Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 35 (26.8.1904)
- Date
- 1904-08-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 35 „bis & w^it*« Seite 5 Wir haben einen grossen, unermesslichen und unersetzlichen Verlust durch das so frühe Ableben Dr. Herzls, des Präsidenten unseres Aufsichtsrates, erlitten. Dr. Herzl war nicht allein der Präsident unserer Bank, er war auch der Schöpfer und Gründer der Jüdischen Kolonialbank. Nur ihm allein, nur seiner rastlosen Schaffenskraft, seinem eisernen Willen haben wir es zu danken, dass die Jüdische Kolonialbank entstanden ist und noch weiter besteht. Gleich nach dem ersten Kongress, den wir ebenfalls nur ihm zu verdanken haben, sah er die Notwendigkeit ein, dass zur Durchführung und Verwirklichung der zionistischen Idee ein finanzielles Instrument gehört, welches ausschliessliches Eigentum des jüdischen Volkes sein muss. Ohne Zögern, mit einer Energie und Schaffenskraft, wie sie nur unserem grossen Herzl eigen war, trat er sofort an die Ausführung seines Planes heran und begann mit den Vorarbeiten und mit der Gründung der Jüdischen Kolonialbank. Die Arbeit wurde ihm schwer, sehr schwer! Nicht nur die Gegner machten ihm grosse Schwierigkeiten, auch die Freunde zögerten und rieten ab, weil es unmöglich schien, ein solches Unternehmen ohne Mithilfe entsprechender Finanzleute und Fachmänner ins Leben zu rufen. Was allen unmöglich schien, er machte es möglich! Sobald er nur die Notwendigkeit erkannt hatte, dieses Institut zu schaffen, gab es für ihn keine Schwierigkeiten, keine Hindernisse mehr, und so ist bald darauf die Jüdische Kolonialbank Tatsache geworden. Obgleich er nie zuvor mit kaufmännischen Geschäften etwas zu tun hatte, obgleich er es stets aufs peinlichste vermied, irgendwie mit Geldsachen in direkte Beziehung zu kommen, hat er doch von der Gründung an bis in seine letzten Tage nicht aufgehört, für unsere Bank zu sorgen und zu schaffen, und war auch hier, wie in allem, der fleissigste und tätigste Arbeiter. Wir haben ihm gar viel zu danken! Unsere Dankbarkeit soll und darf nie aufhören. Solange die Jüdische Kolonialbank bestehen wird, wird sie es als ihre höchste Ehrenschuld betrachten, Dr. Theodor Herzls Andenken in höchsten Ehren zu halten, sein begonnenes Werk fortzusetzen, zu wirken und zu arbeiten, bis die öffentlichrechtlich gesicherte Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina Tatsache geworden ist. Geehrte Anwesende! Sie haben durch Ihr Erheben von den Sitzen und dadurch, dass Sie stehend meine Worte anhörten, Ihren Schmerz und Ihre Trauer, Ihre Verehrung und Dankbarkeit für den grossen Toten kundgegeben; ich danke Ihnen. Nunmehr gehe ich zu dem geschäftlichen Bericht über : Ueber das Resultat des Jahres 1903 ist folgendes zu bemerken: Wir haben zwar, trotz der mehrmonatlichen Sommerpause, imrussischen Diskontogeschäft an Zinsen, Kommission und Kursgewinn sogar einen etwas grösseren Bruttoverdienst gehabt als im Jahre 1902, aber andrerseits brachte uns das Jahr 1903 einen unerwarteten Verlust an unserem Besitz in englischen Konsols, die am Schlüsse des Jahres einen so niedrigen Kurs hatten wie noch nie seit unserem Bestehen. Wenn wir auch diesen Verlust nicht als dauernd betrachten dürfen, da wir von unseren Konsols nichts realisiert haben, und unser Besitz der gleiche geblieben ist, und auch sicherlich in absehbarer Zeit eine Kurssteigerung dieses ersten Papieres der Welt zu erwarten ist, so haben wir es doch für richtig gefunden, diesen Verlust in unsere Bilanz aufzunehmen. Sodann sind uns durch die Gründung der Anglo Palestine Company bedeutende Kosten entstanden, welche, da wir damit unser Tochterinstitut nicht belasten konnten, ebenfalls den Nettogewinn beeinträchtigen. Diese Mehrausgaben sind natürlich nur einmalige, die nicht wiederkehren. Der Nettogewinn per 1903 stellt sich daher, wie Sie aus der Bilanz bald ersehen werden, nur auf Pfd. Sterl. 