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Die Welt · 1904-08-12 · 33 (12.8.1904) · page 8

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Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
33 (12.8.1904)
Date
1904-08-12
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 „biC & W$lt Nr. 33 grossen Mehrheit der rumänischen Juden — von den blutarmen, trostlos armen jüdischen Familienvätern. Den reichen Juden ist allerdings auch keine grosse Auswahl geboten. Von den gelehrten Berufen stehen den Juden nur noch die Medizin und technische Wissenschaften offen. Natürlich kann der Jude nur Privatarzt und Privatingenieur werden. Von Staats- oder Gemeindeposten sind diese diplomierten Juden — wie leicht denkbar — ausgeschlossen. Die anderen Diplome sind für den Juden gesetzlich unbrauchbar. Nun sind aber die öffentlichen Schulen für den armen Juden geschlossen. Man nimmt sie nur perzentuell auf und nach Zahlung der für die Mehrheit der rumänischen Juden unerschwinglichen Taxen. Taxen sind immer, von den Elementarschulen bis zur Universität zu entrichten. Das Resultat dieser vor nicht zu langer Zeit eingeführten Schultaxen war die Gründung jüdischer Elementarschulen in den rumänischen Städten mit reichlicher Judenbevölkerung. Lehrer in diesen Schulen sind mittellose jüdische Studenten, die das Gymnasium vor der Taxeneinführung absolviert hatten und jetzt nicht imstande sind, die Universität zu besuchen. Wenn Sie glauben, das3 es eine angenehme Sache ist, jüdischer Lehrer in Rumänien zu sein, dann täuschen Sie sich. Neben den vielen Regierungschikanen, täglich wechselnden Verordnungen, Inspektionen, Verdächtigungen etc., kommen noch eigene jüdische Miseren — kleiner Gehalt, Monsieur Homais als Vorgesetzter . . . Aber — passons. Diese Schulen haben natürlich den Charakter von Privatschulen. Weil nun die Kinder staatsgiltige Zeugnisse haben sollen, müssen sie die Jahresprüfung vor einer staatlichen Kommission ablegen und dafür — eine Taxe zahlen. Die unausbleibliche Taxe! Woher aber zahlen? Die Eltern können nicht eiamal die Schulbücherkosten bestreiten. Woher zahlen? Das war die bange Frage in den meisten Städten Rumäniens am Ende dieses Schuljahres. Bis jetzt hatte der Unterrichtsminister die Güte gehabt, eine Minimaltaxe zu bewilligen. Dieses Jahr wollte er nicht gütig sein. Es ist sein R^cht. Ich kann leider nicht dasselbe von der diesjährigen Zurückweisung aller Armutszeugnisse samt Gesuchen sag^n. Die Armutszeugnisse waren von der dazu befugten Behörde aasgestellt und vollkommen in Ordnung. Aber sie wurden zurückgewiesen, die Minimaltaxe wurde nicht bewilligt und die grosse Mehrzahl der jüdischen Kinder hat ein ganzes Jahr verloren — sie wurden zur Prüfung nicht zugelassen. Die Frage ist nun: Was wird die Zukunft bringen? Wird den jüdischen Kindern auch das Erlangen eines Elementarschulzeugnisses unmöglich sein? Was wird aus diesen Kindern werden? Sehr richtig bemerkt die „E g a 1 i t a t e au, dass das ein indirektes Mittel ist zur Ausschliessung der Juden auch vom Handwerkerstande. Da die neue Handwerker Verordnung vom Lehrling das Zeugnis einer absolvierten Elementarschule verlangt, sind die jüdischen Kinder, die nicht zur Prüfung zugelassen werden, gleichzeitig aus dem Handwerkerstande gestrichen. Was in Rumänien geschehen kann, wenn ein Minister nicht gütig sein will! Es ist traurig, dass dieser Schlag die rumänischen Juden völlig unvorbereitet gefunden hat. Es handelt sich da um die Zukunft tausender jüdischer Kinder. Hier muss rasch geholfen werden. Der Vorschlag, den die „E g a 1 i t a t e a* macht, die jüdischen Schuldirektionen sollen um die Erlangung des Charakters öffentlicher Schulen petitionieren, scheint mir von mehr politischem, als praktischem Werte. Man könnte