Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 23 (3.6.1904)
- Date
- 1904-06-03
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 „bie * weit Nr. 23 Schekeltag in Sofia. Der spaniolisch-jüdische „El sionisto" au*ä Sofia, berichtet in seiner letzten Nummerdass am 9. Mai von über 3000 Juden die Schekelfeier „Jörn ha schekel" in Sofia in glänzender Art gefeiert wurde. Nach einem Vortrage in der Synagoge zogen die Zionisten mit Fahnen und Musik, welche die jüdische Nationalhymne spielte, durch die Stadt in den Vorort Kuru-Baglar, wo ein Volksfest bis in die späte Nacht dauerte. Somerset West Zionist Association. Die jährlich stattfindende Generalversammlung der Somerset West Zionist Association wurde in deo Räumen des Herrn S. Perel, Sonntag den 1. Mai 1904 unter zahlreicher Beteiligung der jüdischen Einwohner abgehalten. Herr W. Miller, der Chairman der Association führte den Vorsitz. Nachdem der Sekretär Herr J. Perel den Jahresbericht verlesen und derselbe angenommen wurde, nahm Herr L. Genussow das Wort zu einer schwungvollen Rede über den Zionismus und fand grossen Beifall. Hierauf wurden Herr W. Miller zum Präsidenten, Herr N. Bloch zum Vizepräsidenten, Herr M. Bloch zum Schatzmeister und Herr J. Rivow zum Sekretär wiedergewählt. Ins Komitee wurden die Herren Dorf an und Kaplan gewählt. Hierauf brachte Herr Genussow den Antrag ein, zehn Pfund Sterling dem jüdischen Nationalfond einzusenden, mit dem Zwecke, den Namen des kürzlich verstorbenen Col. Goldsmid in das goldene Buch einzutragen. Mit Beifall wurde dieser Antrag genehmigt. Nachdem Herr M. Harris der Versammlung den Dank für Mühe uud erfolgreiches Arbeiten ausgesprochen, wurden das jüdische Nationallied \,Die Zeder" und „God save the King" gesungen und die Versammlung geschlossen. Wynberg. S. A. Generalversammlung am 8. Mai im Vereinslokal. Anwesend über 100 Mitglieder. Architekt J. Stern er verliest die Konstitution der South Afr.- Federation. Der Anschluss wird nach Diskussion angenommen. Mr. H. R. Hirsch verliest den Tätigkeitsbericht und gibt anschliessend Auskunft, über den Stand des N.-F. Die Anwesenden geben ihrer Trauer über den Tod des Obersten Goldsmid Ausdruck. Es wird sein Bild angekauft und zum bleibenden Andenken in der zionistischen Bibliothek aufgehängt werden. Ferner beschließt die Versammlung einstimmig ein warm gehaltenes Kondolenzschreiben an die Familie. Unter dem Klang nationaler Lieder schliesst die Versammlung um 7 Uhr. R H. * * * Personalnachrichten. Die Tochter Minna unseres Gg. Josef Perlberger in Lemberg, wird Sonntag, den 5. Juni, mit H. Bernh. Gabel, ebenda, vermählt werden. — Unser Gg* Abr. Friedmann, Zesicza, hat sich am 31. Mai mit FrT Bertha Weitzenfeld in Ujvidek vermählt. — Herr J. Zuckermann, ein wackerer Gesinnungsgenosse in Capstadt, verlobte sich mit Miss Dinah Kisselhof, einer sehr tätigen Zionistin. * * Todesfall. Am 25. d.M. verschied im 39. Lebensjahre in Lodz Meir Beer Mencinski, einer unserer wackersten Gesinnungsgenossen, der mit grosser Treue und Energie unserem Ideale nachstrebte. Der Dahingegangene hat speziell der zionistischen Organisation besondere Aufmerksamkeit zugewendet; er schrieb eine Broschüre in russischer Sprache über die Organisation im Zionismus und unterzog diese schwierige Frage einer eingehenden Eiörterung. Die Broschüre enthält Vieles, das zu beherzigen wäre. Mencinskis Lebensziel war eine gross angelegte und doch einfache straffe Organisierung der ganzen Judenheit. Die Minsker Konferenz hat auch in Anerkennung der Kompetenz und der Leistungen Mencinskis ihn in die zionistische Organisationskommissen gewählt. Der frühzeitige Tod Mencinskis rief unter den hiesigen Zionisten das Gefühl aufrichtigen Schmelzes hervor. Es wurde unter ihnen angeregt, den Dahingeschiedenen ins Goldene Buch eintragen zu lassen, um das Anderken dieses schönen und leider so früh abgeschnittenen Lebens in unserer Zukunft fortleben zu lassen. Friede seiner Asche! M. J. Jüdischer Nationatfonds. Das goldene Buch. Das Aktionskomitee wiederholt sein dringendes Ersuchen, die hebräischen Namen der Spender für das Goldene Buch umgehend an das Sekretariat des Kongressbureaus, IX., Tiirkenstrasse 9, einzusenden, da sonst die Eintragung in das Goldene Buch und die Ausfertigung der Diplome unmöglich gemacht wird. Als letzter Termin für die Einsendung wird der 15. Juli festgesetzt. Nach diesem Tage werden die Diplome in den Fällen, wo die hebräischen Namen nicht angegeben wurden, nur in deutscher Sprache ausgestellt. Verein Altneuland", Kolaras, Pod........K 244.