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Die Welt · 1904-06-03 · 23 (3.6.1904) · page 13

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Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
23 (3.6.1904)
Date
1904-06-03
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 23 „bi* # W$lt Seite 13 Jüdische Einwanderung nach Amerika, lieber die Einwanderung in die Vereinigten Staaten erhalten wir folgende gut geschätzte Zahlen: Die gesamte jüdische ' Einwanderung betrug im vergangenen Jahre 76 203, darunter 43 985 männliche Einwanderer. 19 044 waren jünger als 14 Jahre, 53 074 zwischen 14 und 45 Jahre, 4085 über 45 Jahre alt. 4648 Einwanderer besassen bei der Landung mehr als 30 Pfd. St.„ alle zusammen 783 866 Pfd. St. Nur 991, wurden zurückgeschickt, 706, weil sie nicht die zur Landung erforderliche Summe besassen, 252 wegen ansteckender Krankheiten und nur 24 als Kontraktarbeiter. Aus Russland kamen 47 689, also weit mehr als die Hälfte der gesamten jüdischen Einwanderung. Aus Oesterreich-Ungarn 18 859, aus Rumänien 8562 Juden. Dann folgt gileich Deutschland mit 477 und England mit 420 Juden. 66 Prozent der Einwanderer, d. h. 50 945 blieben in der Stadt New-York, 8206 gingen nach Pennsylvania. Die übrigen verteilen s>ich auf alle anderen Staaten und Territorien der Union, ausgenommen Wyoming und New-Mexiko. Unter den Eingewanderten sind alle Berufszweige vertreten, am stärksten die Dienstboten (!) mit 7039 und die Schneider mit 3315 Einwanderern. Im ganzen finden wir da 27 071 gelernte Arbeiter und Handwerker. Ein Naturalisierungs-Bureau in New-York. Noch immer versäumen es gar zu viele der jüdischen Einwanderer in Amerika, das Bürgerrecht der Vereinigten Staaten zu erwerben. Der Orden Bnei Brith hat nun im East-Side New- Yorks ein Naturalisierungs-Bureau eingerichtet, in dem es den Einwanderern so bequem wie möglich, gemacht wird. Sie sollen dort über alle Rechte und Pflichten eines amerikanischen Bürgers belehrt werden. Ihnen sollen die vorbereitenden Schritte gezeigt und erleichtert werden, die zur Naturalisierung führen. Die Jewish Histcrical Society in New-York hielt kürzlich ihre 12. Generalversammlung ab. Den Vorsitz führte der bekannte Dr. Adler, der auch wieder zum Präsidenten gewählt wurde. Es wurden verschiedene Schriften, geschichtliche Forschungen und poetische Werke von Mitgliedern verlesen und von der Gesellschaft in. Druck gegeben. Ebenso wurde beschlossen, die früheren Publikationen, die bei dem grossen. Brand in Baltimore vernichtet wurden, neu aufzulegen. Als wichtigstes Ergebnis dieser Versammlung heben wir den Beschlu.ss hervor, eine ausführliche und genaue Statistik der Juden in Amerika zu schaffen. Es ist dies Unternehmen, das hier von autoritativer Seite begonnen wird, um so mehr freudig zu begriissen, als man bisher in Amerika lediglich auf Schätzungen angewiesen war, da die amtlichen Tabellen keine Statistik auf Grundlage des religiösen Be kennt nissses bringen. Auch von der Einwanderuingskornmission wurde lediglich angegeben, wieviel ,,Russen.", ,,Rumänen" etc. einwanderten, aber nicht wieviel Juden. Zu welchen Differenzen die Schätzungen dann führen können, dafür sind diei Angaben über die Zahl1 der jüdischen Bewohner New-Yorks klassisches Beispiel. Sie schwanken zwischen 300 000 und 700 