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Die Welt · 1904-07-08 · 28 (8.7.1904) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
28 (8.7.1904)
Date
1904-07-08
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 „bie & weit" Nr. 28 lag ruhig da, nachdem er mir noch gezeigt hatte, wie ich ihn halten solle, wenn die peinvollen Hustenstösse kämen. Jetzt konnte ich ihn mit Müsse betrachten. Es war klar. Da lag ein Schwerkranker. Der Atem ging mühsam, pfeifend. Trotzdem er ohnedies halbsitzend dalag, musste er sich immer, wieder aufrichten, um, auf die beiden Hände gestützt, besser atmen zu können. Die Stirne war von kaltem Schweiss bedeckt, die Augen oft halb geschlossen. Das ganze Gesicht fahlgelb. Und doch, noch immer hatte es die charaktervolle Schönheit früherer Tage nicht eingebüsst und hob sich aus dem tiefschwarzen, nur wenig ergrauten Barte und Haare wie herausgemeisselt ab. Die Hände waren schmäler geworden und zuckten oft unruhig auf der Decke. In mir brannte ein heftiger Schmerz. Dieser auch denken kann, ist ein Kinderspiel gegen den furchtbarsten Schrecken, gegen den Lufthunger. Ah, so recht leicht und tief atmen können. Ich tröstete, so gut ich es vermochte, beteuerte, dass mit dem Verschwinden des Katarrhs auch die Atemnot schwinden würde und reichte ihm das Schlafmittel. Er sass wieder aufrecht, weil die Hustenstösse häufig kamen und betrachtete immer, wenn er ausgehustet hatte, das blutige Sputum. „Mein Blut," sagte er, „ich habe nicht gedacht, es so hingeben zu müssen!" Der Schlaf liess auf sich warten. Endlich kam ein leichter Schlummer. Aber nach kaum fünf oder 10 Minuten trieben die Hustenstösse den Kranken wieder in die Höhe und verstört sah er um sich. Wenn er mich dann neben sich sah, wurde er luliiger. Er nahm meine Hand und Gemischte Delegiertengruppe vom letzten Zionistenkongress. kranke, schwer leidende Mann war Herzl, den ich so viele Jahre in stolzer Kraft, voll hochfliegender Pläne für sein Volk, voll Energie in seiner anstrengenden Arbeit vor mir gesehen und bewundert hatte. Hier lag die Hoffnung von Hunderttausenden, und ach, es war kein Zweifel, sie war dem Erlöschen nahe! Der Kranke wurde unruhiger. Ich streichelte ihn, beruhigte ihn, erzählte ihm, wie leicht ein Katarrh behoben werden könne, wenn man ihn nur rechtzeitig behandle, und versprach ihm später ein Schlafmittel zu geben, weil er schon Nächte hindurch nicht hatte schlafen können. Das werde auch der Atemnot ein wenig abhelfen. Er seufzte. „Weisst Du," sagte er, „ich habe immer geglaubt, Schrecken und Grausen zu kennen. Aber alles das, was es gibt und was man sich schlummerte wieder ein. Ein paarmal gelang es ihm, fast eine halbe Stunde zu schlafen. Hie und da murmelte er im Schlafe. Dann fuhr er wieder auf und sah mich starr an. „Hast Du Co wen verständigt?" Ich antwortete: Ja. „Schreibe ihm, er möge warten und die Sache vorläufig nicht zu Ende führen." Ich versprach es. Er schlief wieder, unruhig und fortwährend durch den Husten gestört Dann richtete er sich wieder einmal plötzlich auf. Die Augen weit geöffnet, den Oberkörper gestrafft, sass er da, als ob er horche. Dann rief er plötzlich mittönender Stimme: Ad loca! Adloca! Und die Rechte klopfte auf die Decke, als ob sie den Hammer schwänge. Ich war aufgesprungen und hielt meinen Arm um ihn geschlungen. Als ich ihn an mich drückte, kam er zu sich. „Du?" sagteer, ,Du warst ja

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