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Die Welt · 1904-07-01 · 27 (1.7.1904) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
27 (1.7.1904)
Date
1904-07-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 „bse * weit" Nr. 27 scher Zölle und Steuern von Saphir (Jaffa). In die Soziologie führt uns die mit lichtvoller Klarheit geschriebene Studie Franz Oppenheimers über "Harmonische und disharmonische Genossenschaften". Nicht vergessen endlich möchten wir die lebensfrische Schilderung von S o s k i n und Aaronsohn, die uns ein Stückchen palästinensischen Lebens getreu und schwungvoll vor das Auge zaubert. Neben den grösseren Artikeln erhalten wir, und das ist besonders wertvoll, in einem zweiten vorzüglich redigierten Teile einen Ueberblick über das gesamte Arbeitsgebiet in Palästina. Hier kann man erst ganz ermessen, wie nutzbringend es ist, dass „Altneuland'4 von Männern geleitet wird, die selbst ein sicheres Urteil über all diese Dinge haben. Das jüdische Volk besitzt in Palästina wenige Kolonien mit ein paar Tausend Bauern; und trotzdem gibt es auch innerhalb des Zionismus nicht viele Leute, die ein klares Bild von dem Zustand und der Entwicklung dieser Kolonien haben. Das ist erklärlich, denn die Berichte der Kolonisationsvereine befleissigen sich zu agitatorischen Zwecken einer unermüdlichen Schönfärberei und Einzelpersonen, die das Land bereist haben, noch mehr solche, die erst Berichte anderer benützen, greifen öfter alle bisher geleistete positive Arbeit in massloser Kritik an. Unsere Zeitschrift endlich bemüht sich, ihre aus zuverlässiger Quelle fliessenden Berichte durch sachgemässe Kritik zu einem getreuen Abbild der wirklichen Verhältnisse zu machen. So können wir hoffen, allmählich eine richtige Vorstellung von der jüdischen Kolonisation in Palästina zu bekommen. Weiter werden die Konsularberichte, deren ausserordentlich wertvolles Material sonst in Archiven und Bibliotheken verloren geht, fleissig benützt und durch wirtschaftliche Nachrichten aller Art ergänzt, besonders auch durch vorsichtige Verwertung der Berichte einzelner Gesellschaften. Speziell den Handelsinteressen, deren methodische Förderung erst eine Arbeit der allerjüngsten Zeit ist, dient ein Marktbericht. Schliesslich sehen wir a'ls Vorbereitung auf die grosse und moderne Kolonisation, die der Zionismus anstrebt, auch das Rüstzeug der Wissenschaft und Erfahrung in aller Welt durch die Zeitschrift zusammentragen. Der Literaturbericht sichtet mit wohltuender Unparteilichkeit und Offenheit auch dem Gesinnungsgenossen gegenüber die Erscheinungen der Palästkialiteratur, und überaus interessante Notizen und Anregungen machen uns bekannt mit neuen Möglichkeiten für Industrie und Landwirtschaft, mit Hinweisen auf Fortschritte in Technik und Wirtschaft anderer Länder, die wir bei der eigenen Arbeit uns wohl zunutze machen können. Das wäre so in kurzer Aufzählung ein Abriss des reichen Inhaltes der ersten sechs Hefte, die uns bisher von ,,Altneuland" vorliegen. Aber nicht so sehr auf die Einzelheiten kommt es an, sondern auf den Geist, der das Ganze belebt, auf den frischen Zug arbeitsfreudiger Anschauungen, die wir schon eingangs erwähnten. Am klarsten treten sie hervor in dem grossen programmatischen Aufsätze Soskins: „Gross- und Kleinkolonisation", mit dem sich die zionistische Oeffentlichkeit noch eingehend zu beschäftigen haben wird. Diese Kundgebung ist um. so bedeutungsvoller, als sich Prof. W a r b u r g auf dem Delegiertentage der deutschen Zionisten über unsere Aufgaben in Palästina und Syrien in fast kongruentem Sinne ausgesprochen hat. Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass wir hier die gemeinsame feste Basis vor uns haben, auf der die Arbeiten unserer Palsästinakommission fussen. Es ist ein feines psychologisches Problem, die innere Stellung der zionistischen Arbeiter zu ihrem Endziele, Palästina, sich klarzumachen. Da sind viele der Besten, denen es nur ein Ideal geblieben ist, so sehr, dass sie mit Schrecken oder träumerischem Erstaunen vor der wirklichen Landnahme stehen würden, zahlreiche andere gehen je länger desto mehr in den Vorarbeiten der Agitation und Organisation auf, die ihnen immer mehr zum Selbstzweck werden, zu einer Art laufender Arbeit der Routine. Und nur wenige bleiben, scheint mir, übrig, die in plastischer Schärfe sich das Ziel als ein erfüllbares klar vorstellen und mit gegürteten Lenden, den Stab in der Hand, sehnurgeradeaus sehen, die sich und das Land rüsten wollen für den Beginn der Rückkehr. Nur diese ernsthafte Vorarbeit für die endgültige Besitznahme Palästinas kann den Zionismus vor Versteinerung und erdfremdem Idealismus bewahren. Darum erfrischen uns H e r z 1 s Reden immer so, weil er es wie kein Zweiter versteht, mit grossem, zusammenfassendem Worte uns immer wieder mitten auf unsere Strasse, dicht vor das Tor unseres Landes zu stellen. Einzig unter diesem Gesichtspunkte, als einleitende Schritte für unsere Hauptaufgabe, die politische und kolonisatorische Besitzergreifung, will S o s k i n ebenso wie W a r b u r