Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 30 (22.7.1904)
- Date
- 1904-07-22
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 30 „bi* & weit Seite 5 Grossen dahinkonimt. Es sind allerdings riesige Intestitionen erforderlich, das Land muss mit allen neuen Verkehrs- und hygienischen Einrichtungen versehen werden. Aber welcher Spielraum für den beweglichen Unternehmungsgeist eines mit allen modernen Mitteln wohlvertrauten, in allen Kulturländern erzogenen Volkes. Welcher Lohn winkt am Ende dieser leichtverständlichen Unternehmungen. Es sind grosse Anlagen von Arbeiten und Kapital erforderlich. Aber unter diesem herrlichen Himmelsstrich trägt die Arbeit goldene Früchte, und das Kapital wird dabei seine Rechnung finden. Ebenen, die schnell fruchtbar werden, schöne Gebirge sahen wir im Vor übereilen. Ueberall wartet die Natur, warten die Zustände auf die helfende Menschenhand, die wieder Gärten und wonnige Heimstätten für die Menschen schaffen soll und kann. Mächtig war der Eindruck von Jerusalem. Noch in ihrem heutigen Verfall sieht man die Spuren einstiger Schönheit. Und diese Stadt vieler Hügel, in manchem an Horn erinnernd, könnte wieder eine prachtvolle Weltstadt werden. Man sieht ordentlich das künftige Stadtbild vor sich, wenn man vom Oelberg hi mint erblickt. Die ganze alte richtig erörtern können. Wer hat gegen die Vermehrung der Kultur gerade auf diesem Boden etwas Ernstes einzuwenden? Am allerwenigsten wohl die Türkei, wenn allen legitimen Bedenken, wie es unser stets erklärter Wunsch ist, nach jeder Eichtling Eechnung getragen wird. Für die Türkei bedeutet die Ausführung des zionistischen Planes ganz zweifellos eine Vermehrung ihrer Macht und Wohlfahrt, Manches in der Art, wie die Kolonisation früher betrieben -wurde, war geeignet, das Misstrauen und Uebelwollen der türkischen Kegierung hervorzurufen. Aber wir haben immer gesagt und wiederholen es jetzt nachdrücklicher als je, dass wir eine Infiltration kleiner Menschengruppen perhorreszieren. Niemand hat das Recht, diese Leute einem ungewissen Schicksal preiszugeben. Nur nach förmlichen Verträgen mit der türkischen Regierung hat das Kolonisieren Aussieht-auf ein rechtliches Gedeihen. Der Türkei können von dem jüdischen Volke solche Vorteile geboten werden, dass das Zustandebringen dieser Abmachung nur eine Frage der Zeit ist. Aber selbst wenn die türkische Regierung die allmähliche Einwanderung kleiner Gruppen, ohne förmliches Uebereinkommen gern sähe, müssten wir uns ganz entschie- Idylle. herrliche Stadt müsste vom Tagesverkehr gereinigt werden. Alle diese unsauberen, lärmenden Händler müssten hinaus aus den für alle Bekenntnisse ehrwürdigen Mauern. Arbeiterwohnungen, billige Häuser wären im weiteren Umkreise der Stadt anzulegen. Die Märkte müssten aus der alten Stadt hinaus nach passenden Punkten wegverlegt werde]]. Die so gereinigte alte Stadt verbliebe dann für die wohltätigen und frommen Anstalten aller Konfessionen, die ja die Teilung dieses Gebietes untereinander gütlich vornehmen könnten. Die ganze alte Stadt könnte allmählich im bisherigen Stil, aber unter gesunden Bedingungen rekonstruiert werden, und sie wäre wie ein einziges Juwel, das sich dann mit dem Reichtum einer modernen und eleganten Stadt einfassen Hesse. Wäre ein solcher Zustand nicht würdiger der Empfindungen, nicht dienlicher für die Bedürfnisse aller Menschen, die an Jerusalem hängen? All das wird, einem an Ort und Stelle sonnenklar, wie in einem Anschauungsunterricht im Freilichte. Und unsere Sache ist von solcher Art, dass wir sie geradeheraus mit allen Interessenten, mit einem nach dem anderen aufden gegen solche Experimente aussprechen. Wir können nach gewonnener Einsicht in die Sachlage nach unserem besten Wissen und Gewissen nur sagen, dass die Kolonisation im kleinen unverantwortlich grosse Menschenopfer erfordern würde. Die vereinsamten Kolonisten, die sich ihr Terrain selbst suchen, sind verhältnismässig noch besser daran, als die Gruppen, die auf ein für sie erworbenes, nicht immer gesundes Gebiet geworfen werden. Dass jedes Stück Land entsumpft und urbar gemacht werden kann, ist nur den Unwissendsten nicht bekannt. Aber die Genesung des Bodens kann nur im Zusammenhange grosser, allgemeiner Arbeiten gelingen. Und für solche Arbeiten reichen die Mittel auch der grossmütigsten und reichsten Einzelnen nicht aus. "Nim können wir ein ganzes Volk dahintersetzen: ein Volk, dessen Existenz wir durch unsere grosse zionistische Bewegung zeigen; ein Volk, dass diesem verwahrlosten Boden die alte Zärtlichkeit bewahrt hat, wie einem kranken Angehörigen. So können wir auch ruhig, offen ohne alle diplomatischen Feinheiten verkünden, was wir mit diesem Boden vorhaben. Denn niemand ist bereit oder in der Lage,