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Die Welt · 1904-07-22 · 30 (22.7.1904) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
30 (22.7.1904)
Date
1904-07-22
Page
– (sequence 15)
Language
German
Belongs to
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Nr. 30 „bis # W^lt Seite 15 Politik stellte und dass er durch seine presse Dichtergabe, die Verehrung und Bewunderung der Aussen weit sich errang und dennoch sein Herz voll Liebe und Wärme für sein Volk schlug, und dass das Leid und Wehe seines Volkes in ihm das Mitleid wachrief, dass keine Enttäuschung und keine Verkennung imstande war, ihn in diesem Wirken für sein Volk erschlaffen zu lassen, sondern im Gegenteil ihn nur noch mehr in seinem edlen Vorhaben stählte, das erregt die Begeisterung und die Nacheiferung der heranwachsenden Jugend. Das aber ist es auch, was nunmehr die Trauer um den Heimgegangenen so schmerzlich macht. Man fragt sich wehmutsvoll, nachdem der Tod die Lebensüamme des Heimgegangenen ausgelöscht hat: Werden nunmehr nicht die Begeisterungsflammen, die er in den Heizen gezündet, ebenfalls verlöschen? Wir trösten uns mit der Verheissung des Bibelwortes, dass das Anderken des Edlen auch nach seinem Tode segensreich fortwirkt. Dr. Herzl schläft in der Tiefe der Mutter Erde, aber sein Ideal wird nie aufhören in den Herzen fortzuwirken und für seine grossen Segnungen zu begeistern/ Grosse Erregung herrschte, als Hans das Almemor bestieg und mit lauter, im ganzen Tempel vernehmbaren Stimme das Kadischgebet verrichtete. Hierauf sang Oberkantor Guttmann das El-tnole Rachmim, während dessen viele Anwesende laut aufschluchzten. Die Trauerfeier verlief ernst und würdig und machte einen tiefen Eindruck auf die Anwesenden. Wien. Freitag den 15. d. M. begab sich im Auftrage des i.-ö. D.-K. eine Deputation zur Witwe Frau Dr. Herzl, um ihr im Namen dieser Korporation das tiefempfundene Beileid auszudrücken. Obmannstellvertrpter Herr A. R. Hartmann und der Kassier Herr M. Ehrlich wurden von der Frau Dr. Herzl vormittags empfangen. Herr M. Ehrlich hielt eine kurze Ansprache, in der er sagte: „Uns wurde die Trauermission zuteil, Ihnpn, hochgeehrte Frau, im Namen des D.-K. sein tiefstes Beileid über den unprsetzlichen Verlust von dem gnädige Frau Doktor betroffen wurden, auszudrücken. Wir fühlen und teilen mit Ihnen den Schmerz, denn der Verewigte war dieser Korporation stets wohlwollend gesinnt. Wir sind ausserstande, Ihnen Trost bieten zu können; wenn es aber einen Trost gibt, so nehmen Sie, hochgeehrte Frau Doktor, die Versicherung entgegen, dass unser Führer stets in unserem Geiste lebt und dass wir bestrebt sein werden, in seinem Sinne und Geiste für die gute Sache weiterzuwirken." Frau Dr. Herzl dankte tiefgerührt mit der Versicherung, dass sie von der Teilnahme überzeugt sei, worauf sich die Deputation entfernte. Teplitz. (Jüdischer Volksverein in Teplitz-Schönau.) Dienstag den 12. d. Mts. fand eine imposante Trauerfeier für unseren Führer Dr. Herzl im Tempel statt. Der grosse Raum war bis auf den letzten Platz gefüllt, Kanzel und Betpult schwarz drapiert. Rabbiner Dr. K u r r e i n hielt die wirkungsvolle, von echtestem zionistischen Geiste durchwehte, von tiefem Schmerze durchzitterte Gedenkrede, die mächtig auf die lautlos Lauschenden wirkte. JB. Schlesinger sang ergreifend schön den Psalmentext „An den Wassern von Babel" (komponiert von Dvorak). Hierauf von Dr. Kurrein abgehaltenes Requiem und von demselben gesprochenes Kaddischgebet, das der in Trauorkleidern erschienene Gesamtvorstand mitsagte._Unmittelbar nach Erhalt der erschütternden Trauerkundgebung sandte der Vorstand Beileidstelegramme an die Witwe und das A.