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Die Welt · 1904-09-02 · 36 (2.9.1904) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
36 (2.9.1904)
Date
1904-09-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 „bie & weit11 Nr. 36 Wir sind vom Herzen froh, dass wir all diesen Vorwürfen nur vollauf Recht geben können und bezeichnen das noch als unsere köstlichste Errungenschaft; ja, wir haben Freisinnige und Strenggläubige, haben alle menschlichen Richtungen stark bei uns vertreten; wir haben alle Berufe und Stände, Bürger aller Länder; wir haben den behäbigen Juden aus dem Rheinland und den kaukasischen Scharfschlitzen; den südafrikanischen Pedlar und den kühlen Schweden; wir haben das jüdische Leben bei uns und alle seine Gestalten» Wir sind das Judentum, das lebt und leben wird. Wer kann einer Idee etwas anhaben, die die grössten Gegensätze spurlos verschwinden lässt, die aus allen Enden der Erde Juden hervorruft und sie im Namen der heiligen Heimat zu herzlichen Brüdern macht? ---Und dafür Feindschaft — weil wir die Juden in harter Arbeit einigen, Feindschaft. Weil sie uns jetzt schwach glaubten, haben unsere alten Gegner in letzter Zeit wieder Sturm gegen uns geblasen; heimlich sind sie uns aber dankbar dafür, dass wir ihrer Feder Stoff bieten. Woher könnten sie ohne uns von jüdischem Leben berichten? Wir haben das Vergnügen schon öfters gehabt, Objekt eines Kesseltreibens im Assimilantenblätterwalde gewesen zu sein, die Sache hat uns aber noch nie schlecht bekommen; unser ehrlicher Fleiss hat uns doch immer weiter gebracht, als ihre kurzbeinigen Lügen unsere Gegner. Mögen die Herren also in ihrer Art ruhig fortfahren, wir unsererseits werden ehrlich weiterarbeiten, ohne uns von Launen der Witterung in der Natur oder in offiziösen Kreisen jemals bestimmen zu lassen. J. Upfimny. Die Konferenz der „Misrachi" in Pressburg. (Schluss.) Dienstag den 23. wurde in der Vormittagssitzung ausschliesslich über das Organisationsstatut debattiert. Es handelte sich vor allem um die nähere Bestimmung der religiösen Qualifikationen derjenigen, die der Organisation des „Misrachi" angehören können. Gar verschieden lauteten die diesbezüglichen Ansprüche an die Fi ömmigkeit der „Misrachi'-Angehörigen, ULd es bedurfte eist dei Ermahnung Dr. Kahns, dass der Misrachi all zionistische Organisation vor allem auf das zionistische Bekenntnis seiner Mitglieder und deren Zugehörigkeit zur Gesamtorganisation innerhalb ihrer Landsmannschaften zu achten habe, vm ein in diesem Sinne abgefasstes Programm zu erzielen. Während alle übrigen Referate rein religiöse Fragen, sei es solche der Erziehung oder der Organisation, behandelten, befasste sich Rabbiner Grünhaus (Troki) auch mit zionistischen Fragen, ind»m er den Gebrauch von Palästina-Ethrogim empfahl, sowie auch die Föi derung der Kolonisationsgesellschaft „Geulah" und die Sammlungen für den jüdischen Nationalfonds anregte. Am Schlüsse der Sitzung gab Herr Jawetz eine Erklärung ab, dass er mit seinen Ausfällen gegen die hebräische Presse und Literatur niemand persönlich treffen wollte (die Entschuldigung galt Dr. Bernfeld als ßibelkritiker), dass er fzruor seine Ausführungen aufrechthalte; dieselben habe er im eigenen Namen, nicht im Auftrage der Leitung des Misrachi gemacht. Er trage allein die Verantwortung und sei bereit, wenn dies der Misrachi- Sache schaden sollte, sich ganz zurückzuziehen. Von