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Die Welt · 1904-08-26 · 35 (26.8.1904) · page 7

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Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
35 (26.8.1904)
Date
1904-08-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 35 „bie * weit" Seite 7 sei. Er schliesse sich ganz dieser Ansicht an und halte es für ratsam, mehr den Ruf der Bank und Bewegung im Auge zu halten, als nach grösseren Dividenden zu streben. Dr. ßodenheimer hoffe und wünscht, dass die Ausführungen des Dr. Friedemann keine Unruhe in die Versammlung und Bewegung hineintragen, umso mehr als seine Behauptungen ungenügend begründet sind. Er (Redner) hätte von rassischen Grosskaufleuten gehört, dass die Jüdische Kolonialbank augenblicklich in Russland keine Gefahr laufe. Auf Antrag des Herrn Dr. Bodenheime r, unterstützt von Herrn Professer G o 11 h e i 1, wird der Bericht des Direktoriums und auch die Jahresbilanz für 1903 mit dem Berichte der vereidigten Bücherrevisoren (eine Gegenstimme) angenommen. Auf Antrag des Herrn Dr. Friedemann, unterstützt von . Herrn Dr. Farbstein, beschliesst die Versammlung einstimmig: „Für das Geschäftsjahr 1903 ist keine Dividende zu zahlen.* Der Präsident teilt der Versammlung mit, dass, da jedes Jahr ein Direktor Statuten gemäss ausscheidet, das Los auf Herrn S. Barbasch gefallen und derselbe daher ausscheidet. Herr Barbasch wird von der Versammlung per Akklamation wiedergewählt. Der Präsident berichtet, dass Herr Jacob Moser LP. vom Direktorium zurückgetreten sei. Auf Antrag des Direktoriums wird Herr J. H. Kann (Haag) per Akklamation zum Direktor der Company gewählt. Das Direktorium beantragt und Herr Dr4 Rosenb aum unterstützt folgende Resolution: „Betreffs des von der vorjährigen Generalversammlung ausgesprochenen Wunsches, Statutenänderungen vorzunehmen, wird das Direktorium beauftragt, die notwendigen Vorbereitungen zu treffen und dem Aufsichtsrate Bericht zu erstatten/ Auf Antrag des Herrn Dr. Bodenheimer, unterstützt von den Herren Dr. Bruck und Professor B e 1kowski, beschliesst die Versammlung einstimmig: „Die vereidigten Bücherrevisoren Herren Jackson Pixley, Browning, H u s e y & Co. werden zu Bücherrevisoren der Konferenz für das Jahr 1904 mit einer Remuneration von 100 Pfd. SterL gewählt. Auf Antrag des Herrn Dr. I. W. M a r m o r e k, unterstützt von Herrn A. H. Reich, wird dem Präsidenten und den Direktoren ein Dankesvotum ausgedrückt. Auf Antrag des Herrn Dr. Klee, unterstützt von Herrn Dr. Rosenbaum, wird dem Manager, dem Sekretär und den Beamten der Bank der Dank der Versammlung ausgesprochen. Schluss der Versammlung 12 Uhr 20 Minuten. Die Konferenz der „Misrachi" in Pressburg. Aufs freundlichste von der lokalen deutschen Presse begrüsst, wurde Sonntag am 21. ds., 10 Uhr vormittags die Konferenz der orthodoxen Zionisten eröffnet. Es sind über 100 Delegierte erschienen, eine Zahl, die sicherlich nicht zu unterschätzen ist, wenn man die wüsten Hetzereien bedenkt, die gegen diese Veranstaltung seit Wochen in Szene gesetzt wurden. Ungarn ist durch 40 Delegierte vertreten, während alle übrigen aus Russland, Deutschland, Rumänien, Oalizien erschienen sind. Aus Amerika ist Rabbiner Dr. Gutmann aus Jersey City als Vertreter des New Yorker Rabbinerverbandes erschienen. Der Ort der Konferenz war der festlich geschmückte Saal des Etablissements „Belle vu e". Die gegen den Garten liegende Hälfte des Saales ist von dem eigentlichen Delegiertenraum separiert und dient zur Aufnahme der Zuhörer, die in grosser Zahl erschienen sind. An der Stirnwand des Saales, oberhalb des Präsidiunis, ist auf weissem Leinwanduntergrund in monumentaler hebräischer