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Die Welt · 1904-06-17 · 25 (17.6.1904) · page 8

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Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
25 (17.6.1904)
Date
1904-06-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 „bis # weit Nr. 25 folgung nicht leben können, keine offene Pforte mehr finden. Und was werde dann die Folge sein?. Die einzige Lösuog sei der Zionismus. Es gebe noch einen Grund für den Zionismus. Die grösste Sache fdr jedes Volk sei der Glaube, und der Glaube beginne unter den Juden mancher Länder zu schwinden. Ein kleiner Bube habe einmal seinen Vater gefragt: „Sind alle alten Leute Juden?4 .Warum sollten sie es denn?" fragte der Vater. ,Ich bin ein Christ und du bist ein Christ, Grossvater aber ist ein Jude/ Dies illustriere den Verfall des jüdischen Glaubens. Im Zionismus finden die Juden nicht nur ein Volksparlament und einen Kongress, sondern auch einen Stützpunkt für ihren Glauben. In manchen Ländern, vielleicht sogar in diesem, gebe es viela Juden, die auf diese oder jene Weise gegen die Bewegung seien, gäbe es viele Juden, die die jüdische Not, die jüdische Frage nicht anerkennen, nicht zugeben wollen. Keine Judenfrage? Wollte Gott, es gebe eine Judenfrage, und nie die Judenfrage, damit die Nationen die Frage nicht in ihre Hände nehmen würden, ohne sich an die Juden zu wenden. Die Juden in England und Amerika, diesen zwei freiesten Ländern der Welt, könnten leicht sagen, es gebe keine Judenfrage, aber selbst in England und'in Amerika gebe es Tausende von Juden, die ein Hundeleben führen. Man habe ja viele Lösungsversuche der Jud^nfrage gemacht. Es habe Leute gegeben, die da glaubten, die rascheste und wirksamste Lösung sei die Assimilation. Die Assimilation habe sich aber als Unmöglichkeit erwiesen Dann habe es solche gegeben, deren grosser Wunsch war, dass unser Volk seiner geistigen Mission gedenke, dass wir nicht zum Geld Machen cla seien, sondern zum Predigen der Sittlichkeit. Und das könnten wir -eben nur in der Zerstreuung leisten. Aber wenn man die jüdische Religion mit einem Worte bezeichnen könnte, so wäre es Lebensführung. Und diese könne nur durch ein geeinigtes Volk verwirklicht werden. Im Namen des Weltbürgertums und der Menschenverbrüderung treten da andere Juden auf, die an den Zionismus nicht glauben, aber all'diese schönen Sachen könne man nur dann predigen, wenn man alle Völker gleich machen würden. Manche andere glauben, die Frage betreffe nicht das jüdische Volk, sondern die jüdischen Gemeinden, und dass deshalb die Juden jedes Landes für ihr eigenes Heil besorgt sein müssen. Aber das sei eine Sache der Unmöglichkeit. Der irgendwo verfolgte Jude bleibe doch nicht auf demselben Platze, heute in Russland, könne er in ein paar Wochen in New-York sein, und auch der New-Yorker Jude ziehe oft hin und her. Es gebe nur eine jüdische Frage, eine Volksfrage. Das Heilmittel für die Leiden des jüdischen Volkes und die einzige Lösung der jüdischen Frage könne man im Zionismus? finden, der eine Heimstätte anstrebe und alle Aspirationen des jüdischen Volkes umfasse. Mr. Co wen erörtete dann die Institutionen des Zionismus, besprach die Erfolge der Bewegung und schloss mit einem feurigen Appell an die Versammelten, indem er sie aufforderte, mit allen Kräften für den Zionismus zu arbeiten. * * * In einem Interview äusserte sich Mr. C o w e n dem Korrespondenten des „Montreal Daily Herald" gegenüber über den Zionismus. Er sagte u. a.: Ich bin nicht biossein Zionist, sondern auch ein Jude. Ich betrachte den Zionisten als einen sehr guten Juden. Wir Zionisten wollen unseren Brüdern Hilfe leisten. Als britischer Büi ger möchte ich auch gerne zu