Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 27 (1.7.1904)
- Date
- 1904-07-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 27 „n* # weit Seite 13 Fieuersäule bleibt, liegt darin, dass wir die Begeisterung für unser Heimatland verwandeln in eine ruhige, stetige Liebe, genährt durch dauernde Mitarbeit an seinem Leben, gefestigt durch Wissen, getragen durch die begründete Zuversicht zu dem Gelingen unseres Werkes. Aus der Wiener judischen Toynbee-Halle.*) Gebahrungs-Nachweis aus dem Kassabuche pro 1903. SOLL Ä.n Kassastand pro 31. Dez. 1903 ....... „ Guthaben bei der Postsparkassa „ „ Ins^p. Axelrad.........{ h Barvorrat................\ „ Mitgliedsbeiträgen............ „ Spenden und Stiftungsbeiträgen ...... „ Vorschüsse J. K. bis inkl. 31. Dez. 1903 . . 1903 Zusammen 31, Dezember an Saldo 105 40 7 2000 3893 3781 4128 60 16 01 © 03 CO > co«> '£ 2 2 0 •*« o jißo® Sjgs« HABEN Per Passiv Saldo pro 31. Dez. 1902 . . . . I rt Guthaben Ig. Kantor pro 1. Jänner 1903 \ n Bewirtungs- und Küchensp.-Konto .... » Beleuchtungs-Konto........... „ Mietzins- „ ........... „ Beheizungs- , ........... „ Gehalte- „ ........... „ Eitvicbtungsn ........... * Schreibutensilien, Drucksorten u. Bücher- Konto ............... „ Wache-Inspektions-Konto........ „ Musiku, Vortragsspesen-Konto..... „ Diverse kleine Spesen.......... n Provisions-Konto............ Per Guthaben Joh. Kremenezky..... „ Forderung Ig. Kantor........ „ „ Buchdruckerei „Industrie" . „ Max Neuda....... . (904 31. Jänner. Per Passiv-Saldo pro 31. Dez. 1903 K 1489 tfi3 1084 156 28ÖO 93 2369 53 257 317 191 747 112 982« 3781 140 196 9 4126 4128 16 K 1643-73 Passivuni pro 1902 © £2 u &4 a S © 00 * « I Buch- > schulden I pro 31. Dez. 1903 K 346-62 Das Defizit der Toynbee-Halle. Im Jahre 1903! per 31. Dez. betrug das Defizit...........K 1643*73 Im Jahre 1903 wurden eingenommen..........K 6046*77 Im Jahre 190* wurden verausgabt.......• . . , 8184*43 was ein Defizit von.............. K 313/-66 „ 2137-66 ergibt. Das Gtsamtdefizü pro 1902 und 1903 sterbt sich auf K 378139 welchen Betrag der Schatzmeister einstweilen vergestreckt hat. Der Betrag deckt sieh mit dam im Ausweise angegebenen Guthaben des Herrn Kremenezky per 31. Dezember 1903. Hiezu zind noch die Buchschulden * per 31, Dezember 1903 im Betrage von.......... , 346-62 zu rechnen, so dass das Gesamtdefizit per 1902 und 1903 sich auf. laut Gebahrungsnachweis stellt. * K 41280t Bericht des Wirtschaftsausschusses. Zu den geistigen und seelischen Genüssen, die den Besuchern der Toynbee-Halle durch die regelmässigen Vorträge und die Musikabende geboten werden, gesellt sich eine Kleinigkeit, die nur dazu bestimmt ist, das Behagen zu erhöhen, nämlich der Tee. Leider ist es eine nicht zu bezweifelnde Tatsache, dass manch einer der Besucher sein ganzes Nahrungsbedürfnis für diese Viertelstunde aufspart, um nächst der obligaten Tasse durch die besondere Liebenswürdigkeit irgend eines bedienenden Fräuleins auch noch eine zweite und im seltenen Glücksfall, wenn möglich, eine dritte Tasse Tee mit den dazu gehörigen Cakes zu bekommen. So traurig sich solche Einzelfälle anhören und so tief wir sie vom Standpunkte der allgemeinen Menschlichkeit beklagen, so können wir weiter damit nicht rechnen; wir freuen uns, wenn wir in der Lage sind, jedem einzelnen unserer Gäste, und als solche werden die Toynbee-Hallebesucher auch angesehen, in der Pause zwischen der ersten *) Vide die „Welt" Nummer und zweiten Abteilung des