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Die Welt · 1904-08-12 · 33 (12.8.1904) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
33 (12.8.1904)
Date
1904-08-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 33 „bie * weit" Seite 7 machten sich die Jungen munter und rüstig an die Arbeit5 um das Feld zu reinigen und das Lager aufzuschlagen. Die bedeutendste Episode dieses Feldzuges ist die Inspektion. Die Inspektion im Deal Camp, geleitet von Generalmajor H. F. Grant, fiel für die Jungen sehr günstig aus. Der General drückte den Jungen und dem Colonel Montefiore seinen Dank und seine Zufriedenheit aus. Dann wurde die Preisverteilung vorgenommen, und viele von den „Ladsa und den Offizieren wurden wegen ihrer militärischen Schulung preisgekrönt. Israel Z a n g w i 11 besuchte zur grossen Freude der Lads das Lager. Einen sehr schönen Verlauf nahmen die Manöver der Lads in Lytham. Die Landschaft, an der Meeresküste gelegen, ist reizend. Und es ist eine nicht genug hochzuschätzende Wohltat, die armen jüdischen Kinder, die das ganze liebe Gottesjahr in den dumpfen Städten eingepfercht sind, freie Landluft, oder gar Seeluft einatmen zu lassen. Die Jungen gewinnen bei allen Teilen der Bevölkerung des Landes innige Sympathie und es lacht einem das Herz, wenn man die lachenden, gesundheitsstrotzenden Gesichter dieser Judenjungen vor sich sieht. Auch das erzieherischreligiöse Moment wird beachtet. So hielt in Lytham am Samstag der Feldprediger eine schöne Predigt, in der er in schlichter und für die Kinder leicht fasslicher Weise die Grundsätze einer guten Lebensweise ihnen einzuschärfen suchte. „Ihr, die ihr Knaben seid, werdet einst unseren Platz einnehmen. Euch wird die alte Erbschaft zufallen und auch die Verantwortlichkeit für deren Erhaltung. Deshalb seid bereit, sie zu empfangen. Werdet tüchtig in allen Beziehungen. Bestrebt euch, die Tugenden und Eigenschaften euch anzueignen, die euch als Edeiinge, als ehrlich vorwärtsstrebende, herrliche jüdische Jungen kennzeichnen werden"! Es ist eine merkwürdige Tatsache, dass ausserhalb Englands nur die amerikanischen Zionisten diesem Beispiele folgten, indem sie eine ähnlich geartete Organisation der „Knighfc's of Ziontf, der Volontair's of Zion" u. s. w. eingeführt haben. Warum das nicht auch auf dem Kontinente der Fall ist? Gewiss sind die militärischen Bedingungen in Engani und Amerika anders geartet als auf dem europäischen Kontinent, aber unter dieser oder jener Form könnte man auch dort eine Abart der Jewish Lads einführen. Von ihrer national-erzieherischen und eminent zionistischen Bedeutung zu sprechen, hiesse ja Eulen nach Athen tragen — es ist ja selbstverständlich. Und dennoch tut man es nicht. Miles. Neue Massregeln gegen die Juden in Russland. Der Petersburger dirigierende Senat hat vor wenigen Tagen eine Entscheidung getroffen, welche für die Unabänderlichkeit der Richtung der bisherigen Judenpolitik der russischen Regierung mehr als deutlich spricht. Der Senat hat nämlich die Entscheidung getroffen, dass jüdische Setzer nicht als Handwerker zu betrachten sind, denen der Aufenthalt in den inneren Gouvernements gestattet ist. Die Folgen dieser Entscheidung haben sich mit verblüffender Raschheit bereits einzustellen begonnen. In Kiew hat die Gouvernementsverwaltung, wie der „Kiewljanin" meldet, auf Grund der Entscheidung des Senats die Verfügung getroffen, jüdischen Setzern künftighin das Recht zum Aufenthalte in Kiew nicht einzuräumen und die jüdischen Setzern bereits ausgestellten, sogenannten Wohnrechtsscheine, nicht zu erneuern. In Kiew befinden sich gegen zwölfhundert jüdische Setzer, darunter Besitzer einiger Druckereien und Lithographien. Wie der national-russische „Kiewljanin" meldet, hat die Verfügung der Gouvernement8verwaltung unter den jüdischen Setzern in Kiew grosse Bestürzung hervorgerufen. Und wie konnte es anders sein? Die Nichterneuerung der Wohnrechtsscheine, deren Frist mit dem 31. Dezember dieses Jahres abläuft, bedeutet nicht mehr und nicht weniger als die Ausweisung der zwölfhundert Setzer und ihrer Familien aus Kiew und den völligen Ruin dieser vielen Menschen. Nicht umsonst beeilt sich die Petersburger Zeitschrift „Russj", bekanntlich ein rein russisches Blatt, die Verfügung der Kiewer Gouvernementsverwaltung einer abfälligen Kritik zu unterziehen und der Hoffnung Ausdruck zu verleihen, dass man dooh Mittel finden werde, um die jüdischen Setzer in Kiew dem ihnen drohenden Ruin zu entreissen. Aber die verhängnisvollen Folgen der Senatsentscheidung und der darauf basierenden Verfügung der Kiewer Gouvernementsverwaltung werden sich alsbald auch in den anderen, ausserhalb der Niederlassungsgebiete liegenden Grossstädten einstellen. In Petersburg soll man bereits vor zwei Jahren die Absicht gehabt haben, die jüdischenSetzer zu entfernen, und in Moskau wollte man dies erst vor wenigen Wochen tun. Die Entscheidung des Senates hat nun der Erfüllung der Wünsche der Judenfeinde in Petersburg und in Moskau in Bezug auf die Entfernung der jüdischen Setzer aus den zwei Residenzstädten alle Hindernisse aus dem Wege geräumt, so dass demnächst die Wirkung der neuen Beschränkung gegen die Juden sich überall in den inneren Gouvernements fühlbar machen dürfte. In Samara haben bereits die christlichen Setzer die Ausweisung der jüdischen Setzer verlangt... Die Tragik in der Lage der jüdischen Handwerker in Russland wird noch dadurch erhöht, dass durch die Zusammenpferchung der jüdischen Handwerker im Niederlassungsgebiete eine Konkurrenz geschaffen wurde, welche den Lohn auf ein unglaubliches Minimum herabsetzte und dadurch eine entsetzliche Verelendung unter den jüdischen Handwerkern herbeiführte. Die jüdischen Handwerker im Weichselgebiete und im Gouvernement Cherson haben, wie die „Petersburgkija Wjedornosti" melden, an das Ministerium des Innern ein Gesuch gerichtet, in welchem sie unter Hinweis auf ihre erstickende ökonomische und sanitäre Lage um Erlaubnis bitter, überall in Russland, auch in den Dörfern, ständigen Aufenthalt nehmen zu dürfen. Wird aber diesem Gesuche stattgegeben werden? Wir müssen es bezweifeln, weil die neueste Entscheidung des Senates, welche die Ausweisung jüdischer Setzer aus den inneren Gouvernements bezweckt, die Verwerfung dieses Gesuches im vorhinein besiegelt. . . . Das dürfte den Bittstellern selbst bereits klar geworden sein: die Auswanderung der jüdischen Handwerker aus dem Weichselgebiete hat in den letzten Tagen, wie die „Warschawskij Dnewniku und die „Petersburgskija Wjedomosti* melden, einen fast epidemischen Charakter angenommen. Aus Lomscha allein sind in den letzten zwei Tagen fünfzehnhundert jüdische Handwerker ausgewandert. Aber das sind nur die Vorboten jener verhängnisvollen Folgen, welche die neue anti-jüdische Entscheidung des Senates für unsere Volksgenossen in Russland herbeiführen wird. Gt. Eine Schulfrage in Rumänien. „Was sollen unsere Kinder werden?" so hört man in ganz Europa die besorgten Eltern fragen. Die meisten Berufe sind überfüllt, der Konkurrenzkampf allüberall erdrückend. Bedeutende Männer, wie Hanotaux, widmen der Frage dicke Bücher, und grosse Zeitungen und Zeitschriften behandeln seit Jahr und Tag die ewig aktuelle Frage. Unvergleichlich schwieriger und tragischer aber ist diese Frage für den jüdischen Familienvater in Rumänien. Was sollen seine Kinder werden? Ich spreche von der

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