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Die Welt · 1904-06-24 · 26 (24.6.1904) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
26 (24.6.1904)
Date
1904-06-24
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 26 „bie $l W^lt Seite 13 wachsen, hauptsächlich ro^e Affen taler und weisse Riesling, jetzt auch schon alkoholfreien Wein, der bei den Orientalen mit Wasser vermengt in der grossen Sommerhitze als labende Erfrischung sehr gesucht ist. Dieses Fabrikat ist zuckerhaltiger als das aus den Trauben in Deutschland zubereitete» (Neue Hamb. Börsenhalie.) Personalnachrichten. Unsere Gesinnungsgenossin Fräulein Mimi Berliner (Wien) hat sich mit Herrn Kaufmann Siegfried Lindenfeld (Wien) verlobt. Todesfälle. Am 17. Juni ist in Wien unser Gesinnungsgenosse Oberingenieur Abraham Sauberberg nach längerem schweren Leiden verschieden. Er erreichte nur ein Alter von 43 Jahren. An seinem Leichenbegängnisse nahmen ausser seinen Familienmitgliedern zahlreiche Wiener Zionisten teil. Auch Vertreter des Eisenbahnministeriums und der Direktion der Staatsbahnen, bei denen Sauber berg eine reiche, oftmals lobend anerkannte Tätigkeit entfaltet hatte, schlössen sich dem Trauerzuge an. Den Sarg trugen Mitglieder der Wiener Verbindung „Kadimah", welcher der Verstorbene als Student und a. H. angehört hatte, zu Grabe. "Viele a. H. der „Kadimah", darunter A.-C.-Mitglied Dr. O. K o k e s c h, der Gründung-präses der „Kadimah", Dr. M. T. Schnirer, und Mitglieder der Verbindung ,Ivriau, sowie anderer zionistischer Vereine, waren gekommen, um dem uns allzufrüh entrissenen Genossen die letzte Ehre zu erweisen. Namens der Verbindung sprach am offenen Grabe Dr. I. Schali t, der ein Bild der liebenswürdigen, charaktervollen, eigenartigen Persönlichkeit des Verstorbenen entwarf und seine unermüdliche zionistische Tätigkeit würdigte. In der österreichischen Verbandskonferenz, die gerade zur Stunde tagte, als das Begräbnis Sauberbergs stattfand, rief die Nachricht tiefe Trauer hervor, welcher der Vorsitzende Herr Dr. Krenberger in beredten Worten Ausdruck gab. Die anwesenden Delegierten leisteten anstatt eines Kranzes eine entsprechende Spende für den Nationalfonds. — Freitag, den 10. Juni 1904, verstarb in Dresden nach längerem schweren Leiden im 22. Lebensjahre M. K a b alkin aus Smolensk, stud. d. Freiberger Bergakademie. Er war ein guter, warmherziger Jude und diente der zionistischen Bewegung mit treuer Hingabe. Seine Eltern und Geschwister verloren in ihm einen treuen, liebevollen Sohn und Bruder, seine Freunde einen guten Kameraden und die zionistische Bewegung einen warmen Anhänger und Verfechter der Idee. Seiner wird nie vergessen werden 1 Bücher- und Zeitschriften-Rundschau Büchereinlauf. Dr. Simon Mandl: Das Wesen des Judentums, dargestellt in homiletischen Essais. J. Kau ff mann, Frankfurt a. M. 1904. Mk. 1.70. Dr. J. Guttmann: Die Bedeutung des Judentums im Leben der Gegenwart. J. Kauffmann, Frankfurt a. M. 1004. Mk. -.40. Jakob Morenu: Der 6. Zionistenkongress. (E p e I s Jargon-Ausgabe.) Wilna 1904. Geschichte der jüdischen Apologetik von M. Friedländer. Zürich 1903. (Caesar Schmidt). Der Autor, Verfasser mehrerer Schriften über das vorchristliche Judentum, führt uns in diesem Buche die Periode des erbitterten Kampfes des Judentums ums Dasein vor Augen. Und die Periode ist eine ziemlich lange. Sie beginnt ungefähr mit den Makkabäerkämpfen und findet ihren Abschluss mit der Festigung des Christentums. Das mosaische Judentum musste vielen Stürmen standhalten, äusseren und inneren. Den Feinden, politischen und religiösen, mussten die alten Juden die Stirn bieten und dem Anstürme der neuen Ideen, der griechischen Ideale, der griechischen Wissenschaft und Philosophie mussten sie ihre eigene Lebensanschauung gefestigt und geeinigt entgegenstellen. Und so entstanden die Sibyllinischen Bücher, der Aristeasßrief, die Sprüche von Ben-Sirach, vom Pseudo-Saloraon, die verschiedenen Apokryphen, wie das Buch Daniel, die „Testamente der Patriarchen" und die ganze griechischjüdische apologetische Literatur, die ihren Höhepunkt in Philo's Schriften erreichte. Ihr philosophischer Wert ist nichtig, dagegen ihr historischer gross. Man sieht im vorliegenden Werke wie in einem Prisma das Wogen und Fluten des jüdischen Gedankens, der sich frei bewegen wollte und durch das „Gesetz" sich selbst Fesseln auferlegte. Das Buch ist im allgemeinen, wenn auch nicht in Allem originell, so doch