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Die Welt · 1904-08-26 · 35 (26.8.1904) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
35 (26.8.1904)
Date
1904-08-26
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
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Seite 12 „bie # wtit11 Nr. 35 wundet und starb am folgenden Tage; 22 wurden leicht verwundet. Die Unruhen sind dadurch entstanden, dass ein jüdischer Knabe einen strenggläubigen Katholiken geschlagen hatte, was das Gerücht hervorrief, ein Christ sei durch einen Juden ermordet worden. Nun wollten die Arbeiter an den Juden Rache nehmen. Was die Vorgänge in Partschew betrifft, so hatte die Polizei am 5. August einen Haufen Juden ohne Gewaltmassnahmen auseinandergetrieben. Der Grund des Auflaufes war die Absicht der Juden, einen in Ljublin getauften Juden zu verbergen. Bei dem Zusammenstosse mit der Polizei wurden 20 Personen leicht, aber niemand schwer oder tödlich verwundet. Privatmeldungen aus Warschau schildern die Vorgänge am 4. und 5. August in bedeutend lebhafteren Farben! Nach diesen Mitteilungen sollen in Ostrowetz 10 Juden getötet, 15 schwer verwundet, in Partschew 3 Juden getötet und 12 schwer verwundet worden sein. Krementschug. Der Rabbiner von Krementschug, Dr. Freudenberg, erhielt dieser Tage, wie die „Odesskija Nowosti" melden, von den „Tussischen Kaufleuten" zwei anonyme Drohbriefe, welche sich gegen die jüdischen Kauflaute richten, die ihre Geschäfte am Samstag geschlossen, am Sonntag dagegen offen halten. In diesen Drohbriefen erklären die Russen, dass, im Falle Doktor Freudenberg die Juden nicht veranlassen werde, ihre Geschäfte am Sonntag zu schliessen, die russischen Kaufleute „b e s o n d e r e Mittel" ergreifen werden, um die Juden dazu zu zwingen. Unter den Juden in der Stadt herrscht infolgedessen grosse Aufregung, weil die „besonderen Mittel" nichts anderes als Judenexzesse sind. Die Polizei hat Massnahmen getroffen, um den Ausbruch von Unruhen zu verhüten. Gt. Petersburg. Der Gnadenerlass, der anlässlich der Geburt des russischen Kronprinzen herausgegeben wurde, enthält ausser der Amnestie für politische Verbrecher und dem auf die Finnländer bezüglichen Teil auch einen Passus, in dem den jüdischen Familien, deren Angehörige ihrer Wehrpflicht nicht nachgekommen sind, die deshalb auferlegten Geldstrafen nachgesehen werden. Andere Verfügungen betreffs der Juden sind, wie uns unser Korrespondent mitteilt, in dem Erlasse nicht enthalten. ^ribuoe. (Für diese Rubrik ist die Redaktion nioht verantwortlich.) Marken für den Nationalfonds. Folgende Gesinnungsgenossen haben für den N.-F. Briefmarken gespendet : Wien: „Verlag Zion", Dr. Gottlieb Stern, Frl. Ilka Kraus, B. Grdnhut, Theod., Betti und Gisella Weiss, Z. M. V. »Neureh Makkabäaa. H a 1 i c z : Mendel Achselrad. Pilsen: Josef Ekstein. Chodorö w: J. Goldstein, Josef Rattner. Prag: J. U. Dr. David Teller. Leipzig: J. Raskin. K u t j e v o : Emma h'aija. Goldingen : M. Gawronsky. S n i a ty n : Jos. Rosenkranz, Pinkas Lenz. Allen Spendern besten Dank. Wir bitten die P. T. Einsender, die eingedruckten Marken der Ganzsachen nicht auszuschneiden, da sie dadurch ganz wertlos werden. Weiters bitten wir die Gesinnungsgenossen, uns österreichische und ungarische Nachporto- sowie württembergische Marken einzugenden, da wir für selbe einen Käufer haben. Für die Philatelie-Abteilung der N.