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Die Welt · 1904-06-24 · 26 (24.6.1904) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
26 (24.6.1904)
Date
1904-06-24
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 „bie # w$n Nr. 26 seine Familie nicht ernähren kann, weshalb er dem neuen antisemitischen Grenzwachgesetze verfallen ist. — Ein solches Vorgehen zu provozieren ist durchaus unjüdisch. A. A. Der erste tschechisch-jüdische Dichter. „Am 7. d. M. waren es fünfundzwanzig Jahre'* — so berichtet das Prager Realistenorgan „Cas" — „dass der erste jüdische Dichter tschechischer Zunge, Siegfried K a p p e r, gestorben. (21. März 1821 in Smichov geboren, 7. Juni 1879 gestorben.) Er war zuerst als Arzt in den südslavischen Gegenden, vom Jahre 1854 ab in Jungbunzlau und Prag tätig. Seine erste Gedichtsammiung erschien 1846 unter dem Titel „Ceske Listy" („Tschechische Blätter"). Der Dichter fiavlicek würdigte nicht diese künstlerische Sammlung und lehnte die Tendenz energisch ab. Er wünsche keineswegs, dass die Juden an der nationalen Renaissance der Tschechen sich beteiligen. „Wer ein Tscheche sein will,4' schrieb er, „muss aufhören, ein Jude zu sein!" In den Siebzigerjahren predigte Kapper überaus eifrig in Vers und Prosa Assimilierung an das Tschechentum. Durch seine späteren Werke „Lieder des serbischen Volkes", „Strandgeschichten" und „Echo montegrinischer Lieder" wurde Kapper der erste Vorkämpfer tschechisch-jüdischen Lebens, Während sein Schwager, der Dichter Moritz Hartmann und der Journalist Kuranda sich als Deutsche fühlten, entfaltete Kapper den tschechischen Juden das politische Ideal", Der Pardubitzer Verein „Rozvoj" eröffnete eine Subskription zur Herausgabe der gesamten Schriften des tschechisch-jüdischen Dichters Josef Kapper. Deutsches Tagblatt gegen isr. Kultusgemeinde. Die Klage der israelitischen Kultusgemeinde Czernowitz gegen den verantwortlichen Redakteur der „Bukowinaer Nachrichten", Herrn Ernst Mayer, der in seinem Blatte ehrenrührige Beschuldigungen erhoben hatte, wurde infolge des Angebotes des Verteidigers Mayers, Dr. Sternberg, den Wahrheitsbeweis zu erbringen, auf 14 Tage verschoben. Eine Judendebatte gab es in einer der letzten Stadtverordneten-Sitzungen in Charlottenburg. Die Luisenkirchengemeinde erbat von der Stadt die Ueberlassung eines Grundstückes für den Bau eines Anstaltsgebäudes für den Verein ,,Kaiser Friedrich-Dank". Professor Dr. v. Liszt beantragte, die Vorlage des Magistrats abzulehnen, weil das Statut des Vereins wohl die Aufnahme von Juden als Mitglieder zulässt, ihnen aber kein Wahlrecht einräumt!!! Oberbürgermeister Schustehrus betonte, dass kein Anlass vorliege, hier die konfessionelle Frage aufzurollen. Stadtverordneter Gredy rühmte den Wohltätigkeitssinn der Juden und trat für Annahme der Vorlage ein. Die Sozialdemokraten waren in der Frage gespalten. Schliesslich wurde der Antrag von Liszt angenommen und die Ueberlassung des Terrains verweigert. Der Antisemitismus geht zurück, lassen sich neuestens wieder Stimmen vernehmen. Folgendes Vorkommnis bietet eine Illustration dazu/ Bei Kassel sollte jüngst ein antisemitisches Volksfest abgehalten werden; verschiedene antisemitische Abgeordnete wollten dort Ansprachen halten. Der Landrat des Kreises Witzenbauseu bestimmte aber, dass die von dem betreffenden Bürgermeister