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Die Welt · 1904-07-01 · 27 (1.7.1904) · page 3

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Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
27 (1.7.1904)
Date
1904-07-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 27 # w*it* Seite 3 haben, die Frage zu diskutieren, und es werde Sorge tragen, dass das Land nicht für immer veraussert werde, dass aber auch zugleich denen Garantien gewährt würden, die das Land im Interesse der britischen Herrschaft besiedeln wollen. Unterstaatssekretär Earl Percy sagte, es wäre eine ausserordentliche Debatte. Man habe schon mehrere Vertagungs-Anträge als-einen Missbrauch der Formen des Hauses bezeichnet. Er wolle diesen Antrag nicht ebenfalls so benennen, es sei offenbar, der Antrag beruhe auf einer grundlosen Voraussetzung. Der Herr Abgeordnete habe das Recht, sich der UeberlassuDg von Land in Ostafrika an die Juden zu widersetzen, es stünde ihm auch frei, die Frage aufzurollen durch Forderung der Reduktion der Gehälter des Staatssekretariats, wenn man zü> den Schutzgebietfinanzen kommen werde; er habe aber diese Frage mit der Frage über die Schädigung der Rechte der Eingeborenen in Ostafrika in Verbindung gebracht, womit sie nichts zü tun hat. Der Herr Abgeordnete scheint zu glauben, er (Earl Percy) habe ihn hoffärtig behandelt in seinen Antworten auf die diesbezüglichen Anfrageil. Er fühle sich aber ganz unschuldig. Der Herr Abgeordnete habe ihn zuerst gefragt, welche Bedingungen es seien, unter denen Land in Ostafrika an ein fremdes Volk veräussert werde. Er habe damals geantwortet, davon sei überhaupt keine Rede, und dass die Bedingungen jetzt vom Staatssekretariat ausgearbeitet werden, aus welchem Grunde man sie nicht vor die OefTentlichkeit bringen könne. Seitdem habe der Herr Abgeordnete die Frage wiederholt und bei jeder Gelegenheit in dieser Weise gefragt: Welche sind die Bedingungen der Veräusserung des Landes? Der Herr Abgeordnete habe ihn auch gefragt, ob er Klagen von den Kolonisten bekommen habe. Er habe manche derartige Vorstellungen bekommen und publiziert, aber die fussten alle auf dem Missverständniss, dass die Regierung dem jüdischen Volke Land verkaufen wolle. Derartiges wurde nie geplant, und er sehe nicht, welche andere Antwort er dem Herrn Abgeordneten erteilen könne. Mr. C. W a s o n sagt, der edle Lord könnte wohl sagen, wo das Land läge .und wie gross es sei. Earl P ercy meint,> dass der Herr Abgeordnete vor seiner Antragsstellung doch die kategorische Anfrage richten könnte, ob er informieren könnte, wie es mit dem Lande stehe, ob darin Eingeborene wären, ob ihre Rechte verletzt wären. Mr. Wason antwortete, er hätte es schon mehrere Male getan. Earl Percy sagte, die Erinnerungen des Herrn Abgeordneten stimmten nicht mit den seinigen überein. Voriges Jahr im Juli kam ins Ministerium des Aeussern ein Vertreter der jüdischen Kolonialbank und zugleich Vertreter eines Zweiges der zionistischen Bewegung und fragte bei Lord Landsdowne an, ob er geneigt wäre, die Ueberlassung eines beträchtlichen Gebietes in Ostafrika, Yorzugsweise bei der Eisenbahn, für eine jüdische Siedlung in Betracht zu ziehen. Daraufhin sagte Lord Landsdowne, er wäre bereit, den Vorschlag der Jüdischen Kolonialbank zu unterstützen, vorausgesetzt, dass sich eine passende Landfläche finden werde, und dass sie bereit wären, Bedingungen bezüglich der Autonomie anzunehmen, die dem Staatssekretär zusagen würden., Die Vertreter der Jüdischen Kolonialbank haben sich bereits nach Ostafrika begeben, um zu prüfen, ob die ihnen angebotene Landfläche für sie passe. Bevor man von diesen Herren einen Bericht erhalten haben wird, wird es unmöglich sein, das Haus hierüber in Vertrauen zuziehen. Er möchte dennoch sagen, dass das Haus nicht glauben dürfe, die Regierung wäre gleichgiltig den Forderungen der Siedler