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Die Welt · 1904-08-26 · 35 (26.8.1904) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
35 (26.8.1904)
Date
1904-08-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 „bie weit" Nr. 35 now für August. Dr. Alex. Marmorek protestiert gegen jede Verlängerung des Provisoriums. Mr. Greenberg beantragt einen dringenden Kongress zu Weihnachten, dessen Tagesordnung aber nicht beschränkt werden dürfe. D. Wolffsohn ist für die baldige Klärung der Sachlage. Dr. Kahn ist für Ende Februar. Dr. Franz Oppenheimer beantragt Ende der russischen Weihnachten. Ing. Temkin ist für März oder Mai. Dr. II a n t k e und Prof. Warburg stimmen dem Antrage Dr, Oppenheim er zu. Schliesslich wird als Zeitpunkt die letzte Februarwoche russischen Stiles angenommen. Das engere A.-C. und der erweiterte Ausschuss werden aufgefordert, bis zum nächsten Kongress ein Organisationsstatut zu entwerfen. Nach einem Antrage Ussischkin, der angenommen wird, sind bis dahin wichtige Pläne und Entwürfe in der „Welt" zur öffentlichen Diskussion zu stellen. Das engere A.-G. und der erweiterte Ausschuss werden von der Jahreskonferenz beauftragt, einen vom grossen A.-C. unterzeichneten Aufruf zu erlassen, in dem erklärt wird, dass alle Arbeiten, auch die politischen Massnahmen, weitergeführt werden ohne jede Störung, und dass in der zionistischen Tätigkeit keine Pause eingetreten sei. Hiermit endigen die Verhandlungen der Jahreskonferenz. Dr. Tschlenow ergreift das Schlusswort: „Wir sind zum Schlüsse unserer Beratungen gekommen und wir verlassen bald die Stadt, wo unser grosser Führer für das jüdische Volk so opferfreudig gewirkt hat, wo er sein junges Leben verzehrt hat. In diesem Augenblicke des Abschiedes, wie in dem ersten, wo wir in dieses Zimmer eintraten, in welchem wir noch vor einigen Monaten mit ihm gearbeitet haben, und aueh während der ganzen Zeit, wo wir ohne ihn tätig waren, haben sich meine und auch Ihre Gedanken an ihn gewendet. Sechs Jahre hatte ich Gelegenheit, unseren Führer zu beobachten, zu studieren und zu bewundern, und ich muss sagen, noch niemals habe ich einen solchen Herzl gesehen, als bei der letzten Sitzung des grossen A.-C. Noch niemals habe ich an ihm entgegengesetztere Gefühle von Freude, Trauer und Unruhe wahrgenommen. Sie wissen, nach welcher Zeit wir zusammengekommen sind, und da hat sich Herzl so hoch über alle Streitigkeiten gestellt, wie wir es noch nie sahen.. Noch nie ist sein zionistisches Credo so klar, so gross, so deutlich gewesen, wie es sich in der letzten Sitzung offenbart hat. Noch nie hat uns Herzl gezeigt, wie man auch gross sein könne in kleinen Sachen. Sie wissen, er hat in Palästina in der letzten Zeit zu arbeiten begonnen in kleineren Angelegenheiten, und da hatten wir Gelegenheit, zu bewundern, wie weit sein Blick auch in diesen Dingen sei. Was ich noch von Herzl gelernt habe, war folgendes: Sie wissen, wieviel Vorwürfe gegen ihn erhoben wurden. Ich selbst, ich kann es nicht verhehlen, war es, der unrichtige Vorwürfe gemacht hat inbezug auf Arbeiten in Palästina. Herzl konnte es sehr leicht widerlegen. Er hat aber viel gelitten und hat geschwiegen, weil er es im Interesse der Sache für gut hielt. Schweigen, leiden und arbeiten konnten wir von ihm lernen. Und je mehr wir das lernen, desto besser wird es für unsere Sache sein. Als ich das alles kennen gelernt habe, bekam ich viel grössere Hoffnungen für die Zukunft der Bewegung als früher. Aber schon damals habe ich gesehen, dass eine