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Die Welt · 1904-07-22 · 30 (22.7.1904) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
30 (22.7.1904)
Date
1904-07-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. iO „bie <* weit Seite 7 Herzl ist nicht mehr und es heisst, sein Werk fortsetzen, ersetzen, was nicht zu ersetzen ist und ohne seine Führung stehen, was uns unmöglich erscheint. Verschwindend muss das bisherige bezeichnet werden,gegen das,was geleistet werden muss. Und es lässt sich noch leisten, viel, unendlich viel. 300Schckel in Mähren, 800 in der Schweiz, 2000 in Ungarn — diese Zahlen müssen verdoppelt, verzehnfacht, verhundertfacht werden, aber wirkliche, volle, ganze Zionisten müssen es sein, welche die neuen Anhänger bilden. Wenden wir uns an alle, welche jetzt beim Tode Herzls ihr jüdisches Herz offenbaren, fordern wir sie auf, ihre falsche Scham wegen ihrer neuen Lebensansehauung zu überwinden und wir werden viele tau sende und tausende n eiie Genossen f i n!'d e n. Als Herzl noch ihr stolzester, erster Mitarbeiter war, genügte das Wochenblatt „Die Welt", heute kann uns ohne ihn kein zionistisches Tagblatt genügen. Aber dieses Tagblatt muss sein, so bald als möglich, denn zu lange waren die 8 Tage Wartens, ohne zionistische Nachricht ausser der Trauerkunde. Den Fonds der Armen und Acrmsten nennen sie den Nationalfonds und wir sind stolz auf diesen Titel — aber das darf nicht genügen. Keine Gelegenheit darf für seine Stärkung unbenutzt vorübergehen gelassen werden, und als ganz ungenügend müssen die bisherigen Summen bezeichnet werden und mindestens 1 Prozent seines Einkommens muss jeder geben, der sich mit dem stolzen ISTamen Zionist bezeichnet. Kommen müssen die grossen Gaben unserer Keichcn, unserer Gemeinden, aber auch der ärmste Student, der ärmste Dorflehrer muss 1000 Nationalfondsmarken jährlieh nehmen oder mindestens absetzen können. Noch gibt es 1 Hinderte Dinge, die uns sein Testament befiehlt, eins muss die Richtschnur sein — was jüdisch ist, muss zionistisch werden. Und gäbe es eine Gemeinde, die sich ihres Judentums, Zions und Herzls schämte, so möge ihre Synagoge zerfallen, die Grabsteine am Friedhofe in Staub zergehen, dass nicht die ehrlichen Namen der Alten durch das schamlose Benehmen der Jungen entehrt werden. Theodor Herzl ist nicht mehr — als Feuersäule müssen uns seine.Worte führen „bis einst das jüdische Volk seine Leiche nach Zion geführt hat". Lavoslav Schick. Am Grabe Herzls. In deinem Heim hatte ich dich aufgesucht, um Abschied von dir zu nehmen. Im düsteren Trauergemache waren deine sterblichen Ueberreste aufgebahrt, matt flackerten die Kerzen um deinen Sarg. Man hatte dich mit der Zionsfahne zugedeckt, mit der Fahne, die du für uns entfaltet hattest, aber jetzt war sie umflort. Dann hoben sie dich und trugen dich hinaus zur letzten Ruhestätte. Schmerzzerrissen folgten wir dir alle, die dich geliebt und verehrt und wir weinten. Sie brachten dich an den Guten Ort, sie sprachen die Sterbegebete, die Klagegesänge durchschauerten uns, tief beugten wir uns zur Erde vor der Majestät des Todes. Man bettete dich in die Gruft und wir defilierten vor deinem Grabe. Da lagst du, du grosser, schöner, prachtvoller Mann, in deinem engen Bretterhause, und deine Gemeinde jammerte um das reiche, blühende Leben, das hingemäht wurde. Die tränenschweren Blicke tauchten hinab in die tiefe Gruft und starrten auf deinen Sarg, den schon die ersten Erdschollen bedeckten, und der Schmerz wühlte in uns und schrie: nein, es ist nicht wahr, es kann nicht sein! Ja, du hast dich niedergelegt zum letzten, zum ewigen Schlaf; ach viel, viel zu früh für die Deinen, für deine Gemeinde, für die nationale Bewegung, deren