Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1904-08-19 · 34 (19.8.1904) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
34 (19.8.1904)
Date
1904-08-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3315709-3316073-3316108--46043-3340878
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 3* „bj^ j .: > •: . , ■•■ •.'.:,;/ ''• -.: ' i aufkam, hielt er es für richtig, Dr. H e r z 1 zu opponieren nicht etwa offen, sondern hinter dem Rücken— intieto sr;alles,^ wasdieser^tat, bekämpfte, indem er sich bestrebte, überall ihn und seine Politik herabzumtz&m und sein Bestes tat; um die Saat der Zwietracht überall ^auszustreuen, wo es ihm nur möglich schien. Sogar» noch heim dritteö Kongress hat Dr. G a s t e r die Stellung: Dr;^ H e rz 1s in der Bewegung untergraben wollen. In der Tat, es ist sicher, dass da 5, was ier: ^plumpere Hände* nennt, die Herz 1 einen Schlag Mchudem andern; zu versetzen suchten, dass diese .i „plumperem\->.iHändeu der eigenen Feder Dr: dGbas <tex s sehr nahe waren, als er die Phrase niederschrieb. Seine Gründe mögen ja die höchsten uad) die. reinsten gewesen sein, die Ostafrikafrage hat nichts damit zu? schaffen. .;;.• i r 'Es ist absolut und total falsch; zu behaupten, und ich widerspreche deiii aufs entschiedenste, dass irgend 'etwas in der Ostafrikaangelegenheit ohne Dr. Herzls direMfen; Auftrag' xm& ohne sein Wissen und seine Bilfigung unternommen wurde. Die Worte, die Dr. Gast er in.Wiei auffing, als ob sie von Dr. Herzls Lippen kämenf sind ganz apokryph, denn Dr. Herzl war ehrlich und offeriherzig. Dr. Gäster gab vor einigen Wochen öffentlich einife wirre und grundfalsche Erklärungen über dar Ostafrikaprojekt ab. Als ich mich verpflichtet fühlte, ihm in jedem Worte zu widersprechen, und ihn aufforderte, die Richtigkeit seiner Behauptungen zu beweisen, Süchte er Rettung im Schweigen. Und nun. wiederholt er; sie, zweifellos auf das kurze Gedächtnis des Publikums bauend, mit vielen Worten, ohne den Mindesten Beweis zu erbringen. Jeder Zionist wird gewiss d&n Wert dieses Sophismus selbst erkennen, smclr wenn er mit der Methode Dr. Gasters, die Vernunft durch Phrasen zu verdunkeln, wenig vertraut ist. Ich beabsichtige nicht, hier eine Diskussion über die' Weisheit öder den sonstigen Wert des Ostafrikaprojektes einzuleiten, aber ich lege noch einmal meinen ernstesten Protest ein gegen den Versuch Dr. Gasters, alle jene, die das Projekt gutheissen, in den Augen der' Ziöiiiöteh zu besudeln, indem er behauptet, dass ^ie Wen%ef ängstlich bestrebt sind, unser Volk als eine Nation in Palästina wiederhergestellt zu sehen, als äÖr und Gegner des Planes es sind, und dass sie den* zionistischen Ideal weniger ergeben sind. Nach der Vei^ichei'üng, die alle Zionisten, welche für das Projekt sind, abgegeben haben, dass sie es nur deshalb türi; Weil sie darin bloss ein Mittel zur Ausführung des Baseter Programiüs sehen, würde eine derartige Behauptung Dir« (Jästers ihn jenseits aller Diskussionen 'stellen, '"Wennvi6h' nicht sicher wäre, dass in Dr. Gast er s Fäll/ Seine; Hältüng denjenigen gegenüber, die von seinen Aflsöhatturigen abweichen, keinen schlimmeren — oder kieiii&n besseret — Grund hat, als eine etwas übertrlebene' Meinung ybn'sich selbst und sein beständiger ünd: überall als der richtige vollkommene Mann zu paradieren! t I)r. Gastes erklärt .sich, hierbei zugleich als einen wänFeri* i;l freund der Bewegung und einen wahren Förderer des Werkeis Dr. Herzls. Aus vollem Herzen wünschte ich diese seine eigene Schätzung bestätigen zu können* denn die Ernte ist schwer und der Arbeiter sind -wenig. Aber den Baum muss man nach der Frucht erkennein; und wenn ich an alles denke, was vorgefallenist,' und an den Weg* den Dr. G as t e r Jahre hindurch zu wandeln für gut hielt, dann sage ich, möge Gott die Bewegung vor vielen