Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 33 (12.8.1904)
- Date
- 1904-08-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 „bie & weit" Nr. 83 König Arthur, an Barbarossa. Fürst eines Volkes, das überall zerstreut ist, das sich nach der Heimat sehnt und zu ihm, dem „Princa of Exile" mit Liebe und Inbrunst hinaufschaut. Und hoch thront er. In der Höhe. Und diesen Titel Prince of the Exile hat man wieder einem Manne erteilt, einem Manne, den wir alle kannten, dessen Zeitgenossen wir alle waren, der mit vollem Rechte diesen stolzen Namen verdiente — und dieser Mann ist Dr. Theodor Herzl. Wir Zionisten von England wussten es seit langem, seitdem er in London in der Great Assembly Hall seine berühmte Rede hielt, seit dem IV. Kongresse. Wir wussten es um so mehr, als wir vor unseren Augen viele Beispiele jüdischer Grösse in England selbst sehen und gesehen haben. Männer, die zu hohen und höchsten Würden gelangten, die ihrem Volke eine Zierde waren. Und keiner kam ihm gleich — ihm, den wir verloren haben. Und nachdem er gestorben ist, sehen wir mit Genugtuung, dass wir mit unserer Wertschätzung nicht vereinzelt dastehen. Schmerz ergriff die gesammte englische Judenschaft, die von „Old England" und die vom „greater England", „Von der See zur See" . . , Und wie ein Mann beklagten alle jüdischen Gemeinden den Tod des Führers. Und er wurde beweint, wie lange kein Mann. Wir Engländer sind aber praktische Leute und wollen uns nicht mit den Klagen begnügen. Wir wollen nicht nur in Worten, sondern auch in Taten den Namen des Grossen verewigen. Und wie sollen wir unserer Pietät am besten Ausdruck verleihen, wenn nicht durch das von Wien aus ergangene Projekt des Nationalgeschenkes für Dr. Herzls Kinder? Es sei zur Ehre der englischen Juden gesagt. Nicht nur die Zionisten antworteten bereitwilligst auf den Ruf, sondern auch die Nichtzionisten. Die Haltung des „Jewish Chronicle", des Organes der vornehmen Westendjudenschaft, war eine tadellose, eine wirklich vornehme. Der „Jewish Chronicle", der in den Reihen der Gegner und nur gelegentlich in denen der Freunde des Zionismus stand, hat doch den richtigen Blick für die Grösse unserer Bewegung und für die hohe Persönlichkeit dessen, der dieser Bewegung die Bahn wies. Zu wiederholtenmalen mahnte der BJew. Chr." und die übrigen jüdischen Organe Englands, dem Nationalgeschenke beizusteuern. Und wir sind sicher, dass die Juden Englands ihren verdienten Ruf auch diesmal bestätigen werden. Und tatsächlich, grosse Sammlungen werden eingeleitet; Damen vom Westend und vom Eastend haben zu diesem Behufe Komitees gebildet. (Besondere Verdienste erwarben sich darum Miss Co wen und Mr. Lennox- Loewe.) Der Tod des Führers wird alle Schichten des jüdischen Volkes versöhnen, ob sie in der City von London oder in Stepney, in dem Uptown oder im Downtown von New-York wohnen. Ich möchte einen einheitlichen Brief schreiben, mich auf die einzige grosse Angelegenheit des jüdischen Volkes, die uns alle in Atem hält, beschränken, die Pflicht des Berichterstatters fordert aber von mir, wenigstens einen Blick auch auf die sonstigen Lebenserscheinungen zu werfen, auch wenn sie von untergeordneter Bedeutung sind. Neulich ist der letzte Jahresbericht der „Jewish Colonization Association" erschienen. Solche Berichte erscheinen alljährlich und sind gana im offiziellen Tone gehalten, nämlich alles ist gut in dieser besten aller Welten. Und in der Tat, wenn man die Reihen der Ziffern überblickt, die da aufgestellt sind, so scheint es, das alles so friedlich, sowohl bestellt sei. Und wenn man gerade nicht unter der Hand das nötige Material hat, um die Anordnung und Verbindung der Posten zu prüfen, da muss man den Bericht nur von einem allgemeinen Gesichtspunkte aus kritisieren. Ich