Schöpfer du warst! Ein armer Kischenewer Waisenknabe, dessen Vater den Märtyrertod in Kischenew erlitten hatte, dem wollten wir eine grosse Freude bereiten, als er in Wien war; ihm ein teures Andenken mitgeben, in das Land der Väter, wohin er zog. Ich kam zu dir, du guter, du herzensguter Mensch, mit einem Buche in der Hand, das dem Waisenknaben zugedacht war, und liebevoll schriebst du die teueren Worte hinein : „Wann erscheint mir als gelungen Mein Bemüh'n auf dieser Erden? Wenn aus armen Judenjungen Stolze junge Juden werden!" Hörst du's jüdische Jugend? Das ist das Testament deines Führers, den du so geliebt, dem du so zugejubelt! Werdet stolze junge Juden und ehret das Vermächtnis des geliebten Führers, der euch ein Ideal gegeben, euer Selbstbewusstsein gehoben, euer Nationalgefühl geweckt hat. Aber auch uns jüdische Frauen hast du grosser Mann aus unserer Lethargie aufgerüttelt; du hast uns den Weg d r Pflicht gezeigt. Du hast uns in „Altneuland" Frauengestalten vorgeführt, denen wir nacheifern sollen, und wenn du selbst der männlichen Jugend ein leuchtendes Vorbild warst, dem nachzustreben ihr heiesestes Bemühen sein soll, so hast du für die weibliche Jugend ein Vorbild in „Mirjam" geschaffen. Du hast uns Frauen ermahnt und belehrt und uns zur Mitarbeiterschaft an der nationalen Befreiung aufgerufen: wir sollen unsere Kinder jüdischnational ei ziehen, damit der grosse Moment auch ein grosses Geschlecht vorfinden möge. Diejenigen, die Augen haben und nicht sehen wollen, die Ohren haben und nicht hören wollen, die sagen jetzt: du habest Jagd auf einen Schatten gemacht, du habest mit Zähigkeit an einem Traume festgehalten. Aber auf dieser Jagd nach dem Schatten haben dich Hunderttausende begleitet, den Traum haben Hunderttausende mit dir geträumt, und Hunderttausende hoffen, dass er einstens in Erfüllung gehen werde. Und als ich an deinem offenen Grabe stand und auf deinen Sarg hinunterschaute, da überkam es mich mächtig. Unvergessen bis in alle Ewigkeit wirst du sein, geliebter Toter; dein Sterbetag wird ein Tag nationaler Trauer werden und es wird und es muss einstens der Tag anbrechen, wo das jüdische Volk aufstehen wird, deinen letzten Wunsch zu erfüllen, dich in heimatlicher Erde zu betten! Rosa Feigenbaum, -j Herzl und die Studentenschaft. Unseres Führers Verhältnis zu den Studenten hatte einen ganz bestimmt ausgeprägten Charakter. Es war nicht nur freund Ii eh, sondern geradezu freundschaftlich. Herz] fühlte sie]] unter den Studenten —„seinenStudenten", wie er mit Vorliebe sagte — immer als Student. Und etwas St udeiitisoh-St rammes. ein Zug Jugend liehen Studenteniuins ist ihm ja in der Tat immer eigen gewesen. Das ist schliesslich begreiflich, da er ja, wie er auch in. seiner Selbstbiographie erzählt, seine Studentenjahre in einer Verbindung verbrach! hatte, ■ allerdings keiner jüdisch-nationalen, sondern, wie es damals allgemein üblich war, einer deutsch-liberalen. Dort blieb er so lange, bis sie antisemitisch, wurde. Als er austrat, war er bereits Alter Herr, also im Leben stehend, nur Jahre vor dem „Judenstaat". Als er dieses .Buch veröffentlichte, gab es in Wien bereits r> jiidiseb-nationale 'Verbindungen. Die einen, so die „Kadimah", waren schon längere Zeit, die anderen, darunter auch meine Verbindung, die „Tvriau, eben erst jüdisch geworden. Es ist bekannt, dass diesen. Verbindungen das grösste Verdienst an dem öffentlichen Auftreten Herzls zufällt. Unsere „alten Herren'' erzählen noch heute mit Vorliebe, wie sie Herzl, der in seiner angeborenen Bescheidenheit jeder Ehre und jeder öffentlichen Versammlung aus dem Wege ging, durch List, gute Worte und andere Mittel

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