bereits erteilte Genehmigung zurückzuziehen sei. Als Grund für dieses Verbot wurde der zu erwartende „ungewöhnliche Menschenandrang" genannt. Ein Bauplatz für eine Million Mark. Die Berliner Jüdische Gemeinde beabsichtigt, ein neues Krankenhaus zu erbauen, weil ihr jetziges in der Auguststrasse den heutigen Anforderungen T und Bedürfnissen nicht mehr genügt, und weil dessen Zustand bereits veranlasst hat, die Notwendigkeit einer Verringerung der Bettenzahl in Aussicht zu nehmen, während gerade eine Vermehrung der Bettenzahl notwendig ist. Diese Vermehrung lässt sich nun nach dem Gutachten von Sachverständigen Hindurch einen Neubau erreichen. Der Vorstand hat deshalb an den Magistrat die Bitte gerichtet, ihm das städtische Grundstück an der Schul- und Exerzierstrasse von 11 Morgen Grösse, gegenüber der Alters-Versorgungsanstalt der Jüdischen Gemeinde und dem Reuter-Stift, für rund eine Million Mark zu verkaufen. Nach Westen zu soll eine neue Strasse das Grundstück bezw. Krankenhaus von dem städtischen Hospital zum Heiligen Geist und St. Georg trennen. Der Magistrat hat auf Antrag der Grundeigenturns-Deputation den Verkauf genehmigt und. wird die Zustimmung der Stadtverordneten-Versammlung nachsuchen. Ein jüdischer Volkskindergarten und Kinderhort wurde von einem eigenen Verein im Zentrum Berlins in eigenem Heimerrichtet und seiner Bestimmung übergeben. In Wien aber haben die reichen Juden nur Sinn für christliche Settlements. Die Mädchenschule der Berliner jüdischen Gemeinde 'st mit dem Beginn des Sommersemesters nach einein eigenen Neubau übergesiedelt. Mit dieser Uebersiedeluncr schliesst eine nahezu siebzigjährige Tätigkeit der Anstalt. Der Bau, der im Jänner v. J. in Angriff genommen wurde, ist im Frühjahr 1904 fertiggestellt worden. Die neue Schule ist ein Werk des Gemeindearchitekten Hoeniger. Sie enthält in vier Stockwerken 16 Klassenzimmer, eine .150 qm grosse Turnhalle zu ebener Erde, eine geräumige Aula, auserdem ein Brausebad mit 6 Zellen, und ist in Bezug auf die Licht- und Luftverhältnisse den Forderungen der modernsten Hygiene angepasst. Das Schulwesen im Regierungsbezirk Hannover. Einer im „Hann. Cour." veröffentlichten allgemeinen Volksschulstatistik (Stand per 1. November 1903) entnehmen wir bezüglich der jüdichen Volksschulen und Volkssehüler, dass in den Kreisen des Regierungsbezirkes an 13 Orten mit zusammen 13 Klassen solche jüdische Schulen existieren. Es wurden in ihnen von 13 Lehrern insgesamt 96 Kinder unterrichtet. Dass eine nur kleine Anzahl jüdischer Kinder die nichtjüdischen Volksschulen besucht, ergibt sich daraus, dass sich unter den 99 425 Volksschülern, diie die 632 Schulen des Regierungsbezirkes Hannover besuchen, nur insgesamt 286 jüdischen Glaubens befinden. Auch die vier Mittelschulen des Regierungsbezirkes zählen unter 1428 Kindern nur 5 jüdischer Konfession. Achtung! Mädchenhändler sind jetzt in Galizien wieder fleissig an der Arbeit. Sie bieten ihren Opfern angeblich glänzende Stellungen bei der Weltausstellung in St. Louis an. Wir fondern alle Organisationen auf, diesem Treiben energisch entgegenzutreten. Ein jüdisches Theater in London. Nach dem Beispiel von New-York, das vier florierende jüdische Theater hat, wird nächstes Jahr in London ein Theater eröffnet werden, das ausschliesslich für polnisch-jüdische Dialektstücke bestimmt