Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1904-08-12 · 33 (12.8.1904) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
33 (12.8.1904)
Date
1904-08-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3315709-3316073-3316107--46022-3340856
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 33 „bis $ W^lt Seite 5 Der Mainzer „Israelit" und seine Gefoppten. Man kann uns nicht vorwerfen, dass wir uns mit dem Blättchen, dass die Frechheit besitzt, ein von ihm allein patentiertes Judentum proklamieren zu wollen, jemals zu viel befasst haben. Wenn wir uns heute zu einigen Bemerkungen veranlasst sehen, so geschieht es nicht, um gegen die Dummheit und Unverschämtheit seines Auftretens zu remonstrieren — dazu ist uns die Bedeutung dieses Blattes in jeder Richtung zu gering — sondern um die orthodoxen Rabbiner, die, hoffentlich in Unkenntnis seiner Machenschaften, ihm auf den Leim gegangen sind, ernstlich zu warnen. An diese also und nicht an die unsauberen Verleumder vom Mainzer „Israelit" richten sich unsere Bemerkungen. Der Zionismus erstrebt die öffentlich rechtlich gesicherte Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina. Wie unser verewigter Führer immer wieder öffentlich erklärt hat, ist der Zionismus die Rückkehr zum Judentum vor der Rückkehr ins Judenland. Wie hunderte orthodoxe Rabbiner und zwar solche, die etwas mehr bedeuten als die Herren Breuer und ihr Anhang, öffentlich kundgegeben haben, ist der Zionismus geradezu als göttliche Fügung zu betrachten, die das jüdische Volk wieder aufrichtet und in seinem schweren Kampfe für seine Ideale wundervoll stärkt. Nun kommen drei Leute und wagen es, öffentlich gegen ihr Volk aufzutreten. Wagen es zu einer Zeit, da der Grabhügel dessen, der sein Leben für Israel geopfert hat, noch nass ist von den Tränen tausender, denen er den Stolz auf ihr Judentum, den Glauben an seine Zukunft zurückgegeben hat. Wagen es, mit Individuen gemeinsame Sache zu machen, denen es an dem traurigen Mut nicht gefehlt hat, das Andenken dieses Helden in Israel öffentlich in ihrem Sudelblatt zu beschmutzen. „Gaonim" nennt sie der Breuer, der Diplome für wahres Judentum zu verteilen sich anmassi „Geonim" hätte er schreiben müssen, Leute mit freöhem Stolze und blutiger Unkenntnis alles dessen, was Israel frommt. Wahrhaftig, schlecht wird die Friedensliebe unseres teueren Toten vergolten, der in seiner echt jüdischen Bescheidenheit und Milde immer darauf gesehen hat, dass seine und des jüdischen Volkes jüdische Feinde geschont werden. Wir aber wollen nicht mehr schweigen zu der Ueberhebung und der masslosen Unverschämtkeit dieser Menschen. Nun denn, wir haben wahrlich den Kampf nicht gesucht mit unseren eigenen Volksgenossen, wenn sie uns auch hundertmal gekränkt und in unserer Arbeit für unser Volk gestört haben. Wenn sie ihn uns aber aufdrängen, so sollen sie endlich ihren Lohn erhalten. Sie hoffen wohl in dem Streite, den sie heraufbeschworen haben, im Trüben fischen zu können. Sie sollen sich geirrt haben. Wir sind nicht wie die Alten, die um ihrer Bequemlichkeit willen die Leute in ihren Schlupfwinkeln Unheil brauen Hessen und sich mit der Hoffnung trösteten, dass die Zeit alle die Frömmlerlügen erbarmungslos zu nicht machen werde. Das haben die Wühler übersehen. Wir haben so Wichtiges zu tun, dass es sich uns bisher nicht lohnte, uns mit dieser Sorte von Juden, die mit ihrem Frommsein religiösen Wucher treiben, näher zu beschäftigen. Wir wussten, dass die Verbreitung unserer Idee alle die unsauberen Elemenle von