Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 30 (22.7.1904)
- Date
- 1904-07-22
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 16 „Die * Welt" Nr. 30 Mitglieder vertreten. Seine Ehrwürden Rabbiner Dr. Goldschmied hielt eine ergreifende Trauerrede, die in den Gedanken aasklang, dass dem Judentum nur zu helfen sei9 wenn es den Ideen Herzls nachlebt. Er betonte in seiner Rede, dass Herzl der erste war, der die Judenfrage vom Standpunkte des Rachmones zur Höhe diplomatischer Verhandlungen emporhob. Oskar Stern. Troppau. Der Verein „Jeschurun" veranstaltete Dienstag, den 19d. M., 8l/2 Uhr abends, im Saale des jüd.-literar. Vereines (Salzgasse Nr. 45—47) eine ergreifende Trauerkundgebung für Dr. Theodor Herzl s. A. unter riesiger Teilnahme. Zagreb (Agram). Samstag den lu. d. M. fand im Saale des jüdischen Gemeindehauses die von den jüdischen Universitätshörern veranstaltete Trauerfeier für Dr. Theodor Herzl statt. Anwesend waren unter anderen der Gemeindevorsteher Stadtrat Josip Siebenschei n, der erste Vizepräsident Architekt Leo Königsberg, die Stadträte Edmund Ko Im ar, Vizepräsident der Handelskammer, und Vilim Moskovic, Gemeindesekretär Josef Rendi, Advokat Dr. Ivan J a c o b i, die Ausschussmitglieder des literarischen Vereines Mukso N y i t r a i, Ignat G r ü n f e 1 d, Leo Fischer und S. P e r 1 b e r g, die ganze jüdische und auch andere Universitätsjugend, jur. Murko Leitner eröffnete die Feier, worauf jur. Alexander Licht ein Trauergedicht vorlas.jur. Lav. Schiele zeichnete nun in wenigen Worten das Leben und das Werk Herzls und schlossmit dem Treuschwur für Jerusalem. Unter dem tiefen Eindrucke der Trauerfeier wurde die Gründung eines zionistischen Vereines beschlossen und dem Proponenten Dr. Ivan Jak ob i haben sich bereits über 100 Mitglieder angeschlossen. Lemberg, Eine aus den Vertretern der zionistischen Organisationen „Dorsche Schlom Zion", „Achwah", der akademischen Vereine „Ognisko", „Judaea" und „Emunah", der Redaktion des „Wschod4 und des „Jüd. Tagblattes" bestehende, vom Präses des Lemberger Distriktskomitees Adolf Stand geführte Deputation hatte an den Bestattungsfeierlichkeiten teilgenommen. Zur selben Stunde, als die sterblichen Ueberreste Theodor Herzls bestattet wurden, versammelten sich sämtliche Gg. im Saale des Vereines „Dorsche Schlom Zion* zu einer eindrucksvollen Gedenkfeier. Die Wände des Lokales waren schwarz drapiert, der Saal hell erleuchtet, über dem Podium erhob sich das Bildnis des Verewigten. Nachdem Kantor Körner das Totengebet rezitiert, schilderte Dr. Benjamin Grill in einer warmen, geistvollen Ansprache die Grösse unseres Verlustes. Zum Schlüsse wurde eine Sammlung für den Nationalfonds veranstaltet. Die eigentlichen Trauermanifestationen wurden jedoch nach altem jüdischen Brauche auf den Tag nach Ende der Trauerwoche anberaumt. Grosse Trauerplakate luden die jüdische Bevölkerung zur Teilnahme an den in den Gemeindesynagogen stattfindenden Gottesdiensten ein. Die Repräsentanz der jüdischen Kultusgemeinde verständigte durch besondere Anzeigen von dem Stattfinden der Trauerfeier in der fortschrittlichen Synagoge und erwies so zum erstenmale dem toten Fuhrer unserer Bewegung eine offizielle Ehrenbezeugung. Schon in den ersten Nachmittagsstunden fanden sich Scharen unserer Gesinnungsgenossen vor dem Lokale des Vereines „Dorsche Schlom Zionu als dem vorherbestimmten Sammelpunkte ein. Gegen vier Uhr waren die umliegenden Gassen von einer dichtgedrängten Menschenmenge besetzt, die sich auf ein gegebenes Zeichen in lautloser Stille zu einem imposanten Zuge entwickelte und durch die belebtesten Strassen zum Tempel zog. In diesem Augenblicke wurden sämtliche