solchen „Freunden" und das Werk Dr, Herfcls vor vielen solchen „Förderern" wahren! Ergebenst Ihr L. J. G r e e n b e r g. Welt11 Seite 5 Wie man uns bekämpft. Vor etlichen Tagen war in Osijek der I. Kongress jüdischer Hochschüler aus den südslawischen Ländern. Bereits in der letzten Nummer der „Welt" ist ein ausführlicher Bericht über den Verlauf desselben erschienen, aber eigentlich ist es nur ein schwaches Bild gewesen. Nur diejenigen, die an diesen Tagen in Osijek waren, wissen von der allgemeinen Begeisterung zu berichten, die unter den dortigen Juden herrschte. In jeder Trafik, in den meisten Geschäften sah man Dr. Theodor H e r z 1 s umflortes Bild, zionistische Zeichen und Bücher, und auf Schritt und Tritt begegnete man Leute, die Brust mit dem blauweissen Bande oder Herzls Bildnis geschmückt. Und erst der Kongress! 50 junge, zukunftsfrohe Zionisten aus jenen Ländern, in denen es vor kurzem noch keinen Zionismus gab, und daneben das kleine Häuflein mosaischer Kroaten. Wohl war in einem Teil der kroatischen akademischen Jugend vor dem Kongresse die Stimmung dem Zionismus feindlich — unsere Herren Gegner haben uns ja eben als Gegner des Kroatentums dargestellt — aber am Schlüsse des Zionistentages, nach dem Kongresse, hatten wir die Sympathien der meisten, der besten Elemente des Kroatentums für uns. Die Assimilanten hatten volle Redefreiheit für sich, doch als sie ihre Enunziation herabgelesen hatten und man ihnen bewies, dass es im Judentum zur Forterhaltung unbedingt des Zionismus bedarf, da war es ein Herr Felix Kohn, der die denkwürdigen Worte sprach: „Das Judentum ist verloren. Tauft euch! Taufen wir uns alle, sonst kommt es zu Kischinew!u Das Wort war gefallen und eine Plattform für den Kampf gefunden. Aufrechthalten und Weiterpflanzung des Judentums durch den Zionismus oder Auflösung durch Assimilation und Taufe. Niemandem fiel es ein, zu beweisen, dass die Assimilation und Taufe kein Auflösen des Judentums, keine Lösung der Judenfrage bedeutet, denn es war für den Sieg des Zionismus nicht mehr notwendig. Sieben sogenannte Kroaten mosaischer Konfession klatschten wohl den proselytenmachenden Worten des Herrn Kohn Beifall, aber gegen dieselben stand ein neuer, von den Assimilanten geleugneter Faktor: das jüdische Volk. Alle, die bei dieser Versammlung anwesend waren und mit den gegnerischsten Gefühlen gekommen, fanden jetzt nur in einem Worte Befriedigung: „Es lebe das Judentum, es lebe der Zionismus!" In der ganzen Stadt, in der ganzen Judenheit Osijeks verbreitete sich dieser Ruf — und am anderen Tage erschien Herr Felix Kohn beim Zionistenkongress und erklärte, diese Worte seien ihm nur in einem Momente der Geistesabwesenheit entschlüpft. Die sieben anderen aber, die applaudierten, haben keine Erklärung abgegeben und bleiben also bei der Assimilation und Taufe — aber dafür sind es am Sonntag nachmittag 500 jüdische Bürger gewesen, die ausriefen : „Wir waren und wir sind Juden und darum wollen wir Zionisten sein!" In diesem Momente hat sich der Zionsgedanke eine mächtige, starke Burg erobert, von wo er weit durch die Lande an der Drau, Save und unteren Donau seinen Siegeszug antreten wird. Was tun nun die Assimilanten? Bei der Versammlung waren sie mäuschenstill und kein Widerruf ertönte, als sich alle für den Zionismus, alle für die Gründung des zionistischen Vereines „Osijek" erklärten. AberEachemuss sein und ein zionistischer Erfolg darf nicht gestattet werden. Geht es nicht, ihn wirklich zu verleumden, so muss es durch die Presse geschehen. Der Stadthauptmann hatte Samstag nach der Szene mit dem Gerichtsauskultanten Kohn infolge der allgemeinen Erregung die Versammlung aufgelöst — aber am Sonntag fand natürlich der zweite Kongresstag und die impo°ante Bürgerversammlung statt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.