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Die Welt · 1904-08-19 · 34 (19.8.1904) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
34 (19.8.1904)
Date
1904-08-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seife 6 „bi* * W^t" Nr. 84 In dem Osijeker Blatte „Drau" schrieb aber ein assimilatorischer Mitarbeiter: „Die Fortsetzung des Kongresses unterbleibt. Die Mitglieder zerstreuten sich in grosser Erregung. Die auswärtigen Mitglieder haben mit den Abendzügen die Stadt verlassen.8 Nun fand nicht nur Sonntag der Hauptpunkt des Erfolges statt, sondern hat erwiesenermassen kein Kongressmitglied die Stadt vor Sonntag abends verlassen. Trotzdem stand diese Meldung im Osijeker Blatt und von da aus, da der Herr Vertreter des ungarischen Korrespondenzbureaus ist, ging es in die Pester und Wiener assimilatorischen Blätter, die mit Behagen den „zionistischen Misserfolg* brachten. Doch am besten wird die Sache durch die Ausführungen des Osijeker kroatischen Tagblattes „Narodna Obrana" beleuchtet. Das Blatt schreibt am 9. August: „(Die »Drau8 und der Zionismus.) Es wäre ein interessantes Thema, zu untersuchen, wie sich das hiesige Blättchen „Drau*, welches Eigentum von Juden ist und in das nur Juden schreiben, gegen den Zionismus hält. Anfangs traute sich die „Drau" nicht, Notizen über den zionistischen Kongress im lokalen Teile zu bringen, sondern nur im „Eingesandt", für das die Redaktion nicht verantwortlich ist. Das ist der Standpunkt des Golusjuden, wie Rabbiner Dr. Kaufmann den heutigen Geschäftsjuden nannte. Bei der „Drau" sind eben jene Juden, von denen die jungen Zionisten meinten, dass ihr Herz und Seele — die Tasche ist. Die „Drau" kann sich erst dann zum Zionismus äussern, wenn sie weiss, wie die Regierung und die Mehrheit der Osijeker Juden, die sie erhalten, darüber denkt. Werden diese zwei für die „Drau* so wichtigen Faktoren dem Zionismus günstig sein, so wird das Blatt sofort den Kurs ändern und der eifrigste Propagator des Zionismus werden* Fürwahr, die jungen Zionisten, wenn sie ehrlich und aufrichtig arbeiten wollen, haben viel Arbeit, sich eines solchen Auswurfs zu erwehren. Interessant ist noch zu beobachten, wie sich der „Drau"-Schmock im Berichte an die „Drau* und das ungarische Korrespondenzbureau blamiert hat. Es muss wohl nicht erwähnt werden, dass er nirgends persönlich war, sondern nach den Erzählungen eines Dienstmannes den Kongressbericht fabriziert hat. So meldete er, dass der Stadthauptmann Samstag den Kongress auflöste, alles weitere Beraten unterbleibt und die fremden Teilnehmer Samstag die Stadt verliessen. Das ist schon das Höchste im jüdischen Gefühl und in der Berichtsfähigkeit des Schmocks." Auf diese Zeilen hat die „Drau" kein Wort erwidert. Anständige arische Blätter haben eine Berichtigung aufgenommen, die „Drau" und die durch das ungarische Korrespondenzbureau bedienten Assimilantenblätter nicht. So freuen sich gar viele Assimilanten noch heute des zionistischen Misserfolgee in Osijek. Darum Zionisten, seid vorsichtig, wenn man euch ähnlicher Misserfolge zeiht, weist auf Osijek hin und sagt: „Das muss nicht wahr sein; denn der es geschrieben, ist weder ein Arier noch ein Jude, sondern _ ein Assimilant." Lavoslav Schick. Die Juden als Disziplinverderber. Von Zeit zu Zeit fällt ein Lichtblitz in die sogenannte Gleichberechtigung, die der Jude da und dort geniesst. Wie eine höhnische Fussnote zu den weihevollen Feststellungen, die den zunehmenden Schwund des Judenhasses betonen, pflegt prompt irgend eine Nachricht aufzutauchen, aus welcher leider hervorgeht, dass wir noch immer Staatsbürger zweiten, dritten — man kann die Zahlenreihe beliebig fortsetzen — Ranges sind. Nun ja — wird jetzt einer wehmütig sagen — die inferiore Stellung der Juden in