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Die Welt · 1904-09-02 · 36 (2.9.1904) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
36 (2.9.1904)
Date
1904-09-02
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 36 flbiS * W*ll Seite 9 unseres grossen Meisters Dr. Theodor Herzl, dem er einen warmen Nachruf widmete. — Galatz zählt derzeit fünf zionistische Vereine: „K ad im ah" mit mehr als 100 Mitgliedern, Präsident Herr Fleischmann; „Sam. Pineles", Präsident Herr Dr. Heifant;J„D r. M ax Nord au", Präsident Herr Grünberg, Herausgeber des in Lieferungen erscheinenden Werkes „Berühmte Männer in Israel"; „Esrahu, jüngst begründet durch Herrn Schönberg, und den Frauen- und Mädchenverein »Frau Dr. Julie Herzl", vor kurzem begründet, Präsidentin Frau Schönberg. Ploesti. Am Tage des Begräbnisses unseres unvergesslichen Führers wurde im hiesigen Tempel zu Luca Moise ein Trauergottesdienst abgebalten. Trauerreden wurden von Herrn Oberrabbiner Breizis und von Herrn A. D. Rosen gehalten. Das „El mole rachamim" und Kapitel 49 wurde vom Oberkantor Jakob Süssermann meisterhaft vorgetragen. Das Kadischgebet bildete den Schluss. London. Sonntag den 20. August, fand in der New Synagogeeine Versammlung desLadies-Committeezur Sammlung eines Fonds für die KinderH erzls statt. Mr. S. Lennox- Loewe, derz. Obmann des Komitees, präsidierte. Es wurde über die Mittel zur intensiveren Förderung der Sammlung beraten. Man beschloss, zu diesem Behufe in den verschiedenen Stadtteilen Londons Komitees zu gründen und sie womöglich unter einer Leitung zu vereinigen. Die nächste Sitzung des Komitees wird nach den Feiertagen im Westend stattfinden. Die englische Zionist Federation beschloss, Sammelbögen für das Nationalgeschenk herauszugeben. Welt-ühFonik. Aus der Geschichte des Infanterie-Regimentes Nr. 30 (Ergänzungsbezirk Lemberg). Angesichts der in der antisemitischen Presse immer wiederkehrenden, übrigens auch in weiten Volkskreisen verbreiteten Ansichten von der Minderwertigkeit jüdischer Soldaten erscheint eR nicht uninteressant, diese Ansichten auf ihre Stichhältigkeit an der Hand von Daten zu prüfen, deren Authentizität nicnt angezweifelt werden ka><n, da die Regimentsgesch'chten von Mitgliedern des Offizierskorps UQd unter der Kontrolle derselben bearbeitet werden. Nun haben sich innerhalb des obgenaanten Regimentes sehr viel* jiiiische Soldaten während der Feldzüge von 1859, 1864, 1866 und 1875 durch Urasic »t und todesmutige, andere anfeuernde Tapferkeit h^rvorgetan. Viel*4 sind unter ihnen, die auf ler Wahlstatt blieben und für immer in fremder Erde schlummern, viele der Ueb^rlebenden wurden nach Beendigung d^s Krieges mit kaiserlichen Auszeichnungen bedacht. So stossen wir schon in der Kriegschronik des Jahres 1814 auf einen jüdischen Nam^n. Korporal Aron Kares erhielt für die während eines Gefechtes bewiesene Unerschrockenheit die silberne Tapferkeitsmedaiile. Im Jahre 1848 finden wir das Regiment in Italien. Da h*isst es unter anderem: Gemeiner Chie Bohrer d^r 6. Kompagnie deckte den Rückzug der sich zurückziehenden Abteilung mit dem Gemeinen J. Moor so lange, bis dieselbe 300—350 Schritte rückwärts, also aus dem wirksamsten Feuerbereiche entfernt war. Mit Bajonett und Kolben verteidigten sich diese braven Soldaten gegen die Uebermacht, und als sie umgangen und von allen Seiten eingeschlossen waren, brachen sie sich mit dem Bajonette Bahn, wobei Gemeiner Moor tödlich verwundet wurde. Gemeiner Chie Bohrer erhielt die silberne Tapferkeitsmedaille II. Klasse. Wegen der in der Schlacht bei Novara bewiesenen Tapferkeit und Kaltblütigkeit erhielten Tambour Samuel Fischblatt und Korporal Menasse Bierer eine öffentliche Belobung im Armeebefehle. Das Regiment beteiligte sich im folgenden Jahre an d»r Niederwerfung des ungarischen Aufstandes. Gefreiter Wolf Alter der 16. Kompagnie hatte sehr viel Mut und Entschlossenheit an den Tag gelegt, seine Untergebenen beim Sturme durch sein gutes Beispiel um so mehr angeeifert, als er, am linken Unterschenkel verwundet, den Gefechtsplatz nicht verliess, sondern mit seiner nicht unbedeutenden Blessur bis zur Beendigung des Gefechtes kämpfend ausharrte. Er erhielt die silberne Tapferkeitsraedaille 1. Klasse. Unter den im Gefechte bei Ihäczi Verwundeten befand sich der Unterleutnant Samuel Tarler, Die ruhmreichsten Erinnerungen des Lemberger Hausregimentes datieren