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Die Welt · 1904-09-02 · 36 (2.9.1904) · page 11

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Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
36 (2.9.1904)
Date
1904-09-02
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 36 „bis # W^lt Seite 11 schmerzen zu überwinden und suchte durch die folgenden Massregeln sich abzukühlen: t. Die in Finnland ansässigen Juden sind nicht befugt, ausserhalb Helsingfors, Wiborg uad Abo sich niederzulassen (einschliesslich such eines jeweiligen Aufenthalts auf dem Lande). 2. Die in Finnlaud ansässigen Juden dürfen keine Heirat mit den auswärtigen Juden schliessen. 3. Das Handelsrecht in Finnland untersagt den Juden alle Beschäftigungen ausser mit Lumpen, Streichhölzern und alten Kleidern; der Erwerb unbeweglicher Güter ist den Juden strengstens untersagt. 4. Die Jaden erhalten Aufenthaltspässe nicht länger als auf sechs Monate. 5. Die finnische Verwaltung findet für angemessen, jeteu Judennach Begehen eines Verbrechens innerhalb 24 Stun ien aus dem Lande auszuweisen. Diese Massregeln gegen die Juden bedürfen keines weiteren Kommentars. Vom wirtschaftlichen Antisemitismus kann hier die Rede nicht sein, da die ganze jüdische Bevölkerung in Finnland zirka 700 Seelen zählt. Der finnische Bauer hat eine Vorstellung von einem Juden wie von einem bösen Dämon. Die finnisch-schwedische Verwaltung ist sich zwar im letzten zehnt dessen bewusst gewesen und lies teilweise jene harten Verfügungen unbeachtet. Als neulich die finnischen Behörden durch russische ersetzt wurden, ist diese gesetzliche .Tradition" wieder ins Leben gerufen worden. Zionisten vor Gericht. In Proskurow Gouv. Podol, fand Samstag den 23. v.M. eine interessante Gerichtsverhandlung statt, die mit dem Hinscheiden unseres Führers Dr. Herzl in Zusammenhang stand. Angeklagt waren die Zionisten Dr. Rapoport, J. Grünburg, Schuchbalter und eirj Buchdruckereibesitzer. Die Anklage lautete: Als der Zionistenführer und Schöpfer der Kongrpgse, Dr. Herzl, starb, wurden auf Initiative der Zionbten sämtliche Geschäfte der Juden zum Zeichen der Trauer gesperrt. An den geschlossen en Ladentüren klebten „ohiie Genehmigung der Behörde" gedruckte Zettel des Inhaltes: „Infolge der nationalen Trauer um das Hinscheiden Dr. Herzls ist der Laden geschlossen.8 Nach der in der Synagoge abgehalteren Trau>*rfeier versammelten pich mehrere Z-onisten vor d*n Geschäften der jüdischen KaufLrute Biviser und Bermann, die ihre Läden nicht gesperrt hatten und stellten dies^ zur Rede. Auf das Einschreiten der Polizei zerstreuten sich die Angesammelten. Die Zionisten wurden freigesprochen, während der Buchdrucker zu einer Strafe von 3 Rubeln verurteilt wurde, wegen des Druckes von nationalen Kundgebungen ohne Genehmigung der zustehenden Behörde. „Hazofe". Aus den argentinischen Kolonien. Der „Fraind" verzeichnet die Nachricht des „Argentinischen Taeiblatt", dass wiederum 50 Familien die Kolonien „Klara* und „Lunevjlle" verlassen haben. Die Schuld schreibt das einheimische Blatt der Direktion zu, welche die Kolonisten wie willenlose Knechte behandln. Die Administratoren selbst müssen gegen die Bauern rücksichtslos streng sein. Dr. Lapin wurde Direktor der Siedlungen in Brasilien, dageg-n zwei Verwalter wegen ihrer Milde entlassen. Die Abfahrt der Kolonisten — schreibt der Korrespondent des „Fraind" — ist eine so alltägliche Sache, dass man die Kolonisten bei ihrer Ankunft tragt, wie lange sie zu bleiben gedenken. Unter den letzt Wegfahrenden bffinden sich auch solche, die schon in Russiand Ackerbau betrieben haben! Die Betriebseinnahmen der Anatoliscben Bahnen betrugen in der 31. Woche: Stammlinie 578 Kilometer: vom 30. Juli bis 5. August 99 081 Fr., w. 7333 Fr., vom 1. Jänner bis 5. August 2,910.876 Fr., w. 293.504 Fr., Erpänzungsnetz 445 Kilometer : vom 30. Juli bis 5. August 27.054 Fr., weniger 1129 Fr., vom 1. Jänner bis 5. August 915.837 Fr., weniger 401.113 Fr. Hamidie-Ada-Basar 9 Kilometer; 31. Woche vom 30. Juli bis 5. August 2163 Fr., mehr 476 Fr. Seit 1. Jänner 76.884 Fr., mehr 33.095 Fr. Insgesamt 31. Woche: 128.298 Fr., weniger 7986 Fr., insgesamt seit 1. Jänner 3,903.597 Fr, weniger 661.522 Fr. Eine Doppelbüste von Moses und Aaron. Der ehemalige Unterricntsminister und Abgeordnete K. Papamichalopoulos, der gegenwärtig verschiedene Gegenden Kleinasiens und Palästinas bereist, hat an die athenische Zeitung „Athinae" einen Bericht geschickt über di« „Doppelbüste von Moses und Aaron", die sich in dem kürzlich gegründeten Museum der „Theologischen Schule des Kreuzes" in Jerusalem befindet. Wir finden vou diesem Berichte in der „Vossischen Zeitung" den folgenden Auszug: Die Büste ist in der äusseren Form den Doppelherm^n der