ist. Die neue Bühne, deren Baukosten auf 45 000 Pfund Sterling veranschlagt sind, wird sich „Orienttheater" nennen und dem bisher in den verschiedensten Lokalitäten spielenden jüdischen Ensemble ein sicheres und künstlerisches Asyl gewähren. In New-York soll demnächst das fünfte jüdische Theater errichtet werden. Assimilation.sblüten. Das „Prager Tagblatt", das Organ der dortigen Kultusgemeinde, die so stramm gegen nationales Judentum verfährt, jenes Blatt, in dessen Redaktion es von Kohns und Lewys wimmelt und das fast nur von Juden gehalten und erhalten wird, bringt folgende unglaubliche Annonce in seiner Nummer vom 15. Mai: „Ich wünsche möglichst bald in eine, wenn auch kleine Bahnrestauration einzuheiraten. Bin alleinstehender intelligenter Herr, besitze zirka 20 000 Kronen Barvermögen, Fachkenntnisse, ledig, 40er, beider Landessprachen mächtig, bin zwar Israelit, habe jedoch christliche, sehr angenehme Umgangsformen. . . ." Mit jüdischen Abonnenten derart zu verfahren, hat das Blatt der Kasinojuden wahrlich keinen Grund! Für Konfessionslose und solche, die es werden wollen, unterhält das Blatt eine besondere Rubrik, in der es Ratschläge gibt, wie die Sache am wirksamsten anzupacken ist. Auch für Täuflinge erteilt der ,,Ratgeber" wohlgemeinte Instruktionen zur Taufe. Wahl eines Kultuspräsidenten in Krakau. An Stelle des verstorbenen Kultuspräsidenten Hirsch Landau wurde in Krakau, wie uns von dort berichtet wurde, der bisherige Vizepräsident Max Fhreiipreis zum Kultuspräsidenten gewählt. Vizepräsident wurde Bernhard Eichhorn. Ein toleranter Geistlicher, Im ungarischen Städtchen Käzi ereignete sich der gewiss seltene Fall, dass ein katholischer Geistlicher beim Leichenbegängnis eines frommen Juden, des Grundbesitzers Samuel Adler, die Trauerrede hielt. Deutsche Ansiedlunqen in Palästina. Die wirtschaftliehen Verhältnisse in der Umgebung von Haifa gehen von Jahr zu Jahr immer mehr zurück. Einerseits werden durch die andauernde Auswanderung der Bewohner Galiläas nach anderen Erdteilen dem Lande die Arbeitskräfte entzogen und andererseits befindet sich die Landwirtschaft trotz der Fruchtbarkeit des Bodens keineswegs in einem gedeihlichen Zustande, Eine Ausnahme hiervon bilden die europäischen Niederlassungen, die durch die Bewirtschaftung des Bodens nach modernen Methoden viel reichere Ernteergebnisse erzielen. Vor allem sind es, nach einem Berichte des deutschen Konsuls in Haifa, die deutsehen Kolonien in Palästina, die den Beweis geliefert haben, dass Acker- und Gartenbau in diesem Lande noch eine grosse Zukunft haben. Als vor etwa 34 Jahren die deutsche Kolonie in Haifa gegründet wurde, auf einem ganz wilden Grundstücke, das viel Felsen und wenig Boden, aber den Vorteil hatte, dass es ein gesunder Punkt war, da begegneten den deutschen Kolonisten viele Schwierigkeiten. Doch ihre Geduld und Ausdauer wurde reichlich belohnt; die meisten sind durch ihren Fleiss wohlhabend geworden, wofür schon das ein Beweis sein mag, dass unter einer Gemeindezahl von etwa 90 Familien keine wirklich unterstützungsbedürftige sich befindet. Die deutschen Kolonisten können ihre Erzeugnisse richtig verwerten nnd sind bestrebt, dieselben immer mehr zu erhöhen. So z. B. erzeugen sie auf der Höhe des Berges Karmel von den feinen Trauben, die dort

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