gegenüber. Sie gebe zu, dass die Männer britischer Rasse ein Vorrecht hätten auf «die Landstücke längs der Eisenbahnlinie, die am besten kultiviert werden können. Aber das den Juden angebotene Land befindet sich gar nicht an der Linie. Es liegt im Gebiete zwischen dem Viktoriasee und dem Rudplfsee, in der Provinz Naivasha, wo es gar keine Eingeborenen gibt. Es ist ein absolut unentwickeltes Land, abseits liegend von der Eisenbahn, und sollte die jüdische Kolonie in dieser Gegend gegründet werden, so wird sie kaum die Gelegenheit haben, mit europäischen Siedlern überhaupt in Berührung zu kommen. (Hört, hört!) Die Eingeborenenfrage, auf die der geehrte Herr Abg. für Orkney und Shetland angespielt hatte, gewinnt um so mehr an Bedeutung, da sie leider mit der Demission des Sir Charles Eliot in Verbindung gebracht wurde. Die Frage von den Eingeborenenrechten war immer eine Sache der Fürsorge der Regierung und es wurde nie irgend eine Landkonzession erteilt, ohne ausdrücklich die Rechte der Eingeborenen gewahrt zu habec. Die Frage hat deshalb an Bedeutung gewonnen, weil seit der Zeit, in der die Jüdische Kolonialbank ihre Vorschläge machte, und in der tatsächlich keine Siedlungsvorschläge von anderwärts kamen, eine grosse Siedlerbewegung im Zuge ist und das Land an der Bahn bereits besetzt wurde. Man musste sorgfältig erwägen, wie man diese Landkonzessionen im grossen Massstabe fortsetzen könnte, ohne die Rechte der Eingeborenen bedeutend zu schädigen und Sir Charles Eliot wurde verständigt, keine neuen Landkonzessionen von grösserem Umfang in der Provinz von Naivasha, in der Nähe der Strecke, wo die Madsai ihre Herden weiden, zu erteilen. Ausser einer Konzession von 320 Quadratmeilen an das Ostafrikasyndikat,') die daselbst ihr Kapital anlegen wollen und einer kleinen Konzession an einen Privatmann, wurden der Instruktion gemäss keine anderen Konzessionen erteilt und das Land reserviert bis zur Zeit, wo die Frage wegen der Rechte der Eingeborenen sorgfältig erwogen werden wird, nach Einholen des Gutachtens der Landkenner und der Kenner der Stimmung der Massai selbst. Das wären alle Tatsachen, die man seiner Meinung nach jetzt dem Hause mitteilen konnte, und da ja der Herr Abg. nur um die Rechte der Eingeborenen besorgt sei, und die Regierung ebenfalls alles getan habe, um dieselben zu wahren, so werde er gewiss den Antrag zurückziehen. (Hört, hört!) Sir S. Gorst: Warum hat Sir Charles Eliot demissioniert? Earl Percy: Weil er in der Frage der Reservierung des Bodens und der Nichterteilung von neuen Konzessionen an europäische Siedler anderer Meinung war, als wir.2) Sir E. G r e y sagte, dass er nach der Rede des edlen Lord nicht vermuten wolle, es wäre ein starkes Verlangen vorhanden, die Sache zu pressieren, aber er meine, sein Freund, Herr Wason, wäre vollkommen im Rechte gewesen den Vertagungsantrag zu stellen. Die blosse Tatsache, dass ein öffentlicher Beamter demissionierte, ohne dass man den Grund kenne, mache schon angstlich. Die Eingebornenfrage sei eine sehr ernste, die Landfrage, gebunden an die Bräuche der Eingeborneo, sei eine sehr delikate. Manches drehte sich um den Punkt, dass es sich um eine jüdische Siedlung handle. Alle wissen, was Antisemitismus sei und woher er komme. Aber es gebe noch eine andere Ansicht über das jüdische Volk, dass es Millionen von Menschen sind, die generationenlang verfolgt und heimats- und hoffnungslos zerstreut sind; er gestehe es offen, dass wenn es beabsichtigt war, diesem Volke im britischen Gebiete eine Zuflucht zu bieten, so wurde der Plan seine volle Sympathie geniessen. (Lebhafter Beifall) Ob es gut sei *) Wir besprechen das Syndikat, das mit unserer Sache nichts zu tun hat und dem kein Jude angehört, an anderer Stelle. 2) Also nicht, wie fälschlich behauptet wurde, wegen?des zionistisöhen Projektes. Die Red/

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