Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 37 (9.9.1904)
- Date
- 1904-09-09
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 „bisW^lt" Nr. 37 geführt haben, erhalten das Recht, im ganzen Reiche zu leben. Jüdische Kaufleute erster und zweiter Gilde erhalten das Recht, alle Städte der inneren Gouvernements zu Handels¬ und Gewerbezwecken ohne Beschränkung zu besuchen, jedoch darf ihr Aufenthalt dortselbst s-echs, beziehungsweise drei Monate im Jahre nicht übersteigen. Auch können sie sich dort im Krankheitsfälle durch Kommis oder Bevollmächtigte vertreten lassen. Frauen von Juden mit höherer Bildung und von solchen mit dem Titel Kommerzienrat oder Manufakturrat erhalten lebenslänglich das Recht, im ganzen Reiche zu leben, die Söhne bis zur Volljährigkeit oder Beendigung ihrer Hochschulstudien, die Töchter bis zu ihrer Verehelichung. Alle Verfügungen, der Kontrollhöfe über den Beitritt der Juden zum Kaufmanns- und Kleinbürgerstanüe in den Städten der inneren Gouvernements bleiben in Kraft, selbst wenn sie gesetzwidrigerweise erfolgt sein sollten! Die neuen Bestimmungen finden keine Anwendung auf Gegenden, wo für die Juden besondere Beschränkungsmassnahmen bestehen. Die Gebiete, auf welche die neuen Bestimmungen keine Anwendung finden, sind- Sibirien, der Kaukasus und das Dongebiet. Petersburg. Durch die jüngst eingetroffenen Berichte aus verschiedenen Gegenden des jüdischen Nied'erlassungsgebietes ergibt sich, dass die ökonomische Lage der jüdischen Volksmassen in Russland immer schwieriger wird. Aus dem Rechenschaftsberichte der W-arschauer Judengemeinde geht, wie die „Petersburgskija Wjedomosti" konstatieren, hervor, dass die Judengemeinde in einem Zeiträume von zweieinhalb Monaten, von Ende Mai bis Mitte August, 6 9 0 0 Ü Ü Pfund Brot an 'hungernde Juden verabfolgt hat, aber diese Hilfe erweist sich, wie der „Warschawskij Dnewnik" berichtet, als ungenügend, weil die Zahl der Notleidenden immer grösser wird. Gegen 15 000 Juden sind buchstäblich am Verhungern. Die ,,Kiewskije Otkliki" entwerfen ein schauerliches Bild des ökonomische]) Elends der Juden in Podolien. Die Kleingewerbetreibenden, die Handwerker und die Geschäftsleute, alle hungern förmlich und die Zahl der jüdischen Proletarier nimmt unheimlich zu. Die jüdische Auswanderung wächst infolgedessen stetig an. Aus jeder Stadt wandern fast wöchentlich zwanzig jüdische Familien nach Amerika und Afrika aus. Jeiisawetgrad. Die städtische Bibliothek war unlängst der Schauplatz einer interessanten und charakteristischen Debatte. Das Direktionsmitglied Make je w verlangte, dass die Bibliothek, deren Mitglieder und Leser meistens Juden sind, die antisemitischen Blätter „Nowoje W rem ja" und „Snamja" beziehen soll. Die Direktion wies dieses Verlangen zurück. Makejew hielt bei dieser Gelegenheit eine Rede ,aus welcher man erfuhr, dass die Stadtverwaltung und die Semstwo für den Antrag Makejews sind, denn sie Hessen durch Makejew erklären, dass sie ihre Subsidien an die Bibliothek einstellen werden, falls die antisemitischen Blätter nicht bezogen werden sollten. Die Direktion ging jedoch darauf nicht ein, und Makejew trat aus der Direktion aus, um gegen die Juden zu agitieren. Kiew. Der berühmte Psychiater und Professor der Kiewer Universität, G. Sikorskij, hat, wie die ,,Kiewskaja Gazeta44 melden, ein wissenschaftliches Werk über den Ritualmord verfasst, in welchem die Anklage gegen die Juden wegen Ritualniordes in. ihrer ganzen Unstichhältigkeit nachgewiesen wird. Professor Sikorskij hat seinerzeit den Mord des Christenknaben in Dubossary als gemeinen Mord bezeichnet