abendlichen Programmes eine Tasse warmen, wohlschmeckenden Tees bieten zu können. Im Prinzipe sind wir dafür, dieses Getränk in guter Mischung zu bereiten und trotz der mannigfachen Geldkalamitäten sind wir in der Ausführung diesem Vorsatz treu geblieben. Alle jene, Fremde und Einheimische, die aus Neugierde oder aus wirklichem Interesse unsere Institution mit einem Besuche beehrt haben, und die selbstverständlich ebenso, wie alle anderen ihren Tee bekamen und auch tranken, waren von der Güte desselben überrascht und haben das anerkennend hervorgehoben. Freilich haben uns gute Menschen auch dabei geholfen. Im Laufe der früheren Jahre weniger, während der letzten Saison aber etwas reichlicher kamen uns diverse Spenden zu. Wir weisen sie an anderer Stelle aus. Durch diese Spenden, die wir hier mit herzlichstem Danke quittieren, ist dem Wirtschaftsausschüsse allerdings das Leben etwas leichter gemacht worden, wenngleich wir viel, viel mehr gebraucht haben. Denn so gering die Bewirtung mit einer Tasse Tee für den einzelnen auch ist, multipliziert man diese mit der durchschnittlichen Besucherzahl von 200 Personen und rechnet überall ein Cake (Preis 2 Heller) dazu, so ergibt sich pro Abend die Summe von K 9-10. Es wäre nicht viel im Verhältnisse zu der Wirkung, die von diesem Tranke ausgeht. Sie bildet eine Steigerung des Hochgefühles für jene Menschen, denen diese genussreichen zwei Abendstunden buchstäblich eine Oase in der Wüste ihres freudeleeren und erholungsarmen Lebens sind. Ein Lichtstrahl, der ihnen über diese Zeit hinaus Erquickung und Anregung bietet. Diese K 9—10 des Abends machen im Monate für 26 Tage (Freitag wird kein Tee bereitet).....K 250.— Dazu kommen im Durchschnitte: für Bedienung..................» für Holz und Kohle.....-.........» 20-— für Gas.....................» 2° - für Abnützung und Neuanschaffung von Geschirr, Küchengeräten etc................* 16.— Ausser diesem Verbrauche an klingender Münze, dessen geringen Zufluss wir so sehr bedauern, bedarf es aber auch vieler und anstrengender Tätigkeit, um in der knapp zugemessenen Zeit von höchstens 25 Minuten den Tee für 200 bis 300 Tassen zu bereiten und einzugiessen. Selbstverständlich gibt es da einen ganzen Stab von opferwilligen Frauen, die in einem regelmässigen Turnus je zwei, trotz weiter Entfernung, trotz Schnee und Regen und häuslicher Pflichten immer an ihrem Abende auf dem Posten sind und mit echt jüdischer Freudigkeit ihres Amtes walten. Gebührt diesen Frauen schon volle Anerkennung und herzinniger Dank für ihr schönes Tun, um wie viel mehr noch den jungen Mädchen, die wochentags immer sechs Sonntags zehn, die wirklich mühsame Aufgabe haben, in dem dicht gefüllten Saale, 111 dem nicht einmal mehr die bekannte Stecknadel Raum fände, mit dem mit sechs Tassen bestellten Brette durchzukommen, natürlich möglichst rasch um wieder ein Tablett zu holen und wenn die gefüllten Tassen abgegeben sind, auf dem Wege zur Küche leeres Geschirr mitzunehmen. Rechnet man dazu, dass diese Mädchen bis auf wenige Ausnahmen als Buchhalterinnen, Komptoiristinnen. Kindergärtnerinnen etc. den ganzen Tag in anstrengender Tätigkeit verbringen und nun die Abendstunden, die für sie Erholung, Vergnügen und Beisammensein mit den Ihrigen bedeuten, willig aufgeben, um der Allgemeinheit zu dienen so kann man dieses Verdienst nicht hoch genug anschlagen. Nicht um sie zu ehren, sondern um ihre Leistung nach Gebühr zu würdigen, wollen wir sie als Muster und Beispiel