Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 26 (24.6.1904)
- Date
- 1904-06-24
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 „bie * W^lt Nr. 26 den Zweikampf, Über die Todesstrafe, Zeitungen und Zeitungsherstellung, Wie wir lesen sollen, Was ist gute Lektüre, Die Frauen der Bibel, Jüdisches Bewusstsein, Wiener Judenfriedhöfe, Über Baustile usw. Literatur: Hamlet (drei Vorträge), Literatur der jüngsten Zeit, Göthes Charakter, Shakespeares Königsdramen, Das grosse Buch (Die Bibel), Komperts Frauengestalten, Moses Ghaim Luzzato, Qeber Meyerbeer, Die weltliche Poesie der Juden, Jüdische Künstler, Jungjüdische Dichtung, Geschichte der deutschen Literatur (ein Zyklus), Geschichte der neuhebräischen Literatur (ein Zyklus), Lessings Nathan, usw. Von den Vorlesungen (zirka 30) seien unter anderen hervorgehoben: Komperts Ghettogeschichten, (ein Zyklus), Die weisse Robbe von Kipling, Aus Zangwills kleinen Erzählungen, Aus dem „König der Schnorrer", Mendel Gibbor von Bernstein, Moses von Henry Georges, Aus dem Leben der Märtyrer von Perez, Rezitationen moderner jüdischer Dichter, Aus den Gedichten moderner deutscher Dichter, Die religiöse Poesie der Juden des Mittelalters, Aus einer Judengemeinde am Beginne des XIX. Jahrhunderts, Novellen deutscher und jüdischer Dichter, Das altjüdische Schulwesen, Humor aus dem jüdischen Leben usw. Vorträge und Vorlesungen erfreuten sich seitens des Publikums unserer Toynbee-Halle nicht minderer Beliebtheit als die Musikabende. Jeden Samstag fand ein Konzertabend statt — also ein sogenanntes Vollkonzert — jeden Mittwoch und Sonntag waren die Konzerte im zweiten Teil (Halbkonzert). Welch grosse Verdienste sich Frau Rosa Feigenbaum, die Leiterin des Musikausschusses, um das Zustandekommen dieser Konzerte erworben hat, die jedem angesehenen Konzertunternehmen zur Ehre gereicht hätten, möge hier nochmals mit Dank hervorgehoben werden. Unter den Vortragenden seien namentlich die Herren Dr. Josef Jerusalem und Dozent Dr. Josef Pollak erwähnt, die sich der Aufgabe unterzogen, von 14 zu 14 Tagen den ganzen Winter hindurch ihre Vorträge abzuhalten. Ueberdies hielt Herr Dr. Jerusalem an jedem Montag eine sogenannte Konsultationstunde ab, während, welcher die Besucher der Toynbee-Halle sich von ihm juristischen Rat holen konnten. An dieser Stelle sei auch konstatiert, dass alle unsere Vortragenden, von zwei weniger gelungenen Abenden abgesehen, immer Leistungen boten, die auch den verwöhntesten Ansprüchen genügen konnten. Zur Illustrierung der geleisteten Arbeit mögen hier einige Notizen Platz finden. Vom ersten Jänner 1903 bis ersten Jänner 1904 haben 43 Referenten in der Toynbee-Halle vorgetragen. Darunter einige zu wiederholten Malen. So: Rektor Dr. A.Schwarz sechsmal, Dr. Josef Jerusalem und Dozent Dr. J. Pollak siebenmal, Dr. Leopold Kahn fünfmal, ebenso oft Prof. Dr. Kellner, Dr. S. Werner einuncldreissigxnal, und auch unter den übrigen Vortragenden einige zu wiederholten Malen, Den Vorsitz führte Rektor Dr. Schwarz dreimal, Herr Berliner achtmal, Dozent Di\ Pollak und Dr. Jerusalem sechsmal, ebenso oft Dr. L. Kahn, Dr. Heinz Kohn sechzehnmal, Dr. Siegfried Herz dreimal, Dr. Mehrer sechsmal, Dr. Rosenmann sechsmal, Dr. Werner über fünfzigmal u. s. w. Die Namen der Herren Dr. Mehrer und Di\ Rosenmann geben uns Anlass eines regelmässigen Vortragszyklus zu erwähnen, dem unsere Gäste viel Anregung und Belehrung verdanken, der an jedem Freitag Abend stattfindenden Bibelvorträge