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Die Welt · 1904-07-22 · 30 (22.7.1904) · page 27

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
30 (22.7.1904)
Date
1904-07-22
Page
– (sequence 27)
Language
German
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Nr. 30 lfbie * w^it" Seite 27 Es war so schön. Ein so wunderbarer, farbenbunter Frühling. So viele Blumen, soviel Schönheit. Es war das Licht, die wärmende Flamme, die Sonne. Alles erloschen. Golus . . . Er führte uns zum Lichte, ging uns wie eine Feuersäule voran. Herzl ist nicht mehr. * * * Was war uns Herzl? Vergeblich bemüht sich die Feder es zu zeichnen, vergebens sucht sie nach Farben. Er war ein Sturm, der die Luft reinigt. Er war ein Donner, der Schlafende weckt, Schwache aufrüttelt. Er war eine Revolution von den Fesseln einer hundertjährigen Lüge. Heloten machte er — nicht zu Freigesprochenen, sondern — zu Freien. Er erweiterte unsere Brust, erfüllte sie mit dem Stolze einer edlen Liee. Er war in einer Zeit zersetzender Kritik — synthetischer Schöpfer. Er war in einer Zeit des Verfalles und des Materialismus — ein religiöses Genie. Er war ein Idealist — von der Art der Idealisten, die Völker schaffen, Staaten bauen und einer abgelebten Menschheit neuen Inhalt, neues Leben eröffnen. Er war die Vereinigung, der Ausdruck, die physische Verkörperung des Judentums. * * * Er war das Judentum. Und weil er das Judentum war, ist er nicht gestorben, sondern er wird für ewige Zeiten unsterblich sein. Er wird unsterblich bleiben, wie sein grosser Vorgänger, der Sohn Amrams, der gleichfalls nicht gesehen hat die Verwirklichung seiner Arbeit. In der langen Nacht des Golus erstrahlte diese Flamme. Aus einem Volke von Zwergen erwuchs dieser Riese. Und wie jener auf der langen Wanderung — immer und überall seinem Volke voranging; Wie jener immer und ewig die Seelen von Generationen und Jahrhunderten beherrscht, so wird auch dieser, dessen Andenken in den Baseler Gesetzen eingemeisselt ist, immer leben, so wird dieser, der dem unglücklichen Volke den Sinai in Erinnerung brachte und sinaitische Erlösung verhiess, ewig leben. * * * Tiefe Trauer soll in Israels Zelte einkehren. Es starb ein Mann, wie es keinen zweiten im Judenvolke gab. Es verstumme jede Fiöhlichkeit und jeder Strassenlärm. Die Mütter sollen es ihren Kindern, die Väter ihren Söhnen erzählen. Sie sollen es wissen, dass vor unseren Augen ein Mann von so unermesslicher Grösse gelebt. Sie sollen e3 wissen. Und sie sollen Trost finden. Gottes Gnade kehrt wieder ein, die uns nach Jahrhunderten der Dürre ein jüdisches Genie zeigte — Theodor Herzl. Weine Israel, Herzl ist nicht mehr! Und weil er nicht mehr ist — wollen wir alle, alle zusammen Herzl sein. Arme Waisen. Wir haben den Mann verloren, der für uns gedacht und gewirkt. Wir müssen nun seinen Gedanken in uns aufnehmen, müssen sein Werk ergänzen. Und wir werden es ergänzen. Weine Israel ' Und aus der Brust von Hunderttausenden wird der Ruf gegen den Himmel steigen : „Jisgadal wejiskadasch sch'mei raba." Dr. David Malz. * * * Ueber das Hinscheiden Dr. Herzl s schreiben noch: „Bohemiatf-Prag, „Cas"-Prag, „Tagesbotea-Brünn, „Neues Pester Journal", „Pester Lloyd", „Breslauer Zeitung", „Neue Züricher Zeitung", „Blgarski trgovinski vjesnik"- Sofia, „Agramer Tagblatt", „Obzortf-Zagreb, „Narodne novinea-Zae:reb, „Hrvatsko Pravo"-Zagreb, „Novi Srbobran"- Zagreb, „Narodna Obrana„-Osiek, „Slawonische Presse"- Osiek, „Bosnische Post"-Sarajevo, „Naprzöd"-Krakau, „Slowo Polskie"-Lwöw, „Czas"-Krakau, „Kurjer Lwöwski", „Dilou-Lwöw, „Ruslana-Lwöw, „IlPiceolo della Sera"-Triest. Moses Gebet Den. Alanon unseres grossen Führers dargebracht! . . . Li mir den heissen Schaffensdrang, Und kann's doch nicht zu Ende führen! Soll sich denn meine junge Kraft Im Judcnelend ganz verlieren? 0 — um das hundertjährige Weh, Das schwer auf meinem Volke liegt. Der Frohnvogt treibt es hin und her, So dass es fast zusammenbricht. In meinen Adern kocht das Blut, "Das jung und stark nach Freiheit strebt, Indes mein Volk in Sklaverei Und Knechtesdiensten elend lebt. Du! der im Dornbusch mir erschien Und Feuer goss in meine Brust, Zeig endlich mir den rechten Weg, Damit es lernt des Daseins Lust. Du! meine Freiheit trag ich nicht, Zu der du mich hast auserwählt; Ich will, dass man in jSTot und Leid Mich ganz zu meinem Volke zählt. Was soll mir denn die Königspracht, Was soll mir dieser eitle Tand, Indes die dunkle Leidensnacht Erdrückt mein Volk im Sklavenland? Gib du mir an den rechten Weg, Dass ich des Volkes Führer sei — Führt auch zur Wüste unser Steg, Ich mach die Sklaven dennoch frei. Es kocht in mir die Leidenschaft, Es rast mein aufgeregtes Blut — Send du mir, Herr, eleu. Führerstab, Teil bin noch jung und habe Mut. Ich habe Mut, ich kann es tun, Teil kann des A7olkes Wege gehn, Ich will nicht rasten und nicht rnhn, Bevor sie ihre Heimat sehn! Und willst du Opfer, grosser Gott —■ Nimm mich zu dir und lass mich sterben, Wenn nur mein Volk der Väter Land, Die Hei matsch olle, kann erwerben . . . Xoch eine Bitte, du mein Gott: „Lass mich der Heimat Fluren sehn, Dann will ich fremd und unerkannt Von meinem Volk zur Wüste gehn,

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