es versuchen, mit der Gewissheit, dass es sich um eine formelle Demonstration handelt und mit dem Bestreben, auf anderen Wegen dem grossen Uebel beizukommen. Jedenfalls ist dies eine neue Form, in der man den systematischen Vernichtungskampf gegen die rumänischen Juden führt. Th. P1 e b e. Zwei Zionistentage in Osijek (Essek). Osijek, 8. August. Der Verein jüdischer Hochschüler aus den südslavischen Ländern „Bar Giora" in Wien, hat sich zur Aufgabe gestellt, Agitation und Propaganda für den Zionismus in den gena inten Ländern zu machen. Der Verein berief nun den ersten Kongress jüdischer Abiturienten aus den südslavischen Ländern nach Osijek ein, um die jüdischen Studenten dieser Länder miteinander bekanntzumachen und sie über die modern-jüdische Bewegung aufzuklären, Im Anhang daran fand auch eine Bürgerversam mlung statt. Der Abifurienten-Kongress. Am 6. d. M. wurde in Osijek der erste Kongress jüdischer Abiturienten aus den südslavischen Ländern durch den Vertreter des Vereines „Bar Giora", jur. Max L e d e r e r (Vinkovce) eröffnet. Noch vor Eröffnung des Kongresses ergriff der Präses des Kultusvorstandes Dr. Hugo Spitzer das Wort, um als Hausherr — denn der Kongress fand im grossen Beratungssaale der israelitischen Kultusgemeinde statt — die Kongressteilnehmer und die erschienenen Gäste aufs herzlichste zu begrüssen. Unter anderem sagte er, dass der Kultusvorstand die Idee, für welche auch der Verein „Bar Giorau kämpft, mit vollen Sympathien begleite. Nach einem Nachruf für Dr. Herzl, der von allen Anwesenden stehend angehört wurde, las jur. Lederer die zahlreich eingelaufeneu Telegramme und Begrüßungsschreiben vor. Hervorzuheben sind folgende: „Oesteir. Landes-Komitee", „Innei österr. Distrikts-Komitee", Aich. Oskar Marmorek, Dr. S. Krenberger, Rabbiner Dr. Ehrenpreis (Sophia), Dr. Rehberger (Bielovar). Rabbiner Dr. Diamant (Vukovar), Rabbiner Neumann (Vinkovce), Rabbiner Dr, H. E. Kaufmann (Virovitica), Zionistische Abiturienten Wiens, Zagreber jüdische Akademiker, „Bene Zion" (Sarajevo), „Selbstbildungsverein" (Sarajevo) u. v. a. Vom Kongress wurden Begrüssungstelegramme an Se. Majestät als König von Kroatien, an den Banus von Kroatien und an das Aktions- Komitee in Wien abgesandt. Der Kongress fasste gleich am Anfang eine Resolution, die als Antwort auf die verschiedenen, wie von Seite der Assimilanten so auch von Seite einiger Kroaten gegen den Zionismus erhobenen Beschuldigungen und Verleumdungen dienen sollte — und deren Inhalt in folgenden kurzen Worten enthalten ist: die kroatischen Zionisten fühlen sich wohl nicht in nationaler, jedoch in politischer Hinsicht als Kroaten. Hierauf wurde die Vormittagssitzung geschlossen und die Kongressteilnehmer, über vierzig an der Zahl, begaben sich korporativ in den Tempel. Nachmittag um ya4 Uhr nahmen die Kongressberatungen ihren Anfang. Schon vor Erscheinen des Bureaus war der Sitzungssaal mit Assimilanten und kroatischen Anhängern der Antizionisfcen überfüllt. Die Stimmung war bereits sehr erregt. Der erste Referent, jur. Lavoslav Schick ergriff das Wort, um über die jüdischnationale Bewegung zu sprechen. Er schilderte die Geschichte der Juden seit der Zerstörung des jüdischen Staates bis in die Neuzeit. Weiters führte er aus, dass der Zionismus die einzige Lösung der Judenfrage, nicht bloss für östlichen, sondern auch für die westlichen Juden sein kann. Sein Vortrag wurde durch Zwischenrufe unterbrochen, doch der Referent Hess sich nicht aus dem Konzept bringen und reflektierte sofort auf die einzelnen, oft sehr wenig gescheiten Zwischenrufe mit der Sicherheit der Ueberzeugung. Nach seinem Vortrag meldete sich ein Assimilant, Gerichtsauskultant Felix Kohn zum Wort. In seiner Rede führte

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