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Die Welt · 1904-08-26 · 35 (26.8.1904) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
35 (26.8.1904)
Date
1904-08-26
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
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Nr. 35 „bi$ W^lt" Seite 13 Welr-^bfoiMk- Der erste Theodor Herzl in Amerika. Laut einer uns zugegangenen Nachricht aus New York ist das erste jüdische Kind, das den Namen unseres verewigten Führers erhielt, der Sohn des bekannten Jargonschauspielers Thomashefsky. Der Knabe wurde nämlich am Todestage Herzls geboren. Wie zu antisemitischen Zwecken gefälscht wird. In der „Schlesischen Ztg.* war vor einiger Zeit folgende Korrespondenz aus Transvaal abgedruckt, die geeignet wäre, zu Hass und Verachtung gegen die Juden aufzureizen : „Am 3. d.M. wurde am Orte eine jüdische Synagoge eingeweiht. Zu dieser Feier kam der erste Rabbiner von Johannesburg Dr. Landau hierher, um den feierlichen Akt zu vollziehen. Iü seiner Rede hob er u. a. die „Freiheit1* hervor, welcher sich die Juden in englischen Ländern im Gegensatz zu anderen Staaten erfreuten, und erwähnte dabei, dass in Deutschland tausende Juden, Frauen, Kinder und Männer durch Deutsche hingemordet wurden, Synacrogen niedergebrannt, ihre Häuser zerstört, ihr Hab und Gut geraubt wurde. Er sagte diese Worte vor einer grossen Anzahl eingeladener angesehener Engländer und Buren ausser den ansässigen, meist russischen Juden. Ich habe nachgedacht, aber kann mich nicht besinnen, dass sich dies je in Deutschland ereignet hätte. Ich vermute, dieser Herr, der, nebenbei bemerkt, in Deutschland oder Oesterreich erzogen ist und, wie mir einige Juden versicherten, einer der berühmtesten Rabbiner in der jüdischen WMt ist, meint wohl Russland; um aber mehr zum Gefallen der Eagländer zu sprechen, lässt er es in Deutschland geschehen sein. Ich bin sicher, von den Anwesenden sind 90 Prozent, die den Worten des Rabbiners Glauben schenken und sich so verkehrte Meinungen bilden." Da man die antisemitische Tendenz des Blattes kennt, legte niemand dieser offenbaren Lüge weitere Bedeutung bei. Als aber die „Kölnische Zeitung" aus dieser trüben Quelle schöpfte und die Korrespondenz nachdrucktp, wurden Erhebungen eingeleitet, die ergaben, dass der Rabbiner einen geschichtlichen Ueberbliok über die Lage der Juden gegeben und von Massakres in Deutschland wohl gesprochen habe, als er auf die Kreuzzüge zu sprechen kam. Diese Kleinigkeit liess der Ehrenmann-Berichterstatter aus. Erzherzog Franz Ferdinand als Schützer kirchlicher Altertümer. Die klerikalsn und antisemitischen Blätter veröffentlichen eine Zuschrift, welche im Auftrage des Erzherzogs Franz Ferdinand dessen Flügeladjutant an das Ordinariat des steirischen Bistums Gurk richtete und worin der Erzherzog sich für eine sorgsame Konservierung kirchlicher Altertümer und gegen jede Veräusserung derselben ausspricht. Die Zuschrift schliesst mit folgenden Worten: „Seine kaiserliche und königliche Hoheit berührt es stets sehr unangenehm, bei Juden und ausländischen Antiquitätenhändlern aus Kirchen stammende Kunstgegenstände zu finden." Personalnachrichten. Gesinnungsgenosse Dr. Edmund N a cht-Buczacz hat sich mit Frl. Flora Chilf, Tochter des Zahnarztes Dr. Jo,achim Chilf, aus Przemysl verlobt. — Frl. Aurelie R eYc h hat sich mit unserem Gesinnungsgenossen, Herrn Max Hickl, Herausgeber und Redakteur der „Jüdischen Volksstimme", verlobt. Bücher- und Zeitschriften - Rundschau. Der Tod unseres Führers hat zwar in der Presse der ganzen Welt Anlass zu ausführlichen Berichten gegeben, naturgemäss aber in besonderem Masse in den jüdischen, namentlich den zionistischen Zeitschriften. Die meisten der letzteren haben ganze Nummern — Herziiiummern — herausgegeben, die sich mit dem Leben und. Wirken unseres, grossen Unvergesslichen befassen. Man kann sagen, dass hierbei vieles von bleibendem Werte über Herzl und den Zionismus veröffentlicht wurde. Hat doch aus diesem Anlasse sogar unser stets heiterer „S c h 1 e m i e 1" eine Trauernummer herausgegeben, die mit Recht Anspruch auf eine hervorragende Leistung machen kann. Auch unsere Jugendzeitschriften, namentlich „U n s e r e H o f f n u n g" und „Moria h" haben sich bei dieser Gelegenheit auf das Glänzendste bewährt. Einen besonderen Platz hat sich aber „Ost und West" mit seiner Augustnummer errungen. Sie lässt an Reichhaltigkeit und künstlerischer Ausstattung nichts zu wünschen übrig. Das mehr als das Doppelte des gewöhnlichen Umfanges fassende Heft, das ganz dem Andenken Dr. Herzls gewidmet ist, bietet eine Fülle interessanten Materials, namentlich auch für künftige Biographen. Man mus-s, selbst wenn man nur das bisher über Herzl in verschiedenen Zeitschriften Veröffentlichte in Betracht zieht, sagen, dass der Versuch schon jetzt, auf Grund von Interviews oder ähnlicher unkontrollierbarer, nicht immer aus den besten Quellen geschöpfter Nachrichten