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Die Welt · 1904-08-05 · 32 (5.8.1904) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
32 (5.8.1904)
Date
1904-08-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 „bie # weit" Nr4 32 werden, und das Eigentum wahrt sich natürlich die zionistische Organisation. Die näheren Massnahmen haben die kompetenten Stellen zu treffen. — Auch wir finden diese Form eines nationalen Monumentes für unseren grossen Führer ausgezeichnet schön, und ihre Durchführung für äusserst wünschenswert. Belgrad, 26. Juli. Hiemit beehre ich mich mitzuteilen, dass der Belgrader Verein „Zion* am 11. 24 Juli a. c. als Beweis der Erkenntlichkeit für die Taten des dahingeschiedenen Führers Zion, für Dr. Theodor Herzl in der hiesigen Synagoge in feierlicher Weise ein Requiem abgehalten hat, welchem fast alle hiesigen Juden beigewohnt haben. Ferner hat der hiesige Verein „Zion"- Dr. Theodor Herzl als Mitglied des heiligen Vereines „Linath Hazedek" in Tiberias einschreiben lasssn und gleichzeitig diesem den Auftrag erteilt, für Doktor Theodor Herzl durch das ganze Trauerjahr Kadisch zu beten und die Oellampe anzuzünden, wofür der hiesige Verein „Zion" die Kosten tragen wird. Dr. Alcalay. Trauerfeiern. Jerusalem. Die Trauer um den grossen unersetzlichen Verlust unseres Volkes hält dauernd im heiligen Lande an. In der Bibliothek, woselbst am 24. Tamus eine Trauerfeter unter grosser Beteiligung stattfand, sprachen Direktor E. Cohn, Lehrer Je Hin und Dr, L. Grünhut, den frühen Tod Herzls beweinend. Und auoh das Volk weint. Auch sonst in grösseren Versammlungen nahm Doktor Grünhut das Wort, um den grossen Toten zu betrauern. Nur eine Clique, den sauberen Chalukianern angehörend, beschränkt genug, um die Tragweite des Verlustes zu verkennen, verweigerte die Synagoge zur Abhaltung eines Trauer-Gottesdienstes, Schmach über sie! Hazi o n i. Basel. Nicht stolz und freudig, wie sonst anlässlich der Kongresse, wehte am Sonntag Vormittag den 10. Juli das blauweisse Zionistenbanner vom Balkon des Stadtkasinos hernieder; auf Halbmast gehisst, mit Flor umhüllt, hing es über die Brüstung. Drinnen im gleichen Saal, wo vor nahezu 7 Jahren, im August 1897, Dr. Herzl den ersten Zionistenkongress eröffnete, begingen die Zionisten Basels die Totenfeier des grossen Führers, den der Tod in der Blüte der Mannesjahre mitten aus dem unermüdlichen Schaffen für die Zukunft seines Volkes abberufen hat. Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt, zu einem guten Teil von christlichen Verehrern Herzls und Freunden der zionistischen Bewegung. Tiefe Trauer lag auf allen Gesichtern. Oben auf dem Podium war das mit schwarzem Flor umhüllte Portrait des Verstorbenen aufgestellt, ernst und doch freundlich sah es auf die Trauerversammlung herab. Palmen und zwei blauweisse Fahnen umrahmten das Bild. Einfach, wie Dr. Herzl in seinem Testament das Begräbnis gewünscht hatte, war auch die Totenfeier in Basel. Als erster Redner sprach Herr Dr. Wormser, Präsident des Schweizer Zionistenverbandes. Hierauf trug Herr cand. jur. Franz Arnstein ein Gedicht: „Weine, o weine Tochter Zionstf vor, Herr Dr. jur. Oskar Meyer sprach dann in einer längeren Rede über Herzl als Führer des Zionismus. Paris. Eine grosse Volksversammlung, von allen zio* nistischen Korporationen und den beiden Volksuniversitäten einberufen, an welcher ausser den Zionisten auch sehr viele Gäste teilnahmen, fand am 23. Juli im grossen Saal de la rue de Lancry statt. Mehr als tausend Menschen, deren aufrichtige Trauer jedermann ergriff, waren erschienen* Mit tief erschütternd er Wirkung sprach Meister Nor dau. Nordau würdigte den Mann und den Zionisten Herzl. Letzterer — wir fühlen das _ >ei nicht tot, er lebt in unserer Bewegung weiter. Nordau erklärte weiter die grosse Originalität