-K. und versammelte sich zu einer Trauerfeier, in der Obmannstellvertreter Bechert dem gepressten Herzen Aller erschütternden Ausdruck verlieh. In Dux, der Nachbargemeinde, in der wir einige tüchtige Gg. besitzen, wird demnächst in der FilialFynagoge ein feierlicher Trauergottesdienst abgehalten werden.*) Göding. Rabbiner Dr. Lazarus hat den Mut gefunden, den Antrag, eine Trauerrede zu halten, abzulehnen! Die Ferial-Verbindung „Gamala" veranstaltete eine Trauerfeier für unseren unvergesslichen, teueren Dr. Herzl in der Synagoge, Dar Vorsteher, A dvokat Doktor Ludwig Körner kam den Zionisten in der bereitwilligsten Weise entgegpn. Die Trauerrede hielt RaHn'natskartdidat phil. Johann Stössler, der die Verdienste unseres grossen Führers in glanzvoller, ausgezeichneter Weise feierte. Die Synagoge war bis auf das htzte Plätzeben gefüllt. Der Kultu^vorstand mit dem Vorsteher an der Spitze, wohnten der Feier bei; Rabbiner Dr. Lazarus war unentschuldigt abwesend. Die Chorgesänge wurden vom Oberkantor Heinrich Grünwald geleitet. Kremsier. Donnerstag den 14. Juli um 6 Uhr abends fand in der Synagoge eine sehr zahlreich besuchte Trauerfeier für unseren verblichenen Führer statt. Erschienen war unter anderen der gesamte Vorstand mit dem Kultusvorsteherstellvertreter Herrn A. Schwoneran der Spitze. Der Rabbiner Dr. Ad. Frankl-Grün hielt eine tiefergreifende Trauerrede. Hierauf erörterte cand. phil, Oskar Fr an kl die Bedeutung Herzls an dem Satze: „Das Judentum — es war in ihm, und er — er war das Judentum". Unter dem Eindrucke der Trauerfeier beschioss der Vorstand auf Antrag des Herrn L. Kreisler, Herzl zum ewigen Angedenken ins Maskirbuch der Gemeinde eintragen zu lassen. Ung -Hradisch. Zur Ehrung des Andenkens Dr. Theodor Herzls v-;raasialiete die hiesige Kultusgemeinde am Sonntag, den 10 d., 4 Uhr nachm., einen feierlichen Trauergottesdienst, zu welchem fast die gesamten Gemeindemitglieder mit ihrem Vorsteher kaiserl. Rat Jos^f Braun, erschienen waren. — Nach den vom Oberkantor W. Lustig in Begleitung des Chores vorgetragenen Trauergesängen, ergrotf Rabbiner Sr. Ehrwüden Dr. Josef Burstyn das Wort, um in flammenden Worten die Liebe des Verewigten für sein Volk, seinen Freimut, seine Selbstlosigkeit und seinen Gottesglauben zu schildern, und forderte die Anwesenden auf, das Andenken Herzls, eines der besten Juden, für alle Zeiten hochzuhalten. — Am folgenden Tage veranstaltete der hierortige Turnverein eine ausserordentliche Sitzung, in welcher der Obmann Dr. Rudolf Jellinek dem verewigten Führer Dr. Theodor Herzl einen tiefempfundenen Nachruf hielt. — Die Uebersendung einer Spende anstatt eines Beileidstelegramm.es an den Jüd. Nationaifonds wurde beschlossen. M.-Weisskirchen. Hier fand Donnerstag den 14. Juli im Tempel eine Trauerfeier für Dr. Herzl statt. Gemeinde- Rabbiner Herr Dr. Rabinowicz hielt die Gedenkrede. Die Teilnahme war allgemein. Prossnitz. Am 10. Juli fand im hiesigen Tempel eine Trauerandacht anlässlich des plötzlichen Hinscheidens unseres grossen Führers Dr. Theodor Herzl statt. An der Trauerandacht, die vom Kultusvorstand veranstaltet wurde, beteiligten sich korporativ der Einzelverein „Ziona, der jüdische Turnverein, ferner der Ferialverein jüdischer Hochschüler „G'skalah8. Der Kultusvorstand war durch dre *} Die Trauerfeier im Tempel von Teplitz ging nicht etwa von den Zionisten sondern von der Gemeinde aus. Nur ein Herr Schermann R i e d h o f, seiner politischen Gesinnung nach Sozialdemokrat, hatte die Taktlosigkeit gegen diese Trauerfeier im Tempil einen Protest zirkulieren zu lassen. Der gesunde Sinn der T^pütz-r Juden bewirkte es, dass dieser Protest es kaum auf ein Dutzend Unterschriften brachte und bei der Stimmung der überwältigenden Majorität unberücksichtigt blieb.

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