aus der Zeit des Schleswig- Holsteinschen Krieges. In einem der Hauptgefechte erfasste Feldwebel Samuel Einschlag das stürzende Pferd seines verwundeten Hauptmannes bei den Zügeln, hob denselben herunter, trug ihn bis zum Verbandsplatze und kehrte sofort wieder zu seiner Kompagnie zurück. Einschlag erhielt die silberne Tapferkeitsmedailie IL Klasse. — Für sein aneiferndes und kühnes Benehmen erhielt Führer Isak Bloch dieselbe Auszeichnung. — Führer Jakob Grünthal wurde am Schenkel verwundet, blieb jedoch trotzdem bei seiner Abteilung in erster Reihe, zeigte viel Kaltblütigkeit und wurde erst tags darauf ins Spital gebracht. Ihm wurde die belobende Anerkennung ausgesprochen. — Feldwebel Moses Mayer zeichnete sich nicht nur durch sein kühnes Vorgehen und Aneifern der Mannschaft während des ganzen Gefechtes aus, sondern auch dadurch, dass er mit dem unter seinem Kommando stehenden dritten Zuge, welcher während der vielen Stürme auf die vom Feinde besetzten Knicks hart mitgenommen und bereits erschöpft war, noch freiwillig einen Angriff auf eine doppelt überlegene feindliche Abteilung unternahm und dieselbe durch sein mutiges und entschlossenes Vorgehen aus seiner Stellung vertrieb. Sein tapferes Benehmen verdient eine um so grössere Anerkennung, als er zwei Tage vor dem Gefechte vom Regimentsarzte ins Spital bestimmt wurde, weil seine Gesundheit durch die Strapazen herabgekommen war. Er bat aber, ihn nicht ins Spital zu senden, damit er an dem zu gewärtigenden Gefecht teilnehmen könnte. Er erhielt die silberne Tapferkeitsmedaille I. Klasse. — Gemeiner Jankel Schäffer war ebenso mutig als findig, er war stets guter Laune und ein nachahmungswürdiges Beispiel für die Mannschaft bei allen Bewegungen und Angriffen. Auf die feindlichen Plänkler schoss er mit grosser Kaltblütigkeit und Sicherheit. Er erhielt die silberne Tapferkeitsmedaille II. Klasse. Während des Gefechtes bei Oberselk machte gegen Abend eine Abteilung Dänen einen Vorstoss. Führer Wolf Träger befand sich in unmittelbarer Nähe, sammelte entschlossen die in der' Nähe befindliche Mannschaft, empfing die Stürmenden mit heftigem Feuer und warf sie mit Verlust zurück. Er erhielt die belobende Anerkennung. — Gefreiter Jossei Storch eilte, als Hauptmann Planner, auf einer Anhöhe stehend, die Fahne entfalten wollte und dabei nach jemandem rief, der ihm helfen sollte, sosrleich, des heftigen Kugelregens nicht achtend, herbei und eiferte durch dieses Beispiel die übrige Mannschaft zur Unerschrockenheit an. Er erhielt die belobende Anerkennung. Gemeiner Naftali Axhaben weckte durch Aneife^urg und verwegenes Vorgehen die Kampflust seiner Kameraden und erhielt die silberne Tapfrrkpitsmedaille IL Klasse. — Führer Adolf Glaser wurde durch einen Streifschuss an der Brust leicht verwundet, fiel zu Boden, raffte sich jedoch nach einer kurzen Weile wieder auf und trat, obgleich stark blutend, in seine Abteilung. Bei den späteren Angriffen zeichnete er «ich, stets an der Spitze seines Zuges, durch vortreffliche Haltung und rastlose Aneiferung der Mannschaft aus. Er erhielt die silberne Tapferkeitsmedailie L Klasse. — Während des Feldzuges von 1866 nahm das Regiment am Gefechte bei Podol Anteil und es erhielten für ihr tapferes und unerschrockenes Benehmen die silberne Tapferkeitsmedaille IL Klasse: Führer Nussim Schimmel, Gemeiner Osias Wallach, Führer Salomon Peretz; ferner für Reine im Treffen bei Jicin an den Tag gelegte Tapferkeit Korporal Simon Jütkes die belobende Anerkennung und für sein hervorragend gutes Benehmen in der Schlacht bei Königgrätz der schon früher belobte Führer Jakob Grünthal ebenfalls die silberne Tapferkeitsmedailie II. Klasse. Obige, keineswegs ganz lückenfreie Daten machen den jüdischen Angehörigen des Lemberger Hausregimentes alle Ehre, sie bilden gleichzeitig ein glänzendes Dementi aller verleumderischen Gerüchte über die Indolenz und Feigheit der jüdischen Soldaten. Ben Z i o n. Aus Galizien. Dr. v. Koerber, der österreichische Ministerpräsident, ist auf einer Reise in Galizien begriffen. Alle Nationen, Stände und Klassen benützen die Gelegenheit, ihm ihre Gravamina vorzutragen. Dr. Byk, der Präsident der Lemberger Kultusgemeinde, will seinen Aufenthalt in Karlsbad nicht unterbrechen und legt seine Wünsche schriftlich in dem folgenden Briefe vor: „Eure Exzellenz!

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