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Die Welt · 1904-07-08 · 28 (8.7.1904) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
28 (8.7.1904)
Date
1904-07-08
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 12 l#bie « weit Na -8 folgte in späterer Zeit ein anderes Lustspiel „Die Glosse". Aus den letzten Jahren stammt aus demselben Genre das Stück „Unser Käthchen". Viel besprochen wurde seiner Zeit das Schauspiel „Das neue Ghetto". Es ist ein offenkundiges Tendenzstück, hervorgegangen aus der Bewegung für einen Neuzionismus, welcher Herzl während des letzten Jahrzehntes seines Lebens einen grossen Teil seiner Arbeit widmete. Auch diejenigen, welche dem Zionismus keine Berechtigung zuerkennen, sprechen Herzl sicher das zu, dass er für die von ihm selbst gewählte Aufgabe mit Eifer und Geschick sich eingesetzt hat.*. Der „Berliner Börsencourier" nennt Herzl einen „Mann von auffallend interessanter Erscheinung, ein fesselnder Charakterkopf" und hebt seine vornehme literarische Bildung und seltene Formgewandtheit hervor und sagt von seinem zionistischen Wirken: „Mit aufrichtigem Enthusiasmus und ehrlichem Glauben an die Sache arbeitete er unermüdlich an der Verwirklichung der zionistischen Ideen, an dem Plane, einen jüdischen Staat in Palästina wieder zu errichten. Die „Frankfurter Zeitung4 rühmt Herzls „bedeutende geistige Gaben und seine grosse, agitatorische Kraft". Das „Prager Tagb!atttt vom 4. Juli gibt unter anderem folgende Charakteristik: „In jungen Jahren ist einer der begabtesten Wiener Schriftsteller, ein Mann, der anfangs durch seinen Geist in der Literatur von sich reden machte, dann aber durch die Einleitung der Judenemanzipation durch den Zionismus die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf sich gelenkt hat — Dr. Theodor Herzl gestern gestorben. Er begann als witziger Tagesschriftsteller, der die entzückendsten Einfälle in kleinen Feuilletons im „N. Pester Journal" und im „Berh Tageblatt" veröffentlichte. Der schlanke schöne Mann mit dem glänzend schwarzen Bart und den treuherzig blickenden Augen, der liebenswürdig herzlichen Sprechweise, hatte, aus reichem Hause stammend, die Welt zu kennen geglaubt und er schilderte sie mit der leichten Ironie des überlegenen Mannes in seinen Lustspielen: „Was wird man sagen?", „Der Bernhardiner", „Unser Käthen en" und dem in Gemeinschaft mit Hugo Wittmann verfassten Lustspiel „Wilddiebe". Da erfasste ihn — vielleicht veranlasst durch mannigfache persönliche Erlebnisse — die Judenfrage derart, dass sie in hohem Masse nicht nur sein dichterisches Schaffen, sondern sein ganzes Wesen umgestaltete. Das erste Zeichen dafür war sein auch in Prag aufgeführtes Schauspiel „Das neue Ghetto", dessen Erstaufführung am hiesigen Landestheater, wie wir jetzt verraten können, durch Intervention massgebendster j üdischer Persönlichkeiten verhindert wurde, die in dem Stücke, dessen Autor sich damals noch nicht genannt hatte, merkwürdiger Weise eine Verletzung des jüdischen Empfindens erblickten, während Herzl den dramatischen Nachweis führen wollte, dass die Bemühungen der Assimilation den gebildetsten und freigeistigsten Juden ebenso wenig gelingen als dem vorurteilslosen Christen. Auf dieser Ueberzeugung fussend, schrieb er nun das Werk „Der Judenstaat", eine Art Staahsroraan, eine geordnete Reihe von Vorschlägen für die Gründung des jüdischen Staates, die gewissermassen das Brevier für den Zionismus wurde. Mit dieser Schrift liess er sich jedoch nicht genügen, sondern er wendete sich nun fast ausschliesslich der propagandistischen Ausarbeitung dieser Idee zu. Er gab die zionistische Zeitschrift „Die Welt" heraus, war Präsident der sechs zionistischen Kongresse, die in den letzten Jahren abgehalten wurden und von Juden aus aller Welt beschickt waren. Die Begeisterung, die ihm dort und überall, wo die zionistische Idee Wurzel gefasst