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Die Welt · 1904-08-19 · 34 (19.8.1904) · page 7

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Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
34 (19.8.1904)
Date
1904-08-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 34 „bie # weit" Seite 7 zu dieser Massregel veranlasst haben: Der christliche Soldat hat a priori eine unüberwindliche Abneigung gegen den Juden; der christliche Soldat ist zwar nicht parteibewusster „Antisemit", aber er kann den Juden nicht leiden; er ist so sehr gewohnt, verächtlich auf den Juden hinabzublicken, dass er es nimmer über sich zu bringen vermag, den Blick zu einem höher graduierten Juden emporzuheben." — Und die Heeresverwaltung fügt sich diesem Volksinstinkt, der wie ein Naturgesetz ist, und unternimmt es gar nicht, die Juden auf die Unteroffiziersstaffel hinauf zustellen. Oberstleutnant a. D* Karl v. Wartenberg ist ein wohlinformierter Fachschriffcsteller und wir haben keinen Grund, an der Richtigkeit seines Kommentars zu zweifeln. Wir verdanken seiner Aufrichtigkeit einen neuen traurigen Beitrag zum Kapitel „ Gleichberechtigung der Juden". sch. 1. h. Die Konferenz der „Misrachi". Zu dieser Konferenz wird uns folgeridermassen geschrieben : ♦fTJD Pozsony (Pressburg), 1. Elul 5664. 12. August 1904. Die von dem Waitzener Rabbiner und Konsorten im „Tel talpijoth" apostrophierte Pressburger Judenschaft erhebt hiemit energischen Protest gegen das wahrhaft beschämende und durch nichts geriechtfertigte Kesseltreiben, welches von einer nicht unbeträchtlichen Anzahl ungarisch-orthodoxer Rabbonim im Anschhiss an die Presskampagne des offiziellen Organes des Unglaubens und der Assimilation und in getreulicher Befolgung der Weisungen desselben gegen die Abhaltung des Misrachistentages in Pressburg veranstaltet wordein ist. Sollte es denn mit der Orthodoxie in Ungarn schon so weit gekommen sein, dass ihre berufenen Vertreter sich dem Diktate eines „E g y e n 1 ö s e g" unterwerfen? Das antimisrachistische Treiben des „Egyenlöseg" konnte von jedem, der die Tendenzen und die Kampfesweise dieses assimilatorischen Blattes kennt, als etwas ganz Natürliches und Selbstverständliches füglieh ignoriert werden. Aber wenn orthodoxe Rabbiner, vom denen vorausgesetzt werden muss, dass sie sich der Würde und der Pflichten ihrer Stellung bewiusst sind, ihre Namen unter ein Pamphlet setzen, das nichts anderes enthält als eine Flut von Verdammungen und Beleidigungen, gerichtet gegen eine gewaltige Geistesströmung des echtesten und wahrsten Judentums und gegen Männer, die von dem aufrichtigen und selbstlosen Bestreben geleitet sind, die Glaubensfestigkei't im Judentume zu stärken, den verblichenen Glanz der Orthodoxie zu erneuern; so muss ein derartiges Vorgehen jedem gesetzestreuen Juden die Schamröte ins Antlitz treiben. Es ist unsererseits wirklich nicht nötig, die hervorragenden Männer Hin ^HJi ö^n n^bn die sich am 10. Elul in unserer Stadt versammeln werden, gegen die masslosen Angriffe und grandiosen Verdächtigungen des „Tel talpijoth" in Schutz zu nehmen; aber diese Man n er sind unsere Gäste und wir können nicht dulden, dass unsere Gäste, noch bevor sie den Boden unserer Stadt betreten haben, s o lc h e n Abwürfen ausgesetzt seien, von welcher Seite dieselben auch kommen mögen. Dagegen muss urnsamehr protestiert werden, da wir wissen, dass diese Angriffe nur durch den sachlich ganz nebensächlichen Umstand hervorgerufen worden sind, dass die Misrachisten als ihren »ersten Kongressort das orthodoxe Pressburg ausersehen haben. Es soll hier nicht über den Wert oder Unwert, über den Segen oder die Gefahren der zionistischen und misrachistischen Prinzipien gerechtet werden: hierüber mag sich jeder Jude selbst ein Urteil bilden, der die bisherige Wirksamkeit und den Kongressaufruf der Misrachim unbefangenen Geistes mit den Enunziationen ihrer Gegner vergleicht. Das endgiltige Urteil bleibt der jüdische«! Zukunft vorbehalten. Aber — so muss jetzt gefragt werden — wie ist es nur möglich, dass orthodoxe Rabbiner an eine jüdische Gemeinde die beleidigende Zumutung •stellen, sie möge ihre Tore vor einer ansehnlichen jüdischen Versammlung, die ihre Gastfreundschaft in Anspruch nehmen will, schliessen und diese aus weiter Ferne herbeieilenden Männer derart vor der Oeffentlichkeit beschämen? Diese Zumutung müssen wir" mit Entrüstung zurückweisen, damit man in der Welt nicht von uns sage, dass wir das primitivste Anstandsgefühl ausbracht gelassen und dile Pflicht der Gastfreundschaft unseren Brüdern