nämlich. Diese Vorträge fanden während des ganzen Wintersemesters regelmässig statt. Den Herren Vortragenden sei hiermit der besondere Dank des Vorstandes für ihre Leistungen abgestattet. Es mag hier ausdrücklich erwähnt werden, dass unter den bisher genannten Vortragenden die Namen der an den musikalischen Abenden Mitwirkenden nicht erwähnt wurden. Den Bericht über die Vorträge können wir nicht schliessen, ohne der in der Toynbee-Halle zu solcher Beliebtheit gelangten Diskussionsabende zu gedenken. Diese Diskussionsabende waren immer selßv gut besucht, das Publikum beteiligte sich mit grosser Freude an denselben und es darf der Wahrheit gemäss konstatiert werden, dass es während derselben niemals zu einem Misston gekommen ist, der die Leitung der Toynbee- Halle die Einführung dieser Diskussionen hätte bereuen lassen. Einige Themata seien gleichzeitig angeführt: Ueber die Pflichten und Rechte der Geschworenen, Ueber Volkswirtschaft, Ueber Arbeiterschutz, Ueber Kinderpflege, lieber die Ehe, Was und wie sollen wir lesen?, Schule und Haus, Ueber die Todesstrafe u.s. \\\ Um die Leitung der Diskussionsabende haben sich Herr Dr. Heinz Kohn und Frl. Malvine Friedmann besonders verdient gemacht. Unserem Publikum seien bei dieser Gelegenheit auch einige Worte gewidmet. Es war schon früher davon die Rede, mit welcher Aufmerksamkeit und mit welchem Verständnis unser Publikum die gebotenen Vorträge anhört. Wir haben bereits ein Slammpublikum, das diejenigen Vortragenden, die öfter in die Toynbee-Halle kommen, sehr gut kennen und das wir als scharfe Kritiker kennen gelernt haben. Nichtsdestoweniger sei ausdrücklich konstatiert, dass unser Publikum selbst in den wenigen Fällen, in denen es Ursache hatte, nicht ganz zufrieden zu sein, den Anstand mit einer Feinheit zu wahren wusste, die ihm und unserer Toynbee-Halle alle Ehre macht. In diesem Jahre haben wir das Vergnügen gehabt, eine grosse Anzahl junger Leute zu unseren treuen Besuchern zählen zu können, was wir als einen nicht zu unterschätzenden Erfolg der Toynbee-Halle bezeichnen möchten. Besonders angenehm machte sich die Diszipliniertheit unseres Publikums an jenen nicht seltenen Abenden bemerkbar, an denen die Toynbee-Halle überfüllt war, etwas, was nicht nur regelmässig an jedem Samstag, Sonn- und Feiertag der Fall war, sondern auch dann, wenn der Name des Vortragenden einen besonders genussreichen Abend verhiess. Dann war es nicht selten, dass die Zuhörerzahl, die sonst im Mittel zirka 200 betrug, auf das Doppelte und noch höher stieg. Es war dann beinahe lebensgefährlich in der Toynbee- Halle. Leider gab es auch dann noch immer sehr viele, die wir trotz ihrer inständigen Bitten nicht mehr einlassen konnten. Auch an solchen Abenden hatten wir niemals eine Störung zu verzeichnen. Die Mitglieder anderer Korporationen, die oft Zeugen solcher Abende waren, haben uns dann jedesmal ihre Bewunderung über die Ruhe ausgesprochen, die sie auf das angenehmste berührte. Besonders erfreulich war es uns, als wir Damen vom Vorstande des Settlements und des Ferienheimes und eine grosse Abordnung des Vereines zur Hebung der Gewerbe und des Handels in der Toynbee-Halle begrüssen durften. Aber nicht nur Vortrag und Publikum sondern auch die Leistungen unserer Komiteedamen fanden bewundernde Anerkennung dieser Sachverständigen. Die Damen des Wirtschaftsausschusses, die mit Frau Dr. Kahn an der Spitze mit solcher Hingebung ihres schweren Amtes walten, haben an dem Erfolge der Toynbee-