instruktiv und interessant. Cor. Albert Katz: Der Chassidismus. Verlag M. Poppelauer, Berlin 1904. Preis M. —'60. Der Chassidismus, der sich lange genug die oberflächliche Beurteilung, die man aus gegnerischen Streitschriften, ja sogar aus der satyrischen Darstellung untreu gewordener Anhänger schöpfie, gefallen lassen musste, ist zum Gegenstand ernster quellenmässiger Forschung geworden. Es kommt nun sein eigenes Schrifttum zu Worte und aus diesem heraus wird von vielen Seiten versucht, leidenschaftslos die innere Entwicklung und die historische Wertung dieser vor mehreren Jahrzehnten noch so imposanten Massenbewegung festzustellen. Dieses Studium hat das Märchen von einer chassidäischen Sektiererei, die die Grundlage des talmudisch-traditionellen Judentums erschüttern sollte, völlig zerstört und gezeigt, dass die eigentliche chassidäische Lehre nicht mit den Auswüchsen und den fanatischen Ausschreitungen zu verwechseln ist, die sich ihr leider als Begleiterscheinungen zugesell'en. Neben den grundlegenden Arbeiten Zweifels, Dubnows, Marcus' leistet auch das uns vorliegende Büchlein trotz seiner Knappheit einen guten Dienst, indem es in geordneter Weise die einzelnen Grundsätze der chassidäischen Lehre feststellt, wie sie im Namen des „Baalschem tow" (nicht „Balschem" wie es hier konstant heisst, da ja gerade das Wörtchen „tow" es ist, das den Gründer des Chassidismus von den anderen „Baale-schem" so günstig unterscheidet) tradiert und von seinen Nachfolgern fortgesetzt wurde, und ihr Verhältnis zur jüdischen Theosophie, wie zur Kabbala und zum Talmud kennzeichnet. Freilich vermisst man im Rahmen dieser Abhandlung die persönliche Gestalt Israel Beseht's, des Gründers des Chassidismus und die Iilustrierung seiner Lehre durch sein Leben und seine Aufführung, die viel zum Verständnis der Popularität seiner Lehre beitragen würden» Und auf dieses Verständnis kommt es am meisten an, wenn das eigentliche Wesen des Chassidismus in ein wahres Licht gerückt werden soll. M. B. Lazarus Goldschmidt: niriK *,tna Sprüche der Väter, nach den ältesten Drucken und der München er Talmudhandschrift nebst Uebersetzungen und kurzen Erklärungen. Sonderausgabe aus „Der babylonische Talmud* Bd. VII. S. Calvary Sc Co., Berlin 1004. Preis geb. Mk. 3.60. Ein lange gehegter Wunsch soll nun in Erfüllung gehen — den Talmud in eine europäische Sprache übersetzt zu sehen. Es wünschen dies nicht so sehr unsere modernen Brüder, denen diese einzige, Jahrhunderte umfassende Quelle jüdischer Geistesarbeit ein Buch mit sieben Siegeln ist, als vielmehr unsere Feinde, die in diesem Riesenweike ein geheimnisvolles Buch wittern, dessen Blätter v.m Blut, und Mord triefen und deshalb von Staatswegen dessen Enthüllung oder Blosstellung unablässig fordern. Einige Bände einer gediegenen deutschen Talmudausgabe lipgen nun den beängstigten Rufern nach Wahrheit zur Einsicht vor. In einer textkritisch zuverlässigen Rezension mit von Fachmännern anerkannten Erläuterungen, wird nun jeder, dem es ernst um die Prüfung des Inhalts des Talmud zu tun ist, aus dem Werke, das voraussichtlich alle guteingerichteten Büchersammlungen schmücken dürfte, sich Bescheid holen können. Nur wenigen vom Glück Begünstigten wird es möglich sein, seinen Bücherschatz um dieses Werk zu vermehren, da dessen Preis sich auf etwa 600 Mk. belaufen dürfte. Und deshalb taten die Verleger ein Gutes dadurch, dass sie die „Sprüche der Väter", den „ethischen Mischnatraktat", als Sonderausgabe in schöner, gefälliger Form einem weiteren Publikum zugänglich machten. Der Uebersetzer unterliess es mit Recht, diesem winzigen und jedem leicht verständlichen Traktate Einleitungen vorauszuschicken, oder gar ein Loblied auf die jüdische Ethik zu singen. Er macht nur auf die eine Tatsache aufmerksam, dass in dem Traktate stets von „Menschen", nicht aber von „Juden" gesprochen wird, während von feindlicher Seite behauptet wird, die talmudische Ethik sei für den talmudgläubigen Juden bindend nur Juden gegenüber, nicht aber gegen Andersgläubige. So enthält das Büchlein nichts Ueberflüssiges, wodurch die Ausgabe, in Anbetracht der schönen Ausstattung, hätte verteuert werden müssen. In jüdischen Familienkreisen, wo man oft über den Mangel an jüdischen Werken, die sich für Geschenke bei freudigen Anlässen eignen, klagen hört, wird das prachtvoll ausgestattete Büchlein als willkommene Gabe begrüsst werden. M. B.

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