2563.8.8 gegen Pfd. Sterl. 5874.13.1 des vorhergehenden Jahres 1902. Von diesen Pfd. Sterl. 2563.8.8 müssen noch Pfd. Sterl. 169.16.10 an Spesen des Aktionskomitees abgeschrieben werden. Die allgemeine Geschäftslage unserer Bank war durchaus nicht ungünstig und wir können mit bester Zuversicht in die Zukunft blicken. Die grössten Schwierigkeiten, die in der Natur unseres Institutes selbst liegen, sind zum grössten Teile schon überwunden und wir hoffen, von jetzt ab auch eine bessere Rentablität erzielen zu können. In der Tat freue ich mich, Ihnen jetzt schon mitteilen zu kennen, dass der bisherige Verlauf des gegenwärtigen Geschäftsjahres ein recht zufriedenstellendes Bild zeigt, indem schon das erste halbe Jahr 1904 einen Gewinn- Überschuhs von ca. Pfd. Sterl. 5000 ergeben hat. Der Krieg, der die geschäftlichen Beziehungen der ganzen Welt beeinflusst, wirkt natürlich auch störend auf unser Geschäft, aber trotzdem machen wir Fortschritte. Unser auswärtiger Kundenkreis wird immer grösser, unsere auswärtigen Verbindungen gestalten sich immer besser. Insbesondere ist es erfreulich, dass die Zahl der südafrikanischen Kundschaft zunimmt, die ihre Ueberweisungen von Geldern nach Russland und Oesterreich durch uns besorgen lassen. Dieses Geschäft werden wir jetzt auch auf Amerika auszudehnen suchen, wie wir überhaupt jetzt an die Erweiterung des Geschäftes herangehen werden. Wir dürfen also hoffen, dass auch das zweite Semester dieses Jahres uns einen entsprechenden Gewinn bringen wird, und dass dieses Jahr befriedigend ausfallen wird. Die vorige Generalversammlung hatte beschlossen, Filialen in Russland und New York zu errichten. In Amerika zeigton sich schon bei den Vorarbeiten Schwieiigkaiten, die uns veranlassten, vorderhand die Sache ruhen zulassen. Wir „wollen nicht zu viel mit einem Male in Angriff nehmen und halten es für richtiger, vorläufig unsere ganze Aufmerksammkeit dem bereits Bestehenden und besonders der Anglo Palestine Co. zuzuwenden. Die Anglo Palestine Co. in Jaffa entwickelt sich bereits in befriedigender Weise. Wir haben jetzt, am 10. August, eine Filiale dieses Institutes in Jerusalem eröffnet und haben begründete Hoffaung, an diesem Platze, der die Zentralstelle des bankgeschäftlichen Verkehrs in Palästina bildet, ein lukratives Geschäft zu machen. Es dürfte auch für Sie von besonderem Interesse sein, zu hören, dass wir uns bei der Gründung der Palästina- Handelsgesellschaft in Hamburg mit einem grösseren Kapital beteiligt haben. Diese Gesellschaft hat den Zweck, den Export und Import zwischen Palästina, Syrien und Deutschland zu fördern und zu heben. Durch unsere grössere Beteiligung haben wir einen entsprechenden Einfluss auf die Leitung dieser Gesellschaft uns ausbedungen und auch erhalten. Wir werden dieses Unternehmen, wie überhaupt alle Bestrebungen, die den Zweck haben, Palästina und Syrien zu heben, und die auf kaufmännischer Basis beruhen, unterstützen und zu fördern suchen. Ueber die Einzelheiten des Rechnungsabschlusses pro 31. Dezember 1903 gibt Ihnen die Bilanz die der Sekretär jetzt zur Verlesung bringen wird, näheren Aufschluss.