Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 24 (10.6.1904)
- Date
- 1904-06-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 „bie # w^it11 Nr. 24 baumwollproduzierenden Länder der Welt, Nord- Syrien. Wir selbst hätten noch den eminenten nationalen Vorteil, die jüdische Auswanderung von exotischen Ländern wie Argentinien und Kanada, Südafrika und Neuseeland weg — und nach einem Palästina unendlich viel näher gelegenen Lande mit semitischem Milieu zu lenken. Neben der Gegenwartsarbeit in Palästina war es besonders die Organisationsfrage, die grosses Interesse erheischte. War doch von dem Mannheimer Distrikts-Bureau ein von vielen Seiten freudig aufgenommener Antrag gestellt worden, die ganze mühsam geschaffene Organisation von Grund aus umzugestalten und gleichzeitig den Schwerpunkt der Bewegung von Köln nach Berlin zu verlegen. Das wäre nicht nur ein Ortssondern, weil ganz andere Personen die ausschliessliche Leitung in die Hand bekommen hätten, ein vollständiger Systemwechsel. Freilich war man bemüht, diese bittere Pille ein wenig zu versüssen. Aber es war klar, dass es sich um nichts anderes handelte, als Dr. Bodenheime r in Köln unter dem Titel eines Vorsitzenden der Präsidentschaft zur Ruhe zu setzen. Im Laufe der Diskussion stellte sich freilich heraus, da-s die Zeit noch lauge nicht gekommen ist, Dr. Bodenheim er abzulösen, und dass Köln weiter die Zentrale bleiben wird, solarge Dr. Bodenheim er nicht den Wohnort wechselt. Dagegen hatte man allseitig eingesehen, dass es nur eine einzige Person im deutschen Zionismus gibt, die imstande ist, die geschäftlich-organisatorische Leitung mit Exaktheit zu führen. Das Berliner Distrikts- Bureau hatte ohnehin dadurch, dass es von Rechtsanwalt Dr. Arthur Hantke geleitet wird, gevvissermassen diesen Beschluss schon lange tatsächlich durch seine Arbeit präokkupiert, und es war nur eine Sanktionierung des bestehenden Rechtszustandep, dass in Berlin ein Zentral- Bureau geschaffen wurde, das alle Geschäfte selbständig im Auftrage und auf Weisung des Zentral-Komitees in Köln zu führen hat. Dahin gehört besonders die Organisation der Agitation, die ganze Kassen Verwaltung und Registratur des Landesverbandes, die Verwaltung der Schekelgelder und die Organisierung der Wahlen zu den Delegierten tagen und Kongressen. Es war selbstverständlich, dass Rechtsanwalt Hantke der Leiter dieses Zentral- Bureaus wurde. Auf seinen Wunsch wurden ihm Doktor Simonson und Dr. Leszynsky als Kollegen beigegeben. Aber eine Arbeit, deren Notwendigkeit im deutschen Zionismus sehr schwer empfunden wird, und die allein einer dauernden Verflachung entgegenarbeiten kann, wurde zweckmässigerweise hiervon getrennt. Zum Studium der Probleme der Innen arbeit, die in Deutschland vielleicht noch notwendiger als anderswo ist, wurde ein Komitee gewählt, das bis zum 1. Oktober ein entsprechendes Programm dem Zentralkomitee vorzulegen hat, und das später für die Ausführung dieser Arbeit Sorge tragen soll. Dazu wurde Elias Auerbach, Dr. Theodor ZI o c is t i und Dr. Max Jungmann (NB. der Redakteur des „Schlemiel") bestimmt. Auch hier wurden die richtigen Männer für die richtige Aufgabe ausersehen. Ueber das materielle Fortschreiten der „Jüdischen Rundschau" berichtete der Aufsichtsrat. Er konnte feststellen, dass die Fortschritte der Rundschau mit denen des Zionismus gleichen Schritt hielten. Redaktion und Verwaltung hätten dazu in gleicher Weise beigetragen, und es wäre das beste Zeichen, dass man mit einem Defizit von nicht geringem Betrage begonnen hätte und heute in der Lag* wäre, aus den Mitteln der Rundschau allein heraus die Mitarbeiter zu honorieren, wahrend im letztem Jahre das noch nicht möglich gewesen war-. Dabei hätte die Rundschau ohne