griechischen Kunst ähnlich und wurde seinerzeit zwecks bequemerer Beförderung an ihren gegenwärtigen Aufenthaltsort in mehrere Stücke zerschnitten, die aber leicht wieder zusammenzupassen sind. Die linke Hälfte der Büste, die den Kopf des Moses darstellen soll, ist 0*39 Meter hoch; die rechte Hälfte mit der Darstellung des Kopfes des Aaron ist 0 47 Meter hoch. BeHe Fjguren zeigen unverkennbar den echten Typus der israelitischen Rasse: das läüghche Gesicht, die gebogene Nase, den herabfallenden Bart, das lange Haar, wohlgepflegt und an den Schläfen gewellt, den scharfen Blick; zugleich aber verleiht der milde Ernst, die ruhige Erhabenheit, die sich in den Gesichtern der beiden Personen ausspricht, dem Kunstwerk einen hervorragenden Charakter. Das Kunstwerk wurde um die Mitte des vorigen Jahrhunderts 4 Meter unter der Erde auf dem Grund vor der jetzigen Metropole von Nazareth gefunden, und zwar zusammen mit einer Reihe anderer archäologischer Funde, wie Säulen und Kapitale. Auf dem Platze stand früher ein von Justinian erbauter glänzender Tempel, der die Stelle der berühmten jüdischen Synagoge einnahm. Als die Büste ausgegraben war, wurde sie sofort von dem türkischen Mufti dem griechischen Metropoliten Nifon übergeben, der sie im Vorgarten der Metropole aufstellen liess. Da sich aber die begehrliche» Blicke zahlreicher Antiquitäter»freunde und Archäologen auf sie richteten und verschiedene Male der Versuch gemacht wurde, sie zu entführen, beschloss der jetzige Metropolit von Nazareth, Theophanes,die Büste in Sicherheit zubringen, und schenkte sie dem jüngst gegründeten Museum der „Theologischen Schule des Kreuzes" in Jerusalem. Einigermassen schwierig ist nun die Frage nach der Herkunft dieser Reliefbüsten. Gegenüber der Behauptung einiger Gelehrten, dass sie eine moderne Fälschung seien, muss auf die Fundumstände und darauf hingewiesen werden, dass sie zusammen mit anderen antiken Gegenständen ans Licht kamen. Dass in türkischer oder arabischer Zeit die Kunstübung in Palästina noch geblüht haben soll, ist schwerlich anzunehmen. Dagegen wissen wir, dass seit dem 3. Jahrhundert n. Chr. die griechische Kunst in Palästina in Blüte stand, deren Ueberreste noch heute in Heliopolis (Baalbek) und Gerasa, Petea u. s. w. sichtbar sind. Dass ein Jude selbst die beilen Porträts geformt habe, m Uebertretung des göttlichen Gebotes, kein Bildnis noch Gleichnis zu machen, ist unwahrscheinlich, wenn auch nicht ganz unmöglich. Die Monte Carlo Publishing Company in London liess in ihrem Verlage eine neue jüdische Komposition von Emest D a vi d s o n erscheinen. Die Komposition trägt den Titel: „Star of Israel" (Stern Israels) und soll den nationalen Gedanken in musikalischer Form verherrlichen. Den Text schrieb Mr. Edward Martin Seymour. Jerusalem. Dem Beispiele der Jaffaer Gemeinde folgend, verschrieb sich auch die hiesige aschkenasische Gemeinde einen neuen, nunmehr den zweiten Rabbiner aus Russland, der denn auch am 21. v. M. hier eintraf. Zum Empfange hatte sich eine grosse Menge am Bahnhofe eingefunden. Wie die „Haschkafah" berichtet soll der Enthusiasmus nicht gross gewesen sein, indem die neue Rabbin^rin in völlig europäischer Tracht, mit Hut und Schleier sich repräsentiert hatte. — Dieser Tage verstarb hier der Schreiber vom ungarischen J. M. Kraus in einem Alter von kaum 00 Jahren. Der Verblichene, aus Ungarn stammend, war ein Schwager vom Cairoenser Oberrabbirysr und der jrimö vom Banquier J. Valero. Kraus wird sehr viel Rühmliches nachgesagt. In erster Linie gilt dUes seinem.ehrlichen Gebahren als Beamter. „T'üaun Personalnachricht. Am 26. August starb in Koritschan, allgemein betrauert» unser geschätzter Gesinnungsgenosse David Rosenfeld im Alter von 60 Jahren. Ehre seinem Andenken! Bücherwelt. Rudolph Stratz. Es war ein Traum. Berliner Novellen. J. G. Cotta'sche Buchhandlung. Stuttgart und Berlin 1903. Ein Novellenbuch, das den Titel seiner ersten Novelle als Gesamttitel erhalten hat. Und mit Recht. Es ist die klarste und schönste der vier Novellen des Buches, Für unsere Leser sicherlich die interessanteste. Der Traum eines jungen, hochgebideten deutschen Juden. Ein Traum, der ihn während dreier Tage mehr lehrt, als die vielen Jahre, die er seiner Wissenschaft gelebt hat. Dr. Siegfried Elkan, Dozent an der Berliner Universität, lernt durch einen Zufall die Baronesse Yella von Lützelhart, die Tochter eines alten, verarmten Geschlechtes kennen und lieben. Zwei Tage hoffte er, sie erringen zu können. Es war ein Traum. „Keine Brücke führte von ihm hinüber an das andere Ufer. Noch waren die Wasser zu tief. Wann kam die Zeit des Brückenschlages? Wer war der Baumeister, der die zwei Welten endlich verband?" Dr,

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