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Die Welt · 1904-09-09 · 37 (9.9.1904) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
37 (9.9.1904)
Date
1904-09-09
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Jfbie & w^it" Nr. 87 Aus Kroatien. Von Erwin Kraus (Osijek). In diesem Artikel will ich kein Bild von der Lage der Juden in Kroatien entwerfen,, ich will bloss den Vorgang darstellen, wie der Zionismus in Kroatien zum Tagesgespräch geworden ist, und wie infolgedessen der Wunsch nach einem kroatischen zionistischen Wochenblatte entstanden ist. Bekanntlich veranstalteten zionistische Akademiker in Agram eine Trauergedächtnisfeier für H e r z 1. Gegen dieselbe sprach sich nun das Fiumaner Blatt „Novi List" aufs entschiedenste aus. Das genannte Blatt räsonnierte folgendermassen: „Dr. Herzl war Redakteur der „Neuen Freien Presse" und zionistische jüdische Akademiker aus Kroatien, also „kroatische Akademiker mosaische rtK onfessio n"s können doch keinesfalls in Herzl den Redakteur des kroatenfeindlichen Blattes feiern, da eine solche Feier einer Provokation des kroatischen Volkes gleichkäme — sie geben folglich Ausdruck ihrer Trauer, weil er Zionist war. Und das sei dem „Novi List" unverständlich, nachdem die Zionisten behaupten, sie wären nicht Glieder jener Nation, in deren Mitte sie leben, sondern Glieder des über die ganze Erde zerstreuten jüdischen Volkes." — Die Worte dieses Blattes konnten nicht verhallen, man musste darauf entgegnen. Und es fand sich Herr Jochanan Th au, cand.jur., ehemaliger „Bar Gioraner", der auch entsprechend zu antworten verstand. Er schilderte Herzls Verdienste ums Judentum, indem er aber auch zugleich mit der ihm eigenen scharfen und ungeschminkten Ausdrucksweise gegen die Assimilanten zu Felde zog* Das war der erste in einem kroatischen Blatte veröffentlichte Artikel über den Zionismus. Jetzt aber war das Eis gebrochen. Gleich am nächsten Tage erschien im Zagreber „Pokret", dem Organ der fortschrittlichen Partei, aus der Feder des Journalisten Otto Kraus ein zweiter kroatischer Artikel, der ebenfalls von Herzl handelte und das Wesen des Nafionaljudentums streifte. Nach zwei Wochen schrieb Herr Kraus die Fortsetzung seines ersten Artikels, um sodann die beiden Artikel als Broschüre: „Die Juden frage und der Z i o n i s m u su herauszugeben. Die Broschüre, die bloss 20 Heller kostet, fand und findet noch immer reissenden Absatz. Es ist dies die aweite in kroatischer Sprache abgefasste Broschüre über den Zionismus, da die erste im vorigen Jahre — eine Uebersetzung von Nord aus „Der Zionismus" — von der Vereinigung jüdischer Hochschüler aus den südslawischen Ländern „Bar GioraÄin Wien herausgegeben wurde. Bald jedoch erschien auch der Gegner auf dem Kampfplatze — selbstverständlich in der Gestalt eines Juden. Herr Paul Fröhlich, stud. jur., schrieb für das Karlovacer „Svjetlo* einen brennenden Leitartikel, der uns Zionisten versengen sollte! Uns Zionisten war dies nichts Neues. Wir kennen ja die Argumente der „Nur-Konfessionellen*, die bloss der Konfession nach mit allen Juden der Erde verbunden sind — und in Deutschland Deutsche, in Ungarn Magyaren usw. und in Kroatien Kroaten mit dem unangenehmen Anhängsel „mosaischer Konfession* sind, die, wenn sie sich in Kroatien konfessionslos erklären könnten, Kroaten ohne diesen peinlichen Zusatz, also reine, wahre Kroaten wären. — Herr Fröhlich hatte in seinem Artikel bloss Thaus Artikel berücksichtigt und zu widerlegen versucht. Weit mehr scheint er auch vom Zionismus nicht gelesen zu haben — also ein wahrer Assimilant, wie er im Buche steht. Doch nicht T h a u allein sollte von Herrn Fröhlich angegriffen werden. Herr Fröhlich fühlte sich berufen, als Verteidiger des Assimilantentums in Kroatien aufzutreten und