Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 34 (19.8.1904)
- Date
- 1904-08-19
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 „die # weit" Nr; 34 hob hervor, dass der beweinte Dr. Herzl zugleich mit seiner persönlichen Umwandlung seine ganze Nation zu ihrer Nationalität zurückführte und der ganzen Welt -bewiesen habe, dass die jüdische Nation leben will, leben kann und wird. Das Ziel, zu dem diese existenzfähige und berechtigte Nation streben muss, ist die Rückkehr in ihr eigenes Land — Palästina. Herr Dr. Bruck sprach viel und mit seiner Seine Rede riss die Zuhörer, namentlich die Jugend förmlich hin. Er sprach von den Verdiensten des unvergesslichen Toten um sein geliebtes Volk, dem er das Gefühl der Menschenwürde zurückgab. Dr. Herzl wandelte das innere Leben des Juden um, erweckte in ihm das Bewusstsein als Mensch und Jude, erinnerte die Juden an ihre eigene Sprache und Geschichte, an ihre würdevolle Vergangenheit und an die hohen Ziele der Zukunft. Er hat die Judenfrage vor aller Welt aufgerollt und erstrebte die Lösung derselben in der Wiedergeburt des jüdischen Volkes auf seinem eigenen Boden. Zuletzt sprach Herr Dr. N. Katzenelsohn einige tief empfundene Worte. Seine vom Herzen kommenden, kummererfüllten Worte trafen die empfindlichsten Saiten bei der ganzen grossen Versammlung. Eine tiefe, weihevolle Stille herrschte im Räume, als der Redner in kurzen, aber kräftigen Strichen die Gestalt, das Genie und das Wesen des Verewigten vor unserem geistigen Auge vorführte; ein jeder, gleichviel ob Zionist oder Gegner, musste in diesem Augenblicke aufs schmerzlichste begreifen, was Dr. Herzl dem ganzen Judentum^war, und welche Kraft und aufopfernde Liebe wir mit ihm verloren haben. Die Reden aller gipfelten darin, dass das sshönste Denkmal für den grossen Mann, die besten Beweise der Dankbarkeit darin bestehen, dass man die Ideale und Arbeit des verewigten Dr. Herzl mit Einigkeit und Hingebung fortsetzt. Nederlandsche Zionistenbond, Amsterdam. Am Dienstag vor Tischo-beaw fand hier im grossen Saale des Maison Fryda eine Trauerfeier statt. Obwohl die Solennität einen intimen Charakter hatte und der Presse kein Eintritt gestattet wurde, war der Raum überfüllt und konnten viele keinen Platz bekommen. Es redeten über den grossen Toten die Herren Dr. Is. Hen, Gerhard Polak und A. B. Kleevekoper unter beippielloser Rührung des Publikums. Herr Dr. Hen und Herr Kleevekoper sprachen von dem Schmerze des jüdischen Volkes bei dem Verluste des teuren Führers und von der Bedeutung des Dr. Herzl in der Geschichte unserer Nation,^ während Herr Polak die Grösse des Verstorbenen als Führer des Volkes und der Kongresse hervorhob. Unter dem Singen des „Hatikwoh* wurde die Versammlung geschlossen. Für das Nationalgeschenk für die Kinder des Dr. Herzl wurden gesammelt K 70-—. Kairo. Zu der von uns bereits gemeldeten Trauerfeier der „Soci6t6 Sioniste" sind folgende Tatsachen nachzutragen : Alle jüdischen Geschäfte in Kairo waren am Tage des Trauergottesdienstes geschlossen. Der Gottesdienst gestaltete sich sehr feierlich. Der österreichische Konsul sandte seinen Vertreter, weil er selbst unwohl war, und die britische Botschaft adressierte an uns aus Alexandrien auf Grund einer persönlichen Einladung unsererseits ein in den wärmsten Ausdrücken abgefasstes Kondoleszschreiben. Der Gouverneur von Kairo war vertreten. Der schwarzdrapierte aschkenasische Tempel, in welchem die Trauerfeieriichkeit stattfand, war überfüllt bis aufs letzte Plätzchen. Nach der Eröffnung durch einen Chorgesarg öffnete der Rabiner die Bundeslade, verrichtete ein Gebet und ergriff das Wort zu einer ergreifenden Rede. Zwischen den Produktionen des Chores ergriff zuerst Herr J. Hornstein das Wort zu einem halbstündigen Epilog in französischer Sprache. Hierauf beleuchtete Herr Moise Cattavui-Bey die Verdienste des berühmten Mannes. Herr J. Galitzenstein sprach ausgezeichnet in deutscher Sprache im Namen der Societe und forderte zu energischer Weiterarbeit auf. V\Mt=(ghFoi)il<. Dr. Max Mandelstamm sendet als Resultat einer Sammlung in Kiew für das Nationalgeschenk