hatte, entgegen gebracht wurde, war so allgemein, dass man ruhig behaupten kann, der Titel, König der Juden, der ihm scherzweise beigelegt wurde, war nicht ohne gewisse ernsthafte Berechtigung. Wenn auch nicht als König, so doch als Ambassadeur der Juden erschien er vor dem Papst und vor dem Sultan, war er in Petersburg tätig, unterhandelte er mit König Eduard* und als er mit Kaiser Wilhelm II. in Jerusalem zusammentraf, wusste er auch den deutschen Kaiser für seine Idee zu gewinnen. Mit Befriedigung erzählte er von seiner Audiecz und berichtete, wie Kaiser Wilhelm von der Zukunft der jüdischen Kolonisation Palästinas gesprochen und ihm gesagt habe: „Schaffen Sie Wasser und Schatten, dann haben Sie eine Zukunft!" Herzl war voll begeisterter Zuversicht für seine Ideen. Ganz durchdrungen von der Ausführbarkeit des Projektes; ein Mann von höchster europäischer Bildung, fühlte er sich als Nationaljude und konnte sehr bitter werden gegen die Assimilisten, die den Mut nicht verloren haben, an ein Aufgehen und Verschmelzen der jüdischen Rasseeigemümlichkeiten im deutschen Volke durch die Vermittlung der Kultur zu glauben". Ferner schreibt ein Zionist im „Prager Tagblatt": „Es ist schwer für den Parteiangehörigen, den Massstab objektiven Urteils an den Mann anzulegen, der in rastloser, jahrelanger Arbeit eine Bewegurg schuf, die ungeahnt vorwärtsschritt, der zwischen den Juden des Westens Europas und den im russischen Ghetto Elend unter fürchterlichem physischen Leid verzweifelnden jüdischen Massen des Ostens eine Brücke schlug. An den Mann, der heute von dem Beifalle Tausender umrauscht, morgen geschmäht und bekrittelt wurde, immer aber die Fäden der Millionenbewegung selbst in seiner Hand behielt, der selbst resigniert, den Tod im Herzen, doch an die unzerstörbare Lebenskraft des jüdischen Volkes glaubte, die er selbst nach fast zwei Jahrtausenden geweckt Fünf Wochen etwa sind es her, seit er in Franzensbad einem Freunde sagte: „Ich werde es (Zion) nicht mehr sehen. Aber Sie sind jung, Sie werden es sehen!" Im Jahre 1895 war es. In Rumänien war wieder einmal ein neues „Fremdengesetz" geschaffen worden, das tausende jüdischer Handwerker auf die Strasse warf. In Russland vollzog die Regierung mit unbeugsamer Härte die Zusammenpressung der jüdischen Paupers in die Ansiedlungsrayons. Die russische Judenschaft — soweit sie noch denkfähig war _ musste unrettbar dem Nihilismus verfallen. Da erschien der „ Judenstaat", der, wie auf dem Titelblatt stand, ein „Versuch zur modernen Lösung der Judenfrage" sein wollte. Es ist eine förmliche Verfassung eines zukünftigen Staates, die Herzl dort entwirft. Die Judenfrage — so lehrt das Buch — kann nur auf zwei Arten gelöst werden. Vom Individuum und von der Allgemeinheit, welch letztere Herzl dort zum erstenmale „das jüdische Volk" nennt. Die individuelle Lösung ist die Assimilation, also etwa die Taufe, die Lösung des Volkes der Zionismus, die national-jüdische Idee. Das Buch wirkte als ein Ereignis. Wo es erschien, bildeten sich Vereine, die nach den von Herzl gegebenen Fingerzeigen zu arbeiten begannen, oder nationalisierten sich Vereine, die früher nur jüdisch-humanitäre Zwecke verfolgten. Nach zweijähriger Mühe gelang es Herzl, der in jenen Tagen eine fast ins Ungemessene gehende Agitationskräft bewies, diese Verein*» zu Landesverbänden zusammenzufassen und den ersten Kougress vorzubereiten. Im Hochsommer des Jahres 1897 tagte dieser erste Kongress in Basel. Er sollte ursprünglich in München abgehalten werden, was durch einflussreiche jüdische Kreise verhindert wurde. Die dem ersten Kongresse folgenden fünf wurden gleichfalls — mit Ausnahme des vierten in London — in Basel abgehalten und erwiesen das rasche Wachstum der Bewegung. Etwa 200 D^gierte zählte dpr erste, 700 der letzte Kongress, der das Unganda-Projekt brachte .. .u

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