selbst lahmlegen werde. Aber das ist es ja, was ihre Besorgnis erregt. Die Angst für unsere Thora schützen sie vor, diese augenverdrehenden Salbungsvollen und um ihr kleines, schmutziges Wohlergehen handelt es sich ihnen zumeist. Darum sind sie besorgt, dass ihnen ihre Schäfchen entrinnen, dass die Schafschur nicht mehr den gewohnten Profit abwerfen könnte. Nicht die Thora ist in Gefahr, nicht Zion, für das wir wie unser Führer unser Leben zu opfern bereit sind, aber sie selbst sind in Gefahr, ihren verdummenden, irreführenden Einfluss zu verlieren, ihrer Eitelkeit und Anmassung Grenzen gezogen zu sehen. Wer sind die „Grössen", die mit den Mainzer Verläumdern, die schon einmal ein schmähliches Eingeständnis ihrer Schlechtigkeit und Lügenhaftigkeit öffentlich ablegen mussten, damit sie einer gerichtlichen Strafe entgehen, gemeinsame Sache gemacht haben? Die weltberühmten jüdischen Zentren von Waitzen, Hust und Hunsdorf bergen sie in ihren Mauern, diese erhabenen Männer, diese Rabbiner, die Feinde der jüdischen Erlösung, Verläumder unserer Bestrebungen sind, deren Wirken nicht gedacht werden wird, wenn H e r z 1 s Namen noch immer in leuchtendem Glänze strahlen wird. Oeffentlich wird seit sieben Jahren auf unseren Kongressen erörtert, was wir wollen. In zahlreichen offiziellen Protokollen, im offiziellen Kundgebungen wurde erläutert, wohin wir streben. Da gibt es nicht die Ausrede der Unkenntnis. Wenn sie sich hinter die Informationen des Mainzer Blattes verkriechen wollen, so wird ihnen das nichts nützen. Sie hätten die Pflicht gehabt, mit eigenen Augen zu sehen und mit eigenen Ohren zu hören. Wenn sie es versäumt haben, so ist das ihre Schuld und lässt ihre Anmassung noch ungeheuerlicher erscheinen. Von solchen Rabbinern wollen wir unser Volk befreien. Sie haben es gewollt, sie sollen es haben. Hinaus mit ihnen, damit sie uns nicht länger verunehren! Unsere strenggläubigeu Gesinnungsgenossen werden ihrerseits sicher die Form finden, in der sie sich mit diesen Schädlingen der Orthodoxie auseinandersetzen werden. Diese Protestler haben es auf dem Gewissen, wenn die freisinnigen Elemente sich zum Kampfe organisieren, wenn die alten Streitigkeiten in Ungarn wieder beginnen werden. Und diesmal werden sie kaum so gut davonkommen wie früher. Die Zeiten sind andere geworden, das jüdische Volk ist erwacht. Es wird ihnen bald klar machen, in welchen Kampf sie ihr Uebermut und ihre Dummheit verwickelt hat. Unsere Frommen aber werden sich bald überzeugen, wer den Juden und der Thora mehr schadet, die Herren Breuer und Komplicen oder die wahrhaft edlen, selbstlosen Männer, die in aufrichtiger Frömmigkeit an unserer Thora festhalten und dabei für die Zukunft unserer Verheissungen arbeiten wollen. Sie mögen ruhig sein. Es wird sich nicht um einen Kulturkampf handeln, wie sich die frechfrommen Verläumder unserer Ziele einbilden, sondern einfach um die Unschädlichmachung giftiger Hasser. Unsere Verläumder aber mögen gewarnt sein. Wir werden ihrer denken, wie wir Amaleks denken müssen. Dr. S. W. Aus England. „The Prince of the Exile" ist ein schönes Wort. Der Fürst der Diaspora! Diesem und jenen Grossem in der jüdischen Geschichte wurde dieser Titel verliehen. Don Josef von Naxos und manche andere beanspruchten denselben. Und es ist so viel Mystisch-Schönes in diesem Titel. Er klingt schöner als ein gewöhnlicher EegententiteL Er erinnert an legendäre Persönlichkeiten der Geschichte, an Mirn, r vnmmmn^mmMamMmmmm^mmmmBmti^&mmm

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.