an die Herausgabe einer Biographie zu gehen, zu den ernstesten Bedenken Anlass gibt. Jedenfalls hat „Ost und West" manchen schätzbaren Beitrag für eine Lebensbeschreibung geliefert, der, mit der nötigen Sorgfalt kontrolliert, nur zu begrüssen ist. In dieser Hinsicht sind, namentlich die Beiträge Vamberys und Gustav G. Cohens von besonderem Interesse. N o r d a u, Z a n g w i 11, Dr. W. Goldbaum und S o k o 1 o w sind durch hervorragende Beiträge vertreten. Eine feine Skizze lieferte Z 1 o c i s t i, der bei dem Vergleiche zweier Herzlbilder eine liebevolle Schilderung der Entwicklung Herzls zum jüdischen Volksführer gibt. Dr. Gaster gibt seine Meinung über den Zionismus zum Besten. Wir haben nicht nur an seine Entwicklung in Zionisticis, sondern auch an seine Stellung in der rumänischen Judenfrage denken müssen und sind nicht sicher, wie lange die in diesem Artikel niedergelegten Meinungen Geltung haben werden. Jedenfalls bietet der Artikel Gasters, dessen persönliche Stellung zu Herzl ja genügend bekannt ist, einen wohltuenden Gegensatz zu dem Artikel Dr. B u b e r s. Diese gequälte Schreibweise, die — charakteristisch genug — mit der Versicherung beginnt, dass der Verfasser nur die Wahrheit schreiben wolle, diese Kleinlichkeit der Betrachtungsweise, die mit aller Gewalt nach etwas sucht, um an der Grösse zu mäkeln, macht einen, entschieden unangenehmen Eindruck. Wir hätten diesen Beitrag, wenigstens in diesem Hefte, ganz gut entbehren können, den pompösen Titel, hinter dem sich so viel Oberflächlichkeit vergebens zu verbergen sucht, mit inbegriffen. Die drei Beiträge York-Steiners erfreuen durch den tiefen Gemütston, der namentlich in der Skizze vom Todesengel hervortritt. Frau von Suttner und Dr. E 1 j a s c h o f f fügen sich gut in den Rahmen, der für diese Nummer mit Recht ein ganz besonders bedeutender war. Die Auswahl der Herzl'schen Artikel zeigte eine geschickte redaktionelle Führung, die sich auch in der Wahl der Reproduktionen des neuen Gemäldes und der Einzelskizzen H i r s z e nbergs bewährt hat. Alles in allem eine Leistung, auf die „Ost und West" mit Genugtuung hinweisen darf. — r. Auf das Kesseltreiben des „Israelit" und seiner grotesken Hintermänner gegen den „Misrachi" kommt das Organ der Orthodoxen, ,,F rankfurter Isr. Familie nblat t", in seiner letzten Nummer in folgender Art zu sprechen: „Der im Mainzer „Israelit'4 veröffentlichte Protest ungarischer Rabbiner gegen den. Zionismus im allgemeinen und gegen den Misrachi im besonderen hat in Ungarn, wo man die Verhältnisse kennt, sehr kalt gelassen. Sehr zutreffend ist, was der „Hamizpah" darüber schreibt, nämlich, dass die Protestrabbiner nicht einmal den vierten Teil der orthodoxen Rabbiner Ungarns ausmachen, dass eine Anzahl Protestrabbiner Enkel von chassidischen Rabbis sind, die aus persönlichen Gründen — nämlich aus Furcht, ihre autokratische Autorität durch die Volksbewegung des Zionismus einbüssen zu müssen — dagegen sind, und dass andere Unterschriften von „orthodoxen' Rabbinern stammen, die in Assimilationsgemeinden amtieren, und so 1— unter dem Drucke von Assimilationsvorstehern handelnd — sich gegen den „reaktionären" Zionismus, der die Assimilation in ihrem sanften Auflösungsprozesse stört, erklären müssen. Ferner macht der „Hamizpah" darauf aufmerksam, dass die meisten der unterschriebenen Rabbiner von der zionistischen Bewegung keine Ahnung haben, und dass ihr Vorgehen nur durch Hintermänner aus anderen Ländern, die als grimmige Feinde des Zionismus bekannt sind, veranlasst wurde; so komme es auch, dass sie sich in ihrem Aufrufe nicht auf triftige Gründe und Beweise aus der Tauroh stützten." Weiters lautet eine redaktionelle Erklärung: „Die Meisten dieser Rabbiner haben keine blasse Ahnung vom Zionismus und Hessen sich von bekannten Hetzern suggerieren, dass der Misrachi, mit vielen Gaonim und Jereirn an der Spitze, die Thora untergraben wolle. Es wundert Sie, dass im gesegnetem Ungarlande gar keine Rabbiner da sind, sondern — lauter Ober-Rabbiner. Erschrecken Sie bitte nicht! Einige von den protestierenden Oberrabbinern sollen erst einen Oberrabbinerposten erhalten, sofern man Dörfer von 8 bis 10 orthodoxen Familien als Oberrabbinatssitze betrachten will. Andere, die sich „Häupter des Gerichtshofes" nennen, tuen es sicherlich in dem Sinne, dass sie fest davon überzeugt sind, gäbe es in ihren Dörfern jüdische Gerichtshöfe, so wären sie bestimmt die Häupter derselben. Es wundern sich ferner viele, dass im „Zentralorgan für das orthodoxe Judentum" mit massloser Frechheit über unsere grössten Gaonim gehöhnt wird, so auch über den Gaon L. M. Landau von Botosani, dem die meisten dieser Oberrabbiner nicht an die Knöchel heranreichen, weil derselbe einen Beitrag zu einer Mazewoh für den seligen Dr. Herzl gespendet hat, wie auch über den weltberühmten Führer des Misrachi, Rabbiner Reines in Lida.

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