Nutz' und Frommen Britanniens arbeiten, wie auch Kanadas, die sich so freundlich gegen die Juden gezeigt haben. Bevor ich nach Kanada kam, wusste ich zwar, dass es ein ungeheueres Land sei, aber ich-wusste nicht, dass es so gross und so spärlich bevölkert sei. Zangwill sagte bezüglich Palästinas: „Geben Sie das Land ohne Volk dem Volke ohne Land", und ich weiche kein Haarbreit von diesem Gedanken, weil der Zionismus und die Lösung der Judenfrage von dem Erwerb Palästinas abhängig ist. Aber einstweilen herrscht Not und Elend unter den Juden in vielen Ländern der Welt, und bereits während meines Aufenthaltes in Kanada habe ich von neuerlichen Angriffen auf die Juden in Bessarabien gelesen. Und mit Rücksicht auf die edelmütige Offerte seitens df-r britischen Regierung, die einen grossen Landstrich in Britisch-Ostafrika für eine jüdische autonome Siedlung gewähren will, fiel es mir ein, dass es gar kein schlechter Plan wäre, sowohl für Kanada als für die Juden, wenn Kanada dem Beispiele des Mutterlandes folgen würde. Es wurde mir mitgeteilt,^ dass manche einflussreiche Kanadier jüdische Kolonisten einführen wollen. Aber jüdische Kolonien, die auf philanthropischer Grundlage aufgebaut sind, können keinen Erfolg erzielen, da die Unabhängigkeit des Kolonisten eingeschränkt ist. Wir Zionisten sind in Fühlung mit der gesamten Judenheit, und wir kennen den Menschenschlag, der in jedem Lande sich wohl einführen lässt. Diesen Leuten kann man durch gewöhnliche Organisation nicht beikommen, sie stehen aber unter unserem Einflüsse. Wir wollen nicht unsere Aufmerksamkeit von Palästina ablenken, aber wenn wir einstweilen den Juden etwas Gutes tun können, werden wir mit Freude die Gelegenheit benützen. Arnold White spricht in seinem Buch „The modern Jew" sehr lobend über die Stabholzhändler und die Ackerbauer Südrusslands. Ich habe kein Recht zu behaupten, dass diese Männer Russland verlassen werden, aber ich weiss, dass Russland nicht das beste Land für sie ist, und dass es sie jedenfalls loswerden möchte. Das ist eine Sache, die sowohl Kanada als auch die Juden angyht. Denn es ist eine Tatsache, dass, wo immer die Juden gut behandelt werden, sie auch dem betreffenden Lande gute Dienste erweisen. Wenn sie aber misshandelt werden, warum sollten sie bleiben, wenn andere Länder froh wären, sie aufzunehmen?" Schweizerischer Delegiertentag. Am 5. Juni hielt der schweizerische Zionistenverband im Hotel Centraihof in Baden seinen diesjährigen, den IV. Delegiertentag ab. Vertreten waren 14 Vereine durch 30 Delegierte. Das Tagesbureau wurde bestellt aus den Herren Dr. C. Levy (Biel), Präsident J. Horn (Zürich), Vizepräsident und Ingenieur Falk (Baden), Sekretär. Aus dem allgemeinen Berichte, erstattet vom Aktuar M. Levy, geht hervor, dass der Verband gegenwärtig aus 17 Vereinen mit 650 Mitgliedern zusammengesetzt ist. Gegenüber dem Vorjahre ergibt sich eine Vermehrung von 3 Vereinen mit 50 Mitgliedern. Die neuen Vereine sind: „Misrachi" (Basel), Zionistenverein Lengnau und „Ahawath Zion" (St. Gallen). Weitere zionistische Organisationen sind in Bildung begriffen: in Lausanne, Winterthur und St. Gallen. Die Zahl der Schekelzahler belief sich im Berichtsjahre auf 995, mit einer Zunahme von 85. Der Kassabericht (Referent Dr. L. Weil) schliesst bei Frcs. 1180.— Einnahmen und Ausgaben mit einem Aktiv-Saldo von Frcs. 89.— ab. Daraus sollen je eine Aktie der Jüdischen Colonialbank und der Anglo - Palästina- Comp, angekauft und der Rest auf neue Rechnung vorgetragen werden. Der Vermögensbestand beziffert sich auf Frcs. 239.—. Der Nationalfondskassier Dr. C. Levy erklärt in seinem Berichte, dass im letzten Jahre aus d*r Schweiz

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