Schrift ein Satz aus den Tröstungen des Propheten .lesaias zu lesen, welchen er an die trauernde Mutter Zion richtet: „Erhebe ringsum deine Augen und sieh' sie alle sich versammeln, zu dir eilen, deine Söhne, die aus der Ferne kommen." Im Hintergründe des für das Präsidium bestimmten Raumes hängt ein lebeusgrosses Bild des Schöpfers der zionistischen Bewegung, Dr. Theodor Ii c r z 1. Der Präsident des „Misrachi4, Rabbiner Reines aus Lida, eröffnete die Konferenz mit einer schönen in modernem, lebendigem Hebräisch gehaltenen Rede, in der er das Verhältnis der Orthodoxie zum allgemeinen zionistischen Ideal in gediegener Weise auseinandersetzte. Er gab zu, dass der Zionismus, dieses uralte Ideal des jüdischen Volkes, in. seiner neueren Eorm durch freisinnige Juden einen mächtigen Anstoss zur Wiederbelebung erhalten habe. Das Ideal hatte Jahrhundertelang im Volke geschlummert und nur des Erweckens geharrt, um eine lebendige Bewegung hervorzurufen. Die schwersten Beweggründe sind Exil, Not und Elend, die die Gesetzestreuen vermöge ihrer Zurückgezogenheit vom Leben weniger als die Freisinnigen empfunden haben. Und in den Preisinnigen erwachte das jüdische Gefühl, das Bewusstsein, dass es anders werden müsse, und sie schufen diese Bewegung, die nichts anderes ist als das Bestreben, das Judentum und die Judenheit aus Schmach und Elend zu befreien. Das Volk, die gesetzestreue jüdische Vol'ksmasse, misstraute dieser Bewegung, die ihr als. moderne, freisinnige Neuerung erschien. Die Schuld daran trifft jene Rabbinen, die es unterlassen haben, das Volk über seine wirkliche Lage im Exil, über seine elende Gegenwart und über die für die Zukunft drohende Gefahr der Auflösung zu belehren. Anders verfuhr einst der grosse Lehrer Mose, der dem Volke keine Moral predigte, bevor er es aus der körperlichen Gefangenschaft befreite. Um das Judentum zu erhalten, muss für die Judenheit gesorgt werden. Die zionistische Bewegung ist folglich eine im jüdischen Sinne geistige, heilige; diejenigen, die ihr den Rücken kehren, laden eine schwere Verantwortung auf sich. (Stürmischer Beifall.) Nach der Eröffnungsrede beantragte Del. Fischer (Papa), an Se. Majestät den, Kaiser und König eine in ungarischer Sprache abgefasste Huldigungsdepesche zu richten. Hierauf ergriff Herr Samuel Betteln € im das Wort und dankte den Einberufern der Konferenz, dass sie Pressburg zu ihrem Zusammenkunftsorte gewählt, wo eine so hehre Arbeit verrichtet werden soll. Er versicherte, dass die orthodoxe Judenschaft Ungarns trotz aller Machenschaften gewisser Gegner gut zionistisch sei. Den Gegnern aber solle von hier aus nicht nach ihrem Schmähungen vergolten werden; man möge sich von jüdischem Gefühle leiten lassen und mit den Worten König Sauls sagen: Heute soll niemand gestraft werden, da es ein so schöner Siegestag ist. Man schritt nun zur Wahl des Präsidiums. Per akfclamationem wurden gewählt: Rabbiner Reines, Präses; Dr. Nobel (Leipzig) und Rabb. Landau (Bottuschani) Vizepräsidenten; Rabb. Grünhaus (Troki) hebr. Schriftführer; Dr. Fink (Wien) und Red. Geis s (Frankfurt a. M.) deutsche Schriftführer; S. Bettelheim (Pressburg) und Färbst e i u (Warschau) als Beisitzer. Dr. Nobel, der den Vorsitz führt, begrüsst das anwesende Mitglied des A.-C. Herrn Dr. Kahn und widmet dem dahingeschiedenen Führer der zionistischen Bewegung einen tiefempfundenen Nachruf. Raibb. Landau gedenkt der im letzten Jahre in Ehren verschiedenen russischen Misrachisten Rabb. Rasowski und Rabbi N i s s a r: aus Horodok. Dann ergreift Herr Dr. Kahn das Wort im Namen des Wiener A.-C. Er drückt die Hoffnung aus, dass der Misrachi nichts anderes

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