seiten des Präsidiums erklärte Dr. N o b e 1, dass Herr Jawetz allein dieVerantwortung für sein Referat trage. In der Nachmittagssitzung, die um 1 Uhr begann, wurden die Wahlen in die Zentralleitung vorgenommen. Ais Sitz derselben wurde Frankfurt a.M. bestimmt und ein fünfgliedriges Aktionskomitee, bestehend aus den Herren Dr. Nobel (Leipzig), Dr. Adler (Lübeck), Doktor F r a n k (Altona), Rothschild und Posen (Frankfurt a. M.), mit der Leitung betraut Das eigentliche Präsidium des „Misrachi" bildet Rabbiner R e i n e s (Lida) mit den Mitgliedern der russischen Landsmannschaft: Rabbiner Grünhaus (Troki), Fischmann (Markulest), Jawetz (Wilna), Farbstein (Warschau) und deren Ersatzmänner Rabbiner K o w al sky (Wlozlawek), Gurland (Wilna). Zu Vertretern der Landsmannschaften wurden gewählt: Ungarn : Rabbiner Roth (Päpa), Rabbiner G1 a 8 n e r (Koloszvär), Roßner (Miava). Oesterreich: Rabbiner Dr. Fink (Wien). Galizien: Rabbiner Schmelkes (Kölomea), Rabbiner Gelernter (Kutty), Ersatzmänner : S. Melzer (Rohatyn), L. Koretz (Ropczyce). Holland: Rabbiner Dr. Dünner (Amsterdam). Rumänien : Rabbiner Land a u undF a 1 ck (Botosani) Deutschland: Ausser den obigen noch die Ersatzmänner : Red. G ei s, Dr. Feichtwangen und Doktor Meier (Frankfurt a. M.). England: James L o e w e (London). Amerika: Dr. Klein (New York), Rabbiner Guttmann (New Jersey). Während und nach der Vornahme der Wahlen wurden verschiedene Resolutionen besprochen und Anfragen gestellt. Del. Altmann richtet eine Anfrage an das Präsidium, wie sich die Mi*rachisten zu der von den Protestrabbinern in Aussicht gestellten Gründung eines Kolonisation svereines zu verhalten haben. Rabb. Landau teilt mit, dass deren Aufrurf direkt jeden Misrachisten von der Teilnahme ausseht i e s s t. Zufolge einer Anregung Dr. Nobels wird eine Sammlung für den Nationalfonds eingeleitet, um die Versammlung ins Goldene Buch einzutragen. Hierauf beantragt Rabb. Landau folgende Resolution, betreffend die Jugenderziehung: Der Misrachi sieht in der Erziehung einen der wichtigsten Punkte der Gegenwartsarbeit. Es sollen daher in allen Städten Kommissionen eingesetzt werden, womöglich mit dem Ortsrabbiner an der Spitze, zur Ueberwachung der Chedarim und deren sanitärer Verbältnisse, Prüfung und Beaufsichtigung der Lehrer und der Erteilung von profanem Unterricht durch gesetzestreue Lehrer. Die Väter mögen ermahnt werden, über die Lektüre der Kinder zu wachen. Die Jünger der „Jeflchiwoth" sollen zu rationellen und zweckmässigen Studien angehalten und vorn Schnorren für ihren Lebensunterhalt befreit werden. Auch die Mädchen müasen mehr als bis jetzt im jüdischen Geiste erzogen werden. (Angenommen.) Es gelangen zur Verlesung die Beschlüsse des Ausschusses für Presse und Literatur. Im Namen derselben beantragt Del. Lieben (Prag) folgende Resolution: Als Parteiorgane des „Miarachi" gelten „Hamisrach" (hebr.) und das „Frankfurter israelitische Famüienblatt", die abonniert und propagiert werden müssen. „Hamizpoh** (Krakau, hebr.) wird als misrachifreundliches Blatt empfohlen. Dr. Nobel beantragt Einsetzung einer Kommission zur Prüfung der Literaturerzeugnis3e,be vor dieselben abgeurteilt werden. Es wurde noch eine grosse Menge von Resolutionen und Anträgen eingebracht, besonders von Rabb. Fischmann, der u. a. verlangte, es solle auch die C h a 1 u k a

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