g unsere Gegenwartsarbeiten in Palästina betrachtet wissen. Mit der ihm eigenen Gründlichkeit und Schärfe zeigt er, dass diese Arbeiten notwendig sind und welcher Art sie sein müssen. Wie verfehlt e.s wäre, dieses Programm als einen Rückfall in die alte Taktik der Kleinkolonisation anzusehen, geht schon daraus hervor, dass die Kolonisation selbst, d. h. die Einführung von Bauern und Handwerkern, in den Plänen Soskins nur eine untergeordnete Ro>lle spielt. Denn als Grundgedanke zieht sich durch seine ganzen Ausführungen die vernünftige Erkenntnis, dass man eine Wanderung grösserer Massen, auch nach Erlangung des Charters, nicht „machen", nicht auf Kommando ohne schwerste Gefahr einleiten könne, sondern dass sie sich von selbst, als das natürliche Ergebnis der gehobenen wirtschaftlichen Möglichkeiten, nach und nach einstellen müsse. Diese gehobenen wirtschaftlichen Möglichkeit en s y s t e m a t is c h zu schaffen, ist die Aufgabe grossangelegter, weitsichtiger nationaler Arbeit gegenüber der planlosen Kleinkolonisation, die ein paar Auswanderer unterbringen will. Ohne diese Vorarbeit lässt sich ein Volk nicht verpflanzen, und so verkürzen wir die Zeit bis zur Erfüllung unserer Wünsche, je früher, nachdrücklicher und umfangreicher wir die Arbeit in diesem Sinne beginnen. S o s k i n gibt auch ein allgemeines Programm für diese Arbeit, an dessen Spitze die gründliche Erforschung unseres Heimatlandes steht. Sein schon 1893 gemachter Vorschlag in dieser Richtung geht dahin, Beobachtungs- und Versuchsstationen im Lande selbst zu errichten, ein Vorschlag, der voraussichtlich demnächst seine Verwirklichung finden wird. Es ist ein gewiss erfreuliches Zeichen, dass diese und ähnliche Anregungen jetzt von allen Seiten scheinbar selbständig auftauchen, der beste Beweis, dass diese gesunden Ideen überall festen Boden zu fassen beginnen. Wemn es auch nicht möglich ist, hier näher auf die Einzelheiten des Arbeitsprogrammes unserer Palästinakommission einzugehen, so möchten wir doch die Hauptpunkte aufführen: Hebung der Agrikultur des Landes, Verwertung und Absatz der Erzeugnisse, die Ausgestaltung der Verkehrsmittel, die Erschliessung des Wasserreichtums des Landes, die Einrichtung von Kreditinstituten, Banken etc. Eng in den Rahmen dieser vorgeschlagenen und an vielen Punkten emsig begonnenen Arbeiten gehört der schöne und aussichtsreiche Vorschlag der Oelbaumspende, den wir der Palästina'kommission verdanken. Noch hat er nicht die allgemeine Popularität, die er verdient, aber sie muss und wird kommen. Der Einsichtige.muss erkennen, dass hier eine fruchtbringende Arbeit sich auftut, der erste Versuch, unser Heim wohnlich zu machen, „den Baum zu pflanzen, in dessen Schatten unsere späten Enkel uns dereinst segnen werden." Die Volksdomänen, erworben mit den Mitteln des -Volksschatzes, bepflanzt aus dem Ertrage der Oelbaumspende, sind eine von den gleichzeitig idealen und praktischen Anregungen aus „Altneuland". Ich möchte es mir nicht versagen, die Schlussworte S o s - kins hieherzusetzen: „So sehen wir, dass bei richtigem Verständnis und gutem Willen die Partei wohl ein wichtiges praktisches Programm vor sich hat, welches einem dringenden Bedürfnis entspricht. Es darf uns nicht abhalten, dass wir nicht sofort auf äl:1;en Punkten die Arbeit aufnehmen können. Beginnen wir mit demjenigen, was momentan am leichtesten anzufassen ist und sich am meisten uns aufdrängt. Das übrige und noch vieles andere wird nachkommen. Wir werden nie Vorwürfe zu erwarten haben dafür, dass wir nicht alles gemacht haben, was zu machen ist, sondern dafür, dass wir nicht einmal versucht haben, das grosse Werk seiner praktischen Erfüllung näher zu bringen. Was wir fordern, ist vernünftige, in die Zukunft klar blickende koloniale Politik der zionistischen Partei und somit des jüdischen Volkes!" Das ist der neue Geist der Palästina-Arbeit, der mit „Altneu'land" in den Zionismus einzuziehen beginnt. Mag man sich ihm unbedingt anschliessen oder Vorbehalte und Einwendungen machen, in jedem Falle wird das zionistische Leben eine Fülle rühriger Anregung aus der neuen Zeitschrift erhalten. Wir in Deutschland haben, so schmeichle ich mir, ein gewisses rascheres Verständnis für die ungeheure Bedeutung der Palästinazeitschrift für unsere zionistische Innenarbeit, denn wir beginnen schon, sie als integrierenden Bestandteil in unsere Organisation einzufügen. Aber die Forderung, die wir für Deutschland erhoben haben, gilt ebenso für alle anderen Länder, wo Zionisten wohnen und man für Palästina Interesse hat: Es darf keine zionistische Ortsgruppe geben, die „ A '11 n e u 1 a n d" nicht unter ihren Mitgliedern bekannt macht. Mit dieser einfachen Erfüllung einer Pflicht werden wir erreichen, dass zugleich die Oelbaumspenden steigen, der Nationalfonds wächst und die Arbeiten unserer wackeren Kommission unterstützt werden, wie sie es so reichlich verdienen. Endlich noch eins: Die sicherste Gewähr, dass trotz aller Länderprojekte, die noch kommen mögen, Palästina unsere

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