für die Kinder Dr. Herzls K. 1118 —. Deutsche Palästinabank. In der letzten Generalversammlung wurde der Jahresabschluss für 1903 genehmigt und Entlastung erteilt. Wie die Direktion berichtet, hat die Filiale iL Jerusalem entgegen den von Berlin gegebenen Vorschriften Vorschüsse auf Waren Verschiffungen in einer Weise gemacht, die für die Gesellschaft ausserordentlich verlustbringend geworden ist. Die genaue Höhe des Ausfalles lässt sich noch nicht feststellen, da ein grösserer Teil der Waren bisher nicht realisiert werden konnte und man auch nicht wissen kann, wann und zu welchen Preisen dies geschehen wird. Der erzielte Nettoüberschuss von 59.808 Mark (gegen 45.617 Mark i. V.) muss daher zu Abschreibungen auf Kontokorrent-Konto verwendet werden. Voraussichtlich wird auch der Gewinn des laufenden Jahres zu gleichem Zwecke Verwendung finden. Die Verwaltung hofft, dass in Zukunft die langsame, aber stetige Entwicklung des Unternehmens nicht aufgehalten werden wird. Vom Vorsitzenden, Kommerzienrat C a h e n s 1 y, Limburg a. L., wurde mitgeteilt, dass der Aufsichtsrat die Errichtung einer dritten Filiale in Haifa beschlossen und die Direktion mit der Durchführung dieses Beschlusses beauftragt habe. In den Aufsichtsrath wurden die turnusmässig ausscheidenden Mitglieder wiedergewählt. Änatolische Eisenbahngesellschaft. In der heutigen Generalversammlung wurde der Rechnungsabschluss für 1903 genehmigt, der Verwaltung Entlastung erteilt und die Dividende auf 5% festgesetzt. Wie der Vorsitzende Direktor Arthur Gwinner bemerkte, seien gelegentlich Meinungsverschiedenheiten darüber entstanden, ob der Dividendenschein nur in Francs oder auch zu einem festen Satz in Mark eingelöst werden solle. Um den Aktionären die Annähmlichkeit zu bieten, keine Valuta-Diffrrerz zahlen zu müssen, habe die Verwaltung beschlössen, die Dividendenscheine zum Kurse von 81.60 einzulösen, so dass für die vollgezahlte Aktie (25 Frcs.) 20.40 Mk., für die mit 60% eingezahlten (15 Frcs.) 12.24 Mk. gewährt werden. Die Verwaltung wurde weiter ermächtigt, die kleinen Minus-Differenzen, die sich bei der Aktientilgung gegen den festgesetzten Betrag von 32.500 Frcs. ergeben, rechnungsmässig auszugleichen. Sodann wurde die Uebertragung der Bagdadbahn-Konzession an die Bagdadbahn-Gesellschaft zur Kenntnis genommen. Betreffs der Bagdadbahn bemerkt© der Vorsitzende, dass der Bahn bau programmgemäss fortschreite. Die Ausführung der Gesamtstrecke bis zum persischen Meerbusen, bekanntlich in Sektionen zu je 200 Kilom. geplant, könne nur allmählich und langsam erfolgen, da der Bau mit beträchtlichen Opfern für den türkischen Staatsschatz verknüpft sei und erst durch die Entwicklung und die Einkünfte des Landes weitere Einnahmequellen erschlossen werden. In den Verwaltungerat wurden die ausscheidenden Mitglieder, Kommandant L. Berg er, Delegierter der französischen Bondholders im Verwaltungsrat der Dette Publique Ottomane in Konstantinopel, Generaldirektor a. D. O. v. K ü h 1 m an n in München und C. Weise, Chef des Hauses Ihmsen und Co. in Konstantinopel, wiedergewählt. Elite drohende Hungersnot in Südrussland? Unsere unglücklichen Brüder in Südrussland, die eben von den Krawallen schwer heimgesucht, durch die im Reiche des Zaren Nikolaus alljährlich wütenden „Sommerbrände" vielfach an den Bettelstab gebracht wurden und in diesem Jahre ausserdem unter der in Russland ausgebrochecen, mit der Fortdauer des Krieges sich zusehends verschärfenden ökonomischen Krisis weit stärker als die übrige Bevölkerung zu leiden hat, werden jetzt von einer neuen schweren Katastrophe bedroht. Infolge einer ungewöhnlichen Dürre, ist in einem erheblichen Teile Russlands die ganze Ernte zugrunde gegangen. Der offizielle Bericht über die Ernteaussichten sagt über Südruesland: „Winterweizen schlecht in Südbessarabien und Cherson, unerfreulich in Poltawa und Wittebsk. Sommerweizen schlecht jn Bessarabien, Cherson, Poltawa und Wittebsk. Roggen schlecht in Bessarabien, Poltawa und Wittebsk. Gerste und Hafer schlecht resp. unbefriedigend in Bessarabien, Cherson, Teilen von Polen, Poltawa und Wittebsk. Was