will dies hier nicht tun. Ich habe nicht den Ehrgeiz, in dieser Beziehung in den Fusstapfen Zangwills zu wandeln. Aber eines fällt auf, dass die Tätigkeit der „Ica" so kleinlich, so unmerklich ist. Schlägt man irgend ein Kapitel in diesem Berichte auf, sagen wir Russland, dann liest man: ,Die Assoziation war im Jahre 1903 ausser Stande, diese oder jene Branche ihrer Tätigkeit nach ihrem Wunsche zu entwickeln." Und was bezweckte sie eigentlich? Einige Leute zu unterstützen, ein paar Farmschulen zu errichten, einigen Jungen Unterricht erteilen zu lassen. Das sind wirklich recht löbliche Zwecke und die ,Icaa ist in dieser Hinsicht eine sehr verdiente Institution, wenn sie ihren Obliegenheiten wirklich nachkommt. Aber das soll der Zweck einer so reichen, so gross angelegten Institution sein? Utdesint vires, tarnen est laudanda voluntas. Das kann man von der „Ica« nicht behaupten. Und ihre Tätigkeit in Palästina? Dort, wo sie wirklich Spielraum genug hätte, sich nach allen Seiten mit Nutzen zu betätigen? Treibt sie dennnicht Klein Wirtschaft, Kleinpolitik? Konsul Dickson sagt in seinem letztenReporfc on Palestine, Palästina könnte ein reiches Land, Jerusalem ein Handelszentrum werden, wenn man mit Geld und mit Energie das Land kultivieren würde. Nun, warum bestrebt sich die „lcau nicht, diese rein „praktischen* Arbeiten zu vollführen, sie, die »praktische*? Es ergeht ihr wie einem Helden von Mark Twain. Sie tut alles Mögliche, aber nie das Rechte. Dabei immer bona fide. Da z. B. gibt die „Ica* und die Alliance viel Geld für die Schulen in Tunis aus. Aber den Angaben der tunisischen Juden nach ist die Aufgabe derselben bereits erschöpft. (Vgl La Depeche Tunisienne v. 30. Juli 1. J.) In den Ländern aber, wo die Hilfe, wohlgemerkt eine gutorganisierte, auf eine breite Basis gestellte, notwendig ist, dort verhält sie sich passiv. Ueber blosse Philanthropie ohne politisch-nationale Grundlage ist bereits der Stab gebrochen worden. Die Herren von der jüdischen Hochtorypartei, wenn ich mit diesem Namen gewisse Antizio nisten belegen soll, werden gewiss verstimmt sein, wenn sie bemerken werden, dass man sie im Auslande für Zionisten hält. So las ich neulich in der „Cape-Times" einen interessanten, wenn auch gegnerischen Aufsatz über den Zionismus. Und mit Staunen sah ich, dass die geschätzte Zeitung unter die Anhänger Herzls auch die Herren Dr. M a y b a u m> Maurice Bloch und ähnliche Protestrabbiner zählt. Dr. May bäum und Bloch! Wie kommen die zu dieser Ehre? Oder ist es vielleicht eine Vorahnung dessen, was kommen wird? Und kommen wird es. Wir wollen den Glauben nicht lassen, der uns eine Versöhnung dieser Gegensätze verheisst, Spectator. Die „jewish Lads Brigade;' Ueber diese nützliche und schöne Institution wurde schon oft und des längeren berichtet. Und es wird deshalb überflüssig sein, auf die Vorgeschichte und die Wertschätzung derselben noch einmal einzugehen. Interessant ist aber, dass diese Institution, die die Mitte zwischen einem Turnvereine und einer wirklichen nationalen militärischen Vorbildungsschule einnimmt, immer grössere Erfolge aufzuweisen hat, immer grösseres Ansehen gewinnt. Bewunderungswürdig ist die Organisation derselben. Da gibt es einen Generalstab, die ganze Hierarchie der militärischen Würden, die üblichen Auszeichnungen und Anspornungen. Und die Leute, sowohl die an der Sache direkt beteiligten, als auch die abseits stehenden nehmen die Angelegenheit wirklich ernst und sparen keine Mühe zur Unterstützung derselben. In den letzten Tagen des heissen Julimonats fanden die Waffenübungen der Lads statt, und zwar in Deal, Sandhills bei London und in Lytham bei Blackpool. Also für die Lads von London respektive Sfcepney und für die aus der Provinz. Trotz des anfangs ungünstigen Wetters