Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 37 (9.9.1904)
- Date
- 1904-09-09
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 flbi* $ weit" Nr. 3? Nichtsdestoweniger gibt es gewisse leitende Grundsätze des Korans, die als göttliche Anordnungen einer Aenderung nicht unterlagen und, nach deren Geist auch die neueren Gesetze, welche die betreffenden Materien regeln, sich richten. Es sind dies zumeist Normen, die von hohen ethischen Gesichtspunkten getragen sind, deren einige Beispiele bereits in der „ Einleitung " angeführt wurden. Mit dem Irade vom 25. Rebi-ul-akhir 1289 wurde ein Promulgationsgesetz eingeführt, welches allgemeine' Verfügungen über Erlassung von Gesetzen enthält und anordnet, dass jedes derselben durch einen „Irade", „Emruferman" des Sultans nach Beratung und Genehmigung seitens des Staatsrates (Schuräi-Devlet) und des Ministerkonseils (Medschliss-i-vukela) herausgegeben wird und binnen 14 Tagen nach Veröffentlichung in Geltung zu treten hat. Dieses Gesetz ordnet auch die Publikation im offiziellen Organ in Konstantinopel und in den Vilajetsjournalen der Provinzen an. Nachdem das offizielle Blatt zu erscheinen aufgehört hat, wurde der Versuch mit der Herausgabe des oberwähnten „Distur" unternommen. Die Getreidezisternen in Palästina. Die Zisternen, hebräisch niTD genannt, spielen bekanntlich eine grosse Rolle im heiligen Lande, zunächst in wasserarmen Gegenden, denen der Regen in den wenigen Wintermonaten das nötige Trinkwasser für die ganze Sommerzeit liefern soll, welche zirka sieben Monate anhält. Die Zisternen dienen darum als Wasserbehälter. Das Wasser wird mittels Zinkröhren, die an den Dächern angebracht sind, in die Zisterne geleitet, und wenn diese recht rein gehalten wird, ist ihr Wasser erfrischend und wohlschmeckend. Kann denn auch des Himmels Spende mangelhaft sein? Eine Zisterne, gewöhnlich im Viereck gebaut, kann gegraben oder auch, namentlich wo der Boden felsig ist, gehauen sein; im ersteren Falle müssen die Seitenwände ausgemauert und die Fugen verkittet werden. Auf diese Weise wird sie wasserdicht, wird sie ein *nBto ISKö TD Diß Decke, ebenfalls aus Mauerweik, im Halbbogen errichtet, wird von aussen mit Quadersteinen ausgelegt. Für den Kubikinhalt einer Zisterne existiert kein bestimmtes Mass; die Tiefe beträgt in der Regel 5— 6 Meter, für Breiten- und Längenmass ist einzig und allein ausschlaggebend: erstens die Grösse des Daches und zweitens die Seelenzahl, von welcher das betreffende Haus bewohnt ist. Manche Hausbesitzer legen, obwohl die Seelenzahl der Hausbewohner nur eine geringe, dennoch grosse Zisternen an, und zwar aus Spekulation, um nämlich einen Teil ihres Wasservorrates veräussern zu können. Und sie machen ein gutes Geschäft dabei. In der heiligen Stadt sind es die allerwenigsten, die im Sommer kein Wasser kaufen müssen. An zweiter Stelle verdienen die Getreidezisternen genannt zu werden. Um sie bekümmert sich sonst niemand, sie kennt fast kein Europäer; gleichwohl stehen sie in ihrer Bedeutung nicht hinter den ersteren zurück. Ich glaube daher, eine Beschreibung derselben dürfte für Ihre Leser von einigem Interesse sein; ich muss aber gleich hinzufügen, dass das Material dazu mir von einem Freunde, der seine Erfahrungen an Ort und Stelle gesammelt, zur weiteren Verwendung überlassen wurde. Getreidezisternen sind ebenfalls unterirdische, im Gegensatze zu Wasserzisternen runde Bauwerke, welche die Bestimmung haben, einen Teil der Ernte in sich aufzunehmen. — Die Tiefe ist 5 Meter, ebenso beträgt 4 die Breite in der Mitte