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Die Welt · 1904-08-05 · 32 (5.8.1904) · page 4

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Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
32 (5.8.1904)
Date
1904-08-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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ISeite 4 flbie & w^it Nr. 32 Und muss es so sein? Katin denn da keine Hilfe geschafft werden? Man spricht ja soviel von der Organisation des Volkes, von ökonomischer Arbeit, vom Gegenwartsprogramm usw.! Warum strebt man denn nicht darnach, die Grundsätze, die an und für sich in der Theorie sich so schön ausnehmen, auch zu verwirklichen? Tausende und Abertausende verlassen beinahe täglich Russland, begeben sich in die ungewisse Fremde, wo man einen Daseinskampf auszufechten hat, dem sie nicht gewachsen sind. Man überlässt die Leute, die unwissenden, unbeholfenen Provinzjuden ihrem Geschicke, ohne ihnen eine helfende Hand zu bieten. Und hat denn nicht das Volk Recht, sich über den Indifferentismus seiner Intelligenz seinen Leiden gegenüber bitter zu beklagen? Denn nicht Theorien sind dem Volke zugänglich — und nicht von schonen Worten kann es leben. Man muss die Emigration regeln. Das ist keine neue Wahrheit. Mann muss aber auch an alte erinnern. Es wäre schon Zeit, an die Arbeit zu treten. Und es ist eine Arbeit, die nicht in einem kleinen Massstabe zu betreiben wäre, wie sie etwa die Versammlung, die diesbezüglich in Grodno tagte, geplant hat. Russlands und Amerikas Juden, Rumäniens und Englands Vertreter müssten sich zu dieser Arbeit vereinigen. Diese Arbeit ist eine alljüdische, hat nichts mit bestimmten Parteien und Innungen zu tun. Auf diesem Gebiete können, dürfen, ja müssen sich alle, die noch Juden sind, die Hand reichen Sprechen doch unsere „Philanthropen* von der jüdischen Not, brüsten sie sich doch damit, die „praktischen Menschen* zu sein. Ich will nicht eine positive Massregel vorschlagen, dies zu tun überlasse ich anderen. Aber hinweisen wollte ich, und anregen. Ich sammle auf dem Wege Ideen und teile sie mit. An den Männern der Tat liegt es, sie auszuführen.— A. Coralnik. | Lazar Schulmann. Vor einigen Tagen starb in Kiew einer der bekanntesten und ältesten hebräischen Schriftsteller, der Gelehrte L. Schulmann, im Alter von 71 Jahren. Er gehörte der alten Schule des „Hasch achar* an, die mit Smolenski seinerzeit eine Glanzperiode in der neuhebräischen Literatur hervorgerufen hat. Aber Schulmann war deshalb nicht vera ltet, weil er zur sogenannten „alten8 Schule gehörte. Denn die Stoffe, über die er schrieb, haben zu keiner Zeit ihren Wert eingebüsst, und die Art, der hohe Ernst und die tiefe, weitverzweigte Gelehrsamkeit, die sich in Schulmanns Schriften grösseren oder geringeren Umfangs kundgeben, waren von solcher Bedeutung für unsere Literatur, dass man nur ungern in irgend einer Sammlung oder periodischen Schrift seine Bbiträge missen mochte. Er begann seine literarische Tätigkeit im Jahre 1867 mit einer Erzählung aus dem Leben in der Judengasse. Allein er hatt© bald eingesehen, dass er vermöge seines gründlichen Wissens in dem jüdischen und vielen anderen alten und neuen allgemeinen Literaturgebieten eher zu wissenschaftlichen Forschungen als zur Dichtung berufen sei. Und so beschenkte er die hebräische Literatur mit einem grossen Werke unter dem Titel: Tipfcö (Von jüdischer Herkunft), dessen erster Teil im „Haschachar" 1875 Heines Biographie und dessen zweiter 1893 in Berdiczew erschienene Teil eine Biographie Börnes enthielt. Die Monographien, die nicht allein das Leben der beiden in ihnen behandelten Männer schildern, sondern eine Fülle von historischem Materiale zur Kenntnis und Würdigung