000. Marineminister Pelletan über den Antisemitismus. Dem französischen Marineminüster Pelletan zu Ehren war jüngst in Constantine ein Bankett veranstaltet worden. Der Vertreter dieser Stadt in der Deputiertenkammer, Dr. Aubry, erinnerte in einem Trinikspruch auf den gefeierten Gast an die nicht lauge zurückliegende Zeit, da die Strassen von einem fanatischen Mob gefüllt waren, der harmlose Bürger beleidigte, i'hr Leben und Eigentum mit dem Ruf „Nieder mit den Juden!" bedrohte. Herr Pelletan kennzeichnete in seiner Antwort die Verfoigungswut und den Rassenkrieg der Antisemiten als unwürdig und töricht. Gewaltstreich gegen einen Juden in Ungarn. Wir erhalten von vollkommen vertrauenswürdiger Seite folgende empörende Zuschrift: Löbliche Redaktion! Der „Magyar Hitei", ein nichtkonfessionelles finanzielles Blatt, bringt unter der Spitzmarke „Sonderbarer Vorfair eine Notiz, deren wörtliche Uebersetzung ich nachstehend folgen lasse: „Ein sonderbarer Vorfall ereignete sich im März in der Gemeinde Szakal. Der Held derselben ist Sepsenyi (ein Pfarrer, der seinerzeit als antisemitischer Abgeordneter Furore gemacht hat). Herr L. wurde unter die braven Szakaler Pa'löczen versetzt, wo er jetzt in seinem patriotischen Eifer einen Konsumverein, verbunden mit einem Wirtshausbetriebe gegründet hat. Es gibt aber hiiefür bloss ein einziges passendes Lokal, das alte Compossessorats-Wirtshaus, dessen Besitzer teilweise der Szakaler Einwohner Schwarz ist, der den übrigen Teil in Pacht hat, und das Ganze dem Szakaler Wirtshäuser Müller in Afterpacht gegeben hat. Die Konsumgenossenschaft hat nun. mittelst eines formellen Kaufvertrages jenen Teil des Gebäudes, der nicht dem Schwarz gehört, angekauft, die Wirtshauslizenz erworben, und obwohl, wie gesagt, Schwarz der teilweise Besitzer ist und der Mietsvertrag über das ^anze Gebäude zu ,Recht besteht, haben die Genossenschafter, öemeindevorstände und der Schullehrer den Aftermieter Müller in der Nacht mit Gewalt aus dem Gebäude hinausgeworfen! Der arme Müller iliief zu dem dortigen Gendarmerieposten und zum Szecsenyer Oberstuhlrichter, um Schutz gegen den Gewaltstreich zu erbitten, jedoch diese schauten ruhig zu, wie man seine Habseligkeiten auf den Hof hinaus räumte, und gewährten ihm nicht den mindesten Rechtsschutz, auf den doch jeder Bürger Ungarns unbedingt Anspruch erheben darf, sogar wenn er Jude ist. Es wurde nun in dieser Angelegenheit beim Komitats-Vizegespan Klage erhoben, der sofort mittelst Erlasses Anordnungen getroffen hat, jedoch das Szecsenyer Oberstuhlrichteramt säumt noch immer mit der Durchführung derselben, denn man wird Herrn Lepsenyi bei den nahenden Abgieordnetenwahlen nötig haben." So weit die Notiz. Kommentar überflüssig. Das herkömmliche Ende der Unterhaltung. (Ein R c - k rutenexzess.) Aus Eisenstadt wird ein Exzess, dessen Schauplatz die dortige Judengasse war, gerneidet. Rekruten, die von der Assentierung kamen, attackierten den Geschäftsmann Lazar Gabriel und raubten ihm Waren. Auf seine Hilferufe eilte das ganze Personal der Wolf sehen Weinhandlung herbei, wurde aber mit einein Steinhagel empfangen. Eenster wurden zertrümmert und mehrere Arbeiter durch Steinwürfe verletzt. Die Geschäftsleute mussten ihre Läden sperren. Als Gendarme.n eintrafen, flüchteten die Rekruten, doch wurden mehrere