ernste Krise bald stattfinden wird. Leider konnte es sich niemand vorstellen, dass das so rasch geschehen werde, dass wir so rasch unseren lieben, geschätzten, unvergesslichen Führer verlieren werden» Aber es ist geschehen und lässt sich nicht ändern. Und da erinnere ich noch an die Worte unseres Herzl, als er von Kischinew sprach. Er sagte: „Wir haben nicht das Recht, lange zu trauern, denn unsere lebendigen Sorgen müssen wir den Lebenden geben." So ist jetzt auch unsere Lage. Wir haben nicht das Recht zu trauern, denn wir haben eine grosse Aufgabe vor uns, die umso schwerer geworden ist, da wir unseren Führer verloren haben. Jetzt in dieser Jahreskonferenz haben wir den ersten Veisuch gemacht, ohne den Führer zu arbeiten, und ich denke, Sie alle haben es gefühlt, wie er uns gefehlt hat. Aber eine Ueberzeugung, denke ich, haben wir alle in diesen Tagen gewonnen : die Sache wird vorwärts gehen. Jetzt müssen wir in die weitere Tätigkeit eintreten. Wir sind auf dem Wege. Unseren Wegweiser haben wir verloren. Auf uns allen liegt die Pflicht, das Volk zu führen, wenn auch nicht so wie er, doch so, wie wir können. Das, was wir geschaffen haben, das Surrogat, war ein Werk der Vorsicht und jetzt ist es unsere allgemeine Aufgabe, uns umzuschauen. Es war alles angepasst den breiten Schultern und den grossen Fähigkeiten des einen Grossen. Jetzt müssen wir die Bewegung mit unseren Kräften führen und wir werden wahrscheinlich vieles ändern müssen. Es ist unsere erste Aufgabe, uns unizuschauen, wie wir die Bewegung weiter führen können. Wir wollen aber damit nichts beschränken. Herzl sagt in seiner Selbstbiographie: „Als ich zur zionistischen Tätigkeit trat, dachte ich mir, es gibt hier nicht viel zu diskutieren, es gilt zu arbeiten." Das hat er auch immer getan. Zu dieser Tätigkeit rufen wir Sie nun auf. Vergessen wir, dass eine Pause in unserer Tätigkeit eingetreten ist, gehen wir von hier weg mit dem festen Entschlüsse, zu arbeiten und zu arbeiten, im Interesse unserer grossen Bewegung zu arbeiten." Nach Erstattung des Dankes durch Dr. Klee an das Präsidium für die Führung des Bureaus wurde die Jahreskonferenz geschlossen. Bericht der 7. ordentlichen Generalversammlung der Aktionäre des Jewish Colonial Trust (Jüdische Kolonialbank, Limited.) abgehalten zu^Wieo am 19. August 1904. Beginn: 10 Uhr 10 Minuten vormittags. Anwesend wären ausser den Aktionären die Herren : D. Wolffsohn, Präsident des Direktoriums; S. ßarbasch, Dr. Katzenelsohn, H. Urysohn, Direktoren; M. Feldstein, L. J. Green b er g, Governor- Direktoren; Dr. L.Kahn, Arch. O. Marmorek, Dr. J. Bodenheim er, Dr. A. Marmorek, Samuel P ineles, Prof. R. G o 11 h e i 1, Prof. G. Belkowsky, Dr. J. W. Tschlenow, M. M. Ussischkin, Dr. H. Bru ck, Dr. Israel Jelski, Rechtsanwalt J. Jas in owski, Ing. Wladimir Temkin, Mitglieder des Aufsichtsrates '> Theodor Hirsch, Manager; H. N e u m a n n, Sekretär. Der Präsident Herr D. Wolffsohn erteilt dem Sekretär H. Neumann das Wort zur Verlesung der offiziellen Einladung zur Generalversammlung. Darauf trägt Herr Präsident Wolffsohn folgenden Bericht vor: Geehrte Generalversammlung! Im Namen des Direktoriums habe ich die Ehre, Sie hier in unserer 7. Generalversammlung zu begrüssen. Gestatten Sie mir, bevor wir in die geschäftlichen Verhandlungen eintreten, den grossen herben Schmerz, den wir alle empfinden, und die tiefen Trauer, die über uns so unverhofft gekommen ist, mit wenigen Worten zum Ausdruck zu bringen.

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