und ihm jedweden religiösen Charakter abgesprochen. Die Untersuchung hatte sein Gutachten bestätigt. Sandomir (Gouvernement Radom). Im Städtchen Polonza wurde unlängst am Sabbatabend die ganze Famijie des Juden Jankel Rosmarin bestialisch ermordet und beraubt. Die Mitglieder der Familie waren durch ihre Wohltätigkeit allgemein bekannt. Die Täter konnten nicht eruiert werden. Gt. ffaibäi)«. (Für dtese Rubrik ist die Redaktioa nioJat verantwortlich.) Löbliche Redaktion! In der „Hazefirah* vom 26. August d. J. wird erzählt, dass ich eine Zeitschrift „ Antizionist" gegründet habe. Ohne näher untersuchen zu wollen, ob und welchen lichtscheuen Zwecken diese Mitteilung dient, erkläre ich sie hiermit als mutwillig und gewissenlos erfunden. Ich stehe der angeblichen Zeitungsgründung völlig ferne. Wien den 1. September 1904. Dr. Nathan Birnbaum. Mitteilungen des i.-ö. Distriktskomitees. Das i.-ö. D.-K. veranstaltet in diesem Jahre im Saale des Kongressbureaus, IX., Türkenstrasse 9, einen Festgottesdienst nach überliefertem Ritus und ersuchen wir die + P. T. Gesinnungsgenossen um zahlreiche Beteiligung. Eintrittskarten sind von Sonntag den 4. September ab täglich im Sekretariat des D.-K. und Kongressburau zu haben, woselbst auch der Situationsplan zur gefälligen Einsicht aufliegt. Für das inn er österreichische Distrikt s- Ko mit e e: Samuel Epstein, A. R. Hartmann, derz. Sekretär. derz. Obmannstellvertreter. An die österreichischen Gesinnungsgenossen! Wir ersuchen, die durch Büchsen oder Sammelbögen geeammelten sowie die für Marken bestimmten Beträge nur an die Adresse des Unterzeichneten gelangen zu lassen. Dagegen mögen Spenden an die „Welt" gesendet werden» Für die Nationalfonds-Kommission: Dr. Hugo Benedikt, I, Tiefer Graben 25. * * * Marken für den Nationalfonds. Folgende Gesinnungsgenossen haben für den Nationalfonds Briefmarken eingesendet: Wie?> : „Müriahtf, Dr. H. Benedikt, N. N., Bianka Westreich, Frau Dr. Kahn, Sam. Epstein (Czernowitz), M. Pollitzer, Dawid Rosenzweig, Gesellschaft „Karmeltt, Helene Schulmann, H. Schiffmann, Neureh Makkabäa, M. Schwadron, stud. Herzig, „ Unsere Hoffnung", s*ud. Krenb^rger, Dr. Kreisling, Aren. O. Marmorek, A. Holzer, H. Weintraub durch Verlag „Zion% D. Wurmann, R. Pollak, W. Schlesinger. Eger: H. Zuckermann, cand. jur. Glomiani: Efr. Katz. Teschen: N. N. S y b b a : A. Kopczowsky. Wr. »Neustadt: Olga u. Irma Weisskopf, Schaufeld. Breslau: H. Schachtel. Bojan: Abr. Ausländer, H. Gofctesmann. Resicza: A. Friedmann, Olga Szabinsky. Lemberg: „Achwah", J. L. Lippschütz & Co., A. Webrr. Prag: N. N. (H. Laufer). Czernowitz: Leib Steinmetz (sehr wertvolle). Posen: Dr. Jeremias. Krakau: „Zion", Krakau. Brody: Ajala Balaban. Deutschland: Zion. Vereinigung, Zentralbureau. Ung. - Hradisch: H. Kohn. London: Name unleserlich. Goldingen: M. Gawracsky. Prossnitz: Ferial-Verein jüd. Hochschüler, jur. D. Berthauer. Hannover: W. Huch. Klosterneuburg: M. Weinberger. Chodorow: E. Beer, U. Glasermann, J. Rattner. Highbury: B. Schiresohn. Soroki: Juda Albin. St anislau: F. Finkelstein, „Achwa" durch H. Weintraub. New York: The Maccabean Publishing Co. Kassa (Uog.): Kohn Fülop. Poszony: L. Rausnitz. Allen Spendern besten Dank. Wir ersuchen die p. t. Einsender, die eingedruckten Marken der Ganzsachen nicht auszuschneiden! Selbe werden dadurch vollständig wertlos! Weite rs bitten wir die werten Gesinnungsgenossen, uns österreichischeund ungarische Nachporto- sowie württembergische und Telegraphenmarken einzusenden, für die wir einen Käufer haben. Die Philatelie-Abteilung der N.-F.-Kommission J. Werth eim, A. Taglieht. * * *