Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 26 (24.6.1904)
- Date
- 1904-06-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 „bis # Welt" Nr4 2ö Kommission wird bei den herannahenden Kultuswahlen ihre Haupttätigkeit entfalten. Weiters handelt der Bericht von der zionistischen Studiengelderversicherung und den unter dem Namen „Zion" allmonatlich erscheinenden Mitteilungen des L.-K., welche den österreichischen Parteigenossen als Kompensation für den Verbandsbeitrag zugehen. Auch die Frage betreffs des Verbandsbeitrages harrt noch ihrer endgiltigen Lösung. Aus den Berichten der einzelnen Distriktsdelegierten ist ein entschiedenes Anwachsen der Bewegung zu konstatieren, was umso höher bewertet werden muss, wenn man die oben geschilderten Missstände berücksichtigt. Im Distrikte Innerösterreich ist die Zahl der Vereine seit dem Parteitage, der Ende Juni 1903 stattfand, von 27 auf 33 gestiegen, nicht gerechnet das zionistische Bildungsheim, die drei zionistischen Losvereine, ausserdem mehrere affiliierte Vereine (Gesangs-, Turnverein, Toynbeehalle). Es dürften zirka 1000 K. Schekel eingehoben werden. Unter den Neugründungen sind zu erwähnen mehrere Mittelschülergruppen, die zum Teil sehr rührig sind und manches versprechen. Unter den Mittelschülern ist das neue Blatt „Unsere Hoffnung" mit vielem Erfolg tätig. Böhmen zählt gegenwärtig 16 Vereine und 3 Schekelgruppen, mehrere hebräische Sprachkurse sind errichtet worden, Tempelspenden zugunsten des N.-F. sind vielfach bewilligt. Schekelsteuer zirka 1600 gegenüber 1200 vom Vorjahre. Das D.-K. hat zum Zwecke der Erleichterung der Propaganda eine neue Rayonnierung eingeführt, von der es sich viele Erfolge verspricht. Grosse Fortschritte hat die Bewegung im westg al i z i s c h e n Distrikte gemacht. Den 8 Vereinen des Vorjahres stehen heuer 29 Vereine gegenüber, die zum Teil durch Anschluss jüdisch-nationaler Vereine, teils durch Neugründungen entstanden sind.*) Die Stadt Tarnow hat allein 5 neue Vereine. Wichtig sind die Gründungen von Poale-Zionvereinen für Männer und Frauen. Mit besonderem Eifer wirken die Mädchenvereine. Das D.-K. war in starkem Masse propagandistisch tätig, indem es Flugblätter herausgab und zahlreiche Versammlungen abhielt. Die stärksten Gegner des Zionismus in Westgalizien sind die jüdischen Polen dann die Chassidim und die jüdischen Sozialisten, welch letztere ge* rade dem Anstürme des Zionismus vielfach weichen mussten den sie als ebenbürtige Macht stark respektieren. Erfreulich ist die Organisierung der männlichen und weiblichen Mittelschulstudierenden auf zionistischer Grundlage, wodurch in diesem Hochsitze der polnischen Assimilation ein starkes Bollwerk geschaffen wurde. Im Distrikte Lemberg ist die Zahl der Vereine gleichfalls gestiegen. Gegenwärtig gibt es 30 Vereine, 4 Sharek]ubs und 4 Toynbeehallen. Die angeführten Zahlen sind allerdings — und dies gilt für überall — nicht entscheidend für die wirkliche Kraft der Bewegung. Diegrösste Bewegung haben wir in Lemberg selbst, wo unser Anhang täglich wächst, obzwar wir dort keinen Verein haben. Diese Erfolge danken die Lemberger Gesinnungsgenossen ihrer Taktik, die sie überall dort auftreten liess, wo es sich um jüdische Fragen handelte. Bemerkenswert ist der Wahlkampf, den die Lemberger Zionisten gegen die grosse und starke Clique der „Kahalniki" führten. In allen drei Kurien erreichte die zionistische Partei über ein Drittel der abgegebenen Stimmen, ein starker Erfolg, wenn man an die Verschiedenheit der Machtverhältnisse und an das galizische „Wahlsystem" denkt. In Lemberg erscheint das Organ „Wschöd" (polnisch), das sich wachsender Beliebtheit und Verbreitung *) Weiters entstanden Gesangs- und Turnvereine, die nicht zur Organisation gehören, ferner Toynbeehallen. erfreut. Die „Moriah", das Blatt der studierenden Mittelschuljugend, wirkt unter dieser sehr fruchtbar. In Mähren gibt es in 15 Orten zionistische Organisationen mit zirka 500 Schekel, die Bewegung ist hier sehr klein und dem D.