genommen, während der Boden und die Mündung viel schmäler sind. Eines Mannes Breite wird als Massstab genommen für die Breite der Mündung. Gleich grosse Sorgfalt wird sowohl der Dauerhaftigkeit des inneren Gemäuers wie der Zementirung der Fugen zugewendet, damit von nirgends her Luft eindringen könne. Der Erdboden darf nicht feucht sein; wenn innerhalb 40 Meter Tiefe, von der Oberfläche an gerechnet, Wasser im Schosse der Erde vorhanden, ist der Ort für den Zisternenbau ungeeignet. Das Getreide wird auf Stroh gebettet, weil bei unmittelbarer Berührung mit dem Boden dieser eine Fäulnis der Frucht bewirken würde. Eine Zisterne kann auch mit mehreren Getreidegattungen gefüllt werden, so z. B. mit Weizen, Gerste und Dura. Letzteres wird als Viehfutter benützt, die Beduinen jedoch bereiten, ihr Brot daraus. Es geschieht nur selten und dann auch bloss für einige Tage, dass-eine Zisterne mit verschiedenen Getreidegattungen gefüllt wird, da in solchem Falle sich rascher Gase entwickeln, die auf den Geschmack der Frucht nachteilig einwirken. Die Frucht kann sich in guten Zisternen sieben Jahre lang halten, verliert jedoch schon nach einem Jahre, da der Bodengeruch unvermeidlich ist, bedeutend an Qualität. In einer geschlossenen Zisterne sammeln sich viel Gsse an, die erst entweichen, wenn Luft eindringt. Die ausströmenden Gase sind aber für den Menschen schädlich, ja, können mitunter sogar gefährlich werden. Um nun zu wissen, ob noch Gase vorhanden sind, bedient man sich einer brennenden Kerze; erlifcht diese nicht in der Zisterne, dann sind die Gase bereits daraus entwichen. Gewöhnlich ist dies nach dem zweiten Tage der vollständigen Öffnung der Zisterne der Fall; dann kann ohne Furcht vor Erleiden von Schaden dieselbe geleert werden. Eine teilweise Leerung wirkt nachteilig auf den restlichen Teil. Sollte dennoch die ganze Leerung nicht auf einmal erfolgen, daif das ausgehobene Quantum nicht mehr als 30°/0 des Ganzen ausmachen. In früheren Jahren hat es weise Vorsicht erheischt, grosse Getreidemengen zu reservieren, aus Vorsorge für eine etwa eintretende Hungersnot, sei es durch Missernte oder durch verheerenden Krieg. Der friedliche Zustand jedoch, dessen Palästina sich seit geraumer Zeit erfreut, einerseits, wie die grosse Konkurrenz, welche das produktive Amerika der alten Welt auch im Getreidehandel bereitet, andrerseits, wozu noch allerdings der Umstand in Betracht kommt, dass die überseeische Beförderung durch den regelmässigen und schnellen Dampfschiffsverkehr sehr leicht geworden — alles dies lässt das Anhäufen grösserer Getreidevorräte unnötig erseheinen. Nur noch wenige Spekulanten, auf günstige Konjunkturen hoffend, reservieren bei ganz niedrigen Marktpreisen einen Teil ihrer Ernte. Die Umgebung Gazas z4 B., einschliesslich des Beduinengebietes mit einer Einwohnerzahl von 150.000 Seelen legt durchschnittlich von jeder Ernte zirka 150.000 Keli zurück, während die Ge*amlproduktion in Weizen, Gerste und Dura auf zirka 2*/2 Millionen Keli sich belaufe. 1 Keli ist ungefähr 20 kg. Im Gegensatze zu den Palästinensern hatten die alten Aegypter sich zu diesem Zwecke kegelförmige Magazine oberhalb der Erde erbaut, die der Sicherheit wegen nach oben gemündet haben, welche Mündungen mittels Leitern erstiegen werden mussten. Der Grund liegt offenbar darin, dass, weil der Boden dort viel feuchter, er zu unterirdischen Fruchtmagazinen auch ungeeignet ist. Ich will nun bloss noch hinzufügen, dass letztere Behauptung teilweise in der Bibel ihre Bestätigung findet (s. II. B. M. 1, 11.) Hazioni.