Vortrage zugrunde gelegt waren. Aus denselben wird ein jeder leicht entnehmen können, worauf es mir ankam. Meine Thesen lauten : L Das jüdische Bildungsideal — das nach dem Berichte des Talmud, Traktat Sukkah, in der Person des Rabban Jochanan ben Sakkai verkörpert erscheint — wurzelt in der in unserem heiligen Schrifttum niedergelegten und gemäss der Ueberlieferung unserer Weisen ausgebauten Gotteserkenntnis. II. Von dieser Grundlage aus erstrebt und vermittelt das jüdische Bildungsideal unter Verwertung der geeigneten Hilfsmittel und Hilfserkenntnisse ein Verständnis und eine Erkenntnis der Welt, der Natur, des Menschen und des eigenen Selbst. III. Das jüdische Bildungsideal verwirklicht sich in drei Erkenntnisstufen: a) in der jüdischen Volksbildung; b) „ , „ Lehrerbildung; c) ,, n „ Gelehrtenbildung. IV. Pflanzstätten des jüdischen Bildungsideals sind die zweckentsprechend ausgestalteten, von entsprechend vorgebildeten Trägern des jüdischen Bildungsideals geleiteten Chedarim und Jeschiboth. Dr. Daniel Fink, Rabbiner. * * * Karlsruhe, 31. August 1904. S e h r g e e hr t e R e d a k ti o n! Unser Verein erlaubt sich, Sie höflichst zu bitten, in Ihrem geschätzten Blatte mitzuteilen, dass er jederzeit bereit ist, gegen Einsendung von Porto in Nationalfondsmarken auf alle Fragen, die das Studium an hiesiger technischer Hochschule sowie das Leben in hiesiger Stadt betreffen, zu antworten. Der Ausschuss. I. A.: M. Schmuelowitz. Adresse: Akad. Verein „Makkabäa" Sternbergstr, 13, Karlsruhe (Baden). Die „Organisation russischer Zionisten in New York" macht russische Gesinnungsgenossen, welche nach Amerika auswandern, darauf aufmerksam, dass in New York ein allgemeiner Verband für russische zionistische Einwanderer gegründet wurde. Adressen für Nachfragen und Auskünfte: Lewinson aus Jelisawetgrad, 216 E. 13th Str., N. Y; S. ELlerin aus Dwinsk, 728 Floshyng ave., Broklyn; J. Maltin aus Lodz, 270 Madison str., N. Y. M. Brodsky, Jelisawetgrad; J. Maltin, Lodz; Neihousen, Dwinsk. * * * Aufruf des konstituierenden Komitees des wirtschaftlichen Hilfsvereines „Arbeitsheim\ Werte Gesinnungsgenossen! Im Namen von unzähligen arbeitslosen jüdischen Arbeitern und Kleingewerbetreibenden erlauben wir uns, an Ihre nationale Solidarität zu appellieren. Die immer mehr und mehr zunehmende Judenfeindlichkeit hat bereits viele tausende von jüdischen Arbeitern und Kleingewerbetreibenden brotlos gemacht. Der Boykott gegen die jüdischen Kleingewerbetreibenden und Arbeiter wird stets mächtiger und fordert mit jedem Tage neue Opfer. Dieser Druck wird um so härter empfunden, als leider auch die meisten Juden in ihrem Vorurteil gegen die jüdische Arbeitskraft befangen sind. Was Wunder, wenn ausser der allgemein herrschenden sozialen Not es noch Judennot gibt, da jüdische Arbeiter aus den Werkstätten ihrer eigenen Glaubensgenossen verdrängt, und die jüdischen Handwerker von der jüdischen Kunde sogar gemieden werden! Dazu gesellt sich noch der Umstand, dass täglich aus Galizien, wo gegenwärtig unter 800.000 jüdische Einwohnern 408.000 brotlos sind, viele Glaubensgenossen hierher kommen und das Massenelend vergrössern. Eine rasche wirtschaftliche Hilfe ist notwendig, wenn man will, dass eine Katastrophe vermieden werde. Diese Hilfe in grösserem Massstabezu bieten, solldie Aufgabe des wirtschaftlichen Hilfsvereines sein. Dieser Verein, der seine Tätigkeit auf die gesamte österreichische Monarchie erstreck!: und seinen Sitz in Wien hat, bezweckt hauptsächlich : 1. Durch Errichtung von Werkstätten verschiedener Arbeitszweige arbeitslosen Juden solide und dauernde Beschäftigung zu ermöglichen; 2. durch Errichtung von unentgeltlichen Lehrwerkstätten das Handwerk unter den Juden zu fördern, die es versäumt haben, in ihrer Jugend etwas Ordentliches zu erlernen, um sich ihr Brot verdienen zu können. Wir wenden uns an alle Gesinnungsgenossen mit der Bitte, sich der Hilfsaktion, dem wirtschaftlichen Hilfsverein „Arbeitsheim" anzuschliessen, wie auch denselben mit Geldmitteln tatkräftigst zu unterstützen. Die vorkonstituierend e Versammlung findet im Kongressbureau IX. Türkenstrasse Sonntag, 9. Oktober um 9 Uhr vormittag, statt. Gesinnungsgenossen, erscheint in Massen. Briefe oder Beitrittserklärungen sind zu richten an Gg. Salomou Rubinstein, IX.} Glasergasse 10; Geldsendungen an Gg. Dr. Severin Landesberger, Hof-und Gerichtsadvokat, XX., Wallenstein Strasse. Mit Zionsgruss Das konstituierende Komitee des wirtschaftlichen Hilfsvereines „Arbeitsheim". Ung.-Hradisch, den 5. September 1904. Löbliche Redaktion! Inn Hinblick auf die in Ihrer letzten Nummer unter „Golusblüten" veröffentlichte Notiz bitte ich um Aufnahme folgender Zeilen: Der Christ (!) Dr. Robert Maria Braun steht an der Spitze eines Musikvereines, genannt: „Neuer Orchesterverein*, der in Reisingers Sälen (!), II, Grosse Stadtgutgasse, dem bekannten Versammlungsorte der Luegeranhänger, seinen Sitz hat. Der Verein besteht in der grossen Majorität aus jüdischen Mitgliedern. Schande den Juden, die nicht aus dem Vorgehen des Dr. Braun ihre Konsequenzen ziehen! Hochachtungsvoll Emil Weil. * * * Auf vielfache Anfragen, die an mich von verschiedener Seite in Wien und Umgebung brieflich gerichtet wurden, ob es nämlich wahr sei, dass ich einem gewissen Simon Trompeter ein Zeugnis ausgestellt habe, dass er ein anständiger Mensch sei, erkläre ich folgendes: Simon Trompeter wurde hier von einem gewissen Felix Deutsch ohne Generalversammlung und Vorstandssitzung zum Kantor unserer Gemeinde ernannt. Da es unmöglich war, diesen gewalttätigen, unruhestiftenden Menschen loszuwerden, bemühte sich die ganze Gemeinde, ihn der Gemeinde Pakracz zu empfehlen. Ich selbst, der ich selten meine Wohnung verlasse und infolgedessen nicht wissen konnte, was dieser gute Mann hinter meinem Rücken trieb, empfahl ihn der obgenannten Gemeinde, welches Schreiben ich dem dortigen Vorsteher Herrn Mautner eingesendet habe. Bald darauf stellte es sich aber heraus, dass Simon Trompeter mir Geld und Brief unterschlagen, g^gen die Juden, deren Kantor er war, eine systematische antisemitische Hetze betrieben hat, welche nur aber infolge der