gegenüber gröblich verletzt haben, indem wir dieselben von unseren Toren hinwegwiesen. Wie könnten wir uns selbst in der Achtung der Welt und des gesamten Judentums so weit herabsetzen? Die politische Behörde gestattet bereitwilligst die Abhaltung dieses Kongresses und wir sollten so 'gehässig sein, denselben zu hintertreiben?! Wie sollten wir uns so weit vergessen, unsere fremden Brüder in dieser Werse öffentlich zu beschämen, wo doch laut dem Ausspruche unserer Weisen schon die öffentliche Beschämung eines einzelnen Mannes ein todeswürdiges Verbrechen bedeutet? Wahrlich, die Rabbiner, die uns im „Tel talpijoth4 diesen Rat erteilen, sind selbst schlecht beiraten und offenbar das Opfer einer Mystifikation geworden. Wir wissen ganz genau, dass nur einige hetzerische Agitatoren diesen Kol kore verschuldet haben und dass die grosse Majorität der unterzeichneten Rabbiner nur durch die masslose, einschüchternde Agitation derselben zur Abgabe ihrer Unterschrift bewegt worden ist. Sowohl die Pester orth. Durchfiihruingskanzlei als unser hochverehrter Presshurger Oberrabbiner stehen dem Zionismus schon seit Jahren mit wohlwollender Neutralität gegenüber, so dass dieser plötzliche schroffe Gesinnungswechsel unbegreiflich wäre, wenn wir nicht auch aus bei uns eingelaufenen Klagen einiger .Rabbiner davon Kenntnis hätten, dass sie gewaltsamerweise unter dem Hochdruck einer gewissenlosen Agitation zu dieser Stellungnahme förmlich gezwungen worden sind. Wochenlang hat sich der Pressburger Oberrabbiner, der ursprünglich die Sache der Misrachisten seiner Sympathie gewürdigt hat dagegen gewehrt, gegen den Kon gross Stellung zu nehmen, da er sich nicht der Unkonsequenz zeihen lassen wollte, dass er, der den Talmudistein ausdrücklich gestattete, an der Bewegung teilzunehmen, er, der 5 Jahre lang der stürmischen Entwicklung des Zionismus in Pressburg gegenüber eine wohlwolliende Neutralität bekundet hatte, nun plötzlich die entgegengesetzte Stellung einnehme. Aber die Ohrenbläser haben den fern von Pressburg in einem Kurort weilenden und der Erholung bedürftigen ehrwürdigem Mann wochenlang in so massloser Weise terrorisiert und die Misrachisten vor ihm verleumdet, bis er (endlich, wenn auch widerstrebend, ihren Willen getan hat. Und durch solche Ohrenbläsereien und fast gewaltsame Beeinflussung sind die meisten der rabbinistischen Unterschriften gesammelt worden. Für uns aber kann eine unter dem Zwange des agitatorischen Hochdruckes und auf Grund tendenziöser Irreführungen gegebene Aeusserung nicht jenes bedingungslose Machtwort sein, welches sonst jeder Wunsch unseres verehrten Oberrabbiners gewesen ist und immer sein wird. So ist dieser Kol kore entstanden, der in der Geschichte der ungarischen Orthodoxie immer ein schwarzes Blatt bleiben wird. Wahrlich, die Achtung, welche jeder gesetzestreue Jude der rabbinischen Würde als solcher, ohne Rücksicht auf die Träger derselben, entgegenzubringen hat, verbietet es, über dieses Schriftstück ein Wort noch zu verlieren. Es richtet sich von selbst und wird, ohne die felsenfeste zionistische Ueberzeugung der Misrachisten Ungarns auch nur im geringsten erschüttern zu können, nur der Autorität jener Rabbiner schaden, die auf demselben unterzeichnet sind. Deshalb mögen diejenigen, denen der Ruf unserer Orthodoxie noch teuer ist, gleich uns den Mut ihrer Ueberzeugung besitzen und über diese traurige Episode offen und freimütig ihr Urteil abgeben, damit das gesetzestreue Weltjudentum, dessen Augen jetzt auf uns ruhen, die wahre, unverfälschte Gesinnung der orthodoxen Judieuheit in Ungarn kennen lerne. „Das Wesen des Judentums". Unter diesem Titel erschien in Nummer 38 der Berliner Zeitschrift „Die Zukunft" ein Aufsatz eines Herrn Dr. Elias Jakob, der im Gewand parteiloser Wissenschaftlichkeit die heftigsten, gänzlich argumentlosen Angriffe gegen das Judentum enthält. Herr Dr. Jakob beginnt mit der Versicherung, dass das, was er hier niederschreibt, „das Ergebnis eines Jahrzehnte langen Studiums, Prüfens und Ringens8 sei. Das ist nun nichts Besonderes. Wird doch der halbwegs denkende Jude wie kein anderer Angehöriger einer Gemeinschaft schon von der Aussenwelt gezwungen, immer über seine Lage nachzudenken; ganz abgesehen davon, dass ja dem Juden überhaupt ein Hang zum Grübeln, Spekulieren, Zergliedern, Hinundherdrehen seit jeher eigen ist, ein Hang, der durch Jahrhunderte langes Studium des Talmud, durch den zum Müssiggang gezwungenen Geist im Ghetto noch genährt und ausgebildet wurde.

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