Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 27 (1.7.1904)
- Date
- 1904-07-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite l „bis # weit11 Nir. 27 wegen des zionistischen Projektes seinen Abschied genommen. _Es handelt sich vielmehr um ein judenreines Syndikat von Engländern, das zu Spekulationszwecken mehrere hundert Quadratmeilen Land gekauft hatte und weitere Käufe beabsichtigte. Der Aufforderung der Regierung keine grösseren Landkonzessionen mehr an Einzelne zu ver-; leihen, hatte StfGli. Eliot nicht Folge leisten wollen und deshalb seine Demission gegeben. Allerdings war er auch dem zionistische^. Proj ekte nicht freundlich, gesinnt. Es lag aber, für ihn gar kein Grund vor, eines Projektes wegen, das er längst kannte, gerade jetzt seine Demission zu geben. Natürlich wurde die Nachricht von dieser Demission von gewissen Kreisen und ihrer Presse mit Vergnügen aufgegriffen, um gegen das Ostafrikaprojekt oder vielmehr.« gegen die Juden überhaupt — denn darum handelte es sieh — Stimmung zu machen. Im englischen Parlamente ist der Sachverhalt zwar klar gestellt worden, wir zweifeln aber nicht daran^ dass man dieses Märchen weiter verbreiten wird. Und unsere Freunde unter den nach dem Untergang schmachtenden Assimilationsjuden werden gewiss wieder den Beweis antreten, was dieser Zionismus für schreckliche Folgen nach sich ziehen müsse. Wir hoffen, dass sich ihrer eim Wason annehmen wird. Vielleicht spricht man: dann auch von ihnen einmal mit Ernst in einer ernsten Körperschaft., W. Die Ostafrika-Debatte im englischen Parlamente. Montag, am 20. Juni, fand im englischen Unterhause eine Debatte über das Ostafrikaprojekt statt. Mr. C. Wason stellte den Antrag, die Tagesordnung zu unterbrechen, um eine hochwichtige Frage zu diskutieren» und zwar, „um die Gefahr zu prüfen, welche dem Frieden Ostafrikas dadurch drohe, dass im Einverständnis mit der Regierung Seiner Majestät Schritte unternommen werden, um in dem jetzt von einer eingeborenen Bevölkerung bewohnten Lande eine fremde Siedlung zu gründen." Er sagte dann, er wäre in dieser Sache ziemlich unterrichtet und wüsste, wie schwer es den Eingeborenen fiele, zu begreifen, dass sie durch die Annahme einiger Häute und Glasperlen das Land ihrer Ahnen für immer veräussern. Im gegebenen Falle handle es sich um ein Land, das so gross sei wie Frankreich, weiches unendliche Möglichkeiten habe und Millionen von Geld und Tausende von Menschenleben gekostet habe. „Es ist ein Land, das für uns von einigen wenigen Siedlern gewahrt wurde, deren Sicherheit darauf beruhte, dass sie englische Gerechtigkeit und englische Ordnung repräsentierten." Aber voriges Jahr habe er das Land voll Entrüstung gefanden wegen des Vorschlages dieser Siedlung von russischen und rumänischen Juden. Auf alle seine bisherigen Anfragen habe er immer ausweichende Antworten erhalten. Earl Percy weigere sich zu sagen, wo eigentlich die Siedlung sein solle. Earl Percy: Ich sagte, dass die Bedingungen, unter denen das Land überlassen werden solle, noch nicht bestimmt seien. Mr. C. Wason meint dann, dass dies die Sache noch schlimmer mache* Er wolle nicht durch seine Resolution die Juden angreifen. Aber er wünsche zu erfahren, wie* wann und wo das Projekt zuerst aufgekommen sei. »Auf wessen Anregung ist die Kolonie in Aussicht genommen worden und wer ist der Urheber des Planes?" Ervennute es wäre der gewesene Kolonialsekretär (C h a m b e r 1 a i n)| der nach seiner Reise durch Südafrika von schimmernden Feldern und von Kolonisationsherden gesprochen hat. Ein Lokalbeamter in Ostafrika ist schwerlich zu Rate gezogen worden. Die Gründung wäre ein grausames Unrecht sowohl gegen das Volk als auch gegen das Land. Konzessionen und