überall, wo sich der „lan des verräterische" Zionismus zu regen begann, denselben noch im Keime zu ersticken. Und so kam es, dass im „Pokret" mit der Bemerkung der Redaktion: Audiatur et altera pars! zwei aufeinanderfolgende Artikel des bereits unter den Assimilanten Kroatiens berühmt gewordenen Herrn Fröhlich erschienen, die als eine Entgegnung auf die Artikel Otto Kraus' gelten sollten. Aus den Zeilen glaubte man die mit dem Brustton der Ueberzeugung ausgestosstnen Worte: „Ja sam Hrvat! (Ich bin ein Kroate!)" zu vernehmen — und man wusste nicht recht, ob man Herrn Fröhlich belächeln oder bedauern sollte. Jedoch der Schluss seines Artikels musste jedermann, ganz ohne Ausnahme, rühren. Wie ein tausendjähriges Weh, wie der Angstschrei eines Bedrängten und Hilflosen klangen seine Worte: Die kroatische Oeffentlichkeit möge ihre Meinung äussern; sie möge sagen, ob sie die Juden Kroatiens, die Kroaten sein wollen, als vollwertige Kroaten anerkenne oder nicht — und er werde sich dann diesem Ausspruche unterwerfen! Doch noch ehe Fröhlichs Aufforderung zur Stellungnahme dem Nationaljudentum gegenüber im „Pokret" erschien, hatten sich bereits zwei kroatische Blätter gefunden, die den Zionismus in Kroatien freudig begrüsst hatten. Es waren dies die in Osijek erscheinende „Narodna Obrana" und der in Zagreb erscheinende „D o m". Die „Nar. Obrana", das Organ der sogenannten Realisten, widmete am Vorabend des „ersten Kongresses jüdischer Abiturienten aus den südslawischen Ländern in Osijek" dem Zionismus einen Leitartikel, welch ersteren sie als den Schöpfer eines gesünderen und aufrichtigeren Verhältnisses zwischen den Kroaten und den kroatischen Juden auf das sympathischeste begrüsste. Der ganze Artikel zeugte von einer Sachkenntnis und richtigen vorurteilslosen Auffassung des Zionismus, die wir gerne bei unseren jüdischen Gegnern sehen würden. Dieser Artikel wirkte wie eine kalte Dusche auf die Gemüter der Assimilanten. Besonders der letzte Passus, wo der Leitartikler den jüdischen Kroaten oder Talmikroaten zuruft, sie mögen nur Juden bleiben — sie könnten als Helfer dem kroatischen Volke genug Gutes und Nützliches leisten, blieb nicht ohne die gewünschte Wirkung. Jedoch diesem Leitartikel ging noch so manches voraus. Wie wir bereits in diesem Blatte seinerzeit gemeldet haben, veröffentlichten 14 jüdische Akademiker aus Osijek, die sich vorsichtig „Kroaten mosaischer Konfession*4 nannten, eine Protestresolution gegen den ersten Abiturientenkongress in allen Blättern, die sie aufnehmen wollten. Sie glaubten, auch die „Nar.fObrana" dürfte nicht gegen die Publikation dieser berüchtigten Resolution sein. Man riet zwar den Führern der Assimilanten von diesem Schritte ab, doch ohne Erfolg. Die Assimilanten beharrten fest auf der Veröffentlichung — und so geschah's, dass die Resolution in der „Nar. Obrana" mit einer ziemlich ausführlichen Begleitnotiz erschien. Nun war es aber schon zu spätl Die Assimilanten konnten nicht mehr zurück — wie gerne sicherlich auch einige wollten 1 Die Begleitnotiz war in zionsfreun dlichem Sinne geschrieben. . . Bald darauf erschien eine zweite Resolution, in der sichzirka 20 kroatische Akadem iker (katholischer Konfession) mit ihren Kollegen jüdischer Konfession solidarisch erklärten und ebenfalls die nationaljüdische Agitation einiger Akademiker verurteilten. Und so schlössen die Kroaten mit und ohne den Zusatz ein Schutz- und Trutzbündnis gegen die Zionisten .... Die beiden Resolutionen hätten die kroatische Oeffentlichkeit auf das „Treiben" der Zionisten aufmerksam machen sollen — und sie taten es auch vollauf. Aber der Effekt war nicht der gewünschte. Statt einer elementaren Reaktion gegen die „Kroatenfresser" Zionisten — wie sich

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