des Unternehmens Herzls, der ein Staatsmann erster Grösse gewesen sei, und der ein Volk, welches zerstreut, ein Volk, das zerrissen war und von allen negiert wurde, durch seine grosse Initiative zu einem Ganzen machte. Aus seinem Herzen heraus kam der Ruf, dass es ein jüdisches Volk gäbe. Herzl hatte die Liebe, den Glauben und das Zutrauen, was alles anderen jüdischen Grossen seiner Zeit fehlte. Er schuf das Volk durch seine Initiative, seine Stärke, durch Schaffenskraft und Wille — er fing an mit 36 Gerechten und heute sind es viele Hunderttausende und sie werden zu Millionen werden. Weil wir nun Herzl nicht mehr haben und nicht ersetzen können, halten wir fest an dem, was er geschaffen und uns hinterlassen hat. Er war nicht nur Schöpfer unserer Institutionen, sondern auch ein nationaler, moralischer Erzieher. Er hat uns Stolz, Glauben, moralische Würde, Beharrlichkeit und Unerschrockenheit gelehrt, Willenskraft und Charakter Offenheit — mögen diese seine Lehren für uns nicht verloren gehen und dann können wir auf die Vollendung unseres Weges hoffen. Nach der ergreifenden Rede Nordaus verlas Dr. A. Marmorek den in der „ Welt" bereits veröffentlichten tiefempfundenen Brief des Grossrabbiners Zadoc Kahn. Erschüttert und tief gerührt besprach weiters unser Präsident Dr. Marmorek die Grösse des Verlustes. Er erzählte, was das jüdische Volk vor Herzls Erscheinen war, und wie es durch ihn emporwuchs. Mit weitem prophetischem Vorausblick handelte er stets als grosser Staatsmann — und sein Tod ist der grösste Verlust seit den Makkabäern. Redner fand aber trotz seiner liefen Trauer Worte der Hoffnung und des Glaubens. Er, der Freund und Schüler des Verstorbenen spüre noch in sich das Feuer brennen, das Herzl angezündet hat — und alle Zionisten spüren es. Mit diesem heiligen Feuer werden wir unsere Reihen enger machen und vorrücken. Es werden sämtliche Zionisten glauben und streiten, bis wir das Testament Herzls verwirklichen — bis das jüdische Volk die Gebeine Herzls in das jüdischeLand bringen wird. Mit diesen Hoffnungsworten schloss die Versammlung. N. B. D. Pozega (Slavonien). Am 24. Juli veranstalteten die zionistischen Universitätshörer eine Gedenkfeier für den verstorbenen Führer Dr. Th. Herzl. Eingeleitet wurde die Feier mit dem von Kantor J. Weisman gesungenen Psalm „Sivisi". Hierauf bestieg unser Gg. Gemeinderabbiner Dr. M. Mar gel die Kanzel und würdigte in weihevollen Worten unseren verschiedenen Führer. Jur. J. Fr im hielt dem Verewigten einen tiefempfundenen Nachruf. Es folgte der Psalm „El mole rachmim". Zu Gunsten des Nationalfonds K 14.10. Lemberg. Sonntag, den 17. Juli 1. J., um 6 Uhr abends fand im Grodecker Bezirke durch Initiative des Obmannes Herrn Oswald Wittlin in der Synagoge des Vereines „Zori Gilod" eine sehr zahlreich besuchte Trauerandacht statt. Der Oberkantor, Herr Halpern, verrichtete das Minchagebet und trug „El mole Rachamim" vor, wonach Seine Hochwürden, Herr Rabbiner Dr. C o b a k eine tief erschütternde Trauerrede hielt. Zum Schluss der Andacht hielt Herr Dr. H. Tieger einen ergreifenden Nachruf. Unter dem Eindrucke der Feier beschloss der Ausschuss des Vereines „Zori Gilod" einstimmig, unseren verblichenen Führer Herzl zum ewigen Andenken in der Gedenktafel der Verstorbenen einzutragen, und wurde die Trau er Versammlung davon verständigt. Auch wurde für den Nationalfonds gesammelt. Olmütz. Sonntag, den 24. Juli, fand im Sitzungssaale der Olmützer Gemeinde eine Trauerfeier für Dr. Theodor Herzl statt. Die Redner waren die Herren Dr. Günzig, Rabbiner in Loschitz, Dr. E» M. Zweig, Josef Meisl, Die Feier nahm bei zahlreichem Besuche einen erhebenden Verlauf. Dass der Kultusvorsteher Dr. Eben der Feier fern blieb, soll ihm nicht vergessen werden.

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