Russland, Rumänien ist ja bekannt, wozu wieder das alte Lied? Gemach! Es handelt sich nicht um Regionen Halbasiens, sondern um regelrechte „Zivilisationszentren* des Westens. Die Nachricht von der wurmstichigen Gleichberechtigung der Juden kommt diesmal aus einer Gegend, von der man, ach so gerne, den Verdacht antisemitischer Allüren wegwischen möchte — aus dem Deutschen Reiche. In Deutschland dürfen Juden nicht Unteroffiziere werden! — das ist der karge Text, um den sich letzthin im Deutschen Reich eine eingehendere Debatte entsponnen hat. Der Zentralverein deutscher Staatsbürger hat sich kürzlich bei einer der deutschen Heeresverwaltungen darüber beschwert, dass Juden di e A ufn ah m e i n die U n t er o f f i z i er s s c hul e n verweigert werde. Die militärischen Stellen, an deren Adresse die Beschwerde gerichtet war, haben mit dem üblichen Achselzucken geantwortet: Uns ist nichts bekannt... Es ist unmöglich, dass . . . Gleichberechtigung nach wie vor . .. Beschwerde offenbar Irrtum .. . Allein im Anschluss an diesen Gedankenaustausch des Zentralvereines und der Militärbehörden ist in der deutschen Fresse eine Diskussion erstanden, die nolens volens zugibt, dass den Juden tatsächlich der Aufstieg in die Sphäre des Unteroffiziertums versagt sei; und hierbei entschlüpfen den Artikelschreibern, die sich in den Blättern mit diesem Thema befassen, in aller Unschuld die sonderbarsten Geständnisse. So befasst sich in der „Zukunft" der bekannte Militärschriftsteller Oberstleutnant a. D. Karl v. Wartenberg mit dem Gegenstand. Er spricht mit Hochachtung von den militärischen Tugenden jüdischer Soldaten, wie denn aus demArtikel überhaupt ein unleugbar judenfreundlicher Ton spricht; um so schwerer fallen einige Aeusserungen ins Gewicht, die gewissermassen bona fide und mit einer Art Naivetät den Grund anzugeben suchen, weshalb die deutsche Heeresverwaltung den Juden die Unteroffizierscharge versagt. Oberstleutnant a. D. Karl v. Wartenberg schreibt: „Daran, dass sich trotzdem im deutschen Heere die Israeliten nicht als Vorgesetzte verwenden lassen, trägt das Widerstreben des Christlichen Mannes die Schuld, einem Juden zu gehorchen. So fremd unserem einfachen Manne, wenn er nicht konfessionell oder religiös einseitig beeinflusst wurde, auch jede Gehässigkeit gegen Andersgläubige ist, gegen die Pflicht, jüdischen Vorgesetzten zu gehorchen, lehnt er sich innerlich auf. Ein jüdischer Soldat zeichnete sich im letzten Feldzug so aus, dass er in kürzester Zeit der Liebling der Offiziere wurde und sie nicht eher ruhten, als bis sie seine Beförderung zum Unteroffizier durchgesetzt hatten. Kaum war er es aber, als die Schwierigkeiten mit den Mannschaften begannen, und so taktvoll sich auch bei jeder Gelegenheit der junge Unteroffizier benahm: sehr bald mussten die Offiziere bereuen, dass sie seine Ernennung vorgeschlagen hatten, denn sie konnten nicht verkennen, dass unter dar Zugehörigkeit des Unteroffiziers zum Judentum die Disziplin der Kompagnie litt... So bedauerlich es ist, unsere jüdischen Mitbürger müssen der Eigenart des christlichen deutschen Soldaten Rechnung tragen und sich damit b eg n ü g e n, den Rechtsanspruch ihrer Söhne theoretisch zu betonen . . . Ich kann daher das Verfahren der militärischen Behörde nur billigen, die sich nicht zu entschliessen vermag, das Heer und junge, jüdische Leute ernsten Unzuträglichkeiten auszusetzen." Es ist diesen Bekenntnissen des Oberstleutnants a. D. Karl v, Wartenberg nicht viel hinzuzufügen. Er gibt mit grosser Offenherzigkeit zu, dass tatsächlich in Deutschland eine prinzipielle Aussperrung jüdischer Soldaten aus dem Unteroffiziersrayon geübt wird. Und er teilt auch die Erwägungen mit, die eine hohe Heeresverwaltung

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