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Die Welt · 1904-08-05 · 32 (5.8.1904) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
32 (5.8.1904)
Date
1904-08-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nrt 32 lfbi^ # weit" Seite 5 strahlt. Aber wir wenden uns lieber an die feineren Gemütstriebe, die uns gebieten, einen Mann dafür zu ehren, was er selbst war, nicht dafür, was er für uns tun wollte. Wir bitten unsere Leser zu zeigen, dass sie empfindlich sind für die Forderungen menschlicher Würde und Edelmuts, und den Kindern des verschiedenen Führers ein Geschenk darzubringen, nicht wegen der Politik Herzls, des Zionisten, sondern wegen des Charakters Herzls, des Menschen", Schloischim ist vorüber. Vor dreissig Tagen hat man unser Herz ins Grab gelegt. Dort, wo es sonst lebendig pochend das Blut durch die Adern jagt, lag etwas schweres, hartes, fast wie ein Stein. Nun aber ist die drückende Zeit der dreissig Trauertage vorüber, und wir sollen unsere Herzen aus dem Grabe holen--- Was ist nicht alles in dieser Zeit über uns hereingebrochen. Wem von uns werden diese dreissig Tage jemals aus dem Gedächtnisse schwinden? Das Peinlichste aber war zu sehen, wie unsere Gegner den grossen Toten in Weihrauch hüllten, jene, die ihn offen, brutal oder heimtückisch, niederträchtig von jeher bekämpften. Leute, die man persönlich abhalten rnusste, den Lebenden mit Schmutz zu bewerfen, die es aber heimlich doch taten. Individuen, die unsere moralische und materielle Existenz zu zerstören suchten, weil wir treu zu ihm, zu unserem Führer hielten, sie kondolieren jetzt, um in den Blättern genannt zu werden; sie etablieren an seiner Leiche ihren Eitelkeitsmarkt — oder sie schreiben voll Lobes über ihn, um mit einem Seitenhieb unserer — seiner Sache die Waffe in die Brust zu stossen. All diese Zweifelhaften hatten ein leichtes Tun — denn unsere Herzen lagen eingesargt im Grabe Theodor Herzls, wir fühlten nicht viel von all dem kleinlichen Treiben, unsere Herzen reagierten nicht — an ihrer Stelle lag ein Stück versteinerten Schmerzes. Aber nun wollen wir unsere Herzen aus dem Grabe holen-- Und ihr, ihr Freunde, haltet ein mit dem Lobe Theodor Herzls! Wir wollen nicht immer tiefer in Schmerz versinken — nicht immer klarer sehen, was wir verloren haben. Er hatte doch auch Schwächen, menschliche Gebrechen, sprechen wir doch ein wenig von diesen, es wäre ja sonst nicht auszuhalten. Und es wäre sonst unverzeihlich, dass wir nicht immer wieder den Saum seines Gewandes küssten und ihm nicht in allem zu Willen waren, solange er lebend unter uns weilte. Wir waren seine Gefangenen, er führte uns, ein siegreicher Feldherr, an sein Fahrzeug gekettet. Und dieser Triumphwagen hiess Zion. Wir hatten uns freiwillig ergeben, aber wir konnten nicht immer Schritt halten mit den feurigen Flügelrossen seiner Phantasie. Dann fühlten wir die Ketten. Wir konnten uns nicht lösen, denn unsere Herzen waren in seiner Hand. Und als man ihn ins Grab legte, nahm er unsere Herzen mit sich---. Theodor Herzl! Ich will der erste sein, der dir öffentlich Vorwürfe macht. Du hast uns klein gemacht, weil du zu gross warst. Wir konnten Dich nicht verstehen, weil so vieles, was du getan, für dein Volk geopfert hast, dem gemeinen Verstände unfassbar ist. Du hast die Speere der Feinde zusammengefasst in deine Brust gestossen, um Raum zu schaffen für die Nachdringenden. Du hast uns mit einem aufreizenden Lächeln voll heimlicher Ironie angesehen und wir mussten dir folgen. Ich klage dich an, dass du uns bei Lebzeiten beschämt und bedrückt hast und noch im Tode unsere Herzen mitnahmst ins Grab —--. Aber Schloischim ist um und wir wollen unsere Herzen aus der Erde graben. Dreissig Tage sind unsere Herzen bei unserem Führer im Grabe gelegen und an ihnen haftet etwas von Theodor Herzl und manches vom Grabe. Wir müssen nun klar denken und strenge handeln wir er, und wir müssen doch voll Liebe und Nachsicht zu einander sein, da unsere Herzen zusammen begraben waren. Unser Eifer muss sein der von Theodor Herzl, unsere Eitelkeit soll sich in Erinnerung an das Grab mässigen. Denn das Grab, das werden wir all unsere Tage nicht aus dem Gedächtnis bringen, dafür hat er gesorgt. Er hat uns auch nach dem Tode an seinen Wagen gekettet. Er will bei seinem Vater liegen, bis ihn das jüdische Volk nach Pälästina bringen wird. Wohlverstanden, nach einem freien Stück Palästina im Sinne des von ihm aufgestellten Programmes. Er wollte uns festhalten, verpflichten über seinen Tod hinaus. Sonst hätte er doch sofort seine Leiche nach Palästina führen lassen. Theodor Herzl, ich klage dich an: du hältst uns gefangen noch im Tode, du willst unser Führer bleiben übers Grab hinaus, ein unverrückbares Ziel, ein opfervolles Programm.--Schloischim ist um, wir wollen unsere Herzen aus deinem Grabe holen, wir müssen deinen Feinden unser blankes Schwelt weisen, wir müssen deinen Freunden helfend zur Seite stehen, wir müssen doch wieder leben —-- Am Grabe Theodor Herzls geschehen jetzt grosse Wunder. Wer sein Herz haben will, um dem jüdischen Volke zu entlaufen, dem Programm. Herzls untreu zu werden — dem gibt es der tote Führer nicht heraus — dessen Herz wird im Grabe bleiben, einschrumpfen und vermodern. Nur wer einen ernsten Eid schwört: „Theodor Herzl, ich gelobe dir nach bestem Können, mit all* meinen Kräften dafür zu sorgen, dass deine Gebeine einst in der freien Erde Palästinas in jüdischen Landen ruhen sollen", der nimmt sein Herz mit sich, und es schlägt ihm wieder an der rechten Steile. York-Steiner. Trauerkundgebungen. In zahlreichen Veranstaltungen und Zuschriften, oft der rührendsten Art, äussert sich noch immer der tiefe Schmerz, den die gesamte jüdische Welt, nicht nur die zionistische, durch den Tod unseres Führers empfindet. Ein Herzl-Museum. Herr Michael Brown aus Philadelphia schlägt vor, ein Herzl-Museum zu errichten, in welchem alle Arbeiten, Briefe und Manuskripte unseres verewigten Führers wohlgeordnet deponiert werden sollen. Damit könne ein Bild des Menschen und Dichters Herzl geschaffen werden, sowie das der kolossalen Arbeit, die er durch Jahre hindurch mit bewundernswerter Energie für das jüdische Volk geleistet hat Als Ort für diese Sammlung soll ein Sonderraum unserer Nationalbibliothek in Jerusalem gewählt

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