-F.-Kommission: J. W e r t h e i m * * * Aus der Wiener Jüdischen Toynbee-Halle XX., Karajangasse 20. Das Sekretariat der Wiener Jüdischen Toynbee-Halle gibt hiermit bekannt, dass am 4. September wegen der hohen Feiertage eine Unterbrechung in der Abhaltung der heurigen Sommerkurse eintritt. Der Zeitpunkt der Fortsetzung der Kurse wird rechtzeitig bekanntgegeben, werden. Diejenigen Herren und Damen, welche im kommenden Vortragssemester in der Jüdischen Toynbee-Halle sich als Vortragende betätigen wollen, werden höflichst ersucht, das gewählte Thema und womöglich das genaue Datum ihres Vortrages an Herrn Dr. Siegmund Werner, IX., Nussdorferstrasse 16, bekanntgeben zu wollen. Da mit der Zusammenstellung der Vortragsliste bereits begonnen wurde, so wird um baldige Verständigung gebeten. Das Sekretariat der Wiener Jüdischen Toynbee-Halle, j^us der föe\frc<3aoä Gedenket des Schekefs! Nadwörna. (Verein „Z i o n".) In der Hauptsynagoge, die überfüllt war, fand eine Trauerfeier statt, bei der Herr J. Weber - Kolomea die Rede hielt. Der Verein wird stark besucht, die Bewegung macht hier Fortschritte. Mährisch-Schönberg. Auf Anregung unseres Kultusvorstehers Herrn Jakob Stern fand im hiesigen Tempel am 14. Juli eine Trauerfeier für Dr. Theodor Herzl s. A. statt. Rabbiner Dr. M. E. P r o s s n i t z hielt die Gedenkrede, in der er die aufopfernde Tätigkeit Herzls für die jüdische Sache beleuchtete. Die Trauprgebete wurden von Kantor M. Müller zum Vortrag gebracht. Jezierna. Die Trauerandacht fand hier am 31. Juli im Vereinslokale statt. Der Saal und das Bild dea Verblichenen waren schwarz drapiert, ein zahlreiches Publikum füllte den Saal. Die ergreifenden Trauerreden hielten Obmann J. Ostersetzer (deutsch) und Lehrer G. Im her (hebräisch). EineHerzl-Bibliothek wird auf Antrag Dr. Korkes' gegründet. V. D. Z. Karlsbad. Einzelverein „Zion". Am Sonntag den 6. August sprach in unserem Vereine vor einem dichtgedrängten Publikum Frau Sidonie Kahn über „Zionistische Plaudereien". Grosser Beifall. N.-F. 35 Kronen (werden dem Fonds zur zweiten Eintragung des Vereines zugewiesen). — Mittwoch 10. August Vereinssitzung. Zahh eic he Kurgaste. Lebhafte Debatte über die Zulässigkeit religiöser Fragen in zionistischen Versammlungen. (Redner: Dr. Fink, Dr. Schreier, Dr. Funk, cand. jur. Hugo Low, O. T e i n ow i t z, Rob. Neubauer). N -F. 5 Kronen. — Jeden Mittwoch findet im Gartensaale des Hotel Trautwein Vereinssitzung statt, wozu Gäste herzlich willkommen sind. Beginn 8 Uhr. Die zionistische Bewegung in Aegypten. In Alexandrien ist ein neuer Verein unter dem Namen „Tikwas Zion" gegründet worden, welcher einstweilen 90 Mitglieder zählt. H^rr Ch. B o g d a d 1 i ist zum Präsidenten gewählt worden. Der Verein ist eine glückliche Vereinigung von sephardischen, arabischen und aschkenasischen Judpn t»in schöner Bruderbund im Zeichen des Zionismus. Da Herr Bogdad Ii jetzt an der Spitz* d^s Vereinps steht, kann man h offen, dass durch seinen Einfluss und seine freiwillige nationale Tätigkeit es ihm gelingen wird, mit der Zeit auch die ganze arabische Judenhejt der zionistischen Sache beizuziehen. Er kann der Unterstützung aller ägyptischen Zionisten sicher sein. L. F.

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