-K. fehlen die Mittel zu weiter ausgreifender Tätigkeit. In Mähren bestehen 5 Turnvereine, an Neugründungen ist die Toynbeehalle in Brünn zu vermerken. Das D.-K. für Südgalizien (Stanislau) musste sich wegen Domizilwechsels der meisten seiner Mitglieder auflösen, war daher auf der Verbandskonferenz nicht vertreten. Im Stanislauer Distrikte ist übrigens ein kleiner Fortschritt zu verzeichnen. Mit der Regelung der Distriktsverhältnisse, eventuell mit der Einsetzung eines neuen D.-K. wurde Lemberg betraut. Die Bukowina war nicht vertreten. Doch ist dem Berichte des Distriktsobmannes zu entnehmen, dass die Zahl der Vereine im Wachsen begriffen ist. Wir zählen gegenwärtig °29 Vereine in der Bukowina gegen 15 im Vorjahre. Auch in Czernowitz wurde eine Toynbeehalle gegründet. Im ganzen ist seit 1. Juli 1903 die Zahl der österreichisch-zionistischen Vereine von 131 auf zirka 180 gestiegen. Der Obmann der N.-F.-Kommission erstattete einen kurzen Bericht unter Hinweis auf die allmonatlichen N.-F.- Berichte im „Zion". Aus dem Berichte geht hervor, dass Oesterreich, was seine Leistungen für den N.-F. anlangt, gegenwärtig nach Russlari$ an erster Stelle steht. Es wurden vor kurzem einheitliche N.-F.-Büchsen eingeführt, von denen bereits zirka 400 an Gesinnungsgenossen ausgefolgt wurden. Weiters sind mehrere hundert Sammelbogen in Umlauf. Von beiden Einrichtungen ist zu erhoffen, dass sie recht gute Erfolge bringen werden. In kurzer Zeit werden die Telegr ammblankette des N.-F. fertiggestellt sein. Vom 1. September 1903 bis Juni 1904 wurden um 3500 K Marken verkauft. Die Gesamtspenden für den N.-F. in diesem Zeitraum dürften sich auf 50.000 K belaufen, doch ist bisher eine genaue Aufstellung nicht möglich gewesen, da die „Welt" auch ausser-österreichische Spenden ausweist. Die schwebenden Organisationsfragen, bezw. die Regelung der Finanzangelegenheiten zwischen L.-K. und den Distriktskomitees wurden nach ausführlicher Debatte samt allen Resolutionen und Vorschlägen an die D.-K. überwiesen, welche binnen vier Wochen dazu Stellung nehmen müssen, worauf die endgiltige Entscheidung gefällt werden soll» Die bezüglich der „W e 11" geäusserten Wünsche wurden einer ad hoc eingesetzten Kommission zur Abfassung eines motivierten Berichtes überwiesen» Der Verlauf der Konferenz war ein durchaus befriedigender. Allenthalben herrscht Arbeitslust und es ist zu wünschen, dass die Regelung der Organisationsfragen uns bald die Mittel zu intensiver Arbeit schaffe. Unter den österreichischen Juden gibt es Arbeiten genug zu tun. Wir müssen unsere bisherige Tätigkeit nur als einen Anfang betrachten zu weiterem Schaffen. Wenn unsere organisierte Anhängerschaft in Zahlen ausgedrückt auch noch klein ist, dass unser moralischer Einfluss bedeutend genug ist, haben wir bei den verschiedensten Gelegenheiten auch mächtigen Gegnern bewiesen. Unsere Aufgabe muss es sein, in die jüdische Bürgerschaft, namentlich in die westösterreichische, einzudringen und durch agitatorische und nicht zuletzt durch kulturelle Tätigkeit dem erstarrten Kehillaleben neue Säfte zuzuführen. F. Brief aus Lemberg. Das Uebel, dessen Bekämpfung sich der im September vorigen Jahres abgehaltene, von den bedeutendsten jüd« philanthropischen Organisationen und dem deutschen