Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 23 (3.6.1904)
- Date
- 1904-06-03
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 23 „bi* # w$it Seite 11 3. Die Zeichnung tnuss ausschliesslich in zwei Tönen und nicht in Farben gehalten werden. 4. Dem Komitee muss die ganze Zeichnung und nicht der Entwurf geschickt werden. 5. Der Text (hebräisch): Das Komitee so und so erkennt Person so und so als Mitglied der Gesellschaft an. Unterschrift des Vorsitzenden, Monat und Datum. Stempel des Komitees. Dem Künstler bleibt es freigestellt, einen Preis, der der Zeichnung entspricht, daraufzuschreiben. Für die beste Zeichnung gibt das Komitee nicht über 200 R'bl und für die Zeichnung, die als zweitbeste anerkannt wird, 2 5 Rbl. Adresse: „Komitee der Gesellschaft zur Unterstützung der jüdischen Ackerbauer und Handwerker in Syrien und Palästina", Odessa. Vorsitzender der Finanz-Kommission Dr. I. Sapir. Odessa, 15. Mai 1904. $fas der ftevfreguoä* Gedenket des Schekels! Vom russischen A.-C, Die russischen A.-C.-Mitglieder erörterten in ihrer Sitzung vom 1./14. IV. in Wien nach dem Usus ihrer bisherigen Konferenzen die Frage der Leitung des Finanzzentrums und fassten den Beschluss, dieselbe Herrn Dr. M. Mandelstamm anzuvertrauen, der die Kasse, als Mitglied des Kollegiums der russischen Mitglieder des A.-C. und deren Weisungen gemäss verwenden wird. In derselben Sitzung wurde beschlossen, mit der Leitung des Zentralbureaus der russischen A.-C.-Mitglieder dieselben Kollegen, d. i. Bernstein-Kohan, Jakob söhn, Temkin und Ussischkin zu beauftragen. Von der vierten Konferenz der Zionisten Bulgariens. Anlässlich der IV. Konferenz der bulgarischen Zionisten sendete das Präsidium der Konferenz folgendes Telegramm an den Fürsten Ferdinand: An seine kaiserliche Höh eil den Fürsten! Die in Philippopel tagende vierte Konferenz der Zionisten Bulgariens drückt bei ihrer Eröffnung Eurer kaiserlichen Hoheit die untertänigsten Gefühle ihrer Mitglieder aus, die unter dem Szepter Eurer kaiserlichen Hoheit im freien Bulgarien für die Wiedergeburt ihres Volkes und zugleich für den allgemeinen menschlichen Fortschritt arbeiten. gez.: Der Präsident: Dr. Romano. Darauf kam folgende Antwort: An Dr. Marko Romano! Seine kaiserliche Hoheit beauftragte mich, Ihnen seinen Dank für die in Ihrem Telegramme ausgedrückten Gefühle zu übermitteln. gez.: Vorstand der Kabinetskanzlei: Dobrowitsch. Berichte. Fortschritte des Zionismus in Wien. In Wien fängt es an zu tagen! Dem von seinen verschiedenen Gegnern: Assimilanten, Indifferenten und Chassidim getaassten Zionismus werden jetzt alimählich überall die Tore geöffnet. Die isralitische Kultusgemeinde schritt voran und lud unsere Gesinnungsgenossen zu gemeinsamer Arbeit für Kolonisationszwecke ein. Der Bethausverein „Beth-Israel", IL, Leopolds- Rasse Nr. 29, stellte dem Rabbiner Reines aus Lida die Kanzel zur Verfügung, damit dieser für den Zionismus Propaganda machen könne. Letzteres hatte zur Folge, dass sich jüngst beiläufig 60 Chassidim zusammengetan haben, um einen zionistischen Verein „Misrachi" zu gründen. In dem Bethause üer „Talmud-Thora", IL, Malzgasse 16, sprach am letzten Sebuoth Herr Rabbiner J. B. Seif er aus Russland über den Zionismus und wurde eingeladen, Samstag, den 28. Mai, wieder über Zionismus zu sprechen, welchem Rufe er auch folgte. Das Thema lautete: „Erziehung der Kinder, Unterricht in der Bibel und über das heilige LandÄ. Wie nicht anders zu erwarten war, hat der Vortragende vor der orthodoxen Gemeinde im orthodoxen Sinne gesprochen. Er wurde mitgrösster Aufmerksamkeit angehört, da seine Ausführungen sehr geistreich und mit vielen eingestreuten Zitaten aus der Bibel, Talmud, Midrasch und anderen rabbinischen Schriften versehen waren. Rabbiner J. B. Seif er brachte u. a. folgende Parabeln vor: „Einer kranken Mutter, die mit Kindern — er zählte deren sieben auf — gesegnet