Ländsyndikate waren der Fluch unserer Administration in diesen Ländern und man konnte, sie imii^r'illb'^Ärulie-» keim unter deh eingeborenen Völkern'Ostaferikas betrachten. Das war die selbstmörderischeste Politik seitens der Regierung, die man unseren fremden Besitzungen gegenüber angenommen hat. Keine unserer steh selbstverwältenden Kolonien würde eine Siedlung von Fremden zulassen, ödie weder englisch, noch in irgend einer Mundart der eingeborenen Bevölkerung sprechen können. Sir G. P a r k e r: Was für Siedlung? (hörf, hört). Mr. C. Wason sagt, er wisse ts nicht, das aber war es, was er vom Ministerium des Auswärtigen zu erfahren wünschte, und deshalb habe er auch um die Annahme seines Antrages gebeten. Mr. E. Wason unterstütze den Antrag. Major Evans-Gordon sagt, die projektierte Siedlung wäre jetzt noch sehr schattenhaft. Vor eiüiger Zeit wurden der jüdischen Gemeinschaft einige Landstucke in Ostafrika angeboten. Diese Offerte wurde zum ersten Male auf dem Zionistenkongress in Basel publik. Bei allseitiger Anerkennung der Grossmut der Regierung, weigerte sich dennoch ein Teil des Kongresses — meistens Russen — dieses Anbot anzunehmen, da es die zionistische Bewegung— nämlich Palästina zur Heimstätte für das Volk zu machen — ablenke. Andererseits aber meinte der zweite Teil, mit ihr Israel Z an gwi 11 an der Spitze, dass man dem Ideale von Palästina treu bleiben könne und Östafrika als einen Vorschub betrachten müsse. Trotzdem haben sich beide Teile dahin geeinigt, eine Expedition nach Oötafrika zu entsenden, um an Ort und Stelle zu ermitteln, ob es eine Möglichkeit für die Ausführung des Projektes gebe. Die Schwierigkeiten dieses Planes waren so gross, dass man zweifelte, ob man eine eir zige jüdische Familie hinsenden könnte. Jedenfalls müsste die Bewegung in sehr geringem Umfange beginnen, und es ist eine lächerliehe Uebertreibung, zu sagen, dass damit das britische Reich gefährdet sei. Mr. Trevelyan sagt, er begrüsse diese Bewpgung seitens der Regierung, weil sie dafür berechnet wurde, der Welt zu versichern, dass sie trotz der Einführung der Fremdenbill, doch von antisemitischen Gefühlen frei sei. Er sehe nicht ein, weshalb die Eingeborenen in Ostafrika gegen die Juden mehr eingenommen sein sollten, als gegen die Christen. Der Vorschlag wäre nach seiner Ausführung ein vorzügliches Mittel zur Entwicklung Ostafrikas, das so wenig Eingeborene hat, deren Rechte man leicht wahren könnte. Mr. Burke sagte zur Unterstützung des Antrages, er wäre der Letzte, die ungeheuere Bedeutung der jüdischen Rasse für die Kultur, Wisssenschaftund Kunst zu leugnen, (hört, hört), aber zugleich möge man bedenken, dass der Jude in der ganzen Welt ein Jude ist. (Gelächter). Wohin sie immer gekommen sind, sind sie überall ein besonderes Volk geblieben, und er glaube, dass ein jüdisches Gemeinwesen in Östafrika oder sonstwo in naher Zukunft Unruhe hervorrufen werde. Er sei überzeugt, dass die Juden aus einem oder dem anderen Grunde die Ursache des Boerenkrieges waren, und dass sie grosse englischen Zeitungen so absolut beherrschen, als ob diese in der Synagoge gedruckt und von einem Rabbi herausgegeben wären. Es sei gegen das öffentliche Interesse des Landes, etwas zu unternehmen, was das Judentum gegen das Christentum, oder um es kühn zu sagen, gegen das Heidentum stärken könnte. Sir G. Parker sagte, der Antragsteller habe durch nichts bewiesen, dass der Gouverneur von Britisch-Ostafrika wegen dieses Siedlungsprojektes zurückgetreten sei, er habe in der Tat seinen Beweis nur auf blosses Hörensagen gegründet, Der Antrag wäre eine Frivolität. Sobald die Regierung den ttan für eine Siedlung fremder Juden| in Oßtafrika fassen wirr*, eo werde das Haus volle Gelegenheit