— „ „Poale Zion", Rowno.........„ 316.— „Schiwath Zion" in Tichwin (durch M. Z. Ippa) „ 252 — Mädchenschule „Bnoth Zion" in. Proskurow . . . . „ 252.— Verein „Ägudas B'nei Zion" in Basovilbassa (Argentinien) trägt Dr. Max No rdau anlässlich seiner Errettung ein. Pfund Sterl. 10 — W«1t-8br©i)l1<. Die Judenverfolgung in Limerick nimmt ihren ungeschwächten Fortgang. Bis jetzt hat sie sich a,uf einen Boykott der Juden beschränkt. Die Stimmung der Bevölkerung ist aber derartig, dass ein ernsterAufruhr für unvermeidlich gilt. Vonletzten Sonnabend war die Strasse, in der die jüdischen Famillien — einige 160 Köpfe — wohnen, militärisch besetzt, da ein Angriff auf ihre Häuser vorausgesehen wurde. Der Priester, Pater Creagh, der den Boykott inszeniert hat, ist der Direktor der „Brüderschaft des heiligen Erlösers", der in Limerick 5000 Männer und 1000 Knaben angehören und hat in der Stadt enormen Einfluss. Er erklärt, er werde nicht eher ruhen, bis er die Juden aus Limerick ausgetrieben habe. Die englischen Juden sammeln für ihre verfolgten Stammesgenossen, und setzen alle Hebel in Bewegung, um die Entfernung des Paters Creagh aus Limerick zu erlangen. Sie haben in dem Herzog von Norfolk, dem ersten katholischen Pair Englands, einen wertvollen Bundesgenossen gewonnen. - Juden Wanderung. Am 6. v. M. pasierten den Münchener rlauptbahnhof ca. 40 Personen, russische Juden, um, über Kufstein—Verona—Brindisi reisend, sich von dort nach Ptolomäis einzuschiffen. Der Führer der Gesellschaft erzählte, dass derartige Auswanderungen nach Hunderten erfolgen; das Reiseziel dieser Truppe sei Palästina. Männer, Frauen und Kinder zeigten eine gedrückte Stimmung. Sie wurden in München von Privatleuten reichlich unterstützt. Ueber die Juden in Madrid erhalten wir von einem Freunde unseres Blattes, der vor zwei Jahren dort weilte, folgende gelegentliche Mitteilungen: Es lebten dort zu angegebenen Zeit acht Judenfamilien in den verschiedensten Lebenslagen. Einer ist Schuhmacher, einer ein millionenreicher Bankier. Sie sind sämtlich französischer Herkunft und werden auch nur für Franzosen gehalten. Von ihrem Judentum hat man keine Ahnung. So äusserte sich eine ihm bekannte Dame unserem Gewährsmann gegenüber über die Wunderlichkeit der Franzosen, die ihre Geschäfte am Samstag geschlossen hielten und an diesem Tage keine frischgekochten Speisen ässen. Ueber den Glauben dieser angeblichen Franzosen befragt, gab sie zur Antwort, dass sie wie alle guten Spanier in die Kirche gingen. Damit sagte die gute Frau offenbar mehr als sie wusste, wie folgendes beweist: Einer dieser „Franzosen" erzählte unserem Freunde, der später seine Bekanntschaft machte, ein ziemlich heiteres Vorkommnis. Beim Herannahen der hohen Feiertage im Vorjahre war die kleine Kehilla in Verlegenheit um ein Mhijan, denn einige rnussten unvermutet verreisen. In ihrer Not stellten sich die Gemeindemitglieder nacheinander am posterestante-Schalter auf, wo die durchreisenden Fremden ihre Briefe zu übernehmen pflegen. Näherte sich nun jemand, so verbeugte sich der Wachhabende und sagte: ,,manana es roschhaschonoh" (morgen ist etc.). Verwunderte sich der Angesprochene dessen bloss, so entschuldigte man sich: Man hätte ihn für den Herrn „Rosch-haschonoh" gehalten. Es fanden sich aber doch Leute, die verstanden und das Minjan ergänzten. In Portugal gibt es mehr Juden, wie die Errichtung einer Synagoge in Lissabon zeigt. Im' ganzen wird aber die pyrenäische Halbinsel von den Juden in historischem Instinkt fast gemieden, trotz der kürzlich erfolgten Einladung des spanischen Konsuls in Bukarest an die auswandernden rumänischen Juden — eine tiefe Ironie der Geschichte!