der vielbewegten Zeit, in der sie gelebt haben, enthalten, gehören zu den besten Schriften dieser Art, welche die neuhebräische Literatur überhaupt besitzt. Von ebenso hohem Werte ist Schulmanns „Geschichte des Jargons und seiner Literatur", die von hervorragender Erudition und verblüffender Sachkenntnis überströmt. Es gab fast kein hebräisches Sammelwerk, in dem nicht Schulmann etwas Neues, Belehrendes und in hohem Grade Interessantes zu sagen hatte. Der jüdischen Volkskunde leistete er durch seine Aufsätze enorme Dienste, die leider in anderen Sprachen noch nicht genügend bekannt sind und jeder gewissenhafte Folklorist könnte gar manches Nützliche aus ihnen lernen. Seine Richtung war eiue freie; er behandelte die Geschichte und d^n Ursprung mancher Bräuche und religionsphilosophischer Anschauungen mit der rücksichtslosesten Hingebung eines Mannes, der die Wahrheit sucht und erkannte Wahrheiten verkündet. Die hebräische Leserwelt wusste seine Leistungen umso eher zu würdigen, als er nicht Schriftsteller „von Beruf* war, sondern seine zahlreichen Schriften in den von dem geschäftlichen Berufe freien Stunden schrieb, trotzdem sie von so reichem Wissen und gründlichen Studien zeugten. Sein 25jähriges Schriftstellerjubiläum wurde denn auch am 25. Nissan 5661 (1901) als ein freudiges Fest in den Kreisen der hebräischen Schriftsteller ui d Leser begangen und gestaltete sich zu einer ernsten und begeisterten Kundgebung. Die Lücke, die durch Schulmanns Tod in unserer Literatur entstand, wird wohl schwerlich bald ausgefüllt werden. M. B. Das Nationalgeschenk für die Kinder Herzls. Die Vornehmheit des englischen Charakters hat sich auch auf die englischen Juden übertragen. Der „Jewish Chronicle" ist dem Zionismus meist gegenübergestanden. Das hinderte ihn nicht, bei Dr. Herzls Tode den grossen Juden in ihm anzuerkennen und seine herrlichen Eigenschaften in hervorragender Weise zu würdigen. Und nun, da Herzls persönliche Freunde die Idee eines Nationalgeschenkes für Herzls Kinder anregten und zu verwirklichen im Begriffe sind, bringt das antizionistische Blatt nachfolgendes Entrefilet, das für sich selbst spricht. Mit vollem Herzen möchten wir den Aufruf, der in unserem Blatte, in Angelegenheit der Kinder Dr.HerzlsJüngst veröffentlicht wurde, unterstützen. Obwohl dieser Aufruf von Herren gezeichnet ist, die eine hervorragende Rolle in der zionistischen Bewegung spielen, war er dennoch nicht bloss an ihre Parteigenossen, sondern an das gesamte jüdische Volk gerichtet. Darum können diejenigen, welche dem lebenden Führer nicht zu folgen vermochten, jetzt einem Fonds, der zugunsten seiner Kinder gestiftet wird, ohne das geringste Opfer ihrer Ueberzeugungen beisteuern. Dr. Herzl war wie alle grossen Männer von der Sache, die ihm am Herzen lag, so eingenommen, dass er keine Zeit, und vielleicht auch keine Lust hatte, für Geldangelegenheiten, die sonst die Aufmerksamkeit des Menschen am meisten in Anspruch nehmen, Sorge zu tragen. In der Tat, es ist kein Zweifel, dass er durch seine* eifrige Arbeit für die Sache Israels nicht bloss die Möglichkeiten des Verdienstes, sondern auch die wirklichen Verdienste ermüdender Tage und arbeitsamer Nächte geopfert hat. Unsere Gemeinde müsste in der Tat so herz- und gefühllos sein, wie ihre Feinde sie schildern möchten, wenn sie nicfht das ihrige dazu beitrüge, die Nachkommenschaft Herzls vor den Folgen einer solchen Selbstlosigkeit und Charaktergrösse zu bewahren. Der Aufruf muss schon auf Grund der blossen Dankbarkeit gegen einen Mann unterstützt werden, der heldenmütig für das Wohl seines Volkes kämpfte, und dessen Erhabenheit in Ziel und Hingebung sein ganzes Volk um-

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