war, verschrieb der Arzt ein Rezept; doch fast alle Kinder weigerten sich, in die Apotheke zu gehen, um das Medikament zu bestellen; jedes unter einem anderen Vorwande; die Lebensgefahr wuchs. Da nahm sich der jüngste Sohn ein Herz, ging in die Apotheke, bestellte das Medikament, brachte es der kranken Mutter. Sie genas und hat ihre Jugendkraft wieder gewonnen.u Die kranke Mutter ist Zion, ihre Kinder, die Juden in allen politischen Schattierungen, wollen nicht in die Apotheke des Judentums gehen, um das Medikament: eine „gesicherte Heimstätte" zu holen; erst dem jüngsten Sohne, dem „Zionismus", war es vorbehalten, der kranken Mutter zur Gesundheit zu verhelfen. Mögen sich die anderen Wiener Tempel und Bethäuser ein Beispiel nehmen, in ihren Gotteshäusern, welcher Schattierung sie auch angehören, für den Zionismus predigen lassen und beim Aufrufe zur Thora für den jüdischen Nationalfonds Spenden entgegennehmen. Wien, im Mai 1904. M. Ehrlich. Colmar. Ortsgruppe. Versammlung im Zeutralhotel; 80 Personen. Vorsitzender Obmann des Distriktsbureaus, Dr. Dannenberg aus Mülhausen. Referat über das Thema: ,,Die Altiance Israelit e und der Zionismus" von Herrn Dr. Elias, Stadtrat aus Mülhausen. Redner schildert die wirtschaftliche Not der Juden und fährt fort: Um der Not des jüdischen Proletariats zu steuern, sei vor 40 Jahren die erste Organisation auf dem Plane die „Alliance israeiite", deren Hauptsitz sich in Paris befindet, gewesen; diese habe viel gearbeitet und wenig erreicht. Die diplomatischen Schritte, welche sie unternommen, seien ohne Erfolg gewesen, die von ihr gegründeten zahlreichen Schulen hatten den Tiefstand in der Bildung des jüdischen Proletariats nicht zu heben vermocht. Die Lehrliugsschuden hätten wenig Handwerker geschaffen, so wenig wie die Ackerbauschulen. Den Ausgelernten blieb deshalb nichts anderes übrig, als den Händlerberuf des Vaters zu ergreifen, d. h. wieder zum Proletarier herunter zu sinken. Die mit reicher Unterstützung des Baron Hirsch errichteten Kolonien haben seit 20 Jahren etwa 20 000 Juden kolonisiert, also jedes Jahr etwa 1000; das gehe viel zu langsam, denn bis sämtliche ■hilfsbedürftigen Juden Russlaiid.s in diesem Tempo angesiedelt wären, vergingen. 5 bis 6 Jahrhunderte. Die Juden müssten, um etwas Gründliches zu schaffen, den Weg der Selbsthilfe beschreiten, und es bleibe, da die von Judenfreunden vorgeschlagene Assimilation eine Utopie sei, nur die Auswanderung übrig. Hier begegne aber der jüdische Auswanderer dem Hass, den die Konkurrenz erwecke. Ks werde dem Bestreben der Zionisten, dessen Ziel die Ansiedlung und Nationalisierung der Juden in Palästina sei, aus religiösen Gründen entgegengehalten, dass der mosaische Glaube dem Juden die Errettung aus allen Nöten-durch den Messias verheisse, es sei aber gleichgiltig, wo man den Messias erwarte, das könne auch in Palästina geschehen. Der Redner ging alsdann auf die Entstehung, das Wesen und die Entwicklung des Zionismus über. Auf die Verhältnisse der Juden in Deutschland übergehend, führte der Redner aus, es ginge i'hnen im ganzen nicht schlecht, dass aber viele in neuerer Zeit erlassenen Gesetze Spitzen gegen die Juden hätten; er findet solche im Bürgerlichen Gesetzbuch, im Börsengesetz u. a. Die soziale Bewegung habe auch den Juden. Schaden gebracht, so unterbinden die Raiffeisenkasseu viele jüdische Erwerbszweige. Im Elsass sei infolge Auswanderung die jüdische Bevölkerung von 40 000 auf 30 000 Seelen zurückgegangen. Es sei notwendig, dass der Strom der Auswanderung nach Palästina, dem Lande der Väter, gelenkt werde. (Lebh. Beifall.) Starke Diskussion, guter Erfolg. Bern. Akad. Verb. „Kadimah". N.-F.? Chargenwahlen phil. J. Vogel Präsident, jur. Mayeroff Vizepräsident, phil. J.,Engelsohn Schriftführer. Jeder ßb. ist verpflichtet im Laufe des Semesters einen jüdisch-wisseiischaftl^ohrn Vortrag zu halten. Stand: 15 Aktiv*», 3 Tnaktivp.