Geldmittel arbeiten müssen, und ihr Kapital sei leJiglich ihr geistiges Material gewesen, das sich tber schon in klingende Münze umzusetzen begönne. Freilich konnte dieser günstige Bericht nicht ohne Widerspruch durchgehen. Von einem Delegierten wurden schwere Angriffe gegen die Geschäftsleitung der Rundschau gerichtet, und zwar in einer Form, die es vielen, die gern Einzelnes gerügt hätten, unmöglich machte, nun noch ihre Klagen, die vielleicht sehr berechtigt waren, vorzubringen. Diese Diskussion musste daher geschlossen werden und man beschränkte sich auf die Kritik der Red aktion, der von einer Seite vorgeworfen wurde, dass sie religionsfeindlich wäre und die religiösen Gefühle der gläubigen Parteigenossen verhöhne. Der Redakteur, der aus seiner religiösen Stellung kein Hehl machte, wies es entschieden zurück, dass ein einziger religiöser Standpunkt im Zionismus herrschen dürfte und erklärte, dass er nach wie vor sich durch nichts in die religiöse Debatte hineinzerren lassen würde. So befriedigend, wie diese Auseinandersetzung doch endigte, so bedauerlich war es, als der Redakteur auseinandersetzen musste, dass die Rundschau augenblicklich nur einen einzigen ständigen Mitarbeiter besässe, und das sei ihr Redakteur. Da scheint Innenarbeit wirklich dringend von nöten zu sein. Aus der einzigen Gegend, wo die Juden vermöge ihrer Zahl in Preussen am politischen Leben wirksamen Anteil nehmen können, aus Posen, war an die Delegierten der ausgesprochene Wunsch herangetreten, den Fragen des jüdischen Gemeindelebens, der Stellung der Juden zu den gesetzgebenden Faktoren, den politischen Parteien und überhaupt den politischen Ereignissen, wie den besonderen wirtschaftlichen Interessen der deutschen Juden beständig die grösste Aufmerksamkeit zuzuwenden und diese Fragen in den internen Sitzungen und namentlich in öffentlichen Versammlungen immer wieder zur Diskussion zu stellen. Dies wurde durch einen Beschluss dahin erledigt, dass eine Kommission zum Studium unseres Verhältnisses zu den öffentlichen Angelegenheiten in Deutschland beauftragt wurde, dem nächsten Delegiertentage Bericht zu erstatten. Für die Ausbreitung des zionistischen Gedankes hatte der Referent über die Schekelinstitution, Assessor G r o n emann, folgende Leitsätze aufgestellt: 1. Bei der Propagierung des Zionismus ist die Darlegung des historischen Werdeganges der Bewegung und die nachdrückliche Betonung der nationalen Grundlage unserer Ziele unerlässlich. Es ist ferner ausdrücklich festzustellen, dass der Zionismus nicht für einen Bruchteil, sondern für die Gesamtheit der Juden arbeitet 2. Der Schek^l darf von denjenigen Juden entgegengenommen werden, welche sowohl die öffentlich-rechtliche Sicherung der angestrebten Heimstätte wie deren Errichtung in Palästina als wesentliche Bestandteile des Programms anerkennen, auch über die nationale Grundlage des Zionismus unterrichtet sind. Ueber die Ausbreitung der Organisation und über die Sammlungen für den N.-F. war in einer Sonderausgabe der Jüdischen Rundschau, die auch die verschiedenen Vorschläge und Artikel zur Organisation gedruckt hatte, Rechnung gelegt. Das nahm den Ausführungen des Referenten nicht den Wert, der eine dauernde Zunahme des Interesses und Verständnisses für den N.-F. in Deutschland konstatierte und mit berechtigtem Stola darauf hinwies, dass die deutschen Zionisten bisher ganz allein den Oelbaumspende- und den Volksdomänengedanken in Angriff genommen hätten, und einen Beschluss des Delegiertentages veranlasste, durch den die andern Landesorganisationen aufgefordert werden, diesem Vorgehen zu folgfD. Ein würdiger Abschluss für die Tagung war die grosse Versammlung, die Tage vorher durch einen Kommers schon vorbereitet war, bei dem Dr. Zlocisti