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Die Welt · 1904-06-10 · 24 (10.6.1904) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
24 (10.6.1904)
Date
1904-06-10
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 „bi* * W$lt ■Nr. £4 Ziffern kommen immer von neuem, um die armen gefährdeten jüdischen Existenzen in Schutz zu nehmen. So veröffentlichten die „Daily News" neulich einen Bericht des Board of Trade über die Aus- und Einwanderung. Es erhellt daraus, dass der Zuwachs der jüdischen Bevölkerung im East-End von London gar nicht bedeutend sei, etwa 7000 jährlich. Somit kommt die Bevölkerungsvergrösserung nicht von aussen, sondern von innen her. Aber sind denn im Gesetzprojekte statistische, unumstössliche Daten ausschlaggebeßd V Der auf „Ziffern" beruhende Bericht des Home-Secretary hat es doch zur Genüge bewiesen, wie man mit Ziffern umgehen kann, wenn es sich um ein Gesetz gegen arme Juden handelt. Ich hätte noch über die noch immer währende Spannung in Limerick und über das projektierte englische „Woodbine" — nämlich über Ensfield, wo man nach amerikanischem Muster eine jüdische Stadt erbauen möchte — zu berichten, aber der Brief wächst mir unter den Händen, also bis zum nächstenmale. Spectator. Die Delegiertenkonferenz der Riimänisci en Föderation fand am 2!). und 30. Mai in einem Theatersaal von Galatz statt. Er hatte zahlreichen Besuch seitens der Galatzer Bevölkerung. Die Anzahl der Delegierten war kleiner als in früheren Jahren, weil das Komitee der Föderation strerg darauf geachtet hatte, dass nur jene Vereine Delegierte entsenden, die allen Verpflichtungen gegen die Organisation nachgekommen waren, Das Präsidium des Tages führten : Sam. Pineles-Galatz, Dr. Moscovitz-Braila, M. H. Schein- Galatz, Dr. Codrianu-Bukarest und Dr. Nacht-Focsani. Als Berichterstatter über die Arbeiten der Federation fungierte Dr. Moscovitz, der konstatierte, dass das Exekutiv-Komitee in Galatz-Braila seine Pflicht getan habe, während die Mitglieder des Komitees am Lande und die Sektionen zu wünschen übrig Hessen. Auf Grund dieses Referates traten alle Faktoren in eine breit angelegte Diskussion ein, um Direktiven für energische, fruchtbringende Arbeit zu finden. Es wurden lolgende Anträge angenommen : 1. Das Fed.- Kom. (bisher 25 Mitglieder, davon 15 im ganzen Lande und 10 als Exekutive, in Galatz und Braila) wird auf 10 in Galatz-Braila reduziert. Diese 10 haben aber das Recht, in allen Ortschaften des Landes Mitglieder zu kooptieren, die sie aber ersetzen können, wenn sie nicht arbeiten. 2. Wurde die Uniformisierung der Vereinsbeiträge und deren Verwendung angebahnt 3. Wurde über Antrag Reischer-Braila ein N.~F.-Kommissär gewählt. 4. Wurde die Herausgabe ein offiz. Organ in naher Zeit ermöglicht. 5. Wurde der Monatsbeitrag der Vereine an die Federation von 5 auf 15 Centimes per Kopf erhöht 0. Wurden die Massregeln gegen lässige Vereine bedeutend verschärft. — In Bezug auf die Kulturfrage wurden folgende Resolutionen des Dr. Nacht-Focsani angenommen: 1. Das Exek. - Kom. möge Sorge tragen, dass vor den Wahlen in die Schul-Komitees in alien Ortschaften des Landes für den Zionismus agitiert werde. 2. Möge das Exek.-Kom. einen Kulturfonds anlegen. Mit dem Literatenj Mebaschow in Verbindung treten, um dessen jiid. Geschichte zu erwerben und zu verbreiten. In der Ost-Afrika-Frage wurde eine Resolution angenommen, in welcher dem A.-K. das vollste Vertrauen ausgesprochen wird. Die definitive Beschlussfassung wurde für die Zeit der Rückkehr der Expedition aufgeschoben. — In. das Exekutiv-Komitee werden Gg. Pineles, M. H. Schein, Dr. Helfant, WT. Schönberg (sämtlich in Galatz) wieder-, B. Gottesmann, Jan Silberstein (Galatz) neugewählt; aus Braila werden wiedergewählt: Dr. Moscovitz, Jos. Reischer, Jos. Brociner, Dr. Sottek. — In bester Stimmung wurde die Konferenz Montag um 9 Uhr abends geschlossen. Die stark verbreiteten Blätter „Universal" und „Adeverul", ferner das Galatzer Lokalblatt „Tribuna", sowie viele andere Blätter brachten sehr ausführliche Berichte. Lemberger Brief. Freitag, den 3. Juni sind die Höchstbesteuerten und die vermöge ihres akademischen Grades, beziehungsweise ihrer öffentlichen Stellung (Staatsbeamte. Seelsorger. Lehrer etc.) in die I. Wahlkurie eingereihten Gemeindemitglieder zur Urne geschritten, womit die heurige, überaus bewegte, für uns Zionisten trotz des ♦fiktiven Unterliegens ebenso lehrreiche als ermutigende Wahlperiode ihr Ende gefanden hat. Die Majorität hat Gnade für Recht walten lassen und den schon längst fällig gewesenen