verhaftet. Er fährt nicht zur Leipziger Messe. Der Berliner Schauspieler Emil Thomas erzählt in seinem neu erschienenen Büicihe „Aeltestes, Allerältestes" folgende Anekdote aus Berlin, die etwas Heiteres über Namen enthält: ,Jch wurde im Jahre 1863 an einem schönen Winfcertage in das in der Neuen Friedrichstrasse gelegene gemütliche Haus der „Gesellschaft der Freunde" eingeladen. Mein vis-ä-vis war der alte Kommerzienrat Liebermann, netat mir zur Rechten sass der Präsident des Vereins, Herr Friedeherg, und. links zu meiner Seite hatte ich einen Herrn, der den Abend über sich äusserst schweigsam be^ nahm. Der Präsident war mit diesem Herrn sehr befreundet, und er richtete manches heitere Wort an ihn. Unter anderem fragte er ihn: „Lieber Löwenstein, wie lange werden Sie noch •in Berlin bleiben?" — „Nicht sehr ilange," war die Antwort, ,,da ich sehr ba>ld zu Hause erwartet werde." — Als Liebermann den Namen Löwenstein hörte, fragte er den ihm noch nicht vorgestellten Herrn über den Tisch hinweg: „Wann fahren Sie nach Leipzig zur Messe?" — Sehr verbindlich antwortete der Gefragte: „Bedaure anendlich, ich fahre nicht zur Messe." — „Hm, hm," kopfschüttelnd sagte Liebermann zu seinem Nachbar, dem Geheimen Kommerzienrat Bezold: „Hast du gehört, Bezoild, er reist gar nicht zur Messe!" — Die Antwort Bezolds war, indem er Liebermann verstohlen einen Puff gab: „Das ist ja Löwenstein-Wertheim!" — Darauf ein noch überraschteres Gesicht von Liebermann: „Was, Löwenstein- Wertheim., und dann reist er nicht zur.Messe?" Dieses kleine Zwiegespräch hatte Friedeberg gehört, er stand auf und sagte: „Gestatten Sie, dass ich die Herren vorstelle, Herr Kommerzienrat Liebermann und Prinz Löwenstein-Wertheim." Statistisches. An den Breslauer Mittelschulen sind von den Schülern der Religion nach: 5125 evangelisch, 1412 römischkatholisch. 2 griechisch-kathoilisch, 12 alt-katholisch, 1576 jüdisch und 9 diss identisch. Ein altjüdischer Rabbiner. In der jüdischen Ackerbaukolonie bei üherson starb unlängst der Rabbiner der Kolonie P. Mabiclew im Alter von 90 Jahren. Er bekleidete den Rabbinerposten in der Kolonie ein halbes Jahrhundert und arbeitete bis zu seinem Ableben als Ackerbauer auf seinen Feldern. Das Sterbejahr Bassewis von Treuenburg. Wir erhalten folgende interessante Zuschrift : Das in Ihrer Nr. 19 unter „Zeittafel" anereßpbene Sterbejahr Jacob B 8 s s e w i s von Tr euenburej dürfte auf einem Druckfehler beruhen, denn auf Basse wis hierorts befindlichem Grabstein ist das Datum mit p«^ D"6t02 KS1» KS n ausgedrückt, was dem 2. Mai 1634 entspricht, wie auch Grün wald und Jirecek in ihren Monographien über Bassewi angeben. Max Weisskopf. Bücher- und Zeitschriften-Rundschau Hermann Heyermans Diamantenstadt, Roman. (Berlin, Verlag Egon Fleische! & Co.). Seinen bisherigen Dichtungen, die in einem jüdischen Milieu spielten, dem (in einer der letzten Nummern besprochenen) Drama „Ghetto" und der kleinen Mischehengeschichte im „Judenstreich44 hat der Holländer Heyermans jetzt einen Roman folgen lassen, der gleichfalls auf einem jüdischen Untergründe aufgebaut ist. Er stellt in ein ein spezifisch jüdischen Milieu Proiletarierelend dar. Das Elend der "Diamantschleifer in Amsterdam, von denen ein uraltes Die denen erzählt:

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