jüdischen Kaufläden geschlossen. Den Zug eröffneten die Mitglieder des Distriktskomitees, ihnen folgten die Zöglinge der hebräischen Sprachschule „Chanoch l'naar", die Mitglieder der jüdischakademischen Vereine „Emun-ah", „Ognisko", und „Judaea", hierauf in Gruppen die weiblichen und männlichen Mitglieder der Arbeitervereine „Achwahu und „Achdus", die Vereine „Dorsche Schlom Zion" und »Zqri Gilad", die keinem Vereine angehörenden Zionisten und zum Schlüsse mehrere hundert zionistische Mittelschüler. Mittlerweile hatte sich im Gotteshause eine überaus zahlreiche Trauergemeinde eingefunden. Vom Gittertore bis zum Altare bildeten Mittelschüler Spalier, zwecks Aufrechterhaltung der Ordnung. Man bemerkte hier den Präsidenten der Kultusgemeinde Abgeordneten Dr. Byk mit den Repräsentanzmitgliedern Dr. Gottlieb, Dr. Czeszer, Dr. Gruder, Feigenbaum, Nathansohn und B eis er, den Präses der Tempel Verwaltung Dr. Diamant mit den übrigen Mitgliedern, die Religionsprofessoren Dr. Hausner und Dr. Schorr, den Gemeindesekretär Dr. P e s c h e s u. a. Die Trauerfeier begann mit der Absin gung des Psalmes Schiwissi, dem ein vom Rabbiner gesprochenes Gebet folgte, worauf Oberkantor Halpern, assistiert vom Chorpersonale, das tiefergreiferde „El mole Rachmim" anstimmte. Als die letzten Akkorde verklungen waren, bestieg Rabbiner-Stellvertreter Dr. Samuel Guttmann die Kanzel und hielt zu Ehren des grossen Toten eine, in jader Hinsicht gelungene, seine unverwelklichen Ruhmesleistungen in allen Einzelheiten würdigende, allen Anwesenden tief zu Herzen gehende Trauerpredigt in hebräischer und polnischer Sprache. Während der Chor noch einen Trauergesang zum Vortrage brachte, leiteten Studenten die Sammlungen für den Nationalfonds ein. Die meisten Teilnehmer der Feier begaben sich nun in die orthodoxen Synagogen, all wo ebenso würdige Trauerandachten stattfanden. In der sogenannten vorstädtischen Synagoge hielt Kuitusrat Dr. H o 1 z e r, in der städtischen Synagoge Religionslehrer Balban die Trauerrede. Auch hier wurde fleissig für den Nationalfonds gesammelt. Das Andenken des Gerechten gereicht zum Segen. Ben Zion. Pilzno. Nach vollbrachter Seelenandachtin derSynagoge für unseren unvergesslichen Führer übermitteln die anwesenden Juden ihr tiefstes Beileid. Verein „Jeschurun". Kolomea. Die traurige Nachricht vom allzufrühen Ableben unseres unvergesslichen Führers, hat hier bei Zionisten sowohl, als auch bei Nichtzionisten einen unsäglichen Schmerz hervorgerufen. Die Zionisten legten sofort Trauer au und die zionistischen Vereine wie auch die Synagoge hissten schwarze Fahnen. Die Ausschüsse sämtlicher zion. Vereine sind zu ausserordentlichen Trauersitzungen zusammengetreten, ebenso der hiesige Kultusgemeindevorstand. Sonntag am 10. d., um 6 Uhr nachm., wurde in der hiesigen Synagoge eine solenne Trauerandacht abgehalten. Die Feier verlief bei ungemein grosser Beteiligung sehr würdig. Sämtliche zionistische Vereine und auch der Kultusgemeindevorstand mit seinem Präsidenten Herrn Josef Funkenstein an der Spitze, sind korporativ erschienen. Die Trauerrede hielt Gemeinderabbiner G. S c h m e 1 k e s. In einer tiefgefühlten Rede charakteresierte er die grosse Weltbewegung, welche Herzl durch seine öffentliche Tätigkeit hervorgerufen hat und würdigte den grossen Verblichenen als den grössten Juden der Gegenwart. Redner hob ferner die Verdienste Herzls hervor, zu denen in erster Reihe das Schaffen einer jüd. Tribüne und dass er das jüd. Volk verhandlungsfähig machte, gehören. Mit dem Absingen des a-am b& schloss die imposante Trauerfeier. Czernowitz. Die Repräsentanz der Czernowitzer israelitischen Kultusgemeinde veranstaltete eire imposante Trauer-