Wechsel eines in Misskredit geratenen Schuldners für weitere 3 — 6 Jahre prolongiert Laut Gemeindestatut gelangten 15 Mandate zur Besetzung, von denen schon früher 2 durch den Tod, 1 infolge Verzichtleistung erledigt worden waren. — Das offizielle Wahlkomitee, mit dem Allbpzwinger Samuel von Horowitz an der Spitze, arbeitete seit Wochen in selbstloser und eifriger Weise daran, um einerseits die Wiederwahl der wohlbestallten, bisherigen Kultusräte zu sichern, anderseits aber für die erledigten Mandate aus der Mitte der auf dieselben seit Jahren harrenden Anwärter die erprobtesten, verdientesten und ungeduldigsten Kandidaten hervorzusuchen und den P. T. Wählern als die einzig berufenen Vertreter im Namen des Judentums zu präsentieren; dass hiebei alle möglichen Mittel in Anwendung gelangten, um nur ja sicher ans Ziel zu gelangen, erscheint fast selbstverständlich. So wurden z. B. an hundert Vollmachten jüdischer Frauen, die ihr Wahlrecht nicht persönlich, sondern durch männliche Bevollmächtigte ausüben dürfen, in der feuerfesten Kasse des Gemeindekassiers angesammelt und am Wahltage pünktlich in die Urne gelegt. Lehrern und Gemeindebeamten wurde mitgeteilt, dass es „hohenorts" erwünscht wäre, sie mögen die offiziellen Stimmzettel offen abgeben; im entgegengesetzten Falle würden sie als zionistische Wähler (entsetzlich!) angesehen werden!! Wählern, die für die offizielle Liste zu stimmen versprachen, wurden Steuernachlässe, widerf pen-ti^en Zionisten die Erhöhung der Kultussteuer in Aussicht gestellt. Auf den Wahlaufrufen figurierten die Namen mehrerer Zionisten, um auf diese Wei=?e Gesinnungsgenossen hiLters Licht zu führen. Dieselben erklärten öffentlich, diese Aufrufe nicht unterschrieben zu haben. Das Ansuchen unseres Wahlkomitees um Zulassung von Vertrauensmännern für die Wahlkommission aller Kurien wurde nach dem Muster der Wiener Christlichsozialen über Verwendung des Herrn Samuel Horowitz abgewiesen, wogegen sich besoldete Funktionäre der Kultusgemein de an den Wahltagen ganz ungeniert an der Agitation beteiligten. Alle diejenigen, die sich unseren Gemeindegrössen irgendwie verpflichtet fühlten, wetteiferten mit den Kandidaten um die Ehre, seit Wochen jeden einzelnen Wähler mehrmals zu besuchen und dessen Stimme zu erbetteln. Wo jedoch diese Intervention nicht frommte, beeilten sich die Herren Horowitz und Vizepräses Dr. Schaff, persönlich vorzusprechen und hatten meist mehr Glück als ihre Vorgänger. Das übrige tat das „modern" gehaltene Gemeindestatut, welches die mit der Kultussteuer rückständigen Gemeindemitglieder von der Ausübung des Wahlrechtes au=schliesst. Während sonst säumige Steuerzahler unter Zuhilfenahme städtischer Organe rücksichtslos gepfändet werden, pflegt im Wahljahre eine seltene Milde platzzuereifen, indem die rückständigen Zahler aus der sogenannten Intelligenzgruppe, vor allem Beamte, an ihre Steuerpflicht nicht erinnert werden. Ende 1903 meldeten sich einige Gesinnungsgenossen als freiwillige Steuerzahler und erlegten gleichzeitig an der Gemeindekasse die niedrigste Steuergebühr. Der Vorstand hat ihnen das Wahlrecht mit der Motivierung abgesprochen, dass die Steuerkommission noch nicht Gelegenheit hatte, über die Höhe der ihnen zu bemessenden Steuer zu beschliessen, daher die erlegten Beträge für das Jahr 1904 in Verrechnung gelangen. Diesen unhaltbaren Zuständen gegenüber hat sich die einzige wahrhaft jüdische F'artei zu energischem Widerstande aufgerafft' und ihre Getreuen zum Kampfe gegen Willkür und Ungerechtigkeit versammelt. Als Neulinge waren wir uns der Aussichtslosigkeit unserer Bemühungen umsomehr bewusst als es unmöglich erschien, mit den uns zu Gebote stehenden reinen Waffen gegen eine erbgesessene Clique anzukämpfen, der kein Mittel zu schlecht erscheint, um nur ihre bewährten Parteigänger am Ruder zu erhalten. Wenn wir den Kampf dennoch nicht scheuten, so geschah es vor allem in der Voraussicht, dass sich im Laufe der Wahlperiode gelegentlich der von zionistischer Seite einberufenen WTählerversammIungen genügend Gelegenheit finden werde, um die unabhängige Wählerschaft über Kniffe und Gebaren der Machthaber aufzuklären, anderseits über die wahrhaft jüdischen und volkstümlichen Ziele unserer Bewegung zu belehren und das Terrain vorzubereiten, auf welchem in absehbarer Zeit ein erfolgreicher und ehrenvoller Sieg jüdischer Volksideale errungen werden muss. Während es sich im offiziellen Lager ausschliesslich um die Befriedigung persönlicher Ambitionen handfite und

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